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Phoenix Suns: Eiszeit in der Wüste

24.10.2017 || 17:29 Uhr von:
Eric Bledsoe, Phoenix Suns
Nach drei Niederlagen zum Saisonstart klingeln die Alarmglocken in Phoenix. Der Coach wird gefeuert und der Point Guard fordert einen Trade. Wie können die Suns der sportlichen Eiszeit entkommen?

Der Saisonstart ist eine Zeit voller Unbekannten. In den Monaten seit dem Spielzeitende hat sich meist viel getan. Wie schlagen sich die Neuverpflichtungen? Wie gut haben sich die jungen Talente entwickelt? Welcher Spieler hat den nächsten Schritt vollzogen? Diese Fragen sind maßgebend für die Prognosen der kommenden Saison. Deshalb sind Voraussagen zu diesem Zeitpunkt auch so schwierig.

Nicht so bei den Phoenix Suns. Die Franchise aus Arizona hat bereits im Frühjahr eine klare Richtung gewählt. Nach Jahren ohne klar erkennbare Linie gab der Besitzer Robert Sarver grünes Licht für einen radikalen Rebuild. 2016/17 wurde folgedessen abgeschenkt. Und auch die Erwartungen für das anstehende Jahr waren bilanztechnisch sehr gering. Die Entwicklung der Jungen, nicht die Anzahl der Siege stehen im Fokus, hieß die offizielle Marschrichtung in der Offseason. Eine Kampfansage hört sich anders an.

Nach drei Niederlagen und einer durchschnittlichen Punktedifferenz von -30,7 unterbot das Team sogar diese bescheidene Zielsetzung. Wie geht es weiter in Phoenix? Warum ist der Rebuilding Plan ala Philadelphia 76ers so trügerisch? Und weshalb könnte die neue Lottery-Reform den Suns zugutekommen?

Notstand in Arizona

Der desaströse Start in die Saison 2017/18 blieb nicht ohne Folgen. Die 88:130-Niederlage gegen die Los Angeles Clippers war der letzte Auftritt von Headcoach Earl Watson an der Seitenlinie der Suns. Vorerst wird Jay Triano – als Trainer der Toronto Raptors gewann er 87 seiner 229 Spiele – das Team coachen. Die Suche nach einer Langzeitlösung hat begonnen. Doch welche Eigenschaften sollte der neue Coach mitbringen?

Jobbeschreibung Suns Coach

Earl Watson übernahm zum 1.Februar 2016 den Job von Jeff Hornacek nicht aufgrunde seiner fachlichen Referenzen. Er galt zum Amtsantritt eher als Players-Coach. Sein Vorgänger verlor das Vertrauen der Spieler, was für zahlreiche Unruhen im Umfeld der Suns sorgte. Um diesen Brand zu löschen wurde der Ex-Spieler angeheuert. Weniger erfolgreich agierte er in seiner eigentlichen Tätigkeit als Basketballlehrer. Viel zu häufig lies er erfolglos Lineups mit zwei klassischen Centern auflaufen. Das System passte nicht zu seinen Spielern. Die Verteidigung war unorganisiert und die Entwicklung einiger Hoffnungsträger blieb auf der Strecke. Deshalb sollte General Manager Ryan McDonough einen Trainer finden, der die Spieler weiterbringt. Brett Brown ist hierbei ein Paradebeispiel. Auch wenn sein Coaching die negative Bilanz der 76ers ein ums andere mal verdarb – Philadelphia war trotz des schwachen Kaders lediglich einmal Tabellenschlusslicht – gelang es dem 56-jährigen meist dem Team eine Identität zu verleihen. Diese fehlt in Phoenix.

Ein weiterer Players-Coach ist daher nicht die Lösung. Ohne ein Mindestmaß an Entwicklung und Erfolgen wird auch die Stimmung im Lockerroom ein Problem bleiben. Nach dem Motto „Ein Unglück kommt selten allein“ hat Eric Bledsoe seinen Frust öffentlich abgelassen und indirekt einen Trade gefordert.

Bledsoe und Chandler

Neben der Trainersuche müssen die Verantwortlichen deshalb noch eine weitere Herausforderung meistern. Was geschieht mit Eric Bledsoe und Tyson Chandler? Bei den 76ers wurde das Fehlen solcher Veteranen häufig moniert. In Phoenix gehören sie zum Problem. Wie passt das zusammen?

Allein die Anwesenheit erfahrener Spieler hilft einem Team nicht weiter. Es müssen die Richtigen sein, die die Mentorenrolle bereitwillig annehmen. In dieses Schema passen weder der Point Guard noch der Center der Suns. Denn im Gegensatz zu Jared Dudley unterschrieben beide ihre derzeitigen Verträge bei einem Team, dass damals gewinnen wollte. Bledsoe ist in seiner Prime und wird 2019 vertragsfrei. Ein Team das auf Devin Booker und die anderen jungen Talente ausgerichtet ist, zahlreiche Niederlagen in Kauf nimmt und seinen Point Guard Wochen vor Saisonende in den Urlaub schickt, passt nicht in die Timeline des 27-Jährigen.

Tyson Chandler mag seine besten Jahre bereits hinter sich haben. In einer Verliererrolle war er bisher jedoch nie gut aufgehoben. Beispielhaft ist seine letzte Saison als Knickerbocker. Während er sowohl in der 54-Siege Saison zuvor, als auch in Dallas im darauffolgenden Jahr seine Leistung erbrachte, kam mit dem fehlenden sportlichen Erfolg 2013/14 auch der Ärger mit den Teamkollegen.

Im Rebuild sind daher weder Bledsoe noch Chandler eine Hilfe. Ein baldiger Abschied – selbst wenn dies beim Center einen Buyout bedeuten würde – ist wohl unumgänglich. Denn neben den sportlichen Unzulänglichkeiten kann sich Phoenix keine weiteren Nebenkriegsschauplätze erlauben. Der Rebuild alleine birgt bereits genug Risiken.

Der falsche Fünfziger

Fans und Experten sind sich mehrheitlich einig: der eingeleitete Rebuild ist grundsätzlich die richtige Entscheidung. Die vielversprechende Zukunft der Philadelphia 76ers verleitet förmlich zur Nachahmung. Dieser Weg ist jedoch trügerisch. Denn der Faktor Glück wird hierbei häufig unterschätzt.

Die Pick-Höhe der Sixers ist kein typisches Rebuilding Beispiel. Denn selbst das schwächste Team der Liga hat beinahe eine 36-prozentige Chance außerhalb der Lottery zu landen. Philadelphia durfte jedoch viermal in Folge unter den Top3 ziehen. Die Chance hierfür lag bei gerade einmal 8,1 Prozent – den Pick-Tausch mit den Sacramento Kings 2017 eingerechnet. Auf eine ähnliche Ausbeute dürfen sich Rebuildingteams daher nicht verlassen. Eine Lottery-Bilanz a la Charlotte Bobcats oder Orlando Magic – beide durften in den Jahren ihres Rebuildes jeweils nur einmal unter den ersten drei picken – ist deutlich wahrscheinlicher. Außerdem hatte Philadelphia einen weiteren „Vorteil“. Das heutige Fundament musste die lange Durststrecke aus verschiedenen Gründen nicht durchleben. Die beiden Top6 Picks, die das Jahr 2015/16 miterlebt haben, sind heute auf dem Abstellgleis oder spielen in Dallas. Langfristig nur verlieren wäre deshalb kein vielversprechender Plan für das Team von Robert Sarver. Die eigenen Talente müssen zukünftig liefern. Außerdem kommt den Suns die Lottery-Reform 2019 zugute.

Lottery-Reform

Nachdem 2014 der erste Änderungsvorschlag von Adam Silver scheiterte, sprachen sich 28 der 30 Teams für die Reformierung der Lottery ab 2019 aus. Gut möglich, dass das Verhalten der Suns zum Saisonende eine zentrale Rolle spielte. In der Liga wurde seit Jahren getankt, jedoch selten so offensichtlich. Die Optik war der Liga jedoch schon immer sehr wichtig. Ironischerweise könnte Phoenix gleichzeitig Auslöser und Profiteur dieser Änderung sein.

Das Tanking-Problem wird mit dieser Reform zwar nicht vollends behoben, dafür jedoch eine anderer Fehler der Systems korrigiert. Mit der bisherigen Gestaltung der Prozentsätze werden die Teams mit der schlechtesten Bilanz immens bevorteilt. Die Liga ging davon aus, dass die schwächsten Teams auch gleichzeitig die größte Hilfe benötigen. Ein Irrtum: Vorsetzlich herbeigeführtes Verlieren und schwere Verletzungen beinflussen häufig die Saisonbilanz. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich San Antonio 1997. Die Spurs waren mit einem gesunden David Robinson in den Conference Finals 1995 und ein Titelanwärter der Liga. Tim Duncan hätten mehrere Teams dringender benötigt. Miami 2008 und Milwaukee 2014 sind weitere Exempel. Auch in diesem Jahr waren die Teams mit den drei Toppicks nicht diejeigen, die diese am dringensten benötigten. Orlando, Sacramento oder Dallas brauchen ebenfalls einen potenziellen Franchise-Player. Dieses ungleich verteilte Prozentverteilung wird durch diese Änderung abgemildert.

Wenn das Managment in Phoenix die derzeit großen Probleme in den Griff bekommen, werden sie aufgrunde des Talentes im Kader nicht langfristig zum Bodensatz der Liga gehören. Gerade in der Western Conference ist der Weg in Richtung Playoffs jedoch weit. Die Chance sich einige Jahre im Mittelfeld der Lotteryteams zu tummeln ist groß. Neben den eigenen Draftrechten besitzen sie zusätzlich zwei zukünftige Picks der Miami Heat. Ohne davon zu profitieren wird Miami eine Saison nicht freiwillig abschenken. Sollten die Heat die Playoffs verpassen, dann eher nicht als eines der schlechtesten Teams der Liga. Deshalb kommt die Reform für die Suns gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Fazit

Mit einer Siegesqote von 54% in der regulären Saison ist die Franchise aus Arizona weiterhin das viertstärkste Team der Ligageschichte. Seit 2010 befinden sie sich jedoch in einer Dürrephase ohne Playoffteilnahme. Eine schnelle Besserung ist derzeit nicht in Sicht. Das Talentlevel für eine rosige Zukunft besitzen die Suns jedoch. Dies alleine reicht jedoch nicht. Um die sportliche Eiszeit hinter sich zu lassen, muss sich der junge Kern entwickeln und zueinander finden. Hier sind vor allem die Führung und der Trainerstab gefragt. Ein schlüssiges Konzept muss her. Das Hauptaugenmerk darf nicht auf dem Draftpick 2018 liegen. Dies ist ein Mitnahmegeschäft, das bei einem solch jungen und rohen Team erfahrungsgemäß sowieso ertragreich sein wird. Ryan McDonough muss die Altlasten loswerden und gezielt auf die Talente setzen. Dazu benötigt Robert Sarver die Geduld, die er in der Vergangenheit oft vermissen ließ. Ansonsten wird der Winter in der Wüste noch lange verweilen.

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