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Offseason Preview: Miami Heat

21.05.2016 || 17:05 Uhr von:
Pat Riley steht vor schwierigen Entscheidungen. Wer bleibt, wer geht? Oder kann Miami den Kader trotz aller Widrigkeiten zusammenhalten? Und: Wie steht es um KD?

In der Offseason 2014 beendete der Abgang von LeBron James die Dynastie der Miami Heat. Nach vier Finalteilnahmen in ebenso vielen Jahren musste Heat-Architekt Pat Riley ohne den vierfachen MVP planen. Dank der Vertragsverlängerungen von Chris Bosh und Dwyane Wade konnte ein Rebuild vermieden werden.

Der Fokus von Riley lag bereits vor zwei Jahren auf der Offseason 2016. Objekt der Begierde ist selbstverständlich Kevin Durant.  Dementsprechend wurden die Verträge von Luol Deng, Mario Chalmers, Udonis Haslem und Co. gestaltet. Im kommenden Juli will Riley finanziell möglichst flexibel sein.

Durant scheint jedoch außer Reichweite. Die Offseason in Miami gehört dennoch zu den interessantesten der gesamten Liga. Die Verantwortlichen haben einige schweren Entscheidungen zu treffen. Grund genug für basketball.de, sich den Optionen und Problemen der Heat genauer anzunehmen.

Saison 2015/16

Obwohl die Heat im vergangenen Jahr die Playoffs verpassten, war die Euphorie vor der Saison groß. Chris Bosh kehrte von seiner Krankheit zurück, Goran Dragic verlängerte langfrist am South Beach, Luol Deng zog seine Player Option und mit Justise Winslow gelang den Heat ein Steal im Draft 2015. Mit Amare Stoudemire und Gerald Green holte Riley zusätzlich zwei Rotationsspieler fürs Minimalgehalt. Für viele Experten galten die Heat folgerichtig als größter Herausforderer von LeBron James und den Cleveland Cavaliers.

Aufgrund der erneuten Krankheit von Bosh sowie der Verletzung von Hassan Whiteside konnte Miami die hohen Erwartungen in der Postseason nicht erfüllen. In den Eastern Conference Semi Finals scheiterte das Team aus Südflorida in sieben Spielen an den Toronto Raptors.

Dennoch war die abgelaufene Saison sehr vielversprechend. Whiteside zeigte, dass die Saison 2014/15 kein One-Hit-Wonder war und er durchaus ins Teamgefüge der Heat passen kann. Wade kann sein Team in den Playoffs weiterhin führen. Dazu bewiesen die Scouts mit der Verpflichtung von Josh Richardson wiederholt, dass sie unerkannte Talente entdecken können. Grund genug, optimistisch in den kommenden Sommer zu gehen?

Offseason

Sollten Riley wie erwartet die Teamoption von Richardson sowie die Qualifying Offer von Tyler Johnson ziehen, stehen derzeit sechs Spieler mit einem Gehaltsvolumen von knapp 50 Millionen Dollar in den Büchern der Heat. Damit bleiben den Verantwortlichen bei einem prognostizierten Cap von 92 Millionen rund 42 Millionen Dollar, um den Kader zu füllen.

Trotz des massigen Cap Spaces wird Miami jedoch große Schwierigkeiten haben, das Team zusammenzuhalten. Von Neuzugängen ganz zu schweigen. Denn mit Wade, Deng, Joe Johnson und Hassan Whiteside werden vier Eckpfeiler des Teams Free Agents. Und nur für die Nummer 3 besitzt Pat Riley die vollen Birdrechte. Dessen Caphold von 30 Millionen Dollar blockiert aber derzeit einen großen Teil des Cap Spaces und wird deshalb höchstwahrscheinlich nicht in voller Höhe genutzt werden. Heißt: will Riley Whiteside halten, sind die Birdrechte von Wade in der Offseason-Planung zu vernachlässigen. Die 42 Millionen müssen für alle Vertragsverlängerungen inklusive der des Shooting Guards reichen.

Hassan Whiteside: Grund für das Luxusproblem der Heat ist vor allem die Leistungsexplosion des Centers, der im November 2014 für einen Minimalvertrag nach Miami geholt wurde. Damit halten die Heat nur die Early-Bird-Rechte an Whiteside. Heißt: Um keinen Cap Space verwenden zu müssen, dürfte der Big Man maximal ein Anfangsgehalt in Höhe der Mid-Level-Exception (ca. 5,6 Millionen) erhalten. Der Marktwert des Centers liegt jedoch jenseits der 20-Millionen-Dollar-Grenze. Damit müsste Miami rund die Hälfte des freien Caps für die Vertragsverlägerung investieren. Deshalb stand er bis zur erneuten Erkrankung von Bosh im Februar angeblich auf der Tradeliste. Seither hat er jedoch bewiesen, wie wichtig er für die Heat ist. Selbst ein Maximalvertrag sollte für Riley nur noch Formsache sein. Oder?

Die Euphorie der letzten Saisonwochen täuscht leicht darüber hinweg, weshalb Miami so erfolgreich war. Ohne Bosh musste Erik Spoelstra notgedrungen seine Formation ändern. Mit Deng und Neuzugang Johnson spielten zwei Flügelspieler auf den Forwardpositionen. Stoudemire oder Whiteside agierten zumeist auf Center. Während das große Lineup Whiteside/Bosh/Deng/Wade/Dragic ein Net-Rating von -1,8 aufwies, spielte Miami mit dem Small Ball Lineup deutlich stärker. Sowohl mit Whiteside (+11,6) als auch mit Stoudemire (+8,7) dominierten die Heat ihre Gegener. Neben der Nummer 21 profitierten vor allem die beiden Guards vom zusätzlichen Spacing. Erhält Whiteside den Maximalvertrag und wird Wade angemessen bezahlt (15-20 Mio), kann Riley weder Deng noch Johnson zu fairen Konditionen halten. Heißt: die Heat würden voraussichtlich mit der Startformation Whiteside/Bosh/Winslow/Wade/Dragic in die neue Saison gehen. In der modernen NBA wäre das fehlende Spacing kaum zu kompensieren.

Alternativ könnten die Verantwortlichen Whiteside ziehen lassen und mit den Birdrechten und der MLE den restlichen Kader zusammen halten. Mit Bosh auf der Fünf brächte das Small-Ball-Lineup mehr Spacing und wäre wohl noch gefährlicher. Da Spoelstra ein Befürworter des positionslosen Basketballs ist, wäre dies für seinen Coachingstil eine perfekte Aufstellung, dazu benötigt Miami aber einen gesunden Bosh.

Chris Bosh: Nach zwei Erkrankungen innerhalb von zwölf Monaten ist der Gesundheitszustand des Big Man jedoch fraglich. Über eine Rückkehr in den Playoffs 2016 wurde lange Zeit ebenso diskutiert wie über ein bevorstehendes Karriereende. Ohne eine langfristige Planungssicherheit können sich die Heat kaum erlauben, Whiteside ziehen zu lassen. Denn selbst bei einem Karriereende aus medizinischen Gründen zählt der Vertrag der Nummer 1 bis zu einem Jahr nach dem letzten Spiel (9.Februar) gegen den Cap. Für einen gleichwertigen Ersatz auf der Center-Position würde das Geld fehlen. So ist Pat Riley wohl in der schwierigen Situation, die wichtigen Entscheidungen der Offseason 2016 ohne die notwendige Klarheit im Falle Bosh tätigen zu müssen. Doch der Macher der Heat hat noch ein Ass im Ärmel.

Die eierlegende Wollmilchsau

Die San Antonio Spurs haben den Konkurrenten in der Offseason 2015 gezeigt, was mit einer Mischung aus Capholds, Exceptions und dem Wohlwollen einiger Spieler möglich ist. Eine ähnliche Strategie könnte es auch Riley ermöglichen, den derzeitigen Kern zusammen zu halten. Dazu ist der Präsident der Heat einmal mehr auf einen Gehaltsverzicht von Wade angewiesen – zumindest in der kommenden Saison. Ähnlich wie in San Antonio hat die Organisation der Heat bewiesen, dass sie ihre Spieler zum Wohle der Franchise dazu bewegen kann.

Um dieses Szenario zu ermöglichen, müsste Miami 2016 auf die Birdrechte von Wade verzichten und ihn vorerst aus der Kaderplanung streichen. Damit könnten die Heat die rund 42 Millionen Dollar auf die sechs freien Kaderplätze wie folgt verteilen:

SpielerGehalt/Caphold
Max-Deal Whiteside21,5 Mio
Johnson5,68 Mio
Deng (caphold)13,2 Mio
empty roster spot (caphold)0,54 Mio
empty roster spot (caphold)0,54 Mio
emty roster spot (caphold)0,54 Mio

Wie bei den Spurs kommt es hierbei vor allem auf die Reihenfolge der Verpflichtungen an. Zuerst müssten Whiteside und Johnson unter Vertrag genommen werden. Solange Deng keinen neuen Vertrag unterschreibt, zählt nur sein Caphold gegen die Gehaltsobergrenze. Dank der Early-Bird-Rights kann er später bis zu 175% seines Vorjahreseinkommens (also 17,77 Mio) bekommen. Dies sollte selbst unter dem neuen Capspace seinem Marktwert entsprechen. Für Wade bliebe letztendlich nur die Room-Midlevel-Exception über knapp 2,9 Millionen Dollar. Scheitert daran das Szenario?

Zugute kommt Pat Riley hier die Birdrechte-Regel der NBA im kommenden Jahr. Wade wäre 2016/17 wohl der unterbezahlteste Spieler der Liga, besäße aber 2017 wieder volle Birdrechte. Selbst wenn die Heat keinen Capspace zur Verfügung hätten, könnten sie dem Shooting Guard einen Maximalvertrag (geschätzte 36 Mio.) bieten. Damit ließe sich der Gehaltsverzicht im kommenden Jahr kompensieren. Ähnlich sieht die Situation um Johnson aus. Knapp sechs Millionen könnten auch ihm etwas zu wenig sein. 2017 besitzen die Heat Early-Bird-Rechte und können sein Gehalt á la Deng auf 175% des Vorjahreseinkommens steigern. Solche verbindlichen Abmachungen sind zwar illegal, eine Absichtserklärung, die jeweiligen Spieler langfristig an die Franchise binden zu wollen, ist jedoch erlaubt.

Fazit

Pat Riley steht im kommendem Sommer massiv unter Druck. Es benötigte zwei zukünftige Erstrundenpick, Dragic zur Tradingdeadline 2015 zu holen. Der Pick 2016 gehört ebenfalls nicht mehr den Heat. Größere Fehler können sich die Verantwortlichen nicht erlauben. Der Notausgang Rebuild ist keine Option.

Wenn Kevin Durant sein Talent nicht an den South Beach bringen möchte, sollte Riley alles unternehmen, um den derzeitigen Kern zu halten. Damit ließe sich zumindest etwas Zeit gewinnen. In der kommenden Saison könnten die offenen Fragen beantwortet werden. Sehen wir den alten Bosh wieder? Kann ein Lineup mit ihm und Whiteside erfolgreich funktionieren? Wie entwickelt sich Winslow? Veränderungen lassen sich später per Trade leichter vornehmen, als sich 2016 für eine Richtung zu entscheiden.

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