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Jugend forscht!

27.02.2016 || 12:58 Uhr von:
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Die Portland Trail Blazers sind die positive Überraschung dieser NBA-Saison und haben wider Erwarten gute Chancen, die Playoffs zu erreichen. Doch ist dies überhaupt gut für die Franchise?

Wären die Vorhersagen vieler NBA-Experten eingetroffen, würden wir nun, im letzten Drittel der regulären Saison angekommen, über die Portland Trail Blazers als eines der schlechtesten Teams der Association berichten. Stattdessen belegt die Franchise aus Oregon den siebten Platz in der Western Conference. Nur wenige trauten der Mannschaft in dieser Spielzeit 30 Siege zu, welche sie nun schon vor dem März eingefahren hat. Das „Over/Under“ der Buchmacher aus Las Vegas von 26,5 Erfolgen haben die Blazers bereits längst hinter sich gelassen. Grund genug also, um das Team von Head Coach Terry Stotts genauer unter die Lupe zu nehmen.

Holpriger Saisonstart

In den ersten zwei Saisonmonaten schien es so, als würden sich die Portland Trail Blazers, wie von vielen Experten erwartet, am unteren Ende der Westen Conference einfinden. Bis Weihnachten konnte „Rip City“ lediglich elf seiner 31 Spiele gewinnen, inklusive vieler knappen Niederlagen und vergebenen Führungen im letzten Viertel wie in Memphis, Houston oder gegen Detroit. Dies war vor allem der fehlenden Erfahrung des jungen Teams und daraus resultierenden Fehlern geschuldet. Des Weiteren musste Portland im November und Dezember einige lange und anstrengende Road-Trips mit vier oder fünf Auswärtsspielen in einer Woche absolvieren. Vor allem Teams, die noch nicht gefestigt sind (was zu diesem Zeitpunkt auf die Trail Blazers zutraf), tun sich in der Fremde häufig besonders schwer.

Ein weiterer Grund für die Erfolglosigkeit war die schwache Defensiv-Leistung der Truppe. Vor allem bei der Verteidigung des Pick-and-Roll und in Sachen Help- und On-Ball-Defense offenbarte die Truppe aus dem Nordwesten der USA große Schwächen. Ebenso schien bei einigen Akteuren teilweise die notwendige Aggressivität sowie die Bereitschaft zu fehlen, gegnerische Würfe zu erschweren. Bis Mitte Januar stellte Portland folglich eine der fünf schlechtesten Defensiven. Genau diese Schwachpunkte, nämlich schwache Defensive und fehlende Erfahrung, hatten die Kritiker vor Saisonbeginn ausgemacht und damit ihre Prognose gestützt, dass die Blazers wohl die Saison 2015/2016 im Tabellenkeller verbringen würden.

Aufschwung durch Defense

Nach Weihnachten ging es für Portland allerdings stetig aufwärts. Die Franchise aus Oregon konnte seitdem 19 ihrer 27 Spiele gewinnen, von den letzten 14 sogar deren zwölf. Der Hauptgrund für die Kehrtwende ist vor allem die verbesserte Defensive. Im Zeitraum zwischen dem 10. Januar und heute stellen die Blazers die siebtbeste Verteidigung (Defensiv-Rating: 102,5) und den fünfbesten Angriff (Offensiv-Rating: 109,7) der NBA. Damit ist Portland nur eines von drei Teams (neben Golden State und San Antonio), die in beiden Kategorien zu den besten Zehn gehören.

Den Grundstein dafür legten die Blazers in der Trainingshalle sowie in Videositzungen. Während der ersten längeren Heimspiel-Serie Anfang Januar arbeitete Coach Stotts mit seinen Guards und Flügelspielern in den Trainingseinheiten intensiv an der Perimeter-Defense. Konkret übten die Akteure, den Ballhandler besser unter Druck zu setzen. Zwischen dem 21. Januar und 5. Februar bestritten die Blazers gleich sieben Heimspiele hintereinander. So erlaubte es der Spielplan, dass die Blazers mehr als zwei Wochen lang daheim den bisherigen Saisonverlauf aufarbeiten konnten. Dazu gehörten zunächst ausführliche Film-Sessions, in denen die Fehler schonungslos angesprochen und aufgearbeitet wurden – mit Fokus auf die Verteidigung. „Wir haben es in Etappen vorgenommen: Wir zeigten Videos von dem, was wir wollen und passten unsere Botschaften ebenso an. Dann haben wir es auf den Platz übertragen und geübt.“ In zehn Trainingseinheiten arbeitete das Trainerteam mit den Spielern erneut vor allem an defensiven Grundlagen und dem Verteidigen als Teamverbund. Zugleich forderte Stotts eine aggressivere Defense und mehr Kommunikation der Spieler untereinander. „Wir sind uns gegenseitig wirklich hart angegangen“, meint Flügelspieler Allen Crabbe.

Zwar hatten die Blazers seit Mitte Januar nicht den schwersten Spielplan, dennoch haben sie immerhin die Teams aus Oklahoma City, Golden State, Memphis und zweimal Houston geschlagen. Das Team spielt eine in allen Belangen bessere Defense und verteidigt hart. Die im Training angesprochenen Dinge setzt das Team sehr schnell auf dem Feld in die Tat um, wie auch Damian Lillard erkennt: „Wir sind viel aggressiver, bestimmter und sicherer in dem, was wir tun.“ Zudem spricht er die Forschritte in Sachen Kommunikation an: „Wir lassen die Spielzüge nicht mehr in unseren Köpfen verweilen. Wir kommunizieren viel besser miteinander. Und wir spielen momentan einfach mit viel Stolz. Aufgrund dessen, was wir in den letzten paar Wochen erreicht haben, haben wir viel an Selbstvertrauen hinzugewonnen.“

Des Weiteren hat das Team aus den bitteren Erfahrungen zu Saisonbeginn gelernt und einige enge Spiele gewonnen. So revanchierte sich „Rip City“ unter anderem Anfang Februar für die drei Monate zuvor erlittene Niederlage in Memphis mit einem dramatischen Overtime-Sieg an selber Stelle.

Leistungsträger blühen auf

Die Scoring-Last liegt in Portland eindeutig auf den Schultern der Guards. Mit Damian Lillard (25,1 Punkte pro Spiel) und C.J. McCollum (21,1) verfügen die Trail Blazers zusammen mit Toronto über das derzeit zweitbeste Scoring-Backcourt-Duo nach den „Splash Brothers“ in Golden State. Die beiden Guards erzielen gemeinsam 45 Prozent aller Punkte des Teams. Lillard ist zudem nicht nur als Basketballer, sondern auch als Führungsspieler weiter gereift, während McCollum die Auszeichnung zum „Most Improved Player“ schon jetzt kaum noch zu nehmen ist.

Aber auch die Flügelspieler wissen zu überzeugen. Neuzugang Al-Farouq Aminu war bis vor der Saison vor allem als überragender Athlet und guter Verteidiger bekannt. Unter Terry Stotts wirft der Forward so oft von Downtown wie nie zuvor und legt auch in Sachen Dreierquote einen Karriere-Bestwert auf (34,9 3P% bei 4,1 3PA). Zum Vergleich: seine vorherigen Höchstwerte stammten aus seiner Rookie-Saison vor fünf Jahren bei den Los Angeles Clippers mit 31,5% Trefferquote bei 1,8 Versuchen. Auch der ebenfalls neu verpflichtete Veteran Gerald Henderson fügte sich nach seiner Verletzung zu Saisonbeginn mit guten Leistungen ins Team ein und trifft so gut wie selten von Downtown (35,1 3P%). Dies ist besonders wichtig, da der Distanzwurf im Offensiv-Konzept von Terry Stotts eine hohe Bedeutung besitzt. Mit 28,5 Dreiern pro Spiel nehmen die Portland Trail Blazers ligaweit die viertmeisten Würfe von Downtown.

Auf den großen Positionen ragen vor allem Mason Plumlee und Ed Davis heraus. Plumlee ist zwar kein guter Ringbeschützer, hilft seinem Team dafür mit anderen Qualitäten wie Athletik, Mobilität und Rebounding. Ed Davis ist mit seiner Produktion von der Bank (11,1 PTS und 12,4 REB auf 36 Minuten gerechnet) und Effizienz (60,7 FG%) extrem wertvoll für das Team. Zudem legt er teamintern mit 18,11 gemeinsam mit McCollum den zweitbesten PER-Wert nach Damian Lillard (22,95) auf. Außerdem gehören Plumlee (15,9 AST%) und Meyers Leonard (10,5 AST%) zu den besten Passern auf der Center-Position. In Portlands System sind sie enorm wichtig, da sie so das Feld breit machen und vom Perimeter zum Korb cuttende Mitspieler in Szene setzen können.

Die Big Men und Flügelspieler zeichnet zudem aus, dass sie fast allesamt gute bis sehr gute Rebounder sind. Dies führt dazu, dass die Blazers zu den besten NBA-Teams in dieser Kategorie gehören. Vor allem das Offensiv-Rebounding (26,7 OREB%; Rang drei in der NBA), durch das Portland viele weitere Wurfgelegenheiten und leichte Punkte generiert, zählt zu den größten Stärken des Teams.

Erfolgsgarant Terry Stotts

Wenn man nach dem Grund für die überraschend konstanten Leistungen der Blazers sucht, stößt man bei genauer Betrachtung unweigerlich auf Head Coach Stotts. Jener schafft es nicht nur wiederholt, mit seinem Team die Erwartungen zu übertreffen, sondern scheint jeden einzelnen Spieler besser zu machen. Viele Akteure wie Lillard, McCollum, Crabbe und Plumlee spielen die beste Saison ihrer Profi-Karriere. Dem Trainer muss hoch angerechnet werden, immer wieder innovative Wege zu finden, um seine Mannschaft Abend für Abend konkurrenzfähig zu machen, obwohl sich kaum ein Spieler im Team seinen eigenen Wurf kreieren kann.

Stotts schafft dies sehr gut, indem er die Qualitäten seiner Spieler perfekt nutzt, um freie Würfe zu generieren, wie zum Beispiel die starken Passfähigkeiten der Big Men. Zudem nutzt er die Stärke seiner Mannschaft im athletischen Bereich, die er so häufig wie möglich den Fastbreak laufen lässt. Portland schließt 24,5 Mal pro Spiel in den ersten neun Sekunden der Wurfuhr ab, was einen Anteil von fast 30 Prozent an allen Feldversuchen ausmacht. Die Trefferquote dieser Würfe liegt bei ordentlichen 48 Prozent.

Stotts akzentuiert aber nicht nur die Qualitäten seiner Truppe, sondern schafft es zugleich, dem Gegner dessen Stärken wegzunehmen. So ließ Portland zum Beispiel gegen Milwaukee, das von allen NBA-Teams die meisten Punkte in der Zone erzielt (49,9 pro Spiel), nur deren 38 zu. Dies veranschaulicht nicht nur die generell gute Verteidigung der Blazers in Korbnähe, sondern auch, wie gut sich der 58-Jährige auf die Gegner vorbereitet und sein Team auf die Begegnungen einstellt.

Obwohl Stotts wie erwähnt die Stärken seiner Akteure so gut wie möglich einzusetzt, bleibt er seinem auf „Motion Offense“ basierenden Spielsystem jedoch stets treu. Markenzeichen seiner Teams ist der häufige Einsatz des Distanzwurfs. Seit Stotts’ Amtsantritt zur Saison 2012/2013 gehören die Blazers durchgehend zu den fünf Teams mit den meisten Abschlüssen von jenseits der Dreierlinie.

Des Weiteren hat der Kandidat zum „Coach of the Year“ früh in der Saison bewiesen, die richtigen Aufstellungen zu finden und sein Team dadurch besser zu machen. Nach zehn Spielen beorderte er Noah Vonleh in die Starting Five. Diese Umstellung hat sich voll ausgezahlt: Die Kombinationen Vonleh/Plumlee und Davis/Leonard erwiesen sich als ausgeglichener und besser für die Defensive. Stotts hat dies erkannt und angepasst. „Ich glaube, dass es für Vonleh einfacher ist, mit den Startern zu spielen“, begründete der charismatische Trainer die Umstellung. „Zweitens glaube ich, dass es gut ist, Meyers von der Bank mit Ed Davis spielen zu lassen.“ Leonard helfe zudem dem Bank-Scoring der Blazers. In Sachen Rotation setzt der Cheftrainer dagegen auf Kontinuität. Diese besteht seit Saisonbeginn aus den gleichen neun beziehungsweise seit Hendersons Rückkehr zehn Spielern, die im Durchschnitt zwischen 16 und 36 Minuten auf dem Feld stehen.

Trotz der Erfolge haben die Verantwortlichen in Portland den im Sommer 2016 auslaufenden Vertrag von Terry Stotts noch nicht verlängert. Wenn es nach den Spielern geht, wird die Zusammenarbeit mit dem Coach aber auf jeden Fall weitergehen. „Er ist ein Player’s Coach. Er hilft mir wirklich“, meint Noah Vonleh, während Damian Lillard ergänzt: „Ich denke nicht, dass es einen passenderen Trainer gibt.“ Die Spieler schätzen vor allem Stotts’ positive und fröhliche Art.

Playoffs sind das Ziel – aber ist das sinnvoll für die Franchise?

Es scheint, als seien die Trail Blazers in ihrem Rebuilding-Prozess deutlich weiter als erwartet. Doch ist das wirklich gut für die Zukunft der Franchise? Schließlich ist Portlands Erstrunden-Pick in der kommenden NBA-Draft nur Top-14-geschützt, was bedeutet, dass die Blazers diesen beim Erreichen der Post-Season an Denver verlieren – um dann vermutlich in der ersten Runde auszuscheiden. Zwar könnten die jungen Spieler weitere Postseason-Luft schnuppern und weiter an Erfahrung gewinnen, dennoch dürfte das Front Office um Manager Neil Olshey nicht allzu enttäuscht sein, wenn das Team die Playoffs letztlich doch verpassen sollte.

Aufgrund des relativ schweren Spielplans in den letzten Wochen wird es Portland aber ohnehin schwer haben, trotz aller Fortschritte die Postseason zu erreichen. Das Wichtigste ist aber sowieso die voranschreitende Entwicklung des jungen Teams, das wichtige Erfahrung sammelt und aus Fehlern lernt. Da die Franchise aus Oregon über viele gute und günstige (Rookie-)Verträge verfügt, ist enorm viel Gehaltsspielraum vorhanden, um entweder teure Verträge anderer Teams gemeinsam mit weiteren Draft-Picks aufzunehmen oder den Kader sinnvoll zu verstärken. Noch ist der Weg zurück zum Anwärter auf die Conference Finals lang. Dank eines viel versprechenden, jungen Kaders sowie Kompetenz und Kontinuität im Front Office dürfen die Blazers-Fans dennoch optimistisch in die Zukunft blicken.

 

Anmerkung der Redaktion: Alle Statistiken sind auf dem Stand vom 26. Februar 2016

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