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Minnesota bangt

06.06.2014 || 17:34 Uhr von:
Nach Jahren in der Bedeutungslosigkeit der NBA schienen sich die Minnesota Timberwolves endlich in die richtige Richtung zu entwickeln. Mit dem drohenden Abgang von Kevin Love könnte die Franchise dort nun wieder zurückkehren.

Bilanz 2013/2014: 40 Siege, 42 Niederlagen (Siegquote: 48,9%)
3. der Northwest Divison; 10. der Western Conference; keine Playoffs

Vor anderthalb Jahren befanden sich die Minnesota Timberwolves auf dem besten Weg, ein Playoff-Team zu werden. Kevin Love (Titelbild) hatte sich zu einem Superstar entwickelt, Ricky Rubio mit seinem spektakulärem Spiel eine neue Euphorie entfacht. Auch die Neuverpflichtungen Brandon Roy, Andrei Kirilenko und Alexey Shved versprachen so einiges. Sogar Nicolas Batum stand vor einem Wechsel nach Minnesota, den die Portland Trail Blazers aber verhinderten. Gut möglich, dass Batum darüber inzwischen gar nicht mehr so undankbar ist.

Denn während die Trail Blazers in diesem Jahr die zweite Playoff-Runde erreichten und eine vielversprechende Zukunft vor sich haben, konnten die Timberwolves den Erwartungen in den vergangenen beiden Jahren in keiner Weise gerecht werden.

In der Saison 2012/13 endete Brandon Roys Comeback bereits nach fünf Spielen, als er sich eine Operation am rechten Knie unterziehen musste. Als Ricky Rubio (Foto unten links) im Februar nach seinem Kreuzbandriss endlich wieder dabei war, zu seinem Spiel zu finden, musste Kevin Love mit einer gebrochenen Hand seine Saison frühzeitig beenden. Schließlich entschied sich Andrei Kirilenko in der Sommerpause auch noch dafür, in Zukunft lieber für die Brooklyn Nets spielen zu wollen.

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Neuer Anlauf

Vor der neuen Spielzeit wurde die Zielsetzung dennoch nicht verändert. „Neuer Anlauf auf die Playoffs“ lautete der allgemeine Tenor in Minnesota. Mit Ricky Rubio und Kevin Love als Führungsduo, der Vertragsverlängerung von Nikola Pekovic und Kevin Martin als neuem Shooting Guard schien es zumindest kein vollkommen unrealistisches Ziel zu sein.

Doch schon bald stellte sich heraus, dass das Erreichen der Postseason noch einmal schwieriger als in den Jahren davor werden würde. Das runderneuerte Team der Dallas Mavericks trat deutlich frischer und forscher auf, und die Phoenix Suns mischten mit ihrem schnellen Spiel überraschend die Liga auf. Plötzlich hatte Minnesota zwei Konkurrenten um die hinteren Playoff-Plätze, die sich deutlich verbessert zeigten.

Neuverpflichtungen sind nicht genug

Bei den Timberwolves veränderte sich hingegen nur wenig. In der Offensive lastete weiterhin viel zu viel auf Kevin Loves Schultern. Abend für Abend musste er dominieren, um seiner Mannschaft eine Chance auf den Sieg zu geben. Love spielte überragende Outlet-Pässe, führte die Liga bei den Double-Doubles an und gehörte zu den Top-fünf der besten Rebounder und Scorer. Mit seiner Distanzgefahr, Rebound-Stärke und Spielmacherfähigeit stellt er weiterhinein ein Unikum der NBA dar. Sein größtes Manko war aber wie in der Vergangenheit die Verteidigung.

Die Nummer zwei im Bunde, Ricky Rubio, glänzte wieder einmal mit überragenden Pässen. Nach dem großen Hype in seiner Rookie-Saison fliegt der Spanier mittlerweile unter dem Radar. In seiner dritten Saison war er mehr denn je der Katalysator der Timberwolves-Offensive. Der 23-Jährige kreierte 37,8 Prozent der Assists seines Teams und konnte gleichzeitig seine Ballverluste erneut verringern. Auch in der Defensive war er der Fixpunkt seines Teams und legte nach Chris Paul die meisten Steals der Liga auf. Seine größte Schwachstelle bleibt aber weiterhin die Wurfquote, die er auch dieses Jahr nicht auf 40 Prozent heben konnte, sowie die Tatsache, dass er selbst nur selten den Abschluss sucht und somit berechenbar ist.

Der neu verpflichtete Kevin Martin (19,1 PpG, 38,7% 3FG) brachte die dringend benötigte Entlastung im Angriff und fühlte sich auf Anhieb in seiner Rolle wohl. Nikola Pekovic harmonierte (offensiv) gut mit Love und rechtfertigte seinen vor der Saison verlängerten Vertrag. Ein Schwachpunkt der Mannschaft stellte aber weiterhin die Verteidigung dar: Die Wolves gestatteten ihren Gegnern die zweithöchste Feldwurfquote (47,1% FG) ligaweit; es fehlt zudem einfach ein Ringbeschützer.

Auch die beiden größten Hoffnungsträger konnten die Franchise nicht wirklich auf ein neues Niveau heben. Im November gab die Timberwolves-Führung schließlich die Hoffnung auf, Derrick Williams könne in Minnesota noch sein Glück finden. Der anfangs mit großen Erwartungen versehene zweite Draft-Pick von 2011 wurde im Tausch für Luc Richard Mbah a Moute nach Sacramento freigegeben.

Erste Fünf Bank Bank
PG: Ricky Rubio Jose Barea
SG: Kevin Martin Chase Budinger Alexey Shved
SF: Corey Brewer Robbie Hummel
PF: Kevin Love Dante Cunningham Luc Mbah a Moute
C: Nikola Pekovic Ronny Turiaf Gorgui Dieng

Erweiterter Kader: Shabazz Muhammad (SG), Othyus Jeffers (G)

Quo vadis, Love?

Über die gesamte Saison hinweg waren die Playoffs zwar im Bereich des Möglichen, letztendlich fehlte aber eine längere Siegesserie, die das Team in Schlagdistanz der Konkurrenz gebracht hätte.Nach einer frustrienden Niederlage im März gegen einen der größten Konkurrenten um den Playoff-Einzug, die Memphis Grizzlies, sagte Kevin Love mit hängendem Kopf: „Wir wollen einfach mit der Saison zufrieden sein.“ Dass Love nach den erneut verpassten Playoffs aber alles andere als zufrieden ist, steht außer Frage. Die Zukunft des 25-Jährigen ist zurzeit das wohl größte Gesprächsthema der NBA.

Es gilt inzwischen als ausgemachte Sache, dass Love die Minnesota Timberwolves verlassen wird. Zuletzt wurde berichtet, er werde seinen Vertrag auf keinen Fall verlängern und die Franchise spätestens im Sommer 2015 den Rücken kehren. In Minnesota dreht sich zunehmend alles um Loves Personalie, sogar die Coaching-Suche geriet dabei in den Hintergrund. Wenn er tatsächlich schon jetzt seinen Abgang verkündet haben sollte, müssen die Timberwolves ihren All-Star wohl früher oder später zum Trade anbieten. Love um den/ am Draft-Tag zu tauschen, werde dabei aber nicht in Betracht gezogen, meinte unlängst Besitzer Glen Taylor. Da bereits aber 16 Franchises die Wolves kontaktiert haben, wird es wohl auf das Angebot ankommen.

Die Coaching-Suche hatte derweil keinen Erfolg, womit sich Flip Saunders selbst zum Führer an der Seitenlinie beförderte. Eine solch vakante Position offen zu haben, können sich die Wolves bei der Situation um Love nicht leisten.

In Minnesota macht sich aus gutem Grund Angst breit, nach dem Verlust von Kevin Garnett und die daraus resultierende lange Aufbauarbeit nun wieder ganz von vorne anfangen zu müssen. Seit zehn Jahren haben die Timberwolves keine Playoffs erreicht. Erneut den großen Star auf der Vier zu verlieren, wäre für die gesamte Stadt eine schwere Katastrophe.

Team-MVP: Kevin Love (26,1 PpG, 12,5 RpG, 4,4 ApG, 37,6% 3FG, PER 26,9)

[weitere Mannschaften im Saisonrückblick]

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