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New York Knicks: Rückfall in alte Zeiten?

02.10.2016 || 11:07 Uhr von:
Phil Jackson war im Sommer 2016 sehr aktiv. Helfen die Neuverpflichtungen dem Team weiter? Was bedeutet das für die Entwicklung des neuen Local Hero? Droht eine neue Ära à la Isiah Thomas?

Innerhalb eines Jahres entwickelte sich ein Rookie vom Buhmann zum größten Hoffnungsträger seit Patrick Ewing: Nicht Camelo Anthony, sondern Kristaps Porzingis soll der neue Fixpunkt einer erfolgreichen Zukunft im Big Apple sein. Dementsprechend wurde erwartet, dass New York nach und nach ein junges Team um den Letten formt. Phil Jackson war anderer Meinung. Die Offseason 2016 brachte viele Win-Now-Moves. Die letzten guten Jahre von Melo sollten genutzt werden. Was bewegte den Zen-Meister zu solch drastischen Maßnahmen? Ist Porzingis der Leittragende des Sommers? Begehen die Knicks die Fehler der Isiah Thomas-Ära?

Die dunklen Zeiten

1999 waren die Knickerbockers kurz davor erstmals als achtplaziertes Team einer Conference den NBA-Titel zu gewinnen. Trotz der Verletzung ihres Franchise-Centers gelang es New York in die NBA-Finals einzuziehen. Dort scheiterten Allan Houston & Co an den Twin-Towers aus San Antonio. Die Euphorie in der größten Stadt der USA kannte dennoch keine Grenzen. Mit diesem talentierten Kader, dem Vorteil des riesigen Marktes und dem tiefsten Geldbeutel der Liga sollte der dritte Titel der Franchise-Geschichte folgen. Trophäen sammelten jedoch andere. Trotz hoher Investitionen und großer Namen entwickelten sich die Knicks im folgenden Jahrzehnt zur Lachnummer der NBA. Viele Verpflichtungen wurden zum Desaster. So reichten Center Jerome Jones 2005 beispielsweise elf gute Playoffspiele um von Thomas einen Vertrag über fünf Jahre und 30 Millionen Dollar zu erhalten. Drei Punkte in neun Minuten pro Spiel waren sein Bestwert, bevor er 2009 entlassen wurde. Ein Jahr nach Jones bekam Jared Jeffries einen vergleichbaren Vertrag. Um in der Free Agency 2010 zwei potenzielle Maximalverträge aufnehmen zu können wurde er als Salary-Dump im Februar des gleichen Jahres nach Houston getradet. Dies kostete das Team zusätzlich einen der kürzlich in der Top10 gedrafteten Spieler – Jordan Hill.

Neben miesen Vertragsgestaltungen kam eine kathastrophale Kaderzusammenstellung. So standen in der Saison 2006/07 mit Stephon Marbury, Jamal Crawford, Eddy Curry, Steve Francis und Nate Robinson zwar gute Spieler im Kader, der Fit reichte jedoch zu lediglich 33 Siegen. Daraufhin wurde Francis mit Channing Frye – einer der wenigen brauchbaren Komplimentärspieler – für Zach Randolph nach Portland getradet. Letzterer passte noch weniger ins Konzept. Dementsprechend gabs im Folgejahr zehn Siege weniger zu feiern.

Das Erfolgsrezept der 90er – harte Defense sowie eine gesunde Mischung aus Star- und Rollenspielern war unter Thomas niemals zu sehen, Kontinuität ein Fremdword. Nach und nach trugen unzählige Altstars (u.a. Penny Hardaway, Tracy McGrady, Vin Baker) das Trikot der Knicks. Keiner konnte annähernd an die besten Zeiten anknüpfen. Kurz zusammengefasst: wenn der Trade für Andrea Bargnani in einem Ranking der miesesten Moves seit der Jahrtausendwende nicht einmal in die Top5 kommt, lief einiges schief.

Dementspreched groß waren die Erwartungen als Phil Jackson 2013 die sportlichen Geschicke der gebeutelten Franchise in seine Hände nahm. Nach der diesjährigen Offseason herrscht wieder Unsicherheit bei den Anhängern der Knicks. Denn die Strategie erinnerte oberflächlich stark an die Zeiten von Isiah Thomas. Es gibt jedoch entscheidende Unterschiede.

Offseason 2016

Nachdem New York bei Wunschspieler Kevin Durant nicht einmal in der engere Auswahl stand, wurde vielerseits ein Übergangsjahr gefordert, um die stärkere Free-Agent-Klasse 2017 zu nutzen. Die Knicks hatten die Möglichkeit Platz für zwei Maximalverträge zu schaffen. Die vergangenen Jahre zeigten jedoch, dass dieses Konzept zumeist nicht aufgeht. Mit Dallas, Atlanta und Phoenix scheiterten beispielsweise viele Franchises mit dieser Strategie. 2010 waren die Knicks ebenfalls nicht erfolgreich damit. Denn gute Free-Agents gehen zu erfolgreichen Teams. Ohne nennenswerte Neuverpflichtungen würde das Team jedoch erneut an der Playoffqualifikation scheitern.

Phil Jackson hatte somit die Wahl zwischen einem langfristigen Rebuild um seinen vierten Pick 2015 oder dem Versuch, New York durch sportliche Erfolge attraktiver zu gestalten. Beide Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile. Die Vertragssituation von Camelo Anthony – er kann ohne seine Zustimmung nicht getradet werden – erschwert einen Rebuild. Dazu kommen auf jeden erfolgreichen Wiederaufbau à la Oklahoma City mehrere Teams, die sich davon jahrelang nicht erholt haben. Die Medienlandschaft im Big Apple sowie ein ungeduldiger Besitzter sprechen ebenfalls gegen einen erfolgreichen Rebuild.

Deshalb entschied sich Jackson für die zweite Option. Diese Strategie kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn die Knicks im kommenden Jahr die Playoffs erreichen. Ansonsten hätten die Verantwortlichen langfristig finanzielle Flexibilität geopfert, ohne den erwünschten Effekt zu erzielen.

Joakim Noah

Viel Kritik erntete das Front Office für die Verpflichtung von Joakim Noah. Vor allem die Vertragslänge sorgte für Unverständnis. Denn wenige Tage zuvor gaben die Knicks einen vergleichbaren Spieler – Robin Lopez – mit einem geringer dotierten Vertrag sowie kürzerer Laufzeit ab. Dazu ist Lopez einige Jahre jünger und besitzt nicht die Krankenakte des Franzosen. Was verleitete Phil Jackson zu solch einem Move?

Das Spiel von Joakim Noah litt in den letzten beiden Jahren in der Tat unter seinen Verletzungen. Bereits in den Playoffs 2015 konnte der zweifache NCAA-Champion nicht überzeugen. Mit einer 38%igen Feldwurfquote sowie dem schwächsten Punktschnitt seiner Karriere (7 Punkte pro 36 Minuten) konnten er seine Kritiker auch 2015/16 nicht eines Besseren belehren. Dennoch besitzt ein einigermaßen gesunder Noah Eigenschaften, die Lopez nicht bringen kann.

Bereits im Sommer 2015 buhlte Jackson um die Dienste von David West. Denn trotz aller sportlichen Qualität von Anthony ist dieser kein Leader, der sein Team mitreißen kann. Dies zeigte er sowohl in Denver wie auch in New York. Die erfolgreichsten Jahre hatten beide Teams, als sie Melo mit einem Führungsspieler paarten. Die Bedeutung von Chauncey Billups und Jason Kidd ging weit über das hinaus, was sie statistisch auf dem Feld lieferten. Anthony mag der Star auf dem Parkett gewesen sein, hinter den Kulissen waren die beiden Point Guards jedoch der Kitt, das die Teams zusammenhielt. Diese Rolle erhoffen sich die Knicks von Noah. Und genau diese Qualitäten haben ihn stark gemacht. Denn trotz aller Verletzungsprobleme erreichte Chicago mit ihrem Center aller Unkenrufe zum Trotz jährlich die Playoffs.

Die einzige Ausnahme war hierbei die vergangenen Saison, in der der Noah verletzt ausfiel. Nachdem der Franzose im Dezember verletzungsbedingt seine Saison beenden mußte, fielen die Bulls nach einem soliden Saisonstart auseinander. Die Verteidigung, die zuvor mit einem DefRtg unter 100 an die Zeiten von Coach Tom Thibodeau erinnerte, fiel auseinander.

In New York erhofft sich das Team von Noah einen ähnlichen Effekt. Nur wenn der Neuzugang dieser emotionale Leader sein kann, den die Knicks in der schwachen zweiten Saisonhälfte gebraucht hätten, ist seine Verpflichtung zu rechtfertigen. Dann würde auch der Hoffnungsträger der Knicks, der noch einige Jahre davon entfernt ist dauerhaft auf Center zu agieren, von seiner Anwesenheit profitieren.

Kristaps Porzingis

Junge Spieler sollten zu Beginn ihrer Karriere Minuten und Touches bekommen sowie Fehler machen dürfen. In einem potenziellen Playoffteam ist dies meist nicht gewährleistet. Diese Einstellung vertreten viele NBA-Fans. Und Negativbeispiele wie Darko Milicic, dem die fehlende Spielpraxis zu Beginn seiner Karriere zum Verhängnis wurde, bestätigen diese Theorie. Und wäre Porzingis der rohe Spieler, für den er vor einem Jahr gehalten wurde, wäre die Kaderzusammenstellung der Knicks für seine sicher bedenklich.

Doch der Lette bewies in den ersten Monaten der vergangenen Saison, dass er Leistungsträger eines Teams sein kann, dass die Hälfte ihrer Spiele gewinnt. Wenn er das erhoffte Starpotenzial besitzt, wird er im zweiten Jahr von den besseren Mitspielern profitieren. Denn gerade als Big Man ist er darauf angewiesen, dass diese ihn in gute Positionen bringen. Dies verdeutlichte die Situation von Anthony Davis 2015/16. Dieser begann das Jahr als MVP-Kandidat und konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Grund hierfür war vor allem das Verletzungspech seiner Mitspieler. Zu häufig war der Toppick des Jahres 2012 auf sich allein gestellt. Zu selten wurde er in gute Positionen gebracht.

Ähnlich erging es Porzingis im vergangenen Jahr. Nach einem starken Saisonstart stellte sich die gegnerische Defense immer besser auf seine Stärken ein. Während zu Beginn Melo das Hauptaugenmerk der Verteidigung auf sich zog, verlagerte sich dies im Saisonverlauf auf die beiden Forwards. Ein Upgrade der Mitspieler sollte seiner Effizienz helfen.

Ein wichtiger Faktor könnte auch die Verpflichtung von Coach Jeff Hornacek sein. Dieser zeigte in seiner Debutsaison bei den Phoenix Suns, dass er einen Stretch Big zu nutzen weiß. Dort bereitete der ehemalige Jazz-Spieler seinen Gegnern mit Channing Frye im Pick&Pop häufig große Probleme. Hier wurde der Lette in seiner Rookiesaison kaum eingesetzt. Dabei sollte dies die große Stärke eines Spielertypen wie Porzingis sein. Dazu benötigt Hornacek jedoch die Freiheiten häufiger von der Triangle abzuweichen zu dürfen sowie einen soliden Point Guard.

Doppelt hält besser

Im vergangenen Jahr gehörte die Point-Guard-Rotation zu den schwächsten der Liga. Deshalb stand ein Upgrade dieser Position weit oben auf der To-do-Liste von Phil Jackson. Das Problem: auf dem Free-Agent-Markt war die Auswahl beschränkt. So holte er mit Derrick Rose einen umstrittenen Spieler aus Chicago.

Der MVP 2011 war nach seinem Kreuzbandriss im darauffolgenden Jahr nie wieder der gleiche Spieler. Ständige Verletzungssorgen und ein fehlender Sprungwurf sorgten dafür, dass er mitlerweile zu den uneffektivsten Point Guards der Liga gehört. Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung.

Jeff Van Gundy: „I think a lot comes down to [Derrick] Rose’s health and play and then the bench. It will be interesting to see how that works out. But I certainly believe their starting lineup has the potential to be a 50-game winner without question.“

Bereits in den Playoffs 2015 deutete Rose an, dass ein Aufwärtstrend erkennbar war. Die Augenverletzung vor dem Start der letzten Saison war ein erneuter Rückschritt, ist jedoch zuminest nicht auf seine vorherigen Probleme – den Knien – zurückzuführen. Erstmals seit eineinhalb Jahren bereiten ihm diese keine größeren Probleme. So präsentierte er sich im Frühjahr 2016 wieder deutlich stärker. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass die Nummer 25 eine All-Star-Saison hinlegen wird. Sollte er sich unter den 20 besten Point Guards der Liga etablieren, wäre dies ein großes Upgrade zur Vorsaison.

Wenn Rose die Erwartungen nicht erfüllen kann, steht mit Brandon Jennings noch ein zweiter Hoffnungsträger bereit. Der zehnte Pick des Jahres 2009 war ebenfalls lange verletzt und konnte zuvor lediglich wenige Wochen zeigen, dass er ein guter Floorgeneral sein kann. Er kam jedoch nahezu zum Nulltarif. Wenn nur einer der beiden Spielmacher eine solide Saison spielt, ist den Knicks immens geholfen.

Die neuen Knicks

Wie im letzten Jahrzehnt stehen auch in der kommenden Saison zahlreiche Spieler im Kader, die ihre besten Jahre bereits hinter sich haben. Danach hört die Gemeinsamkeit jedoch auf.

New York besitzt einen potenziellen Franchise Player, um den sie langfristig aufbauen können. Den Altstars stehen mit Courtney Lee und Lance Thomas wichtige Glue Guys zur Seite, die in Vergangenheit oft fehlten. Die Mischung ist deutlich homogener wie zu Zeiten von Coach Larry Brown oder Isiah Thomas. Hornacek besitzt das Personal für gute Big-Ball sowie Small-Ball-Lineup. Desweiteren besitzten die Knicks 2017 massig Capspace – nach derzeitigen Prognosen gut 26 Millionen. Mit kleineren Salary-Dumps wäre sogar ein Maximalvertrag finanzierbar. Diese Flexibilität fehlte häufig.

Dennoch besteht die Gefahr, dass die Knickerbocker an den gesundheitlichen Problemen ihrer Spieler scheitern werden. Diesmal profitieren davon zumindest keine Konkurrenten.  Während in der Vergangenheit beispielsweise LaMarcus Aldridge oder Gordon Hayward mit Picks gedraftet wurden, die zuvor den Knicks gehörten, besitzt New York erstmals seit Jahren alle zukünftigen Erstrundendraftpicks.

Fazit

Die New York Knicks sind kein Superteam. Es ist gar zu befürchten, dass sie in diesem Jahrzehnt kein ernstzunehmender Titelfavorit sein werden. Das Phil Jackson nach solch chaotischen Jahren innerhalb kürzester Zeit die Larry O`Brien Trophy in den Big Apple holen würde, war niemals realistisch. Er betont immer wieder, das sein Hauptaugenmerk darauf liegt, das Image der Franchise zu ändern. In den 90ern besaßen die Knicks eine Identität. Dies bescherte den Anhängern unvergessliche Playoffschlachten gegen Jordans Bulls, Millers Pacers oder Mournings Heat. Gelingt es Jackson diese Kultur neu zu etablieren sieht die Zukunft in Manhatten wieder rosig aus. Die Saison 2016/17 wird dabei auch das Schicksalsjahr für den Teampräsidenten. Jahr drei seiner Regentschaft wird zeigen, ob er die Probleme im Kader richtig lokalisieren und lösen konnte. Ansonsten reiht er sich in die lange Reihe von General Managern ein, die in New York gescheitert sind.

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