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Gone Fishin‘

09.02.2016 || 14:10 Uhr von:
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Die Entlassung von Coach Derek Fisher bei den Knicks war keine große Überraschung. Aber was waren die Gründe? Wie geht es in New York weiter? Und muss Phil Jackson umdenken?

Zwar war die Entlassung von Derek Fisher als Head Coach der New York Knicks nach zuletzt neun Niederlagen aus zehn Spielen nicht die größte Überraschung aller Zeiten, aber irgendwie doch größer als die Tatsache, dass Kristaps Porzingis als Jugendlicher mal Cornrows hatte. Zumindest als Schützling von Phil Jackson hätte man denken können, dass Fisher auf jeden Fall bis zum Ende der Saison Zeit bekommen würde. Woran ist Fisher gescheitert, und wer wird seine Nachfolge antreten?

Beste Voraussetzungen als zweite Wahl

Point Guards gelten wegen ihrer Spielübersicht und als verlängerter Arm ihres Head Coaches generell als gute Kandidaten für eine spätere Trainerkarriere. Derek Fisher, als Starter von fünf Meisterschaftsteams der Los Angeles Lakers, als Stimme des Teams Shaq und Kobe und später auch als Präsident der NBPA (Spielergewerkschaft), besitzt ohne Frage das Spielverständnis und die Führungsqualitäten, die man sich für einen Coach wünscht.

Als Phil Jackson und damit auch die Triangle Offense nach New York kam, war relativ schnell klar, dass Jackson aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst coachen können und daher einen Trainer suchen würde, der das System kennt und bereit ist, es einzusetzen. Bekanntlich entschied sich Jacksons erste Wahl, Steve Kerr, für den Posten der Golden State Warriors, so dass die zweite Option Derek Fisher übernahm.

Bilanz des Grauens

Ob die vergangenen Saisons beider Teams auch so unterschiedlich verlaufen wären, wenn sich die beiden Coaches für das jeweils andere Team entschieden hätten, bleibt eine Frage für den Besuch eines Paralleluniversums. Kerr erreichte jedenfalls die beste Bilanz der Liga, während Fisher mit den Knicks zur zweitschlechtesten Bilanz der Liga und schlechteste Bilanz der Franchise-Geschichte hinnehmen musste. Und diese Franchise ist immerhin schon seit Gründung der Liga im Jahr 1946/47 dabei!

Zwar gab es in dieser Saison einen klaren Aufwärtstrend, dennoch verlässt Fisher die Knicks mit der schlechtesten Siegquote aller Knicks-Coaches (immerhin 25 Vorgänger) mit gut 20 Prozent gewonnener Spiele. Seine Knicks haben also nur jedes fünfte Spiel für sich entscheiden können! Dennoch war man gewillt, ihm eine weitere Chance zu geben, war der Kader der vergangenen Saison vor allem nach dem katastrophalen 5-32-Start merklich ausgedünnt worden und hatte teilweise zur Hälfte aus D-League-Spielern bestanden.

Letze Chance … vorbei!

Mit neuem Talent sollte Jagd auf die Playoffs gemacht werden, und die Knicks waren gut im Rennen. Die Defense war merklich besser als in der Vorsaison. Und auch die Offensive wirkte viel flüssiger und laufintensiver als noch in guten Teilen der Vorsaison, wo doch vieles stagniert hatte, auch weil das Korsett der Triangle Offense ungewohnt und zu starr gewesen war.

Die Knicks integrierten vermehrt Elemente wie das Pick-and-Roll und nahmen im Vergleich zum Vorjahr nur 1,6 Dreier mehr, womit das Team jedoch immer noch dem unteren Drittel der Liga angehört. Allen Änderungen zum Trotz, fehlten die Siege, und jeder Coach wird letztendlich daran gemessen. Gut, vielleicht nicht, wenn man in Philadelphia oder Los Angeles arbeitet.

Die basketball.de-Redaktion, aus Daniel Tatje, Fabian Herbers und Max Wink, verteilte in der Halbjahresbilanz vor wenigen Wochen noch die Noten 2-, 3+ und 3 an Derek Fisher. Eine Aussage war, dass es derzeit keinen Grund gäbe, den Coach zu wechseln – vor allem auf Grund der Annahme, Fisher hätte den absoluten Rückhalt des Teams. Die Teamchemie war herausragend, und wirklich alle Spieler zogen mit, egal ob sie spielten oder nicht. Diesen Eindruck konnte man in den letzten Spielen nicht mehr unbedingt gewinnen; jedoch ist dies sicherlich angesichts der Niederlagen auch umso schwerer.

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Das nächte, bitte

Entgegen aller Wünsche von Knicks-Fans nach großen Namen auf dem Markt, wie David Blatt oder Tom Thibodau, möchte Präsident Phil Jackson wohl weiter an der Triangle Offense festhalten und dies zu einem wichtigen Kriterium bei der Personalsuche machen:

Wir suchen jemanden, der die Dinge in dem Stile angeht, wie wir es tun. Die Triangle Offense ist dabei wichtig, aber nicht in Stein gemeißelt.

Darüber hinaus wird spekuliert, ob Jackson wieder einen Coach holen wird, der formbar und vor allem wohl auch beeinflussbar ist. Jemand wie George Karl (derzeit noch in Sacramento) oder Stan van Gundy, die komplett die Geschicke des Teams an sich reißen würden, sind wohl eher nicht willkommen. Böse Zungen behaupten, Jackson suche nach einer neuen Marionette. Soweit sei an dieser Stelle nicht gegangen, da diese Ansicht zu eindimensional und vor allem dem Basketballsachverstand von Phil Jackson nicht gerecht werden würde.

Dennoch würde den Knicks ein gestandener Coach mit eigener Philosophie und entsprechender Vita eines David Blatt gut zu Gesicht stehen. Ein Tom Thibodeau würde den Knicks vielleicht die defensive Identität bescheren, die sich viele Knicks-Fans aus den 90er Jahren zurückwünschen: als man die Zone der Knicks noch zum Sperrgebiet erklärt hatte, und jeder, der versucht hatte, diese zu betreten, auch Tage später noch fühlte, warum dies keine gute Idee gewesen war.

Thibs hat darüber hinaus eine Vergangenheit in New York als Assistant Coach unter Jeff van Gundy; Quellen sagen über ihn, dass er nach New York kriechen würde, um den Posten zu bekommen.

Doch so wird es wie gesagt wohl nicht kommen. Heiße Kandidaten sind derzeit Luke Walton, der in Abwesenheit von Steve Kerr die Warriors von Rekord zu Rekord gelotst hat, und Brian Shaw, der zuletzt furios in Denver gescheitert ist und gerade zum Ende seiner Amtszeit die Spieler nicht mehr unter Kontrolle hatte. Beide Coaches, man ahnt es schon, kennen Phil Jackson von seiner Zeit in Los Angeles. Walton war Teil von zwei Meisterschaften der Lakers; Shaw als Spieler beim Threepeat und den beiden späteren Meisterschaften als Co-Trainer von Jackson. Der Zen-Meister kennt beide also wirklich gut, weshalb es keine Überraschung wäre, einen von beiden in New York zu sehen.

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Name that shape!

Doch wäre dies die richtige Entscheidung? Niemand würde Derek Fisher absprechen, die Triangle Offense zu verstehen und auch vermitteln zu können. War er einfach nur ein schlechter Coach? Oder zeigt das prominenteste Triangle-Expirement nach der Phil-Jackso- Ära, Kurt Rambis, nicht, dass die Zeit der Triangle einfach vorrüber ist? Kurt Rambis hatte von 2009 bis 2011 die Zügel der Minnesota Timberwolves in den Händen und implementierte dort die Triangle Offense. Mit einer Bilanz von 32-132 und einer Siegquote von gut 19 Prozent unterbietet er sogar noch Derek Fishers Bilanz bei den Knicks. Ist die Triangle zu kompliziert, einfach veraltet, oder kann von heutigen Coaches nicht mehr richtig vermittelt werden?

Wie Jackson selbst schon oft sagte, wird die Triangle Offense von vielen Leuten viel zu hoch gehalten. In der Basis des Systems stehen ganz einfache Dinge des Sports, wie Bewegung ohne Ball, Blocks stellen und vor allem Spacing. Ja, Spacing, den Begriff den NBA-Fans eigentlich erst seit den Run-and-Gun Phoenix Suns unter Mike D’Antoni kennen. Denn grundsätzlich soll die Triangle einem Spieler immer mindestens zwei Möglichkeiten geben, den Ball zu passen. Warum also dieses System oder eine Abwandlung einer so genannten „Motion Offense“. wie sie die Spurs oder Hawks spielen. nicht funktionieren sollte, ist schwer nachzuvollziehen. Es darf einfach nur nicht zu starr sein.

Und hier kommen wir zum eigentlichen Problem: Mit Jackson in der Rolle des Triangle-Gurus und jedem Coach unter ihm in der Rolle dessen, der jederzeit gefeuert werden kann, versuchen die Coaches sicherlich, sich so nah wie mögich an die Triangle zu halten. Wenn dann jemand davon abweicht und sich die Erfolge nicht schnell einstellen, ist Schluss.

Herr Jackson, bitte übernehmen Sie … nicht

Es ist eine ähnliche Situation, wie sie zuvor mit Teambesitzer James Dolan und seinen General Managern schon in New York zu beobachten war. Hat das Team keinen Erfolg und du befolgst, was ich dir sage, kann ich darüber hinwegsehen. Hast du keinen Erfolg und versuchst es auf deine Art, bist du weg. Phil Jackson kann und will nicht Coach der Knicks sein. Er sollte daher das machen, was James Dolan getan hat: sich jemanden suchen, der kompetent genug ist, dem er vertrauen kann, und sich dann raushalten. Er darf gerne beratend auftreten und weiterhin mit seiner Wirkung als Ikone des Sports für Klarheit und Ordnung in der Franchise sorgen und Personalentscheidungen treffen. Jedoch die Spielphilosophie vorzugeben, ohne selbst in der Verantwortung zu stehen, ist falsch.

Das nächste Halbjahr ist wichtig: Die Knicks haben mit Carmelo Anthony einen der besten Spieler der Liga in ihren Reihen. Arron Afflalo, Robin Lopez, Jose Calderon und Derrick Williams sind gestandene NBA-Spieler, und mit Porzingis und weiteren entwicklungsfähigen Spielern besitzen die Knicks eine Zukunft. Nun heißt es, potentiellen Free Agents zu zeigen, dass es sich lohnt, nach New York zu kommen, und dass man die Vergangenheit hinter sich gelassen hat. Ein Porzingis kann nur so viel Hoffnung verbreiten. Wenn sich nun Niederlagen aneinanderreihen, verblasst die Strahlkraft sehr schnell.

Daher die Bitte an Herrn Jackson: etwas Abstand nehmen, einen Coach holen, der nicht versucht irgendeine Philosophie durchzusetzen, sondern versucht, das Beste aus den Spielern herauszuholen, und diesem das Vertrauen geben.

P.S.: Bitte ignoren Sie einfach die Initiativbewerbung von Dennis Rodman…

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