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Donnerwetter am Independence Day

18.10.2016 || 15:44 Uhr von:
Westbrook
Nach neun Jahren verlässt Kevin Durant die Thunder. Damit liegen die Schlüssel der Franchise in den Händen von Russell Westbrook. Wie weit kann er Oklahoma City in der Saison 2016/17 tragen?

Die letzte Saison

88 Spiele mussten die Fans darauf warten, dass die Thunder ihr wahres Potenzial zeigten. In der regulären Saison sowie der ersten Playoffrunde glich die Leistung einer Achterbahnfahrt. Trotz der zweiteffektivsten Offensive und Platz drei in der Western Conference waren 55 Siege zu wenig. Mit zwei Superstars darf dieses Team nicht weniger Spiele gewinnen als die verletzungsgeplagten Cleveland Cavaliers oder die Toronto Raptors. Es fehlte an Konstanz. Auch den erwarteten neuen Spielfluss konnte Billy Donovan nie etablieren. Nach der peinlichen Auftaktniederlage in den Conference-Semifinals gegen die San Antonio Spurs schien die Saison von Oklahoma City bereits beendet.

Die sportliche Ohrfeige zeigte jedoch die erhoffte Wirkung. Bereits im nächsten Spiel gab das Team die passende Antwort. Sie zeigten plötzlich die oft vermisste Leidenschaft und kämpften für ihr großes Ziel. Die Adjustments von Donovan zeigten ebenfalls Wirkung. So gewann die Franchise aus dem Mittleren Westen sieben der folgenden neun Spiele gegen San Antonio und Golden State. Dank einer 3-1 Führung gegen das 73-Siege-Team standen die Thunder schon mit einem Bein in den NBA-Finals. Dann folgte das denkwürdige Comeback der Warriors. Klay Thompson und Stephen Curry sorgten mit herausragenden Leistungen in den Spielen sechs und sieben dafür, dass die Titelträume in Oklahoma City platzten. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Die Offseason

Am 4. Juli war keinem Anhänger der Thunder zum Feiern zumute. An diesem Tag erklärte Kevin Durant der bisherigen Franchise seine Unabhänigkeit und schloss sich den Golden State Warriors an. Damit ging die Schlammschlacht am Independence Day richtig los. Es hagelte Kritik an der Entscheidung des Small Forward. Wütende Fans verbrannten seine Trikots.

Denn mit dem Abgang des MVPs 2014 schwinden gleichzeitig die Titelambitionen der Thunder. Damit war Oklahoma City zweifelsfrei der Verlierer des Sommers. Daran konnten auch die restlichen guten Offseason-Moves nichts ändern. Neben den Verpflichtungen von Alex Abrines, Joffrey Lauvergne und Ronnie Price verhinderte Sam Presti, dass sich ein vergleichbares Szenario 2017 wiederholen wird. Im kommenden Jahr stand die Free Agency von zwei wichtigen Spielern an. Um Serge Ibaka – dieser war zuletzt unzufrieden mit seiner Rolle – nicht ohne Gegenwert zu verlieren wurde er bereits am Drafttag für Victor Oladipo, Ersan Ilyasova und Domantas Sabonis nach Orlando getradet. Russell Westbrooks Vertrag konnte im Sommer umstrukturiert und gleichzeitig verlängert werden. Der Franchise Player kann dadurch erst 2018 aus seinem Vertrag aussteigen. Dies verschafft dem Front Office ein zusätzliches Jahr, um um den Point Guard einen Contender aufzubauen.

Das Team und der Coach mögen sich bereits in der Saisonvorbereitung befinden, für Presti ist die Offseason allerdings noch nicht vorbei. Drei potenzielle Starter können im kommenden Jahr restricted Free Agents werden, falls bis zum 1. November keine vorzeitige Vertragsverlängerung erfolgt. Plante der General Manager langfristig mit diesen Spielern ist dies in der Vergangenheit nur Formsache gewesen. Abgesehen von James Harden, Jeff Green, Reggie Jackson und Dion Waiters verlängerten alle wichtigen Rollenspieler vorzeitig. Keiner der Ausnahmen stand ein Jahr später noch im Kader der Thunder. Die Einigung mit Victor Oladipo, Steven Adams und Andre Roberson ist jedoch ungewiss.

Angeblich liebäugelt Oklahoma City im kommenden Jahr mit der Verpflichtung von Blake Griffin. Um den Maximaldeal des Power Forwards stemmen zu können muss zumindest Enes Kanter getradet werden. Außerdem dürfen die Thunder kein zusätzliches Gehalt aufnehmen. Die drei werdenden Free Agents könnten nur dank ihres geringen Capholds gehalten werden. Deshalb ist es möglich, dass Presti von seiner gängigen Taktik abweicht.

Star und Schlüsselspieler

Im letzten Jahr gab es zahlreiche Diskussionen, wer eigentlich der beste Spieler der Thunder ist. Diese Frage stellt sich in der kommenden Saison nicht mehr. Die Thunder besitzen nur noch einen Häuptling und 14 Indianer. Russell Westbrook ist Topfavorit auf die Scoring Krone. 2015/16 fehlten lediglich 2,2 Rebounds zu einer Triple-Double-Saison. Daher gilt er ebenfalls als heißer Anwärter auf den MVP-Titel. Dafür muss er jedoch effektiver werden und sein Team mit Hilfe seiner Mitspieler sicher in die Playoffs führen.

Das Pick&Roll mit dem Center – sowohl mit Adams als auch Kanter – dürfte die beste Waffe in der Offensive der Thunder sein. Dazu benötigen beide genügend Spacing. Deshalb wird möglicherweise Ilyasova auf der Vier starten. Um die schwache Defense des Türken sowie von Westbrook zu kompensieren, benötigt Donovan auf dem Flügel gute Verteidiger. Einen elitären Two-Way-Player hat er dort jedoch nicht zu Verfügung. Deshalb sollten Roberson und Oladipo viele Minuten bekommen. Zwei Non-Shooter können sich die Thunder aber nicht leisten. Der Erfolg von Oklahoma City wird daher stark vom zweiten Draftpick 2013 abhängen.

Das Zusammenspiel mit Elfrid Payton litt im vergangen Jahr stark unter dem schwachen Shooting der beiden. Oladipo steigerte seine Dreierquote jedoch jährlich – nach dem Jahreswechsel traf er knapp 40% seiner Dreier. Neben der Nummer 0 sollte er deutlich mehr freie Schüsse bekommen. Die Entwicklung seines Wurfes wird einen großen Anteil an der Erfolgsbilanz der Thunder haben. Sollten die Gegner weder Oladipo noch Roberson respektieren, ist dieses Duo offensiv kaum spielbar. Auch in der Verteidigung hat der 24-jährige noch reichlich Luft nach oben. Sein direkter Gegenspieler trifft gegen ihn ebenso hochprozentig wie in den restlichen Saisonspielen. Oladipo gamblet noch zu häufig und reizt seine elitären körperlichen Anlagen kaum aus. Auch hier könnte ihm eine gestandene Mannschaft und die kleinere offensive Last zu Gute kommen.

Kaderübersicht

 StarterBankBank
PGRussell WestbrookCameron PayneRonnie Price
SGVictor OladipoAnthony MorrowAlex Abrines
SFAndre RobersonKyle SinglerJosh Huestis
PFErsan IlyasovaDomantas SabonisJoffey Lauvergne
CSteven AdamsEnes KanterNick Collison

Prognose

Als die Thunder zuletzt langfristig ohne Kevin Durant und Serge Ibaka auskommen mussten, verpasste sie trotz 45 Saisonsiegen hauchdünn die Playoffs. Damals brach sich Russell Westbrook jedoch im zweiten Spiel die Hand und konnte ebenfalls mehrere Wochen nicht auflaufen. Dieses sportliche Desaster sollte sich daher nicht wiederholen.

Die Playoffs sind in der starken Western Conference jedoch keine Formsache. Oklahoma fehlt die Qualität um 50 Siege und den Heimvorteil einzufahren. Dahinter kämpfen mehrere Teams um die letzten Tickets für die Postseason. Eine zweite langwierige Verletzung – Cameron Payne fällt bereits länger aus – oder die Stagnation der jungen Spieler ist kaum zu kompensieren.

Um nicht bereits Mitte April den Urlaub antreten zu müssen, sollte Billy Donovan den Kader zumindest zu einer Top10-Defense formen. Denn offensiv werden die Thunder nicht überdurchschnittlich sein. Abgesehen von Westbrook fehlt ein starker Scorer. Die Gefahr dabei: die Verteidigung lebt nicht nur vom Potenzial; Einsatz und Teamchemie ist sehr entscheidend. Die Houston Rockets des vergangenen Jahres sind dafür das perfekte Negativbeispiel. An diesem Ende des Feldes legt der Leader des Teams jedoch häufig eine Ruhepause ein. Dies darf nicht auf das restliche Team abfärben, denn sonst winkt erneut die Lottery. Mehr als eine Erstrundenteilnahme ist im Übergangsjahr 2016/17 nicht realistisch.

US-Manager-Tipp

Russell Westbrook könnte sich nach dem Abgang von Kevin Durant statistisch nochmal steigern. Keiner wird so viele Würfe bekommen wie der Point Guard der Thunder. Mit 12,97 Mio. ist er jedoch bereits der zweitteuerste Spieler des Managerspiels. Deutlich mehr Raum nach oben besitzt Steven Adams (3,8 Mio). Der Neuseeländer sollte im Angriff eine größere Rolle bekommen und vor allem am offensiven Brett von den Fehlwürfen seiner Mitspieler profitieren. Sollte Kanter aus Mangel an Alternativen öfters auf die Vier ausweichen, bekäme er außerdem mehr Spielzeit.

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