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From Iso to Hero? Die Heat-Offensive in der Analyse

27.12.2013 || 16:02 Uhr von:
LeBron James 2013_8 von Mark Runyon_Basketball Schedule (CC BY-NC-SA 2.0)
Es sollte wohl niemanden überraschen: Die Miami Heat haben auch in dieser Saison wieder eine der besten Offensiven der Liga. Dass es in den letzten beiden Jahren so war, spiegelt sich in zwei Larry O'Brien Trophäen wid...

Es sollte wohl niemanden überraschen: Die Miami Heat haben auch in dieser Saison wieder eine der besten Offensiven der Liga. Dass es in den letzten beiden Jahren so war, spiegelt sich in zwei Larry O’Brien Trophäen wider. Dabei gibt es nur drei große Namen im Team. Für viele scheint es mittlerweile schon zur einer Sache der Selbstverständlichkeit geworden zu sein, dass Miami offensiv stark ist. Wir haben die Heat-Offensive ein wenig unter die Lupe genommen und haben versucht rauszufinden, warum sie es ist.

„Unsere Offensive ist über die Jahre gewachsen“, meinte LeBron James kürzlich. Und tatsächlich: Wenn man sich die beiden Meisterjahre und das erste James-Jahr in Florida anschaut, fällt einem auf, dass die Offensive des amtierenden Meisters nicht nur einer der besten und effektivsten der Liga ist (Rang 7 [11/12], Rang 5 [12/13], Rang 6 [13/14]), sondern auch, dass sie sich seit der James-Ära geändert hat.

Zu Beginn des Abschnittes der Big Three in Miami war das Spiel der Heat langsam, es wurde – ähnlich wie bei den Knicks – sehr viel über die Isolation von James und Wade gespielt. Miami lag auf Platz 25 in Assistpercentage. Letzte Saison war es bereits Platz 13 und diese Saison wurden bisher 64 Prozent ihrer Feldtreffer assistiert.

Insbesondere durch das Passspiel wurden auch die Würfe von „beyond the arc“ hochprozentiger. Rangierte man 2010/11 noch auf Platz sieben in 3er-Percentage, lag man letzte Saison auf Platz zwei und diese Saison bisher auf Rang vier.
Dreh- und Angelpunkt der Neujustierung im Angriff war das verlorene Finale gegen die Mavs. „Wir haben viel durch den Schmerz der Finalniederlage gegen Dallas gelernt. Es wurde klar, dass es für uns essentiell sein würde, uns mehr zu bewegen, vor allem ohne den Ball und allgemein den Ball einfach besser laufen zu lassen. Weniger egoistische Spielzüge, weniger Isolation, weniger Dribbling, weniger den Ball halten. Wir nannten es Pace and Space“, erklärte Coach Spoelstra.

Pace and Space – das Konzept der Heat-Offensive

Vier, manchmal sogar fünf Leute, die an der Dreierlinie stehen. Wenn dann Wade oder James zum Korb ziehen, muss meist zwingend ein weiterer Spieler aushelfen, da beide kaum von einem einzelnen Verteidiger zu stoppen sind. Dann folgt sofort der Pass auf einen der vielen hochprozentigen Dreierschützen im Team der Heat. Allen voran natürlich Shane Battier und Ray Allen. Kein Spieler hat letzte Saison mehr Dreier aus den Ecken verwandelt als Battier. Und dazu auch noch mit einer unglaublichen Trefferquote: 48 Prozent aus der rechten und 44 Prozent aus der linken Ecke. Allen traf zudem noch 49 Prozent aus der rechten Ecke. Aber auch an allen anderen Stellen treffen die Heat-Spieler von „beyond the arc“ – bisher in dieser Saison sind es 41 Prozent.

Und LeBron weiß um seine Bindungskraft auf dem Weg zum Korb: „Wenn ich im Angriffsmodus bin, sind viele Augen auf mich gerichtet und das weiß ich auch. Ich ziehe eine Menge Aufmerksamkeit.“ Nicht umsonst lieferte der Superstar letzte Saison mit 551 Assists die meisten aller Small Forwards auf – die Kategorie führt er übrigens auch dieses Jahr wieder an.

Doch nicht nur die Dreierschützen profitieren von James nahezu nicht zu bändigenden Zug zum Korb. Auch der viel gescholtene Chris Bosh profitiert von dessen Attacken im und um den Korb. Dadurch kann er sich in der Mitteldistanz aufstellen, wo er für einen Big Men fast schon lächerlich gut abschließt. Jedoch ähnelt er Sheldon Cooper von „Big Bang Theory“, denn auch er hat seinen Sweet Spot, seinen einen bestimmten Platz, von dem er hochprozentiger trifft als alle anderen Spieler der Liga. Jedoch ist es in bei Bosh und James vielmehr ein Geben und Nehmen, als dass nur der Dino vom MVP profitieren würde.

Dadurch dass Bosh meistens auf der Fünf spielt, zieht er durch den zweiten Teil des Spoelstraschen Konzepts – Spacing – viele Big Men aus dem Paint. Und auch für den besten Finisher am Korb ist es leichter, wenn er ohne Bedrängnis durch Hibbert, Gasol, Noah oder Konsorten abschließen kann.

Natürlich hat auch der Mann mit der Trikotnummer 3 bei den Heat in der Pace and Space-Offensive seinen Platz. War der Fanliebling früher exzellent in der Isolation, hat er sich mittlerweile eine andere Sache exzellent angeeignet. Kaum ein Spieler cuttet so plötzlich, geschickt und gut wie Dwayne Wade – im Zusammenspiel mit dem passstarken LeBron James gerade bei einer dank Spacing weit auseinander gezogenen Abwehr tödlich.
Nicht umsonst war Wade letztes Jahr der effektivste Guard beim Abschluss am Korb. Ganze 65 Prozent seiner 549 Würfe hat er letztes Jahr in Korbnähe versenkt.

Passend zur starken Offensive spielen die Heat auch konstant gut in der Verteidigung. Dieses Team zu schlagen ist nicht leicht und man kann in der Tat hier sagen, dass es abgesehen von den Pacers und den Spurs wohl kein Team gibt, dass die Heat in einer Playoffs-Serie schlagen könnte – außer die Heat selbst.

Denn leider gibt es neben diesem hervorragenden (auch hervorragend funktionierenden) Konzept einige Variablen, die im Profisport eben niemals einplanbar, aber doch immer da sind.

Variable 1: Was Michael Ballacks „Knöchel der Nation“ 2010 für die Deutschen (oder zumindest die deutschen Medien) war, ist Dwyane Wades Knie für die Heat-Nation; das Knie der (Heat)Nation quasi. Bereits sechs Spiele hat „Flash“ diese Saison bereits deswegen verpasst. Wade spielt diese Saison bisher zwar richtig gut, jedoch kann die Variable „Wie viel sein Körper bzw. sein Knie in einer hart umkämpften Playoffs-Serie aushalten und auf welchem Niveau kann Wade seinem Team dabei behilflich sein?“ letztendlich ausschlaggebend sein, ob Miami den Threepeat schafft oder sich die Fans aller anderen Mannschaften freuen werden.

Variable 2: Der „Boshasaurus“ steht nicht unberechtigt in der Kritik. Viel zu häufig taucht er ab, in Sachen Rebounding kann sich außer Bargnani häufig niemand mit ihm messen. So auch diese Saison, beispielsweise bei der deftigen 87 zu 107-Niederlage gegen die zu diesem Zeitpunkt bereits wieder Derrick Rose-losen Chicago Bulls (10 Punkten und zwei Rebounds in 27 Minuten) – von einem All-Star ist das viel zu wenig. Meist können die Dreierschützen oder gegen schwache Gegner auch Wade und James alleine eine schwache Dino-Leistung auffangen, aber gegen einen starken Gegner in den Playoffs wird das nicht auf Dauer gehen.

Erik Spoelstra_Keith Allison (via flickr, CC BY-SA 2.0)Eine genauere Analyse zeigt uns also, dass die Miami Heat nicht unverdient zweifacher Meister geworden sind, sondern durchaus über eine gut durchdachte und mit den richtigen Spielern bestückte Offensivphilosophie besitzt.

Ob diese allerdings für einen weiteren Titel reicht, lässt sich unmöglich voraussagen. Klar ist nur, dass es für die Heat so schwer wie noch nie werden wird. Der Hauptkonkurrent im Osten, die Indiana Pacers, lassen von allen 30 Teams die wenigsten Dreier und -versuche zu, besitzen zudem über exzellente Einzelverteidiger (George, Hibbert, Stephenson). Die Spurs, immer noch heißer Titelkandidat machen dies zwar nicht so gut, haben in Leonard aber wohl den wahrscheinlich besten LeBron-Verteidiger der Liga und mit Duncan und Parker ein kongeniales Duo, dass jedes Team vor Probleme stellt. Die Oklahoma City Thunder zählen ebenfalls zu den Teams, die das Three-Point-Shooting am Besten verteidigen (Rang 4), Perkins als Center mindert wiederum OKCs Chancen.

Unscheinbar, aber effektiv – das beschreibt nicht nur Heat-Coach Eric Spoelstra, sondern auch seine Pace and Space-Philosophie. Insbesondere gegen die Pacers werden es die Heat schwer haben, das wird aber nochmals in einem eigenen Artikel ausführlich diskutiert.

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