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Erwartungen verhüllt

18.05.2014 || 11:56 Uhr von:
Mit dem Duell Indianas gegen Miami kommt es zur Neuauflage der letztjährigen Conference-Finals. Ohne Frage haben die Heat in LeBron James den besten Spieler in ihren Reihen. Die große Frage ist eher: Welches Pacers-Team erscheint auf dem Hartholz?

Erwartungen erfüllt… Schon vor der Spielzeit, und je weiter die Saison voranschritt, war das Duell der Indiana Pacers gegen die Miami Heat in den Eastern Conference Finals wie auf Parkett lackiert. Im lange Zeit als „Leastern Conference“ verschrienen Ost-Teil der Liga käme keiner auf die Idee, das letztjährige Duell um den Finals-Teilnehmer würde sich nicht wiederholen – noch eher würden die Phoenix Suns die Playoffs erreichen.

Transaktionen beider Teams zielten über die letzten Monate zudem darauf ab, Matchups noch weiter zu verfeinern (wobei es eine Überraschung wäre, wenn Greg Oden in der Serie zum Einsatz kommen, geschweige denn einen wertvollen Beitrag leisten wird). Schließlich würden bei einer Neuauflage nur Nuancen entscheiden. So teilten sich beide Mannschaften Siege aus den letzten 14 Aufeinandertreffen stiefbrüderlich auf.

… doch gleichzeitig enttäuscht. Doch beide Teams zeigten gegen Ende der Hauptrunde Schwächephasen, bei denen man hätte denken können, keiner wolle den Heimvorteil – per Crab-Dribbling in die Playoffs.

Conference-Finale Spiel 1 Spiel 2 Spiel 3 Spiel 4 Spiel 5 Spiel 6 Spiel 7
Indiana (1) 18.5. 21.5. 25.5. 27.5. 29.5. 31.5. 2.6.
Miami (2) 21:30 2:30 2:30 2:30 2:30 2:30 2:30

Der Weg ins Conference-Finale

Das Herumkrebsen setzte sich bei den Pacers fort. Krebs, Strand, Fischen? Ein unerwartetes, ja sensationelles Erstrundenaus gegen die achtplatzierten Atlanta Hawks schien Realität zu werden. Welches Indiana aber doch abwenden konnte, weil sie immer noch die statistisch effizienteste Verteidigung der Liga aufweisen. Dennoch: Es war eine der Fragen, was aus diesem einst dominanten Team passiert ist? „Innere Unruhen“, wie David West nach dem Halbfinalsieg über die Washington Wizards ins Mikro sprach, könnten eine Ursache sein. Gegen die Haupstädter ging die Achterbahnfahrt der Pacers weiter – inklusive eines eigenen historischen Bretts vorm Kopf (dritthöchster Rebound-Unterschied in der Playoff-Geschichte) sowie eines gegnerischen Franchise-Negativ-Rekord von 63 Punkten. Das Maskottchen der Pacers sollte Schrödingers Katze sein.

Überzeugender traten da schon die Heat auf: Einem „Sweep“ gegen die Charlotte Bobcats, der teils auch auf der Verletzung von Al Jefferson gefußt haben mag, folgte ein 4-1 gegen die Brooklyn Nets. Die präsentierten sich bei den Matchups zwar als Gegner auf Augenhöhe, doch eines amtierenden Meisters würdig, schien Miami die Kontrolle übernehmen zu können, wann es nötig war. Und das mit der effizientesten Offensive aller Playoff-Teams – was vor allem an einem Spieler liegt.

Die Stars…

LeBron James (Foto oben) kann ein Spiel übernehmen, wann er will – zuletzt illustriert im „Brooklyn Heist Game“ samt neuem Franchise-Playoff-Rekord von 49 Punkten. Kevin Durant mag James im MVP-Rennen ausgestochen haben, doch der beste „two-way Player“ und aktuelle Postseason-MVP ist James. Mag man ansonsten keinen Heat-Akteur ausmachen, der wirklich besser agiert als in den vergangenen Playoffs, so scheint James noch stärker zu sein. Bis auf die letzte Begegnung gegen Brooklyn stellte er in jedem Playoff-Spiel den Topscorer. Mit einer True-Shooting-Quote von 67,8 Prozent weist er einen deutlichen Karrierebestwert auf; ein Career-High steht derzeit auch bei seiner Freiwurfquote zu Buche. Dinge, die James’ Wille, zum Korb zu ziehen, verdeutlichen.

Vor nicht allzu langer Zeit war das MVP-Rennen mehr als nur ein Zweikampf. Zu Beginn der Saison machte sich Paul George (Foto unten) einen Namen und setzte das fort, was in den letztjährigen Conference-Finals seinen Anfang nahm: Der symbolische Aufstieg Georges in die Riege der Stars, ein anerkennendes Handreichen James’ nach einer Sequenz, in der erst George James beim Drive stehen ließ, um den Vogel abzuschießen, ehe James mit einem Buzzerbeater-Dreier über George antwortete.

Doch zuletzt war davon nicht mehr so viel zu sehen. George hatte gegen die Wizards ein herausragendes Spiel, wie es Superstars zu zeigen haben (39 Pkt, 7/10 3FG in der vierten Partie), ansonsten traf er nur 33,8 Prozent seiner Feldwürfe. Gerade gegen die Heat werden die Pacers aber eine stärkere Produktion benötigen. Dabei scheint ein direktes Duell der beiden aber zu Gunsten James’ auszuschlagen.

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… und Sternchen

Auch auf der Shooting-Guard-Position wird es zum direkten Duell auf beiden Seiten des Feldes kommen: Dwyane Wade gegen Lance Stephenson. Und dort macht sich „Born Ready“ schon bereit, Wades Kniebeschwerden dementsprechend wieder zu entfachen. Das Duell verspricht wohl das größte „T“-Potential unter den Matchups. Ja, Blicke können töten, Gesten auch.

In Stephenson findet Wade einen Verteidiger vor, gegen den es nicht so leicht wird, aus den Post-ups abzuschließen. Auf den Distanzwurf wird Stephenson hingegen nicht achten müssen, weil dieser einfach nicht vorhanden ist. Während Wade in den Playoffs bisher immerhin effektiv in der Offensive agiert (50,4% eFG, drittbestert Wert; 12,1 TO-Rate, zweitbester Wert), ist Wades defensiver Beitrag deutlich gesunken. Gab es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Begegnungen, in denen Wade in der Verteidigung auftrumpfen und Spiele mit entscheiden konnten, scheinen sich die Heat darauf nicht mehr verlassen zu können.

In Stephenson wird es Wade mit einem Spieler zu tun haben, der offensiv ein Spiel durch seine Vielseitigkeit übernehmen kann… aber nur kann. In den Playoffs präsentiert sich der Pacers-Guard bisher zu inkonstant. So folgten zum Playoff-Auftakt auf 19 Punkte sieben Zählern, dann 21, und anschließend fünf Punkte.

Es hatte erst das Angeln benötigt, um eine vorzeitigen Angelurlaub abzuwenden. Seit diesem mentalen Neustart mag Roy Hibbert zwar nicht wieder ganz der Alte sein, aber er war stellenweise nah dran. Vor allem defensiv gibt er wieder, um bei Meeresmetaphern zu bleiben, den Defensivanker Indianas – womit auch die Verteidigung der Pacers steht und fällt. Gerade gegen die Heat, die mit James und Wade zwei Akteure haben, die gerne den Drive und das Post-Play suchen, wird Hibbert ein entscheidender Faktor sein, um deren Offensive zu stören.

Auch offensiv hat sich Hibbert vom Totalausfall entfernt: Immerhin 14,8 Punkte (57,1% FG), 6,4 Rebounds und 2,2 Blocks hat der Center in den letzten fünf Spielen aufgelegt. Wie Zach Lowe herausstellt, scheint gerade gegen die Heat (und deren kleineren Aufstellungen) Hibbert als Pick-and-Roll-Partner eine Option zu sein.

Um diesen Defensivanker Indianas einzuholen und die Zone zu öffnen, werden die Heat (wenn sie weiter auf Smallball setzen) auf Chris Bosh bauen. 35 Prozent seiner Wurfversuche in den Playoffs sind Dreier – und die trifft der Big Man mit einer herausragenden Quote von 48,6 Prozent. Damit stellt er den besten Distanzschützen Miamis in den Playoffs. Was er auch in der Crunchtime unter Beweis stellt: In der regulären Saison hat Bosh 16 Clutch-Dreier versenkt– nur Kevin Durant und Damian Lillard trafen häufiger. So sehr Bosh offensiv eine Waffe gegen die Pacers darstellen mag, so stark wird es auch auf seine Verteidigungs- und Rebound-Arbeit gegen Hibbert, David West und Co. ankommen, wo er noch eine Schippe wird drauflegen müssen.

Depth Charts

Erste Fünf Bank Bank
PG: George Hill C.J. Watson
SG: Lance Stephenson Rasual Butler
SF: Paul George Evan Turner
PF: David West Luis Scola Chris Copeland
C: Roy Hibbert Ian Mahinmi Lavoy Allen

Erweiterter Kader: Solomon Hill (SF)

Erste Fünf Bank Bank
PG: Mario Chalmers Norris Cole
SG: Dwyane Wade Ray Allen Toney Douglas
SF: LeBron James Shane Battier James Jones
PF: Udonis Haslem Rashard Lewis Michael Beasley
C: Chris Bosh Chris Andersen

Erweiterter Kader: Greg Oden (C), Justin Hamilton (C)

Die X-Faktoren

Rebound-Duell: Mit Miami trifft das zweitschlechteste Offensiv-Rebound-Team der Hauptrunde in Indiana auf das zweitstärkste Defensiv-Rebound-Team. Doch der entscheidende Faktor bei den Brettspielen wird auf der anderen Seite des Parketts liegen. Attackierten die Pacers in der regulären Saison noch mittelmäßig das offensive Brett (Def-Reb-Rate; 24,9%), geht ihnen die Postseason das Generieren von zweiten Wurfchancen völlig ab (19,0%). Doch gerade als Offensivteam, dem es schwer fällt, effektiv zu sein (49% eFG), braucht man diese zweiten Wurfchancen. Die Heat hingegen wollen durch Kontrolle der Defensiv-Rebound Fastbreak initiieren.

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Heat mit Small Ball: Wie wird Miamis Coach Erik Spoelstra dementsprechend seine Aufstellungen verändern und einteilen? Es ist sehr wahrscheinlich, dass statt Shane Battier nun wieder Udonis Haslem (Foto links) entstaubt wird (16 MpG gegen Charlotte; 3:11 Minuten gegen Brooklyn – insgesamt), um das Matchup gegen David West anzunehmen. Ansonsten müsste sich LeBron James defensiv um West kümmern, was über ein Spiel zu aufreibend wäre. Schon in der Hauptrunde ließ Spoelstra gegen die Pacers häufiger Formationen mit zwei traditionellen Big Men (Bosh und Anderson sowie Bosh und Haslem) ran.

Problemstellen Miamis hierbei: Offensiv agieren solche Lineups weit weniger effizient: Die sechs besten Playoff-Formationen beim Offensiv-Rating (Minimum: zehn Minuten) bestehen allesamt aus Smallball-Varianten. Vor allem eine Formation eben mit Haslem ragt hier negativ heraus, was schon während der regulären Saison auszumachen war. Zudem wird Hibbert defensiv dann den Big Man, der nicht „Bosh“ auf dem Trikot trägt, übernehmen, womit Hibbert nicht aus der Zone gelockt werden kann. Insofern werden die Heat darauf hoffen, dass Haslem wieder seinen Mitteldistanz-Jumper auspackt und hochprozentig verwertet. Auf der anderen Seite wird gerade das „Floor Spacing“ und der Dreier so wichtig für Miami werden. Also doch ein Shane Battier (37,5% 3FG in den Playoffs 2014)? Kann Spoelstra einen James Jones (47,8% 3FG) wegen defensiven Unzulänglichkeiten lange aufs Parkett schicken? Und wie ist es mit den kleinen Mario Chalmers (38,5% FG) und Norris Cole (43,5% FG), die Spoeltra gerne mal zusammen in den Backcourt steckt, gegen die physisch starken Guards Indianas?

Die sechs häufigsten Formationen Miamis in den Playoffs

Formation Min Off Rtg Def Rtg Net Rtg
Bosh, James, Battier, Wade, Chalmers 75 112,7 108,4 4,3
Bosh, Haslem, James, Wade, Chalmers 44 87,3 106,7 -19,4
Andersen, Bosh, Wade, Allen, Cole 35 111,1 109,3 1,9
Andersen, Lewis, James, Allen, Cole 35 108,2 106,7 1,4
Bosh, James, Jones, Wade, Chalmers 29 136,2 114,4 21,8
Bosh, James, Wade, Allen, Chalmers 21 140,4 78,9 61,6
Bosh, Haslem, James, Wade, Chalmers* 68 85,4 95,1 -9,8

* in der regulären Saison

Und die Bank Indianas? Gerade, wenn Stephenson und Hibbert offensive Ausfälle beklagen, müsste von Evan Turner (5/15 FG und zwei DNPs in den letzten neun Partien), Luis Scola und Co. Entlastung kommen, was bei den Reservisten zuletzt aber kaum möglich war. Immerhin scheint West (Foto unten) sein Händchen aus der Mitteldistanz wiedergefunden und eingestellt zu haben: In den letzten fünf Begegnungen konnte der Power Forward stets seine Punkteausbeute steigern, was ihn zur zweiten Option machen – und womit er als physisch starker Big Man die Heat zu Formationsänderungen zwingen kann.

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Setplay gegen Fastbreak: Indianas Verteidigung ist darauf ausgelegt, dem Gegner dessen Distanzwürfe und Punkte in der Zone wegzunehmen – wo gerade die Stärke der Offensive Miamis liegt. Dennoch mag das „Floor Spacing“ und der konstante Beitrag der Rollenspieler von „Downtown“ nicht mehr so stark daherkommen wie noch in den Meisterjahren.

Während die Pacers das Spiel werden verlangsamen wollen, um in der Defensive Beton anzurühren, werden die Heat es immer wieder versuchen, das Tempo schnell zu machen (was ihnen gegen die Nets kaum gelungen war). Gerade gegen eine Pacers-Mannschaft, die offensiv oft ohne großen Plan und zu fehlerhaft zu agieren scheint. Unter allen Playoff-Teams resultieren bei Indiana aus einem Angriff heraus prozentual die fünfthäufigsten Ballverluste. Können die Heat per Schnellangriff genügend einfache Punkte generieren? Und schaffen es die Pacers in ihren Halbfeldangriffen, ohne viele Ballverluste ihre Big Men in Position zu bringen?

[Taktik-Analyse der Offensiv-Systeme Indianas]

Prognose

Bleibt Schrödingers Katze am Leben, oder stirbt sie? Schlägt das Hämmerchen zu, oder nicht? Können die Pacers also den berühmt-berüchtigen Schalter umlegen? Ihre ganze Geschichte und ihr Wesen mag auf ein Wiedersehen mit dem Kontrahenten aus dem Süden basieren – kann Indiana dementsprechend sein Potential entfalten?

Ein Auswärtstrend mag auszumachen und der Heimvorteil gegeben sein (wobei die Pacers bisher ihre Auftaktpartien beide Male verloren), doch viele Fragezeichen bezüglich Konstanz und Offensivproduktion bestehen. Zudem besitzen sie nicht den Vorteil der größeren Erfahrung wie noch in den ersten beiden Runden.

Die Heat mögen nicht die Tiefe besitzen wie noch in der jüngeren Vergangenheit, doch Charakteristika eines Meisters (Stichwort: Schalter umlegen) sind auszumachen. Die Pacers haben 99 Probleme, und LeBron James ist eines.

[mehr zu den Playoffs]

Tipps aus der Redaktion

Indiana gegen Miami
Dennis Amedovski 2-4
Manuel Baraniak 4-3
Johannes Beyer 3-4
Christian Gerne 2-4
Johannes Hübner 2-4
Thomas Käckenmeister 3-4

Erwartungen verhüllt
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