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Gold-blaues Déjà-vu

20.06.2014 || 11:50 Uhr von:
2012 war für die Indiana Pacers gegen die Miami Heat Schluss. 2013 ebenso. In dieser Saison deutete alles auf eine Machtübernahme im NBA-Osten hin – bis das lahmende Pacecar erneut der Hitze zum Opfer fiel…

Bilanz 2013/14: 56 Siege, 26 Niederlagen (Siegquote: 68,3%)
1. der Central Division; 1. der Eastern Conference; Conference-Finals

Am 30. Mai gegen 22 Uhr Ortszeit ist die Saison der Indiana Pacers beendet. 92 Punkte konnten die Gold-Blauen an diesem Abend erzielen. Der Gegner, die Miami Heat, verbuchten 117. Es war ein Ausrufezeichen des zweifachen NBA-Titelverteidigers, der dieses sechste Spiel der Eastern Conference Finals bereits zur Halbzeit (60:33) so gut wie entschieden hatte und vor heimischem Publikum keine Zweifel an seiner Herrschaft über den Osten Basketball-Amerikas ließ.

Für die Pacers war es ein doppeltes Déjà-vu, denn bereits 2012 und 2013 waren sie im Frühjahr an LeBron James und Co. gescheitert. Doch während die Pacers im vergangenen Jahr immerhin eine Runde weiter gekommen waren als im Jahr zuvor und die Heat zu einem entscheidenden siebten Spiel gezwungen hatten, kamen sie dem großen Preis dieses Jahr keinen Schritt näher. Es war ein sportlicher Stillstand – und ein gefühlter Rückschritt. So sieht es auch Pacers-Head-Coach Frank Vogel: „Wir haben unsere Ziele nicht erreicht. Das ist eine bittere Enttäuschung.“

Der Traumstart…

Dass die Pacers letztendlich gegen ein überlegenes Heat-Team den Kürzeren zogen und dabei immerhin zwei der drei Heimspiele gewinnen konnten, tröstet in „Indy“ kaum jemanden. Denn die Messlatte war nicht nur durch das furiose Auftreten in den 2013er Playoffs höher gelegt worden, sondern insbesondere durch die Leistungen der ersten Saisonhälfte. Denn im Januar, nach 40 Spielen, standen für die Pacers nicht weniger als 33 Siege zu Buche, davon 20 mit zweistelligem Vorsprung. Das heimische Bankers Life Fieldhouse, mitten in der Innenstadt der Midwest-Metropole gelegen, hatte sich dabei als kaum einzunehmende Festung erwiesen: mit 21 Siegen in 22 Partien und einem durchschnittlichen Vorsprung von 20,6 Punkten in den letzten zehn Heimspielen. Jedes NBA-Team fürchtete zu diesem Zeitpunkt die Pacers und ihre mörderische Defensive, die pro Partie nur mickrige 88,2 Punkte zuließ.

Die Pacers hatten sich komfortabel an der Ost-Spitze festgesetzt, angeführt von einem Paul George (Titelbild), der sich mit seiner Exzellenz auf beiden Seiten des Feldes sowohl für das All-NBA First-Team als auch das All-NBA Defense-Team empfahl; von einem Roy Hibbert, der gegnerische Spieler in Korbnähe routinemäßig bei unter 40-prozentiger Wurfquote hielt und bereits eine Pranke an der „Defensive Player of the Year“-Trophäe zu haben schien; von Lance Stephenson, dem ehemaligen Zweitrunden-Pick, der die NBA in Triple-Doubles anführte und bereits seine eigene All-Star-Kampagne forcierte; von David West, dem Anführer der jungen Truppe; und von George Hill, dem Defensivass und Lokalhelden (Hill spielte College-Basketball an der kleinen IUPUI in Indianapolis).

…und der Absturz

Drei Monate später, am 16. April, sicherten sich die Pacers den ersten Platz der Eastern Conference – in letzter Sekunde. Denn obwohl auch Miami eine keineswegs dominante Saison absolviert und immer wieder mit dem eigenen Ein-/Ausschalter experimentiert hatte, war Indianas Vorsprung in der zweiten Saisonhälfte geschmolzen wie ein Schokoriegel in South Beach. Bereits im Januar begannen die Probleme der Pacers, mit drei Niederlagen in den letzten fünf Partien. Vor dem All-Star-Wochenende setzte es weitere Niederlagen gegen Orlando und Dallas. Und gerade als die Pacers erstmals mit einer Schwächephase konfrontiert wurden, erreichten sie die schwierigste Phase ihres Spielplans.

Von einem Westküstentrip Anfang März kehrten sie mit vier aufeinander folgenden Niederlagen in die „Circle City“ zurück. Jedes Spiel glich nun einem Krampf, sogar gegen Teams wie Philadelphia, Boston, Utah und Detroit entkamen sie nur knapp Blamagen, und von den letzten sechs März-Partien gaben sie fünf verloren. In keinem dieser Spiele hatten sie die 80-Punkte-Marke knacken können. Die Bilanz der letzten 42 Spiele: 23 Siege und 19 Niederlagen.

Und es waren nicht nur die Ergebnisse, die die Euphorie im „Hoosier State“ zunehmend in Sorge umschlagen ließen. Es war vor allem das „Wie“, das Zustandekommen dieser Ergebnisse, das teilweise kaum anzuschauen war. Nur 100,1 Punkte erzielten die Pacers von Februar bis April je 100 Ballbesitze – der zweitschlechteste Wert der NBA hinter den Philadelphia 76ers. Nur zwei Teams trafen in der zweiten Saisonhälfte schlechter aus dem Feld (44,1% FG), nur sieben verbuchten weniger erfolgreiche Dreier. Auch bei den Assists gehörten die Pacers zu den schlechtesten drei Clubs der Liga – und gleichzeitig zu den Top-fünf in Sachen Ballverluste.

Gerade die geringen Assist-Werte zeigen, dass der sportliche Rückschritt in der zweiten Saisonhälfte nicht nur mit den individuellen Problemen von George und Hibbert erklärt werden kann, sondern insbesondere die Teamchemie im Argen lag. Der Ball lief nicht, fand zu selten den offenen Mann. Es ergaben sich weder Freiräume auf dem Parkett, noch einfache Würfe. Und zu allem Überfluss wurde die Unruhe in der Mannschaft auch noch an die Öffentlichkeit getragen.

Stolpernd ins Ost-Finale

Dass die Indiana Pacers trotz allem die Conference-Finals erreichten, hat weniger mit einer Wunderheilung in den Playoffs zu tun, als vielmehr mit der Schwäche der Ost-Konkurrenz und genügend lichten Momenten in engen Partien. So kassierte Indiana in der ersten Playoff-Runde gegen die mittelmäßigen Atlanta Hawks, die mit einer stark Perimeter-orientierten Aufstellung die langsamen Big Men der Pacers auf dem falschen Fuß erwischten, nicht nur eine deutliche Heimpleite zum Auftakt, sondern auch Niederlagen im dritten und fünften Spiel. Nur mit Mühe kamen sie im Schlussabschnitt von der sechsten Begegnung zurück und erzwangen eine siebte Partie, in der George und Hibbert endlich wieder gleichzeitig brillierten. Ein 4-3, das so eng war, wie es sich anhört.

Und auch vom jungen Backcourt der Washington Wizards wurde Indiana im ersten Spiel der Conference-Semifinals regelrecht vorgeführt und mit 102:96 aus der eigenen Halle gejagt, ehe die Pacers das zweite (knapp), dritte (deutlich) und vierte (knapp) Spiel gewinnen konnten. Das (Matchball-)Spiel ging vor heimischem Publikum – natürlich! – mit 102:79 an die Wizards, ehe Indiana die Serie in der US-Hauptstadt doch noch erfolgreich beendete. 13 Spiele hatten die wenige Monate zuvor noch so unbezwingbaren Pacers gebraucht, um sich überhaupt ins Finale der miesen Eastern Conference zu kämpfen. Dort unterlagen sie schließlich einem überlegenen Gegner, wenngleich sie sich den Umständen entsprechend doch recht achtbar in die Sommerferien verabschiedeten. Nun ja, außer den Faxen von Lance Stephenson – Trash-Talk, Ohrblasen, Hand im Gesicht –, die teilweise die positiven sportlichen Nachrichten überschatteten.

Depth Chart

Erste Fünf Bank Bank
PG: George Hill C.J. Watson Donald Sloan
SG: Lance Stephenson Evan Turner
SF: Paul George Rasual Butler Solomon Hill
PF: David West Luis Scola
C: Roy Hibbert Ian Mahinmi Lavoy Allen

Erweiterter Kader: Chris Copeland (F), Andrew Bynum (C)

Kampf gegen das Zeitfenster

Eben jener Lance Stephenson (Foto oben rechts) ist zugleich die wichtigste Personalie des Sommers, denn als einziges Mitglied der Starting Five wird „Born Ready“ Free Agent. Sowohl Head Coach Frank Vogel als auch Präsident Larry Bird („sein Potential ist unbegrenzt“) bekräftigten bei der Saisonabschluss-Pressekonferenz, ihren launischen Shooting Guard – zu einem angemessenen Preis – halten zu wollen. Stephensons Entgleisungen in der Miami-Serie könnten sich dabei aus Franchise-Sicht insofern positiv bemerkbar machen, als dass sein Marktpreis gesunken sein dürfte. Kommt Stephenson zurück, sehen Vogel und Bird ein „beachtliches Potential für internes Wachstum“.

Bird erhofft sich dabei vor allem von George und Hibbert, konstanter ihre Top-Leistungen abzurufen. Von George erwartet Bird zudem die Verbesserung seines Low-Post-Spiels, von Hibbert vor allem mehr Selbstvertrauen. Und Point Guard George Hill müsse, so „Larry Legend“, in der Offensive mehr attackieren.

Eine wichtige Hürde ist zudem die Verbesserung der Bank – einmal mehr eine der großen Schwächen in der zweiten Saisonhälfte und den Playoffs. Sowohl Bird (für die Nachverpflichtungen von Evan Turner und Andrew Bynum. als auch Vogel (für die suboptimale Einarbeitung der Bankspieler in der regulaären Saison) zeigten sich nach dem Saisonaus durchaus selbstkritisch und werden im Sommer alles daran setzen, die zweite Garde mit begrenzten finanziellen Mitteln zu verbessern.

Das Team verlassen wird aller Voraussicht nach Evan Turner, der in der Rolle des Bankspielers nie überzeugte. Auch Luis Scola könnte unter Umständen aus seinem Vertrag entlassen werden. Auf dem Wunschzettel müssten indes vor allem ein kreativer, offensivstarker Playmaker im Backcourt und ein mobiler Big Man stehen. Einen Erstrunden-Pick besitzen die Pacers – aufgrund des Scola-Trades – jedoch nicht.

Obwohl die Pacers mit George über einen jungen Franchise-Spieler verfügen, wird das Front Office diesen Sommer einen besonderen Druck spüren, das Team zu verbessern. Denn nur selten hat eine Franchise das Glück, immer wieder zu scheitern und erst in der 13. Saison des Franchise-Spielers ins NBA-Finale einzuziehen, wie Reggie Millers Pacers im Jahr 2000. Häufig schließt sich das Titelfenster schneller, wie die Pacers aus ihrer eigenen jüngeren Geschichte nach 2000 bestens wissen – ein weiteres gold-blaues Déjà-vu, das Bird und Co. nur allzu gerne vermeiden möchten.

Team-MVP: Paul George (21,7 PpG, 6,8 RpG, 3,5 ApG, 1,9 SpG)

[weitere Mannschaften im Saisonrückblick]

Gold-blaues Déjà-vu
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xax
xax 20. Juni 2014 um 11:55 Uhr

Die Entäuschung des Jahres. Die Heat waren für Indiana schlagbar, aber nicht in der Verfassung. Mal gespannt, was Larry Bird im Sommer macht?Umbruch?

Ohne die Verletzung von Horford wäre in der ersten Runde schluss gewesen

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