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Der Thriller von London

15.01.2016 || 09:48 Uhr von: ,
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Die Global Games in London entwickelten sich zum Drama, es blieb spannend bis zum letzten Wurf. Am Ende gewannen die Raptors nach Verlängerung gegen die Magic.

Als Nikola Vucevic’ Verzweiflungswurf von der Mittellinie hinten auf den Ring sprang, stöhnten die 18.689 Zuschauer in der O2 Arena auf. Bis zum letzten Moment waren die Global Games ein Nervenspiel, mit Helden und tragischen Figuren auf beiden Seiten. Sportlich war das Spiel zwischen den Toronto Raptors und den Orlando Magic zudem beste Werbung für den US-Basketball. Die Zuschauer bekamen sogar fünf Minuten zusätzlich geschenkt: Nach Verlängerung gewannen die Raptors schließlich 106:103.

Die fünf Extraminuten entwickelten sich zu einer kleinen Zusammenfassung des gesamten Spiels: Die Raptors konnten sich ein wenig absetzen, doch Orlando kämpfte sich ins Spiel zurück und hatte den Ausgang der Partie am Ende sogar in den eigenen Händen. Doch war es am Ende der regulären Spielzeit Jason Smith, der den möglichen Sieg mit der Sirene vergab, so war es in Verlängerung Victor Oladipo, der zwei Sekunden vor Ende bei zwei Punkten Rückstand den Ball verlor.

Oladipo war bis dahin der Held der Magic. Sein Jumper brachte 32 Sekunden vor Ende des vierten Viertels den Ausgleich, seine fünf Punkte in der Overtime hielten die Magic im Spiel. Am Ende konnten die Raptors das Spiel dort entscheiden, wo sie das ganze Spiel die Oberhand behielten: an der Freiwurflinie. Kyle Lowry verfehlte zwar seinen 13. Versuch von der Linie, der 14. saß allerdings und so blieb Vucevic nur der Notwurf. Die Raptors bekamen 31 Freiwürfe zugesprochen und trafen 24, die Magic kamen nur auf sechs Treffer bei acht Versuchen. Das war schließlich entscheidend für den Ausgang des Spiels.

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Die zweite Reihe bestimmt das Geschehen

Die erste Halbzeit sah unerwartete Helden. Die Raptors zogen dank eines 16:0-Laufs im ersten Viertel auf bis zu 13 Punkte davon. Angeführt wurde das Team dabei von Cory Joseph, Bismack Biyombo und Patrick Patterson; Kyle Lowry beobachtete das Geschehen von der Bank aus. Mit DeMar DeRozan stand in dieser Zeit nur ein Starter auf dem Feld. Im zweiten Viertel kämpften sich die Magic zurück, Topscorer in dieser Zeit waren aber nicht Nikola Vucevic oder Victor Oladipo, sondern Jason Smith. Der traf acht seiner zehn Wurfversuche und konnte die Raptors-Führung ein wenig einstampfen.

Das Backcourt-Duo der Dinos konnte durch seine Geschwindigkeit viel für sich und die Teamkollegen kreieren, war aber ohne Fortune im Wurf. Die Stars kamen in der ersten Hälfte gemeinsam nur auf eine Wurfquote von 29 Prozent. Lowry erwachte zwar in der zweiten Halbzeit zum Leben, doch der Wurf wollte weiterhin nicht fallen: Am Ende trafen die beiden nur neun ihrer 39 Wurfversuche.

Dafür sprang ein anderer ein: Cory Joseph steuerte von der Bank 19 Punkte bei und traf dabei neun seiner elf Wurfversuche. Dafür bekam er vom Coach ein Sonderlob: „Mir gefiel Corys Aggressivität sowohl in der Offensive als auch in der Verteidigung gegen Fournier“, erklärte Dwane Casey.

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Orlando fehlt das letzte bisschen

Nach der Halbzeit schlief die Offensive beider Mannschaften ein wenig ein. Der Vorsprung der Raptors pendelte sich ein, das Publikum bereitete sich – unbekannterweise – auf die Schlussminuten vor. Die Helden der Teams wurden die alten Bekannten. Lowry erzielte fünf Punkte in Folge und wurde danach ausgewechselt. Evan Fournier erzielte elf Punkte im dritten Viertel, nachdem ihn in der ersten Halbzeit Foulprobleme vom Parkett fernhielten – der Franzose kam nur auf fünf Minuten. Am Ende hatte er mit 21 Punkten entscheidenden Anteil daran, dass sich das Spiel noch zu einem Thriller entwickelte. Casey sah den Grund dafür auch bei der Defensive der Magic: „Das war ein komplett anderes Team als vor der Pause, sie verteidigten deutlich aggressiver, damit hatten wir unsere Probleme.“

Am Ende fehlte den Magic ein kleines bisschen. In entscheidenden Phasen im dritten Viertel fiel ein dringend benötigter Wurf nicht, oder ein Ballverlust durchkreuzte ihre Pläne. Auf der anderen Seite konnten sich die Raptors gerade genug Punkte erarbeiten. Orlando blickte am Ende auf eine bessere Wurfquote, bessere Dreierquote und mehr Assists, aber auch auf eine Niederlage – obwohl die Dinos sich ihrerseits immer wieder im Spiel hielten. In den letzten acht Minuten gelang Toronto nur ein Treffer aus dem Feld, die restlichen acht Punkte kamen von der Linie. Es ist daher stimmig, dass Kyle Lowry trotz seiner 5/19 aus dem Feld als Topscorer der Raptors vom Feld ging und dazu mit seinen Freiwürfen zum Matchwinner avancierte.

Der beste Punktesammler der Magic (27 Zähler) hatte 0,7 Sekunden vor dem Ende bereits den Sieg in der Hand. Nach Ballgewinn stieg Oladipo zum Dreier hoch und verfehlte. Danach verpasste Jason Smith seine Chance. Zwischen den beiden Aktionen schrillte die Sirene vor dem Einwurf – der Fehler sorgte für Verwirrung: „Dadurch, dass die Sirene zu früh losging, mussten wir unseren Spielzug ändern“, verriet Scott Skiles nach dem Spiel. „Plan A sah anders aus.“

Das Matchup der Center

Und was war mit den jungen Euro-Centern, die von basketball.de in den Fokus genommen wurden? Nun, Licht und Schatten bei beiden. Während Jonas Valanciunas es einige Male schaffte, sich unter dem Korb durchzusetzen, wurde er insbesondere im vierten Viertel zum Opfer der Wurfverliebtheit seiner Guards. Nach ein paar unglücklichen Aktionen zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte er sich das aber auch selbst zuzuschreiben. Casey ließ den starken Biyombo anschließend länger spielen, der Litauer kam erst vier Minuten vor Ende des vierten Viertels zurück aufs Feld. Gegen einen Gegner, den er offensiv eigentlich dominieren müsste, standen so am Ende nur 13 Punkte (6/11 FG) zu Buche.

Nikola Vucevic hingegen ist der zentrale Punkt in der Offensive der Magic. Mit 22 Wurfversuchen kam er auf doppelt so viele wie sein Gegenüber, konnte allerdings nur acht davon verwandeln. Das ist zum einen ein Verdienst von Valanciunas und Biyombo, zum anderen aber auch Folge des an diesem Abend fehlenden Händchen aus der Mitteldistanz (4/13 FG außerhalb der Zone) – ein Airball in der zweiten Halbzeit stand sinnbildlich dafür. Defensiv überraschte der Montenegriner mit drei Blocks und einigen starken Plays, ließ allerdings bei den Drives der Raptors manchmal die nötige Gedankenschnelligkeit vermissen. Schließlich konnten beide das Spiel nicht an sich reißen, das blieb den kleinen Leuten überlassen.

Das Spektakel rund um die Global Games in London wurde von einem Spiel gekrönt, das den hohen Erwartungen gerecht wurde. In der O2 Arena dürfte sich kein Fan über die fünfminütige Extraeinlage beschwert haben. Spannung gab es bis zur letzten Sekunde – kein Wunder, dass die europäischen Basketballfans direkt an die nächsten Spiele diesseits des Atlantiks denken. Commissioner Adam Silver versprach im Vorfeld des Spiels eine Fortsetzung – vielleicht sogar in Paris. Die Verhandlungen laufen.

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