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Nicolas Batums Hornissenschwarm

17.10.2016 || 23:56 Uhr von:
Mal wieder Erstrundenaus - die Charlotte Hornets scheinen ein Problem zu haben: zu gut, um nicht die Playoffs zu erreichen, zu schlecht um weit zu kommen. Immerhin konnten zwei wichtige Free Agents gehalten werden.

Die letzte Saison

2015/16 fing für die Charlotte Hornets mit einer Hiobsbotschaft an: Michael Kidd-Gilchrist, Edelverteidiger und wichtiger Teil des Teamgefüges, fällt womöglich die gesamte Saison aus. Dabei wollte man nach einer verkorksten Saison endlich richtig angreifen und hatte Nicolas Batum nach Charlotte geholt.

Am Ende absolvierte Michael Kidd-Gilchrist sieben Spiele, bevor er sich erneut verletzte, die Bilanz war trotzdem um Weiten besser: 48 Siegen standen 34 Niederlagen gegenüber; gut genug für den sechsten Rang im Osten und die Playoffteilnahme – neben Batum waren es vor allem die verbesserten Kemba Walker und Marvin Williams, die das Team trugen. Eine Schwächephase im zweiten Viertel der Saison und 14 Niederlagen in 20 Spielen zwischen dem 09. Dezember 2015 und dem 16. Januar 2016 (inklusive sieben Niederlagen in Folge) verhinderten eine höhere Platzierung und ein möglicherweise einfacheres Playofflos – immerhin hatten Heat, Hawks, Celtics und Hornets den gleichen Record.

In den Playoffs dann die altbekannte Geschichte: Nach sieben Spielen musste man sich den Miami Heat geschlagen geben; das letzte Spiel gab man chancenlos ab (106-73). Dabei hatte man sich doch nach einem 0-2-Serienrückstand zurückgekämpft und mit 3-2 gar den Matchball in der Hand.

Mal wieder in der ersten Runde Schluss – nach dem Vorjahr zwar sicherlich eine Verbesserung, seit 2001 hat man allerdings die zweite Playoffrunde nur noch vor dem Fernseher gesehen. Nun gut, man war seitdem auch nur drei Mal in den Playoffs, die Hornets scheinen allerdings im Augenblick gefangen zu sein: Nicht gut genug, um in den Playoffs ernsthaft mitzusprechen, aber eigentlich zu gut, um sie zu verpassen. Muss man dieses Problem auch in der kommenden Saison erwarten?

Die Offseason

Die beiden wichtigsten Personalien im Sommer hießen Marvin Williams und Nicolas Batum. Beide hatten eine enttäuschende Saison 2014/15 hinter sich, beide waren stark zurückgekommen und mussten dementsprechend bezahlt werden. Gerade Batum hatte durch seine guten Leistungen (14,9 Punkte, 6,1 Rebounds, 5,8 Assists) Begehrlichkeiten geweckt – schob diesen allerdings schnell den Riegel vor. Eine Unterschrift später hatte der Franzose einen Vertrag über fünf Jahre und 120 Millionen Dollar in der Tasche und blieb den Hornets erhalten.

Das gleiche Resultat konnte das Front Office um General Manager Rich Cho bei Stretch-Forward Williams vermelden. 54,5 Millionen Dollar lässt sich der 30-Jährige seine Dienste in den nächsten vier Jahren kosten. Sein Resigning war wichtig und sollte – wenn Williams nicht nur im Contract-Year stark spielt – sein Geld wert sein.

Da für den erst im Februar ertradeten Courtney Lee nicht mehr das Geld übrig war, das der Three-and-D-Spieler gerne gesehen hätte, hieß es nach wenigen Monaten bereits wieder Abschied nehmen – als Ersatz holte man Marco Belinelli ins Team. Auch wenn dieser zweifellos weiß, wie man von der Dreierlinie punktet, sucht man das „D“ vergeblich – im Namen wie auf dem Platz. Den Italiener ließ man sich noch vor dem Draft den 22. Draftpick kosten. Coach Steve Clifford rechtfertigte den Trade damit, dass ein an dieser Stelle gedrafteter Rookie frühstens in seiner dritten Saison nennenswerte Minuten sehen würde – Belinelli muss seinen Starting-Spot allerdings erst einmal rechtfertigen. Bei den Kings traf er zuletzt nur 38,6 Prozent seiner Würfe und gar nur 30,6 Prozent seiner Dreier.

Härter als der Verlust von Courtney Lee wird sich der von Jeremy Lin erweisen. Dass sich Charlotte als eine Art Jungbrunnen für in den Sand verlaufende Karrieren entpuppt, durfte auch Linsanity in der vergangenen Saison erfahren und spielte eine wichtige Rolle als Backup-Point-Guard (11,7 Punkte, 3,0 Assists). In Brooklyn wird Lin weit mehr Geld sehen, als es ihm die Hornets hätten bieten können, als neuen Backup-Einser holte das Front Office Ramon Sessions ins Team. Auch wenn der Vertrag über zwei Jahre und 12,3 Millionen Dollar vertretbar ist, lässt sich die Frage ob des adäquaten Ersatzes sicherlich nicht mit „Ja“ beantworten.

Roy Hibbert 2013_3 von Mark Runyon_Basketball Schedule (CC BY-NC-SA 2.0)
Aller guten Dinge sind drei? Neben Lee und Lin war nach drei Jahren auch für Al Jefferson Endstation. In der letzten Saison kam Big Al ohnehin nur noch von der Bank, spielte zudem nur 47 Spiele, war aber trotz seiner 31 Jahre und einem gefühlt 20 Jahre älteren Körper ein starker Spieler mit dem Rücken zum Korb. Als Ersatz könnte das Front Office allerdings den Move der Offseason gemacht haben: Roy Hibbert spielt in der kommenden Saison in Charlotte; der Einjahresvertrag für fünf Millionen Dollar bietet absolut kein Risiko. Vor drei Jahren war Hibbert ein heißer Kandidat auf den „Defensive Player of the Year“-Award, wenn er also nur annähernd in diese Form zurückfinden kann, kann sich Rich Cho über einen echten Steal freuen – das „wenn“ ist aber ziemlich fett.

Star und Schlüsselspieler

Kemba Walker Charlotte HornetsSpätestens nach seinem neuen Vertrag kommt man nicht umhin zu sagen: Der Star in Charlotte trägt den Namen Batum. Sein Coach bezeichnet ihn als „glue guy“ innerhalb des Teams, seine Vielseitigkeit hat er mehrfach unter Beweis gestellt. Batum muss in der kommenden Saison das Team zusammen mit Kemba Walker tragen, falls möglich zudem sein Three-Point-Shooting verbessern (34,8 Prozent letzte Saison). Bisher war Batum nie der Go-to-Guy oder gar die erste Option – dass er das in der nächsten Saison trotz rund 25 Millionen Dollar Jahresgehalt sein muss, ist nicht in Stein gemeißelt, Walker wird da ein Wörtchen mitzureden haben. Dass man aber Großes von ihm erwartet, ist offensichtlich.

Nichtsdestotrotz ist weiterhin Kemba Walker der Schlüsselspieler. Auch wenn Batum durchaus in der Lage sein könnte, ab und zu den Spielaufbau zu übernehmen, steht und fällt das Spiel der Hornissen vor allem mit dem 26-jährigen Point Guard. Nicht nur, dass Walker in der vergangenen Saison mit 9,9 Win Shares sein Team deutlich anführte (Rang zwei belegte Batum mit 5,0) und sein Dreier besser fiel (37,1 Prozent), er lenkt das Spiel und sorgt für seine Drives für den Platz, den das Team benötigt. In der letzten Saison waren die Hornets stark von ihrem Dreier abhängig (viertmeiste Versuche, achtbeste Quote), Walkers starker Zug zum Korb ist hier essentiell.

Kaderübersicht

Point GuardKemba WalkerRamon SessionBrian Roberts
Shooting GuardMarco BelinelliJeremy LambAaron Harrison
Small ForwardNicolas BatumMichael Kidd-Gilchrist
Power ForwardMarvin WilliamsChristian WoodSpencer Hawes
CenterCody ZellerRoy HibbertFrank Kaminsky

Um den letzten Kaderplatz streiten sich im Augenblick noch voraussichtlich Perry Ellis (PF) und Mike Tobey (C).

Prognose

Wo stehen die Charlotte Hornets im Augenblick? Das Team ist nicht unbedingt schlechter geworden, allerdings auch nicht unbedingt besser. Stattdessen gibt es im Augenblick einfach zu viele Fragezeichen, die die Prognose unheimlich erschweren: Kann Clifford Belinellis defensive Schwächen verstecken? Wie fügt sich Roy Hibbert ein? Kann Ramon Sessions in etwa Jeremy Lins Zahlen und Produktivität liefern? Kann von der unerfahrenen Bank genug kommen?
Am interessantesten wird es aber sicherlich zu sehen sein, wer die Rolle des Sixth Man übernimmt. Sessions? Kaminsky? Lamb? Oder sehen wir vermehrt große Line-Ups mit Kidd-Gilchrist auf der Zwei und Batum auf der Drei und Belinelli ist der erste Mann von der Bank?

Das Ziel der Hornets muss es zweifellos sein, die Playoffs zu erreichen. Die Strategie wird wohl weiter auf starker Teamdefense (letzte Saison Rang acht im Defensive-Rating), kaum Turnover (die wenigsten in der vergangenen Saison) und vielen Dreiern getrimmt sein, die Starting Five ist mehr als nur solide und Clifford ein guter Coach. Ob es am Ende für den Heimvorteil reicht, ist schwer zu sagen. Neben den Cavs und den Raptors muss man diese Saison mit den Celtics, den Hawks, den Bulls, den Knicks (?) und womöglich den Heat rechnen. Wichtig ist also Konstanz.

Die Playoffs erreichen die Hornets, am Ende wird es erneut für den sechsten Platz in der Eastern Conference reichen – für mehr aber wohl wieder nicht.

US-Manager-Tipp

Keine Überraschung: Wenn ihr Produktivität auf allen Kanalen wollt, dann nehmt die 7,11 Millionen Dollar in die Hand und holt euch Nicolas Batum. Der Franzose ist zwar nicht der billigste (auch nicht der teuerste) unter den Forwards, wird aber sicherlich liefern. Wenn ihr etwas für kleineres Geld sucht, dann schaut unter den Bigs der Hornissen. Frank „The Tank“ Kaminsky wird mehr Spielzeit als in seiner Rookie-Saison sehen und seine Stats (7,5 Punkte, 4,1 Rebounds) sicherlich steigern – für 2,73 Millionen Dollar kein teurer Rollenspieler. Wer Lust auf ein wenig Risiko hat, dem sei Christian Wood ans Herz gelegt. 2015 im Draft nicht berücksichtigt, in der Summer League ordentlich auf sich aufmerksam gemacht (15,8 Punkte, 5,6 Rebounds), hat der rohe Power Forward durchaus das Potenzial, der nächste K.J. McDaniels zu werden.

Nicolas Batums Hornissenschwarm
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