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Mr. Quadruple Double

08.12.2006 || 00:00 Uhr von:

Jeder, der sich etwas mit der populärsten Basketballliga der Welt auskennt und auch ein wenig über die Jungstars des neuen Jahrtausends Bescheid weiß, kann sicherlich etwas mit „Akron“ anfangen. Akron? Ist das nicht ein berühmter Rapper? – Falsch, nicht der aus dem Senegal stammende Klingelton-Musiker ist gemeint (der übrigens Akon heißt), sondern eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Ohio. In diesem Ort wurde Cavaliers-Guard LeBron James geboren, und seit seiner High-School-Zeit ist die 200.000-Seelen-Stadt Pilgerort für viele Basketballfreunde. Aber nicht erst seitdem der König in der Liga regiert, sind Akron und Basketball miteinander verbunden. Der nur 39 Jahre alt gewordene Gus Johnson (neun Jahre bei den Baltimore Bullets in der NBA und ein Jahr bei den Indiana Pacers in der ABA) stammte auch aus der fünftgrößten Stadt Ohios. Aber da ist noch jemand, der aus Akron stammt und nach seiner erfolgreichen NBA-Laufbahn u.a. das bekannte Restaurant „Big Nate’s BBQ“ in San Francisco eröffnet hat: Die Rede ist von Nate Thurmond, einem der besten Center, den das Spiel je gesehen hat.

Thurmond erblickt am 25. Juli 1941 das Licht der Welt und geht später in die Liga-Geschichte ein als der Akteur, dem als erster ein Quadruple Double gelingt. Das vierfache Doppel schafft er in der Spielzeit 1974/75 – ein Jahr, nachdem die Spielanalytiker begonnen haben, auch die geblockten Würfe statistisch zu erfassen.

Der Weg zum Star

Doch wie wurde dieser Junge aus der Provinz zu „Great Nate“? Bereits in der High School zeichnen sich erste Erfolge ab. Gemeinsam mit Gus Johnson steht er im Team der Akron Central Hower High School, das ungeschlagen in die Playoffs einzieht. Erst gegen Middletown und ihren Star-Spieler Jerry Lucas (NBA-Champion 1973 mit den Knicks) scheiden sie in der Meisterschaftsrunde aus. Aus Angst, im College-Team hinter Lucas nur die zweite Geige zu spielen, wählt Thurmond schließlich nicht die lokale Ohio State University, sondern geht an die Hochschule von Bowling Green State. Dort erzielt er in drei Jahren 17,8 PpG und 17,0 RpG und wird 1963 zum All-American gewählt. Im Sommer desselben Jahres wechselt er zu den Profis.

Die San Francisco Warriors, ein aufstrebendes Team mit Stars wie Wilt Chamberlain oder später Rick Barry, wählen den aggressiven Rebounder an dritter Stelle im NBA-Draft. Neben dem dominierenden Star-Center Chamberlain drückt auch Thurmond dem Spiel seinen Stempel auf und schafft den Sprung ins All-Rookie-Team von 1964. Als Neuling sammelt er sieben Punkte und über zehn Rebounds im Schnitt. Als Chamberlain in der darauffolgenden Spielzeit aus finanziellen Gründen an die Philadelphia 76ers abgegeben wird, übernimmt Thurmond alsbald die Rolle des startenden Centers. In dieser Rolle blüht er auf, lässt die Statistiker in den folgenden zehn Jahren jeweils ein Double Double im Schnitt hinter seinem Namen notieren und schafft siebenmal den Sprung ins All-Star-Team.

Seine erfolgreichste Spielzeit bestreitet Thurmond 1967/68, als er 20,5 Ppg und 22,0 RpG markiert – nur Chamberlain, Lucas und Bob Pettit ist bisher auch das Kunststück gelungen, in einer Saison ein Double Double Double (in zwei Kategorien mindestens 20) zu erzielen. Thurmonds Reboundschnitt von 22,0 RpG in einer Saison ist in der Geschichte nur von Bill Russell und „Wilt the Stilt“ übertroffen worden. Allerdings hat Thurmond den alleinigen Rekord inne, in einem Viertel 18 Rebounds gepflückt zu haben (28.02.1965 vs. Baltimore). Sein persönlicher Bestwert sind 42 Boards in nur einer Partie (9.11.1965 vs. Detroit), insgesamt steht er auf Platz acht in der ewigen Rebound-Rangliste.

Fehlende Erfolge trotz individueller Klasse

Obwohl die Warriors eine schlagfertige Truppe beisammen haben, gelingt ihnen nicht der große Wurf. Zunächst scheitern sie 1964 im Finale an den Boston Celtics, obwohl Chamberlain und Thurmond im Frontcourt regieren. Danach ist zwei Jahre lang nach der Regular Season Urlaub angesagt, ehe sie sich in der Spielzeit 1966/67 erneut bis in die Finals vorkämpfen, dort jedoch wiederrum unterliegen. Diesmal gewinnen die Philadelphia 76ers mit 4:2, in deren Reihen Chamberlain nun auf der Fünf agiert. Zwar schaffen es die Warriors in den folgenden sieben Jahren noch fünfmal, sich für die Postseason zu qualifizieren, scheitern jedoch entweder an den Los Angeles Lakers oder an den Milwaukee Bucks.

Auch wenn Thurmond Jahr für Jahr seine Leistung abruft und konstant spielt, entscheidet sich das Management der Warriors schließlich dazu, den Center im Sommer 1975 für den jüngeren Clifford Ray (zehn NBA-Saisons bei Chicago und Golden State mit 7,4 Ppg und 8,9 RpG in 784 Spielen) nach Chicago zu traden. Thurmond zeigt daraufhin zu Beginn der Spielzeit 1974/75 sofort, dass ihm der Wechsel zu den Bulls nicht schmeckt. So setzt er gleich in seinem ersten Spiel für Chicago ein Ausrufezeichen und serviert den Atlanta Hawks am 18.10.1974 ein Komplettpaket seines Könnens: Als erster Spieler der NBA-Geschichte erzielt er in vier Kategorien zweistellige Werte. Am Ende der Begegnung hat er 22 Punkte, 14 Rebounds, 13 Assists und zwölf Blocks auf seinem Konto; ein Erfolg, den seitdem nur drei andere Spieler (Alvin Robertson, David Robinson und Hakeem Olajuwon) verbucht haben.

Ironie des Schicksals nach dem Wechsel

Doch dieses Zahlen-Highlight ist der letzte Glanzpunkt in der Karriere des Nate Thurmond. In den Playoffs 1975 scheitern die Bulls im siebten Spiel der Western Conference Finals an den Golden State Warriors, die danach ihre bisher einzige Meisterschaft gewinnen.

Nach nur einer Saison und 13 Spielen in der Spielzeit 1975/76 wird Thurmond für die zwei Rollenspieler Steve Patterson und Eric Fernsten zu den Cleveland Cavaliers getradet. Zurück in seiner Heimat, kommt der 35-jährige Bigman für Center Jim Chones von Bank. Die Cavs schaffen mit Thurmond erstmals in der Franchise-Geschichte den Sprung in die Playoffs, unterliegen dort aber in den Eastern Conference Finals den Boston Celtics mit 2:4. In Thurmonds letztem NBA-Jahr, in dem er allabendlich nur noch 5,5 PpG und 7,6 RpG produziert, scheitert Cleveland schließlich in der ersten Runde der Postseason an Baltimore. Die Zeit in Cleveland ist für Thurmond trotz den schwächer werdenden Leistungen eine der schönsten seiner Karriere. Er genießt es, nahe seiner Heimat spielen zu dürfen, und ist von den Fans fasziniert, die ihn und die Mannschaft euphorisch feiern, weil sie erstmals die Playoffs erreicht haben. Thurmond, den Lokalhelden, verehren sie wie einen Basketballgott.

Nach dem Aus in der Meisterschaftsrunde endet die Karriere von Thurmond, der 1985 in die Hall of Fame aufgenommen und 1996 zu einem der 50 besten Spieler der NBA-Geschichte gewählt wird. Bei den Golden State Warriors und den Cleveland Cavaliers hängt seine Trikotnummer unter der Hallendecke. Thurmond gilt als einer der besten Rebounder und Schussblocker der Ligageschichte und ist in der Bay Area beinahe so bekannt wie die Golden Gate Bridge selbst. Auch wenn ihm ein NBA-Titel verwehrt geblieben ist, gelingt Thurmond eine individuellen Glanzleistung, die ihm keiner nehmen kann: Er ist Mr. Quadruple Double.

Mr. Quadruple Double
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TimmyD21
TimmyD21 8. Dezember 2006 um 21:06 Uhr

Guter Artikel.Mein Mr.Quadruple Double ist David Robinson.
Wenn es in Zukuft überhaupt nochmal jemand schaffen sollte würde ich auf LeBron tippen.

mc.speech
mc.speech 8. Dezember 2006 um 22:05 Uhr

Sehr schön geschrieben.
Aber wenn ich es derzeit einem Spieler zutrauen würde, dann Tim Duncan. Aber in heutiger Zeit ist diese Meisterstück eben so gut wie nicht mehr zu schaffen.

schlund
schlund 8. Dezember 2006 um 22:08 Uhr

Ich würde es Kevin garnett am ehesten zutrauen oder einem fitten andre kirilenko…
ich denke schon, das es noch möglich ist und ich sag einfach mal, diese saison klappt es noch!

young-gun
young-gun 8. Dezember 2006 um 23:16 Uhr

wirklich guter artikel

Munichs Finest
Munichs Finest 9. Dezember 2006 um 1:36 Uhr

fettes respect von mir und am ehesten würd ich es Kevin Garnett weil er wirklich das ganze packet hat von points bis blocks einfach alles…

mouthman
mouthman 9. Dezember 2006 um 13:20 Uhr

haben die bulls mal in der western conference gespielt?

9. Dezember 2006 um 13:55 Uhr

Toller Artikel!
Am ehesten kommen sicher Garnett, Lebron und Kirilenko dran.
Aber bald ist ja Greg Oden da – der macht es dann auf jeden fall.

Gegenwind
Gegenwind 9. Dezember 2006 um 14:34 Uhr

Die schwierigste Kategorie sind wohl die Blocks. Da war Okafor diese Saison schon sehr dicht dran.

Fawadd
Fawadd 9. Dezember 2006 um 20:00 Uhr

Jermaine O’Neal hat doch letztes Jahr ein Tripe Dpuble geschafft mit 24Pkt 12Reb 11Blocks;)
also fehlten dem noch assists;

TimmyD21
TimmyD21 9. Dezember 2006 um 23:10 Uhr

Ich glaube das es heute wesentlich schwerer ist als früher ein Quadruble Double zu erzielen.Früher gab es die Überspieler die alles konnten und der Rest des Teams waren meistens nur Mitläufer.Das zeigen auch die Statistiken von damals.Heutzutage sind die Rollen im Team fester zugewiesen.Der PG ist für die Assists zuständig,der Center für die Rebounds usw.
Wer weiss ob es überhaupt ein Spieler nochmal schafft.

nbanet
nbanet 10. Dezember 2006 um 13:42 Uhr

hier mal eine kurze auflistung von ein paar leistungen die nahe dran vorbeischrammten:

Larry Bird, February 18, 1985, Boston vs. Utah; 30 points, 12 rebounds, 10 assists, 9 steals.

Hakeem Olajuwon, March 3, 1990, Houston vs. Golden State; 29 points, 18 rebounds, 9 assists, 11 blocks.

David Robinson, January 11, 1994, San Antonio vs. Minnesota; 27 points, 12 rebounds, 10 assists, 8 blocks.
David Robinson, February 8, 1994, San Antonio vs. Washington Bullets; 31 points, 14 rebounds, 10 assists, 7 blocks.

Clyde Drexler, January 10, 1986, Portland vs. Milwaukee; 26 points, 11 assists, 9 rebounds, 10 steals.
Clyde Drexler, November 1, 1996, Houston vs. Sacramento; 25 points, 10 rebounds, 9 assists, 10 steals.

Kevin Garnett, December 14, 1999, Minnesota vs. Atlanta; 22 points, 15 rebounds, 10 assists, 7 steals.

Shaquille O’Neal, June 8, 2001, NBA Finals, LA Lakers vs. Philadelphia; 28 points, 20 rebounds, 9 assists, 8 blocks.

Tim Duncan, June 15, 2003, NBA Finals, San Antonio vs. New Jersey; 21 points, 20 rebounds, 10 assists, 8 blocks.

das waren jetzt nur die populärsten.. selbst mookie blaylock und mike bibby waren jeweils mal sehr sehr nahe dran.

http://en.wikipedia.org/wiki/Quadruple-double

Pete Air
Pete Air 14. Dezember 2006 um 18:02 Uhr

Naja das glaube ich nicht denn wenn ich mir die spieler angucke die so knapp vorbeischrammten sind die wohl kaum aus den frühen jahren des bball. Früher war das ganze schon anders aber das ist schon jahrzehnte lang her. Wenn ich mir Kidd angucke und wieviel 3doubles schafft naja dann muss er nuch noch nen guten lauf haben und dann macht der auch noch 10 steals.

Greg-Oden
Greg-Oden 10. Januar 2007 um 17:42 Uhr

Einer meiner Lieblingsspieler. Ein Athlet wie er im Buche steht. Groß, muskulös, sprungstark. Er ist meiner Meinung nach einer der fünf besten Center aller Zeiten. Vor ihm sind nur Wilt Chamberlain, Kareem Abdul Jabbar, Shaquille Oneal und Hakeem Olajuwon.

tusart
tusart 12. Januar 2007 um 12:55 Uhr

Ganz starker Artikel, gut recherchiert, viel Hintergrund, liebend gern mehr davon. Welcher aktive NBA Spieler ein QD schaffen könnte? Ich würde es Jason Kidd, Shawn Marion oder vielleicht Dwayne Wade zutrauen. Die Reboundüberlegenheit der frühen Jahrgänge kommt auch stark durch viel Run-and-Gun. Da gibt es einfach mehr Fehlwürfe. Etwas eigenartig finde ich die Center-Auflistung meines Vorredners. Schon mal was von Patrick Ewing, Moses Malone und Bill Russell gehört. Basketballerisch sicher alle 3 vor Herrn O’Neal. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

eightch
eightch 10. Juli 2009 um 9:43 Uhr

Wieso schreiben hier alle von früher? Ich meine die 90er (David Robinson und Hakeem Olajuwon) sind ja jetzt noch nicht sooooo lange her…

flashbang
flashbang 10. Juli 2009 um 14:54 Uhr

rajon rondo ist es am ehesten zuzustrauen.

MeLo#15
MeLo#15 10. Juli 2009 um 15:58 Uhr

is james nich eher ein forward als ein guard?

Hanan
Hanan 10. Juli 2009 um 16:00 Uhr

ich glaub chris paul war doch schon ’n paar mal knapp dran und ich denk er schaffts,die punkte und assists sind immer drin und 10 steals und rebounds gibts an nem guten tag sicher auch…und wenn nich dann LeBron^^

bob-marley
bob-marley 10. Juli 2009 um 17:16 Uhr

Wenn es jmd schafft, dann nur Kobe. 20-30 Punkte gehn immer, dazu noch 10-12 Rebounds bei nem guten Tag, wenn ihm seine Frau rangelassen hat noch 8-10 As.; und 10 TO sollten auch kein Problem sein für Herrn Byrant.

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