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Frank und Bam

17.03.2018 || 16:56 Uhr von:
In der diesmaligen Rookie Watch werden mit Frank Ntilikina ein großgewachsener Guard und mit Bam Adebayo ein athletischer Big Man genauer unter die Lupe genommen.

Frank Ntilikina (New York Knicks, Draft 2017: #8)

Guard; 1,96 Meter; Stats: 20,8 MpG; 5,4 PpG; 3,1 ApG; 2,1 RpG; 35,3% FG; 30,8% 3FG

Mit dem achten Pick wählten die New York Knicks in der vergangenen Draft den jungen Guard aus Straßburg.

Offensiv ist das Spiel von Ntilikina noch Stückwerk. Er wurde nie als balldominanter Scorer angepriesen, doch selbst einen Mittelweg scheint er derzeit nicht zu finden. Viel zu oft agiert er passiv im Angriffsspiel. Mit nur 4,2 Drives pro Spiel ist er in einer Reihe mit Spielern wie Patty Mills oder Joe Harris, die ein ganz anderes Spielerprofil aufweisen als der junge Franzose.

Ntilikina verlässt sich bisher zu sehr auf seinen Pull-Up Jumper, 52 Prozent seiner Würfe, den er meist in Pick and Rolls einsetzt. Gerade diese Pick and Rolls füllen mit 3,3 Versuchen pro Spiel seine Offensive zu einem Großteil aus.

Ntilikina bekommt hierbei meist einen High Screen gestellt und reagiert auf das Absinken des gegnerischen Big Man mit einem Wurf aus der langen Mitteldistanz. Diese Art von Wurf, selbst wenn er getroffen wird, nimmt jede Defensive dankend an.

Sein Passspiel in solchen Situationen ist vereinzelt recht ordentlich. Aufgrund seiner Größe kann er über seinen Verteidiger hinwegsehen und spielt, bevorzugt per Bodenpass, seinen abrollenden Big Man frei. Jedoch verliert er dabei zu oft den Ball, was schlussendlich, in Kombination mit seiner Wurfauswahl, auch seine schlechten Zahlen in Pick and Rolls erklärt (0,69 Punkte pro Ballbesitz; 26,1 Perzentil)

Allgemein ist seine Turnoveranzahl verbesserungswürdig. Mit einer Turnover Percentage von 21 liegt er im absoluten Spitzenfeld der Liga. Diese hohe Quote hat mehrere Gründe. Einerseits hat Ntilikina zwar eine recht ordentliche Athletik, aber keinen explosiven ersten Schritt. Andererseits ist sein Ballhandling nicht ausgeprägt genug. Er dribbelt den Ball noch zu hoch und nicht eng genug. Bis auf einen gewöhnlichen Crossover besitzt der Franzose keinerlei Bewegungen um mit dem Ball auf den Gegner reagieren zu können.

Das größte Problem hinsichtlich seiner Turnover ist aber mangelnde Konzentration beziehungsweise Schlampigkeit. Die meisten Turnover entstehen ihm durch schlechte oder ungenaue Pässe. Ntilikina ist nicht aufmerksam genug oder bemerkt nicht, wenn die Verteidigung ihm einen möglichen Passweg zustellt. Teilweise ist ihm anzumerken, dass die Spielgeschwindigkeit noch zu hoch ist.

Abseits des Balles offenbart er gewisses Potential. Knapp ein Viertel seiner Würfe entstehen aus Catch and Shoot-Situationen, die er mit einer Dreierquote von 32,8 Prozent trifft. Ntilikina ist noch ein unterdurchschnittlicher Schütze, weshalb sein Gegenspieler ihm zumeist mehr Platz lässt, aber seine Wurfform sieht vielversprechend aus. Ebenso trifft er seine Freiwürfe mit knapp 73 Prozent, was oftmals ein guter Indikator für die Wurffähigkeit eines Spielers ist.

Frank_Ntilikina_Shot_ChartAuffällig bei ihm ist seine spielerische Entwicklung innerhalb der bisherigen Saison. Wurde er von Oktober bis Dezember jeden Monat in so gut wie jeder Hinsicht besser, so fällt er seit Jänner wieder stark ab. Ein möglicher Grund hierfür sind die Verpflichtungen von Trey Burke und Emmanuel Mudiay. Steht Ntilikina mit einem der beiden auf dem Parkett, so agiert er fast immer abseits des Balles und tritt weniger in Erscheinung.

Insbesondere mit dem Kreuzbandriss von Porzingis und dem dahergehenden Abschenken der Saison der Knicks, müsste es das Ziel des Coaches und des Front Offices sein, Ntilikina so oft wie möglich den Ball zu geben, um ihrem Lottery Pick die dringend benötigten Wiederholungen in Pick and Rolls oder generell in Ballhandling Situationen zu geben. Die offensive Entwicklung ihres Draft Picks muss im Vordergrund stehen und darf nicht durch andere Spieler behindert werden.

Defensiv profitiert er von seiner Größe. Laut Medienberichten ist er seit Saisonbeginn um mehr als drei Zentimeter gewachsen und seine Armspannweite beträgt 2,13 Meter. Diese Attribute erlauben es ihm mehrere Positionen verteidigen zu können, wodurch er selbst bei Switches kein Minusfaktor ist. Dieser Punkt ist in der zukünftig positionslosen NBA ein entscheidender Vorteil.

Ntilikina kämpft sich gut über Screens und ist anschließend noch in der Lage den ballführenden Spieler von hinten bedrängen zu können. Er ist unheimlich aktiv mit seinen Händen, womit er selbst einfache Passwege erschweren kann.

Als ballferner Verteidiger macht er einen ebenso guten Job. Ntilikina hat das gesamte Spielgeschehen im Blick und ist in der Lage zu erkennen, wann er eng am Mann bleiben muss und wann er Richtung Korb absinken kann um beispielsweise den Roll Man des Gegners zu taggen. Er ahnt Spielzüge voraus und rotiert sehr oft richtig. Es ist deshalb nicht überraschend, dass das defensive Rating der Knicks mit ihm wesentlich besser als ohne ihn ist.

Insgesamt hat Ntilikina noch Probleme sich in der NBA zurecht zu finden. Obwohl er defensiv schon oftmals überzeugt, bereitet die Offensive noch große Probleme. Bestimmte Punkte (Wurfauswahl, Turnover) muss er sich selbst ankreiden und dringend verbessern, aber der übergeordnete Fehler liegt wohl beim Management und den Coaches. Es ist unverständlich, warum in der derzeitigen Situation der Knicks, Ntilikina nicht jede mögliche Chance bekommt, um gewisse Dinge zu üben und dabei Fehler zu machen und aus diesen zu lernen.

Weder kurz- noch langfristig bringt es den Knicks etwas, wenn sie den Ball aus seinen Händen nehmen und stattdessen Burke oder Mudiay dieses Vertrauen zusprechen, denn die Zukunft der Franchise wird, im Normalfall, keiner der beiden sein, sondern Ntilikina.

Es ist zu hoffen, dass er für die restliche Saison mehr Verantwortung und eine größere Rolle als bisher einnehmen darf, damit die Verantwortlichen sich ein besseres Bild von ihm und seinem Potential machen können.

Bam Adebayo (Miami Heat, Draft 2017: #14)

Center; 2,08 Meter; Stats: 19,8 MpG; 7,0 PpG; 5,4 RpG; 0,7 BpG; 53,1% FG

An 14. Stelle wählten die Miami Heat den groß gewachsenen Center der University of Kentucky.

Am offensiven Ende des Parketts ist Adebayo relativ limiert. Er besitzt derzeit weder einen Sprungwurf, noch irgendwelche Bewegungen im Low Post, um von dort aus gefährlich zu sein. Seine Punkteausbeute beschränkt sich deshalb fast nur rund um den Ring, was auch seine Shotchart sehr gut verdeutlicht.
Bam_Adebayo_Shot_ChartMit nur 62,1 Prozent getroffenen Würfen direkt am Ring liegt er in dieser Kategorie im Mittelfeld aller qualifizierten Spieler (mehr als 30 absolvierte Spiele), was hinsichtlich seiner Wurfauswahl, die zum Großteil aus Dunks besteht, recht ernüchternd ist.

Adebayo ist im derzeitigen Stadium seiner Karriere fast ausschließlich auf seine Mitspieler angewiesen, was aber auch kein großes Problem ist, da Miamis System seine Stärken gut in Szene setzt.

Beliebt ist hierbei ein Side oder High Pick and Roll zwischen Goran Dragic und ihm. Im folgenden Clip stellt Adebayo nach einem Handoff zwischen Dragic und Ellington den Screen am linken Spielfeldrand. Memphis reagiert darauf mit einer Art von ICE Verteidigung, indem der ballnahe Guard (Harrison) den Weg in die Mitte zustellt und Gasol Dragic entlang der Auslinie begleitet. Adebayo rollt nach dem gesetzten Screen zum Korb ab und wird von Dragic perfekt per Lob eingesetzt, welchen dieser mit einem Dunk abschließt. Dragic und Adebayo haben somit die Defensive gekontert, wobei gerade Harrison zu Beginn der Sequenz nicht aufmerksam genug ist.

In der gezeigten Szene wird ebenso ersichtlich, welche Stärken Adebayo in der Offensiv mitbringt. Mit seiner Athletik spielt er über Ringniveau, dazu ist er sehr agil und kommt schnell vom Boden in die Luft. Diese Kombination erlaubt es ihm und seinem Team selbst beim Nichtgelingen eines Spielzugs immer wieder einen Ausweg zu finden.

Neben Pick and Rolls nutzt der junge Center vor allem Cuts. Mit knapp 25 Prozent seiner Offense machen jene Aktionen sogar den größten Teil seiner Abschlüsse aus. Hierbei werden seine Schwächen offenkundig, was schlussendlich auch seine, in diesem Bereich, schlechten Zahlen (1,23 Punkte pro Ballbesitz; 38,8 Perzentil) bestätigen.

Adebayo lässt bisher jedwedes Gefühl in Ringnähe vermissen. Zu oft verpatzt er einfachste Layups oder schafft es nicht nach einem Face-Up zu punkten. Insbesondere letzterer Punk ist interessant, da Adebayo eine gute Sprungkraft besitzt, wenn er beidbeinig abspringen kann, aber Probleme hat, wenn er einbeinig abspringen muss. Er kommt zwar oft mit einem schnellen ersten Schritt am Gegenspieler vorbei, lässt aber anschließend die nötige Höhe vermissen um hochprozentig abzuschließen.

Sein offensives Rebounding birgt Potential. Aufgrund seines schnellen Sprungs, der guten Armspannweite und dem richtigen Riecher bringt er viele Anlagen mit. Bereits am College war einer der besten Offensivrebounder. Dies konnte er bisher in der NBA noch nicht bestätigen. Mit einer offensiven Rebound Percentage von 9,4 liegt er weit hinter Spielern wie Andre Drummond, Steven Adams oder Teamkollege Hassan Whiteside.

Trotz seines massiven Körpers lässt sich Adebayo noch zu leicht ausboxen und gibt seine Position her.

Defensiv hat sich der Center gut eingelebt. Schließt sein Gegenspieler unmittelbar am Ring ab, sinkt seine Wurfquote von 61,6 auf 50,4 Prozent. Adebayo schafft es seinen Gegenspieler zu schwierigen Würfen zu zwingen, ohne in Foulprobleme zu geraten (5,1 Fouls pro 100 Ballbesitze). Er ist oft in der richtigen Position, fällt selten Pump Fakes zum Opfer und ist aktiv auf den Beinen. Es hilft ihm zusätzlich, dass er sich auf die fundamentalen Grundlagen besinnt. Er versucht nicht dauerhaft seinen Gegenspieler zu blocken und begeht dabei unnötige Fouls, sondern nützt seine Länge um Würfe zu erschweren.

Selbst nach einem Switch am Perimeter ist er in der Lage kleinere Gegenspieler verteidigen zu können.

Wird er per Drive geschlagen, recovered er in hohem Tempo und kann, dank seiner Armspannweite, den ballführenden Guard bei einem möglichen Layup oder Dunk immer noch behindern.

Des Weiteren weiß er, wie er bestimmte Pick and Rolls zu verteidigen hat. Er öffnet dem ballführenden Guard den Mitteldistanzwurf, sichert dadurch aber einerseits den Weg zum Korb und kann andererseits immer auf den abrollenden Big Man reagieren. Adebayo zieht somit, aus analytischer Sicht, die richtigen Schlüsse.

Interessant sind die Statistiken hinsichtlich seines individuellen defensiven Reboundings und dem defensiven Teamrebounding als Ganzes. Mit einer Rebounding Rate von knapp 22 Prozent liegt er auch hier weit entfernt von der absoluten Spitze und eher im Bereich von Al Horford, doch das Teamrebounding mit ihm auf dem Feld ist um knapp vier Prozent besser als ohne ihn (82,2 zu 78,8) und liegt im absoluten Spitzenfeld der NBA.

Diese Diskrepanz zwischen individuellem- und Teamrebounding ist, unter anderem, darauf zurück zu führen, dass Adebayo im Schnitt 5,5 Fuß (circa 1,65 Meter) von einem Rebound entfernt ist. Diese Distanz ist weit größer als bei anderen Spielern auf seiner Position. Obwohl er weiter weg vom Rebound ist, ermöglicht er dadurch seinen Mitspielern eine bessere Position. Aufgrund seiner guten Defensive zwingt er seine Gegenspieler zu schwierigen Würfen, die im Umkehrschluss seinem Team einfache Rebounds bescheren.

Es zeigt sich hier, dass individuelles Rebounding nicht gleichbedeutend mit gutem Teamrebounding ist, welches schlussendlich der wichtigere Faktor ist.

Nach knapp 60 Spielen hat sich Adebayo gut im System von Coach Spoelstra zurechtgefunden. Offensiv nimmt er, aufgrund seiner Eindimensionalität, keine gewichtige Rolle ein, erledigt aber, die, an ihn gestellten, Aufgaben zur Zufriedenheit des Teams, wenn er von seinen Mitspielern richtig eingesetzt wird. Nichtsdestotrotz sind am offensiven Ende seine Limitationen fast in jedem Spiel klar ersichtlich. Defensiv spielt der ehemalige Wildcat eine überdurchschnittliche Saison. Er kann viele Dinge, die von einem Big Man in der heutigen NBA erwartet werden und spielt mit großem Einsatz.

Die Heat können mit der bisherigen Saison von Adebayo zufrieden sein und haben mit ihm einen wichtigen Rollenspieler und Back-Up für Hassan Whiteside gefunden.

Bestleistungen Februar 2018:

Punkte: 40 (Donovan Mitchell)
Rebounds: 15 (Kyle Kuzma)
Assists: 11 (Ben Simmons, Dennis Smith Jr.)
Blocks: 4 (Jackson, Tatum, Kornet, Collins)
Steals: 4 (Tatum, Simmons, Gray, Jackson, Harrison)
Dreier: 7 (Donovan Mitchell)

All-Rookie First Team

Donovan Mitchell (Backcourt)
Ben Simmons (Backcourt)
Josh Hart (Backcourt)
Josh Jackson (Frontcourt)
Jarrett Allen (Frontcourt)

All-Rookie Second Team

Bogdan Bogdanovic (Backcourt)
De’Aaron Fox (Backcourt)
Jayson Tatum (Frontcourt)
Kyle Kuzma (Frontcourt)
Bam Adebayo (Frontcourt)

Alle Statistiken sind von basketball-reference.con sowie nba.com und auf dem Stand vom 16. März 2018.  

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