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Mit Minnie Mouse beim Draft

24.06.2017 || 15:08 Uhr von:
Langsam bewegen sich ihre Köpfe aufeinander zu, bis sich ihre Nasenspitzen sanft berühren. Minnie Mouse und Familie Tatum erlebten einen aufregenden Abend. Eine Reportage vom NBA-Draft.

Langsam bewegen sich ihre Köpfe aufeinander zu, bis sich ihre Nasenspitzen sanft berühren. Die kleine Kayden lacht laut auf. Sie hat riesigen Spaß, mit ihrem großen Bruder herumzutollen. Dass überall Kameras auf sie gerichtet sind, stört die Dreijährige überhaupt nicht.

Wenige Momente später: Ihr Bruder Jayson Tatum wird von den Boston Celtics an dritter Stelle gedraftet. Er gilt als einer der hoffnungsvollsten NBA-Frischlinge, soll die Celtics noch näher zum Titel führen. Doch als er die Nase seiner kleinen Schwester anstupst, ist alles vergessen – die Kameras, der Rummel, die turmhohen Erwartungen.

Der NBA Draft 2017: Der Abend, an dem sich das Leben von 60 jungen Menschen schlagartig verändert. „Das Rampenlicht ist nur auf euch gerichtet“, sagt NBA-Boss Adam Silver, während er die Bühne des Barclays Centers in Brooklyn betritt. Direkt vor ihm sitzen Tatum und 19 andere ausgewählte Toptalente. Jeder an einem kleinen Tisch mit eher stillosen schwarzen Klappstühlen. Jeder mit fünf Begleitern an seiner Seite: Eltern, Freundinnen, beste Kumpels oder Geschwister. Stolz hat die kleine Kayden ihren Minnie-Mouse-Rucksack mitten auf den Tatum-Tisch platziert.

Ein neuer Point Guard für Dirk

Zwei Tische weiter hat Dennis Smith Junior Platz genommen. Nasenstupser gibt’s hier nicht zu sehen. Der 19-Jährige tippt auf seinem Smartphone herum, schreibt ununterbrochen iMessages. Seine Schwester hat ein Instagram-Live-Video gestartet, filmt ihren nervösen Bruder.

Auch Vater Dennis Smith Senior – ein ehemaliger NFL-Profi – ist ins Smartphone vertieft, spricht dann aber doch fünf Worte mit Jalen Rose, als der ESPN-Analyst am Tisch vorbeikommt.

Kurz darauf löst sich die Anspannung: An neunter Stelle wird Dennis Smith von den Dallas Mavericks gezogen. Der Point Guard stürmt aufs Podium, schnappt sich eine blaue Mavs-Mütze, wird von Adam Silver beglückwünscht. „An der Seite von Dirk Nowitzki zu spielen, wird meiner Karriere einen enormen Auftrieb geben“, sagt Smith hinterher mit funkelnden Augen im Interviewraum. Dorthin wird jeder Spieler direkt von der Bühne aus gelotst. Also erst mal keine längeren Jubel-Arien mit der Family, denn das Business geht vor.

Draußen im Barclays Center haben sich die Zuschauerreihen schon langsam gelichtet. Ab 17 Uhr strömten die ersten Anhänger in die Halle der Brooklyn Nets, um halb acht wird der Nummer-eins-Pick verkündet. Dabei sind alle Plätze natürlich noch gefüllt, etwa 15.000 Menschen. Im Fünf-Minuten-Takt folgen dann die nächsten Namen. Insgesamt fast drei Stunden für die ersten 30 Spieler.

„Die Veranstaltung müsste knackiger sein.“

„Ich finde dieses Prozedere nicht so glücklich“, sagt Massimo Lopes Pegna, Journalist der Gazzetta dello Sport, während er beobachtet, wie immer mehr Menschen die Halle verlassen. „Die Veranstaltung müsste knackiger sein. So finden es viele Fans doch langweilig.“

Nur noch etwa 2.000 Zuschauer harren aus, bis auch die Spieler 31 bis 60 ausgerufen werden. Jetzt zum Glück im Zwei- bis Drei-Minutentakt. Trotzdem dauert die Prozedur bis weit nach Mitternacht. Ohne Show-Act, ohne wirkliche Abwechslung.

Hartenstein bei der PK nach dem Draft

Um Punkt 23:40 Uhr ist der große Moment für Isaiah Hartenstein gekommen. Die Houston Rockets wählen den 19-jährigen Deutschen an 43. Stelle aus – herzlichen Glückwunsch, Isaiah! Der 2,16-Meter-Riese drückt seinen Vater Florian, seine Mutter Theresa, ehe er sich auf der Bühne seine rote Rockets-Mütze abholt.

Kein Klappstuhl für Hartenstein

Der Weg ist für ihn etwas länger als für Tatum oder Smith, hatte er doch keinen exklusiven Tisch mit Klappstühlen erhalten. Stattdessen musste er sich’s im normalen Zuschauerbereich gemütlich machen.

Auch Isaiah muss hinterher in den Interviewraum. Grauer Anzug, silberne Krawatte, schwarzes Hemd – schick schick, der junge Mann. Und dazu die Rockets-Mütze auf dem Kopf.

„Ich hatte vor dem Draft ein Workout in Chicago und konnte mich dort mit Paul Zipser austauschen. Ich freue mich riesig, dass ich der nächste Deutsche bin, der den Sprung in die NBA geschafft hat“, verrät der Neu-Texaner, während sich ein strahlendes Lächeln in seinem Gesicht ausbreitet.

So geht ein sehr, sehr langer, aber trotzdem ganz besonderer Abend zu Ende. Ein Basketball-Abend ohne Basketball-Korb, dafür mit einer großen Portion Emotionen – und dem einen oder anderen Nasenstupser.

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