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Boogie-Brow: Auf die Hörner genommen

28.11.2017 || 16:02 Uhr von:
Anthony Davis und DeMarcus Cousins sind das dominanteste und vielseitigste Big Men-Duo der NBA. Nur ihretwegen ist New Orleans wieder relevant. Wie setzen die Pelicans ihre beiden Stars in Szene?

Die New Orleans Pelicans stehen derzeit mit einer Bilanz von elf Siegen und neun Niederlagen auf Platz sieben der Western Conference. Besser startete die Franchise zuletzt vor sieben Jahren in eine Saison. Großen Anteil daran hat das Big Men-Duo bestehend aus Anthony Davis und DeMarcus Cousins. In diesem Beitrag erklären wird, warum die beiden Stars so überragend aufspielen und welche Plays für sie gelaufen werden.

AD und Boogie: Top-10-Scorer und -Rebounder

„Beide können innen und außen spielen. Wir können sie abwechselnd auflaufen lassen. Und wenn sie zusammen auf dem Feld stehen, haben sie glaube ich keine Schwäche. Beide sind sehr gute Rebounder, sehr smarte Spieler, willige Passer. Sie machen das Spiel für jeden einfacher.“

Mit dieser Aussage bringt New Orleans‘ Head Coach Alvin Gentry die Vielseitigkeit seiner zwei Leistungsträger auf den Punkt. Lediglich das Offensichtlichste hat der 63-Jährige nicht erwähnt: Die beiden sind begnadete Scorer. Davis belegt mit 25,9 Punkten pro Spiel Rang sechs in der Scorer-Wertung, Cousins liegt mit 25,5 Punkten nur zwei Plätze dahinter. Auch bei den Rebounds liegen beide in den Top-10 (Cousins 5. mit 12,6 RpG, Davis 7. mit 11,3). Zusammen legt das Duo im Durchschnitt 51,4 Punkte, 23,9 Rebounds, 8,2 Assists und 6,3 Stocks (Steals und Blocks) auf.

Cousins zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nur unter dem Korb dominiert, sondern dank seines Wurfs und seiner Spielintelligenz auch auf dem Flügel eingesetzt werden kann. So nimmt „Boogie“ sieben Dreipunktwürfe pro Spiel und erzielt die drittmeisten Assists im Team (5,4 ApG). Allerdings produziert der Center auch die meisten Ballverluste in der Liga (5,3 TpG). Nicht selten bringt der 27-Jährige sogar den Ball nach vorne. In manchen Situationen spielt er das Pick-and-Roll nicht etwa als Blocksteller, sondern als Ballhandler! Entweder mit Davis oder einem Guard als Blocksteller. In seltenen Fällen spielt auch „AD“ das Pick-and-Roll als Ballführender.

Davis verfügt ebenfalls über all diese Qualitäten, allerdings setzen die Pelicans ihn häufiger im Post oder als Blocksteller im Pick-and-Roll ein. Der 24-Jährige ist aufgrund seiner Kombination aus Länge und Explosivität vielleicht der gefürchtetste Abroller in der NBA. Und so besteht eines der meistverwendeten Plays der Pelicans aus einem Pick-and-Roll mit einem abrollenden „AD“ und einem auf der ballfernen Seite hinter die Dreierlinie „poppenden“ Cousins.

Die Allzweckwaffe

Der Angriff beginnt mit einer Horns-Aufstellung. Das heißt, dass sich die beiden Big Men an den „Elbows“, also den beiden Ecken der Freiwurflinie, positioieren. Anschließend spielt der ballführende Guard ein Pick-and-Roll mit Anthony Davis. Der Fokus der Verteidigung auf diese Aktion ist so groß, dass Cousins oft vollkommen alleine an der Dreierlinie stehen gelassen wird, da sich auch dessen Gegenspieler darauf konzentriert, die „Braue“ am Abrollen zum Korb zu hindern. Kommt Davis nicht in die Zone, stellt er stattdessen einen Back-Screen gegen „Boogies“ Gegenspieler. Der Center hat dadurch besonders viel Zeit zur Wurfvorbereitung.

Dieses von vielen „Spain Pick-and-Roll“ genannte Play – ESPNs Zach Lowe bezeichnete es damals auch als „New Orleans Bunch Play“ – ist seit einigen Jahren das Markenzeichen der Pelicans, mit dem sie ihre Gegner sprichwörtlich auf die Hörner nehmen. New Orleans läuft das Play häufig zu Beginn eines Viertels, nach Auszeiten oder generell, wenn es in der Offensive mal hakt. Selbst zu Zeiten des vorherigen Head Coaches Monty Williams spielten die Hornets/Pelicans diese Aktion, damals nur halt mit Anthony Davis und Ryan Anderson oder einem wurfstarken Flügelspieler wie Eric Gordon.

Augenmerk liegt auf Davis

Es wird interessant sein zu sehen, welche Anpassungen die Gegner für dieses Play künftig vornehmen werden – beziehungsweise ob sie überhaupt Anpassungen vornehmen. Cousins trifft in dieser Saison 32,8 Prozent seiner Dreier und 40,4 Prozent seiner sehr freien Distanzwürfe. Vielleicht nimmt der Gegner dies in Kauf und ist dankbar, dass „Boogie“ viel Zeit auf dem Flügel verbringt anstatt ihn in der Zone zu tyrannisieren. Die Alternative wäre zudem, bei der Verteidigung des Pick-and-Rolls mit Anthony Davis lockerer zu verteidigen. Dies würde jedoch zu mehr einfachen Korblegern und Dunks für „AD“ führen.

Dass das größere Augenmerk der gegnerischen Verteidigungen auf dem Pick-and-Roll mit Davis liegt, ist nachvollziehbar. Dieser Spielzug ist nach wie vor die gefährlichste Waffe der Pelicans, selbst ohne Beteiligung von Cousins. Ein „simples“ Pick-and-Roll sieht man im System von Offensiv-Guru Gentry dennoch nicht häufig. Oft wird das Play vorher vorbereitet. So bekommt der Pick-and-Roll-Ballhandler zuvor häufig einen Off-Screen gestellt oder initiiert das Blocken-und-Abrollen mit einem Handoff. Beispiele hierfür sind im folgenden Video (Szene eins und zwei) dargestellt. Auch in diesen Situationen sind zwei leichte Punkte für Davis ohne Hilfe von anderen Gegenspielern nur schwer zu verhindern. Falls diese kommt, bestraft der Big Man diese dank seiner Übersicht mit Kick-out-Pässen zu den freien Schützen.

Ohne Boogie-Brow geht’s bergab

Im bisherigen Saisonverlauf hat sich gezeigt, dass New Orleans nur mit Davis und Cousins auf dem Parkett erfolgreich sein kann. In diesen Minuten erzielten die Pelicans bislang 54 Punkte mehr als ihr Gegner. Steht nur einer der beiden auf dem Feld – wie meistens der Fall – oder keiner von ihnen, steht die Bilanz bei -57. Dies verdeutlicht die enorme Abhängigkeit von den beiden. Vor allem Davis ist unverzichtbar, da er, wie vorhin gezeigt, Räume für alle Mitspieler schafft – auch für Cousins. Ohne die „Braue“ stürzt das Net-Rating des Teams von +5,4 auf -11,1 Punkte pro 100 Ballbesitze ab, während dieses ohne „Boogie“ stabil bleibt. Ohne den Center funktioniert die Offensive zumindest statistisch betrachtet sogar etwas besser als mit ihm.

Nichtsdestotrotz ist Cousins einer der beiden wichtigsten Spieler des Teams. Die Probleme befinden sich dafür um die beiden herum. Jrue Holiday und E’Twaun Moore sind die einzigen weiteren Spieler mit Starter-Format. Ersterer trifft seinen Dreier bislang aber unterirdisch (25,0% 3FG bei 4,2 Versuchen). Immerhin ist diesbezüglich auf Darius Miller (47,9%), Moore (38,9%) und Jameer Nelson (38,8%) Verlass. Shooting kann dieses Team trotz der werfenden Big Men nicht genug haben.

Finanziell sind der Franchise vermutlich bis 2020 die Hände gebunden und damit Verstärkungen kaum möglich. New Orleans muss somit hoffen, dass Cousins im kommenden Sommer seinen Vertrag verlängert und die Pelikane solide Rotationsspieler für kleineres Geld an Land ziehen können. Keine gute Perspektive also für einen langen Playoff-Run. Doch wenigstens haben die Pelicans mit ihrem einzigartigen Big Men-Duo eine faszinierende Besonderheit in der Liga zu bieten. Das ist doch immerhin schon mal etwas.

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