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Mehr als nur ein Basketball-Coach

19.12.2005 || 00:00 Uhr von:

Red Auerbach war nicht nur einer der besten Coaches aller Zeiten und Architekt des wohl besten Celtics-Teams aller Zeiten, sondern hat auch das Basketballspiel an sich revolutioniert. Obwohl er selbst nie professionell Basketball gespielt hat, war er von der Gründung an eine der prägenden Figuren der NBA, arbeitete bis zuletzt mit jungen Spielern zusammen und war noch Präsident seiner Celtics. Es ist Zeit, auf einen Menschen zurückzublicken, der dem Basketball so viel gegeben hat wie niemand zuvor.

Die zarten Anfänge

Als in Europa noch der erste Weltkrieg tobte und die USA mit den Vorbereitungen begannen, erstmals Truppen auf das europäische Festland zu entsenden, wurde Red Auerbach am 20. September 1917 in Brooklyn geboren. Sein Vater kam ursprünglich aus dem heute weißrussischen Minsk, war aber im Alter von nur 13 Jahren in die USA emigriert und besaß dort zusammen mit seiner amerikanischen Ehefrau einen Feinkostladen.

Zum organisierten Basketball-Spiel fand Auerbach an der Eastern District High School in Brooklyn und wurde dort schnell zu einem respektierten Guard. In seinem Senior-Jahr wurde er mit einer Nominierung für das All-Scholastic Second-Team in New York belohnt. Nach dem Ende seiner Schulzeit besuchte er zunächst für ein Jahr ein Junior-College. Irgendwann zu dieser Zeit muss in ihm der Entschluss gereift sein, einerseits Lehrer und auf der anderen Seite aber vor allem Basketball-Coach zu werden. Obwohl seine Eltern von dieser Idee alles andere als begeistert gewesen sein sollen, legten sie ihm keine Steine in den Weg. Auerbach wechselte zur George Washington University und wurde dort als herausragender Basketballer bekannt. Viel wichtiger für ihn war aber, dass er – als er 1941 das College verließ – seinen Abschluss in der Tasche hatte, Lehrer werden konnte und seine Frau Dorothy heiratete.

Seine Lehrzeit als Basketball-Coach verbrachte Auerbach an der St. Albans Prep School und der Roosevelt High School in Washington D.C. Diese ersten zarten Schritte als Basketball-Coach wurden allerdings jäh von der Politik unterbrochen. Als sich die USA entschlossen, in den zweiten Weltkrieg einzugreifen und eigene Truppen nach Europa zu entsenden, ging Auerbach zur US-Marine. Doch ganz vom Basketball lassen konnte er auch dort nicht und arbeitete als Assistant-Coach seines Stützpunktes.

Der Einstieg in den professionellen Basketball

Nach Ende des Krieges konnte Auerbach seine Tätigkeit bei der Armee beenden und übernahm das Coaching-Amt bei den Washington Capitols. Diese spielten in der Basketball Association of America (dem Vorgänger der heutigen NBA) und schlossen die Saison mit einem Rekord von 49-11 als bestes Team der Liga ab. Nach zwei weiteren, erfolgreichen Jahren kam es zwischen Auerbach und der Franchise-Führung allerdings zu einem Streit um seinen Vertrag, woraufhin Auerbach das Team verließ und bei den Tri-Cities Blackhawks anheuerte. Was folgte, war ein Katastrophenjahr, geprägt von Chaos und Niederlagen. Das erste und einzige Mal in seiner Karriere musste Auerbach mit einer negativen Bilanz seines Teams leben. Als Teambesitzer Ben Kerner auch noch einen Trade ohne Auerbachs Wissen einfädelte, beendete dieser seine Tätigkeit erneut im Streit.

Doch er hatte Glück im Unglück. Die Boston Celtics – in der Saison zuvor Letzter der Eastern Conference – benötigten dringend einen neuen Coach. Teambesitzer Walter Brown hatte allerdings keinerlei Ahnung vom Basketballsport und berief deswegen eine Art Expertenkommission ein. Die Wahl der Experten fiel auf Auerbach.

Die Reformen

Sofort begann dieser, seine Philosophie des Spiels auf sein Team zu übertragen und dieses nach seinen Vorstellungen umzubauen. Ganz nebenbei führte er im Basketball zahlreiche Neuerungen ein. Dazu gehörte:

  • Auerbach war der erste Coach überhaupt, der das System der Role-Player anwandte und perfektionierte. Dazu zog er immer wieder alternde Stars an Land, die froh waren, in Boston nur noch ihre Rolle erfüllen zu müssen und trotzdem erfolgreich zu sein. Viele Jahre später versuchte Phil Jackson dieses System bei den Los Angeles Lakers zu kopieren, war dabei aber keineswegs so erfolgreich.
  • Die Erfindung des sogenannten „sechsten Mannes“ ist ebenfalls Auerbach zuzurechnen. Während die meisten Coaches zu dieser Zeit immer mit den fünf besten Spielern begannen und nur bei gegebenem Anlass wechselten, ließ Auerbach bewusst einen Star zunächst auf der Bank, damit dieser punkten konnte, wenn die gegnerische Verteidigung langsam müde zu werden begann.
  • Zudem gingen bei Auerbach das Team und der Erfolg über alles. Für ihn zählte immer nur eine einzige Statistik und das war die Differenz zwischen erzielten und kassierten Punkten. Wer für wieviele Punkte sorgte, war ihm dabei schlichtweg egal. So rühmte er sich am Ende seiner Coaching-Karriere, dass er alle seine Titel gewonnen habe, ohne auch nur einmal den Liga-Topscorer in seinen Reihen gehabt zu haben.
  • Der heute immer noch gerne praktizierte Fastbreak-Stil geht ebenfalls auf Auerbach zurück. Dieser ließ sein Team rennen, um so zu einfachen Punkten zu kommen und das Set-Play zu vermeiden. Musste das Team dennoch mal einen Halbfeld-Angriff starten, so gab es dazu lediglich sieben Systeme. Auerbach verglich das ganze mit Krieg: „Basketball ist wie Krieg, wo sich die Offensiv-Waffen immer zuerst entwickeln und die Verteidigung einige Zeit braucht, diese einzufangen.“
  • Schon im Jahre 1950 drafteten Auerbach und Teambesitzer Walter Brown mit Chuck Cooper den ersten afroamerikanischen Spieler. Später ließ er auch erstmals fünf dunkelhäutige Spieler starten und präsentierte mit Bill Russell letztlich auch den ersten schwarzen Coach.

Doch der Weg zu den Titeln war zunächst steinig. Zwar funktionierte das von Auerbach eingeführte und von Bob Cousy angeführte Fastbreak-Spiel ganz gut und war in der Regular Season auch durchaus erfolgreich, doch in den Playoffs lief man damit regelmäßig gegen eine Wand. Nach den ersten sechs Jahren konnte Auerbach lediglich eine magere Bilanz von 10-17 Spielen in der Postseason aufweisen.

Der Bill-Russell-Effekt

Doch das Problem wurde schnell erkannt. Boston brauchte neben den vielen schnellen Scoringoptionen einen Spieler am Brett, der in der Defensive einerseits gegen die Top-Center der Liga bestehen konnte, mit seinen Rebounds aber auch den Fastbreak einleiten sollte. Da damals in der Liga niemand von diesem Format zu haben war, entschloss sich Auerbach zu einem wagemutigen Trade. Er schickte den Center-Veteranen Ed Macauley und die Rechte an Cliff Hagan – der gerade mit der Armee fertig geworden war und sofort einsatzbereit gewesen wäre – nach St. Louis und bekam im Gegenzug den 2. Draftpick. Mit diesem verpflichtete er Bill Russell von der Universität von San Francisco.

Überhaupt war dies einer der besten Drafts aller Zeiten für Boston. Neben Russell gelang es noch, Tommy Heinsohn und Frank Ramsey zu verpflichten, die beide ebenfalls sofort einschlugen und wichtige Stützen des Teams wurden. Doch der Schlüssel zum Erfolg war Russell, der sofort alle Erwartungen erfüllte und die Celtics gleich in seiner ersten Saison zum Titel führen konnte. Das siebte Spiel der Finalserie gegen die St. Louis Hawks ? eben jenes Team, das den Russell-Draftpick getradet hatte – konnte Boston dabei erst nach zweimaliger Verlängerung mit 125:123 für sich entscheiden.

Im Jahr darauf musste sich Russell allerdings die Finals verletzungsbedingt von der Bank aus anschauen, weshalb die Celtics folgerichtig ihren Titel nach nur vier Spielen an die Minneapolis Lakers abgeben mussten. Es sollte das letzte Mal sein, dass Auerbach als Coach das letzte Spiel einer Saison verlor, denn die folgenden acht Jahre wurden von Boston dominiert und brachten Auerbach weitere acht Ringe ein.

Die Zeit im Anzug

Im Januar 1966 – also zu einer Zeit als die USA gerade beschlossen hatten, in den Vietnam-Krieg einzugreifen und eigene Truppen zu entsenden – gab Red Auerbach bekannt, dass er seine Tätigkeit als Coach nach dem Ende der Saison (im Alter von gerade einmal 48 Jahren) beenden werde, um sich voll auf seine Tätigkeit als General Manager zu konzentrieren. Und auch dort hatte er großartige Erfolge vorzuweisen. In einem der genialsten Trades aller Zeite tauschte er den ersten Pick des Jahres 1980 (später Joe Barry Carrol) gegen den dritten Pick (Kevin McHale) und Robert Parish. Ergebnis seiner Bemühungen waren sieben weitere Titel für seine Celtics. Den letzten Titel (1986) beobachtete er dann schon nur noch als Präsident der Celtics.

Überhaupt waren die Boston Celtics für ihn eine Liebe, die er nie richtig erklären konnte. Am besten ist es ihm vielleicht mit folgendem Satz gelungen: „Die Boston Celtics sind kein Basketball-Team, sie sind eine Lebensweise.“ Insgesamt arbeitete Auerbach 55 Jahre für die Franchise der Boston Celtics, gewann dabei 16 Titel und wurde weit über die Grenzen Bostons hinaus zu einer Legende.

Ruhm und Ehre

Für seine Leistungen ist er auch immer wieder mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden. So wurde er schon 1968 in die Basketball Hall-of-Fame aufgenommen; wenig später wurde er Mitglied der jüdischen Hall-of-Fame. 1984 hängten die Boston Celtics ein Trikot mit der Nummer „2“ zu seinen Ehren unter die Hallendecke. Diese Geste sollte verdeutlichen, dass Auerbach der zweitwichtigste Mensch in der Geschichte der Franchise gewesen ist (die Nummer „1“ blieb Gründer Walter Brown vorbehalten). Wenige Monate später wurde die Red AuerbachFoundation gegründet, die junge Sportler in der ganzen Welt unterstützt. Gegen Ende des Jahres wurde schließlich – an Auerbachs 68. Geburtstag – sogar eine lebensgroße Statur von ihm in der Bostoner City platziert.

Zudem bekam er von zahlreichen Universitäten die Ehrendoktorwürde verliehen und ließ es sich nicht nehmen, jedes Mal aus Dankbarkeit eine Rede zu halten. Dies ging sogar so weit, dass Auerbach das entscheidende siebte Spiel zwischen den Celtics und den Hawks 1988 nicht live miterleben konnte, da er gerade eine Rede am American International College hielt.

Nebenher versuchte Auerbach, sein Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben, indem er entweder selbst mit jungen Leuten trainierte oder aber Bücher schrieb. Sein erstes Buch „Basketball for the Player, the Fan and Coach“ wurde insgesamt in sieben Sprachen übersetzt und gehört zu den vielleicht besten Basketball-Büchern aller Zeiten. Insgesamt schrieb er noch sechs weitere Bücher und drehte 1987 gemeinsam mit Larry Bird sogar einen Videofilm mit dem Titel „Winning Basketballteam“, mit dessen Hilfe er seine Gedanken und seine Philosophie noch weiter verbreiten wollte.

Bis zuletzt hat Auerbach für den Basketball gelebt und weiterhin seine Camps für Nachwuchsspieler veranstaltet. Erst im Sommer 2005 – 63 Jahre nach dem Beginn seiner Coaching-Tätigkeiten – war er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, auf den Brettern zu arbeiten, die für ihn die Welt bedeuteten.

Mehr als nur ein Basketball-Coach
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G-Man
G-Man 29. Oktober 2006 um 12:14 Uhr

Kommentar

Fellow
Fellow 29. Oktober 2006 um 15:49 Uhr

Kommentar

presidentsamy
presidentsamy 29. Oktober 2006 um 19:51 Uhr

omg, red auerbach ist tot…
und das muss ich als eingefleischter celtics-fan erfahren…
rest in peace und vielen dank für alle 16 titel…

Diablo
Diablo 29. Oktober 2006 um 19:57 Uhr

Rest in Peace

nw_15
nw_15 29. Oktober 2006 um 20:32 Uhr

R.I.P

Er hat Basketball gelebt!

Inyaface
Inyaface 29. Oktober 2006 um 20:47 Uhr

Red Auerbach…………dazu gibts wohl nicht mehr zu sagen……Rest in peace

knutmitmut
knutmitmut 29. Oktober 2006 um 21:09 Uhr

R.I.P

LarsK
LarsK 29. Oktober 2006 um 22:12 Uhr

Kommentar

Ichhabefertig
Ichhabefertig 31. Oktober 2006 um 15:41 Uhr

Der geilste Coach ever!!

Baller aus Leidenschaft
Baller aus Leidenschaft 31. Oktober 2006 um 15:47 Uhr

Wer kannte ihn nicht ???
Kleiner Bierbauch, die Zigarre.
Einer der besten überhaupt.

Sebi#10
Sebi#10 2. November 2006 um 1:21 Uhr

Neben dem Zen master Bobby Knight und noch ein paar anderen (fällt mir aber grad keiner ein) einer der GCOAT (greatest Coaches of all Time)

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