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NBA

Flickwerk?

09.09.2016 || 09:22 Uhr von:
Neuer Trainer, neuer Kader, erneuter Anlauf! Wie 2015 will Orlando auch im kommenden Jahr den Niederungen der Eastern Conference entfliehen. Wie realistisch ist dieses Vorhaben?

Mit dem Trade von Franchise-Player Dwight Howard im Jahr 2012 startete General Manager Rob Hennigan den Rebuild in Florida. Vier Jahre später scheinen die Magic diesen zu beenden. In der Offseason 2016 wurde viel Geld in den Kader investiert. Dazu verließ der höchste Draftpick der letzten Jahre, Victor Oladipo, das Team via Trade. Was bewegte Hennigan zu den drastischen Moves? Was erhofft sich das Front Office vom neuen Coach und Kader? Und weshalb könnte gerade der umstrittene Vertrag von Jeff Green der Schlüssel zum Erfolg sein?

Ende des Rebuilds

Bereits im vergangenen Jahr sollte die Verpflichtung von Scott Skiles die Orlando Magic in Richtung Playoffs führen. Trotz eines guten Saisonstarts – Ende Dezember betrug die Bilanz 19-13 – konnten Trainer und Spieler die Erwartungen nach dem Jahreswechsel nicht erfüllen. Dennoch war bereits klar, dass dieser Kader zu stark ist, um weiterhin gute Chancen auf zukünftige hohe Draftpicks zu besitzten. Die Verantwortlichen standen somit vor der schweren Entscheidung, nochmals einen Schritt zurück zu gehen – also Spieler für zukünftige Picks zu traden – oder den Kader zu verstärken. Denn 35 Siege sind weder eine gute Ausgangssituation für den Draft noch locken sie begehrte Free Agents an. Bereits die Trading-Deadkine 2016 zeigte, dass Hennigan die zweite Option bevorzugt. Anders lässt sich zumindest der Trade um Anderson Varejao nicht erklären. Denn anstatt seinen Vertrag sowie den Draftpick der Cleveland Cavaliers 2018 selbst aufzunehmen, wurde mit Portland ein drittes Team integriert, dass den Vertrag des Brasilianer schluckte. Orlando entschied sich stattdessen für zukünftigen Capspace.

Grund hierfür sind die Drafts in den vergangenen Jahren. Orlando ist ein weiteres Beispiel dafür, weshalb der Rebuild derart unvorhersehbar ist. Zuletzt verpassten die Magic in den Anfangsjahren der Franchise vier Postseasons in Folge. Dies brachte ihnen Shaquille O`Neal und Chris Webber per Draft. Hennigan konnten zuletzt ebenfalls einige talentierte Spieler draften, der erhoffte Franchise-Player fehlte diesmal jedoch. Das Problem waren keineswegs schlechte Draftentscheidungenen, sondern fehlendes Glück in der Lottery. Trotz drei Top-fünf-Picks durfte Orlando nur einmal unter den ersten Drei wählen. Dies war ausgerechnet im Jahr 2013, in dem einzig Giannis Antetokounmpo sich zu einem Star entwickeln könnte. Die Draftposition 15 zeigte jedoch, dass dies ein hohes Risiko bedeutet hätte. So entschieden sich die Verantwortlichen, 2016 das Glück in die eigenen Hände zu nehmen und den Weg des Rebuilds zu verlassen.

Offseason 2016

Mit Frank Vogel wurde eine wichtigste Änderung an der Seitenlinie vorgenommen. Vorgänger Scott Skiles, der selbst zurücktrat, konnte das Team zwar bilanztechnisch verbessern, es gelang ihm jedoch nicht, die Verteidigung und die Talente wie erhofft zu entwickeln. Vogel bewies bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dass er beides sehr gut beherrscht.

Um dem Coach die Arbeit zu erleichtern, wurde im Sommer auch der Kader personell aufgerüstet. Mit Bismack Biyombo, Serge Ibaka, Jeff Green, D.J. Augustin, Jodie Meeks und C.J. Wilcox kamen sechs Neuzugänge per Trade oder Free Agency. Dazu wurde der wichtigste eigene Free Agent, Evan Fournier, gehalten. Gerade Biyombo und Ibaka sollten hervorragend ins System von Vogel passen. Der Coach baute bei den Pacers seine Verteidigung um einen guten Ringbeschützer in der Mitte auf. Gerne ließ er zwei Bigs gleichzeitig auflaufen. Gerade der Spanier könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen. Sein Wurf sowie seine Perimeterverteidigung erlauben es Vogel, zwei klassische Big Men nebeneinander spielen zu lassen, ohne die ansonsten häufig auftretenden Mismatches gegen kleinere Aufstellungen befürchten zu müssen.

Dennoch wird die Offseason der Magic eher kritisch gesehen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Für Ibaka, dessen Vertrag 2017 ausläuft, musste Orlando einen hohen Preis bezahlen. Biyombo – gemeinsam mit Fournier der Top-Verdiener der Franchise – konnte bisher lediglich in der vergangenen Saison überzeugen. Zuvor galt er eher als Draft-Bust. Es ist unklar, ob er Nikola Vucevic den Platz in der Startformation streitig machen kann. Die Ankunft der beiden Bigs zwingt Aaron Gordon dazu, auf die Drei auszuweichen. Sollte sich herrausstellen, dass dem vierten Pick des Jahres 2014 die Skills dafür fehlen, gäbe es Probleme mit der Spielzeit auf den beiden großen Positionen. Außerdem gibt es Bedenken, wer im Kader für die nötigen Punkte sorgen soll. Denn alle Frontcourtspieler sind nicht dafür bekannt, sich den Wurf selbst zu kreiiren. Und der Spielmacher der Magic, der den Bigs dies erleichtern soll, wird ebenfalls kritisch beäugt.

Elfrid Payton

Nach zwei Jahren in der NBA zweifeln viele Experten daran, dass Payton sich heutzutage zu einem überdurchschnittlicher Point Guard entwickeln kann. Problematisch ist vor allem sein Distanzwurf. Mit 32,6% Dreierquote hat er sich im Vergleich zu seiner Rookiesaison zwar gesteigert, ist aber weiterhin deutlich unter dem Ligadurchschnitt. Gegnerische Teams lassen ihn vermehrt draußen stehen und unterbinden stattdessen seinen Drive. So reduzierten sich diese von 9,4 pro Spiel in seiner Rookie-Saison auf zuletzt 7,8 Drives. Sein Offensive Rating war mit 97 bzw. 100 in beiden Jahren schwach. Und auch defensiv zeigte er in seiner zweiten Saison nicht die erwarteten Fortschritte.

Gemessen an dem Preis, den die Magic für Payton bezahlten – die 76ers erhielten die Rechte an Saric und bekamen den eigenen Erstrundenpick 2017 zurück – konnte der Point Guard bisher nicht überzeugen. Wie so häufig erzählen die Statistiken jedoch nur die halbe Wahrheit. Dass Elfried Payton trotz seiner Wurfschwäche ein Team erfolgreich leiten kann, zeigte er zum Jahresende 2015. Ende November stellte Skiles seine Startformation um und ließ Victor Oladipo, der mit Payton nicht harmonierte, als sechsten Mann von der Bank kommen. Stattdessen rückte Channing Frye in die erste Fünf und sorgte für mehr Spacing. Mit dieser Formation gewann Orlando 13 der nächsten 20 Spiele. Dabei traf die Nummer 4 im Dezember nicht einmal 20% seiner Dreier. Es folgte die Verletzung von Elfrid Payton und gleichzeitig der Einbruch der Magic – 13 der nächsten 15 Spiele gingen verloren.

Die kommende Saison wird zeigen, ob der zehnte Pick des Jahres 2014 ein gutes Team führen kann oder ob der Dezember 2015 nur das Produkt einer kurzen Euphoriewelle war. Sollte Payton die Erwartungen nicht erfüllen können, muss sich Orlando nach einem neuen Point Guard umsehen. Das Team braucht einen guten Anführer auf der Eins, denn die Offseason baut auf dem Fundament des schnellen Erfolgs auf!

Saison 2016/17

Die Investitionen des Sommers setzen Spieler, Trainer sowie das Front Office mächtig unter Druck. Orlando muss in der kommenden Saison in die Playoffs. Alles andere wäre eine Enttäuschung und würde die Pläne der Magic gefährden. Denn der derzeitige Kader ist in dieser Zusammenstellung ohne Quantensprünge von Aaron Gordon, Mario Hezonja und Payton kein zukünftiger Titelkandidat. Dazu werden weitere Änderunge notwendig sein.

Indem Orlando den Weg des Drafts verlassen hat, werden diese per Free Agency oder Trade kommen müssen. Dazu ist eine gute Saison unabdingbar. Eine positive Bilanz erhöht die Chance, Serge Ibaka in der kommenden Free Agency zu halten und den Kader weiter zu verstärken. Golden State, Milwaukee und Boston haben in den vergangenen Jahren bewiesen, wie eine gute sportliche Entwicklung die Chancen in der Free Agency verbessern. Jahrelang galt keines der drei Teams als erste Option für vertragsfreie Spieler. Orlando ist alleine schon aufgrunde der topographischen Lage ein interessanter Ort, sofern die sportliche Komponente ebenfalls passt.

Während Rob Hennigan zumindest einen Center traden müsste, um 2017 den nötigen Capspace für gute Free Agents zu besitzten, sind die Magic auf dem Trademarkt deutlich flexibler aufgestellt. Auch dafür ist der Erfolg des Teams wichtig, denn in der Regel steigt dadurch der Tradewert des Kaders. Um einen Franchise-Player zu ertraden, benötigt es vielversprechende Talente sowie das notwendige Gehalt, um diesen Deal auch finanziell zu ermöglichen. Bei Letzterem hat der General Manager sehr gute Arbeit geleistet.

Jeff Green

Als Hennigan die Verpflichtung des Combo-Forwards bekannt gab, war der Aufschrei groß. Weder in Memphis noch in Los Angeles konnte Jeff Green überzeugen. Haben die Verantwortlichen im Februar wirklich Tobias Harris getradet, um stattdessen Green zu verpflichten? Sportlich wäre diese Entscheidung nicht zu rechtfertigen. Der Wert von Jeff Green liegt jedoch vor allem abseits des Feldes. Interessant ist die Vertragslaufzeit des Forwards.

Mit knapp 105 Millionen an Gehaltsvolumen liegt Orlando derzeit rund elf Millionen über dem Cap. Dies war nur möglich, da Evan Fournier mit 5,7 Millionen einen kleinen Cap Hold besaß und die Verantwortlichen den vorhandenen Gehaltsspielraum nutzten, bevor der die Vertragsverlängerung mit dem Franzosen offiziell unterschrieben wurde. Hennigan nutzte die zu Verfügung stehenden Millionen für Jeff Green. Was oberflächlich dem Gehaltsgefüge eher schadet, erhöht jedoch die Flexibilität auf dem Trademarkt. Anstatt vier Millionen Dollar Capspace, die in der heutigen NBA für ein 35-Siege-Team nahzu wertlos sind, kann Orlando allein mit dem Vertrag von Green ab Mitte Dezember bis zu 20 Millionen Dollar an Jahresgehältern aufnehmen. Sollten die Magic im Saisonverlauf ihre Probleme auf der Eins oder Drei nicht in den Griff bekommen, könnte eine Kombination aus Green und Draftpick Spieler á la Eric Bledsoe, Brandon Knight, Goran Dragic oder Danilo Gallinari nach Florida lotsen.

Zusätzlich verbessert es die Chancen auf einen Blockbuster-Trade. Abgesehen von Jeff Green laufen auch die entbehrlichen Verträge von Jodie Meeks und C.J. Watson aus. Bis zu 33,275 Millionen Jahresgehalt kann Hennigan damit ertraden. Sollte einer der raren Franchise-Player auf den Markt kommen, erhöht dies die Chancen der Magic. Ein Beispiel: Scheitert die Neuausrichtung beim Ex-Team von Vogel, könnte Orlando den potenziellen Rebuild der Pacers beschleunigen, indem sie in einem Paket für Paul George ebenfalls Monta Ellis aufnehmen. Wären Gordon und Hezonja im Trade involviert – was für George sehr wahrscheinlich wäre -, könnte Hennigan Indiana zusätzlich von Rodney Stuckeys Vertrag befreien.

Fazit

Die Orlando Magic stehen sinnbildlich für die diesjährige Eastern Conference. Die derzeitigen Prognosen sehen drei Teams an der Spitze des Ostens, während zwei Teams keine realistischen Playoffchancen besitzten. Dazwischen kämpfen zehn Teams um die verbleibenden fünf Plätze in der Postseason. Orlando befindet sich in dieser Gruppe. Das Endergebnis ist kaum zu prognostizieren. Bestenfalls werden die Magic den letztjährigen Saisonstart konservieren und die vorhandenen Assetts – Talente, eigene Picks sowie den potenziell ungeschützten Lakers-Pick in 2019 – nutzen, um den Kader sinnvoll zu verstärken. Sollte der Start in Zentralflorida jedoch misslingen, könnte Orlando im hinteren Drittel der Conference landen und zur Deadline gar gezwungen sein, den auslaufenden Vertrag von Serge Ibaka zu traden, um ihn im Sommer nicht ohne Gegenwert zu verlieren. Dann würde sich Orlando erneut im Rebuild befinden. Die Magic sind 2016/17 die Wundertüte der Liga, doch mit Wundern kennt man sich in der Heimat von Mickey Mouse bekanntlich aus.

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