BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Miami Heat: Hitziger Sommer

08.09.2017 || 12:41 Uhr von:
Dragic Heat
Pat Riley hat in der Free Agency 2017 viel investiert. Waiters, Johnson und Olynyk sind jedoch nicht die Neuzugänge, die Miami sich erhoffte. Folgen für den dreimaligen Champion die Jahre des Mittelmaßes?

Seit 22 Jahren steuert Pat Riley die Geschicke der Miami Heat. In diesem Zeitraum gelang es dem 72-jährigen, die Franchise stets in der Erfolgsspur zu halten. Ohne lange Dürrephasen übergaben Alonzo Mourning und Tim Hardaway das Zepter an Dwyane Wade und Shaquille O`Neal. Darauf folgten vier Finalteilnahmen mit den Big Three.

Das gleiche Kunststück peilte Riley auch nach dem Abgang von LeBron James im Jahr 2014 an. Die namenhaften Free Agents unterschrieben diesmal jedoch woanders. Stattdessen brachten die Verantwortlichen den Kern der Vorsaison zurück und addierten lediglich Kelly Olynyk – alle mit langfristigen Verträgen. Statt Titeljagd droht Mittelmaß. Warum scheiterte der Turnaround diesmal? Weshalb geht Miami nicht den Weg des Rebuilds? Hat Pat Riley in seinen vermeintlich letzten Jahren den langfristigen Erfolg des Teams geopfert?

Post LeBron James

Als „The Chosen One“ 2010 nach Miami wechselte, hinterlies der Forward haufenweise verbrannte Erde. Neben den zahlreichen Trikots mit der Nummer 23 wurde in erster Linie die sportliche Perspektive der Cavs in Schutt und Asche gelegt. Aus einem Titelanwärter, der 127 Saisonspiele in den vergangenen beiden Spielzeiten gewann, wurde eines der schwächsten Teams der Liga.  Dieses Schicksal wollten die Heat vier Jahre später nicht teilen. Chris Bosh wurde als neuer Franchise Player auserkoren und mit einem fünfjährigen Maximalvertrag ausgestattet. Im Frühjahr 2015 folgte Goran Dragic per Trade aus Phoenix. Dieses Duo sollte der Kern der nächsten Erfolgsstory in South Beach bilden. Mit massig Capspace wollte Riley in der Free Agency 2016 nochmals nachlegen. Dafür griff er gar zu ungewöhnlichen Mitteln.

In der Offseason 2015 traf sich der Präsident der Heat mit LaMarcus Aldridge, obwohl Miami nicht den notwendigen Capspace für den Power Forward besaß. Angeblich wollte Riley den Ex-Blazers davon überzeugen einen 1+1 Vertrag bei einem anderen Team zu unterschreiben. Dann wäre 2016 neben Kevin Durant und Al Horford ein weitere Option auf den Markt gekommen.

Dies mißglückte ebenso wie der Versuch einen namenhaften Free Agent im folgenden Sommer zu verpflichten. Aufgrund der Ungewissheit von Boshs Zukunft bot Miami sportlich keine interessante Perspektive. Das gleiche Szenario wiederholte sich 2017. Deshalb verlängerte Riley langfristig mit seinen wichtigsten eigenen Free Agence und konnte lediglich Kelly Olynk als bedeutenden Neuzugang präsentieren. Aus Sicht verwöhnter Heat Fans war dies eine enttäuschende Offseason. Doch warum entschied sich Miami im Gegensatz zu 2016 nicht für ein weiteres Übergangsjahr?

Free Agency 2018

Da Kevin Durant, Stephen Curry und Blake Griffin in diesem Sommer nicht einmal Gespräche mit anderen Franchises führten, war die Free Agency 2017 abgesehen von Gordon Hayward schwach besetzt. Anders sieht dies in der kommenden Offseason aus. Dennoch sprechen 13 364 110 Gründe dafür, dass Pat Riley dieses Jahr investierte.

Denn der Gehaltssprung von Tyler Johnson von knapp sechs auf über 19 Millionen Dollar in der Saison 2018/19 verhindert, dass Miami im kommenden Jahr genug Gehaltsspielraum für einen Maximalvertrag besitzt. Abwarten wäre daher ein großes Risiko. Das Matchen des Offer Sheets der Brooklyn Nets im Falle Johnson hat sich im Nachhinein als großer Fehler erwiesen. Die Begleitumstände haben sich in den vergangenen Monaten jedoch grundlegend verändert.

Während die Zukunft von Chris Bosh bei den Miami Heat im Juli 2016 offiziell noch ungeklärt war, sprachen alle Indizien für eine baldige Trennung. In South Beach glaubten die Verantwortlichen nicht an eine Rückkehr des Power Forwards im Trikot der Heat. Riley plante die Entlassung des Big Man aus schwerwiegenden gesundheitlichen Gründen. Sollte die Liga eine potenzielle karrierebeendende Krankheit bestätigen – dies geschah dann auch im Juni dieses Jahres – wäre das Gehalt aus dem Salary Cap 2017/18 verschwunden – zumindest vorerst.

Denn im Gegensatz zum seinem Team glaubte Bosh an eine baldige Fortsetzung seiner Profikarriere. Sollte er zu einem späteren Zeitpunkt mindestens 25 Spiele in einer Saison für eine andere Franchise bestreiten, würde das Gehalt des vierten Draftpicks 2003 wieder in den Büchern der Heat auftauchen. Dies änderte sich erst mit dem neuen CBA, das im letzten Januar verabschiedet wurde. Diese Neuregelung ermöglichte es Miami das Kapitel Chis Bosh endgültig abzuschließen. Sein Gehalt wird weiterhin von Besitzter Micky Arison bezahlt, den Cap wird es jedoch nicht wieder belasten. In Unkenntnis setzte Riley 2016 alles auf die diesjährige Offseason. Denn die Gehaltssituation im kommenden Jahr war nicht vorhersehbar.

Anstatt das Geld in diesem Sommer auszugeben hätte das Frontoffice nach der Absage von Hayward jedoch auch auf den Neuaufbau setzten können, oder?

No Rebuild

Für Fans und Experten gilt der Rebuild immer häufiger als Musterlösung, wenn große Verbesserungen per Trade oder Free Agency scheitern. Denn kaum ein Team besitzt realistische Titelchancen ohne einen Franchise Player. Und diese Topstars lassen sich am ehesten mit einem vorderen Draftpick ziehen. Für Miami gibt es jedoch zwei Gründe, die gegen solch einen Schritt sprechen.

Der Trade für Goran Dragic im Februar 2015 kostete die Heat zwei zukünftige Wahlrechte, die in den kommenden vier Jahren nach Phoenix gehen. Dies erschwert einen vielversprechenden Neuaufbau. Die Situation in Brooklyn zeigt deutlich, dass eine schwache Saisonbilanz ohne „Schmerzensgeld“ eine deprimierende Angelegenheit ist. Dies kann sich eine hoch angesehene Organisation wie Miami kaum leisten. Dazu ist ein Rebuild mit diesem Coach auch ohne diese Hypothek bereits schwierig.

Im vergangenen Jahr ist Erik Spoelstra endgültig zu einem der besten Trainer der Liga avanciert. Auf dem Papier besaß er ein Team ohne großes Potenzial. Hinzu kamen zahlreiche Verletzungen. Dennoch entwickelte er diesen Kader zu einem Playoffkandidaten. Dies war nach dem schwachen Saisonstart nicht vorherzusehen. Das wirft wieder einmal die grundsätzliche Frage auf: Kann ein Team mit einem Coach à la Popovich, Carlisle oder Spoelstra mehrere Jahre in Folge im Tabellenkeller stehen?

Somit entschied sich das Frontoffice dafür die Zeit bis 2021 als Übergangsjahre zu nutzen. Ein geplanter Absturz findet nicht statt. Dies heißt jedoch nicht, dass Miami bei einer enttäuschenden Saison in den letzten Spielen nicht in den Tanking-Modus geht. In den wenigen erfolglosen Jahren unter Riley setzte er diese Strategie bereits gezielt ein. Perspektivlos ist die Situation der Heat bis 2021 jedoch nicht.

Detroit 2.0

Die NBA-Champions der letzten Jahre haben eines gemeinsam. Sie besitzen einen der besten Spieler der Liga und haben einen ihrer wichtigsten Stützen per Draft erhalten. Das kleine gallische Dorf in der von Superstars dominierten Liga sind die Detroit Pistons des letzten Jahrzehnts. Sie erreichten sechs mal in Folge mindestens die Conference Finals und konnten 2004 sogar eine Meisterschaft gewinnen. Wie war dies möglich?

Ihre drei stärksten Spieler waren keine Topstars und kamen auf unkonventionellem Weg nach Motor City. Während der ungedraftete Ben Wallace als Dreingabe im Sign&Trade Deal von Superstar Grant Hill aus Orlando kam, wurde der bereits als Draftbust abgeschriebene Chauncey Billups für gerade einmal 34 Millionen für sechs Jahre als Free Agent geholt. Rasheed Wallace gehörte vom Talentlevel zwar schon zuvor zu den talentiertesten Spielern der Liga, doch seine Undiszipliniertheiten sowie der Widerwille als Anführer zu agieren, führten dazu, dass Atlanta den Power Forward für einen Spottpreis nach Detroit tradete. Dabei hatten die Hawks Wallace zehn Tage zuvor erst von den Blazers erworben. Jeder dieser Verpflichtungen ist bereits eine Rarität. Drei Glücksgriffe innerhalb weniger Jahre machte dieses Team einzigartig.

Was hat dies mit den Miami Heat zu tun? Sollte es jemals ein Detroit 2.0 geben, gehört die Franchise von Pat Riley zu den wenigen Organisationen, die das entsprechende Umfeld dafür besitzen. Hassan Whiteside wurde in South Beach innerhalb von 18 Monaten von einem Globetrotter zu einem Spieler mit mehreren Maximalvertragsangeboten. Dion Waiters und James Johnson rehabilitierten sich unter Erik Spoelstra. Mit Tyler Johnson, Josh Richardson und Rodney McGruder entwickelt Miami zusätzlich zahlreiche tief oder ungedraftete Spieler. Die Chance sich mit diesem Kader zu einem Conternder zu entwickeln ist zwar sehr gering, eine solche Franchise kann dem Mittelmaß jedoch jederzeit entwachsen. Gerade wenn nach einem möglichen Abschied von LeBron James ein Machtvakuum in der Conference entsteht, kann Miami von einem schwachen Osten profitieren. Dazu müssen sie jedoch zuerst die zweite Saisonhälfte bestätigen.

Blick vorraus

Historisch gesehen sind die Ergebnisse einzelner Saisonabschnitte selten ausschlaggebend. Die Gesamtbilanz ist ein deutlich besserer Indikator für die Stärke eines Teams. Mit nur 41 Siegen und Platz neun in der Eastern Conference ist daher kein übertriebener Optimismus angebracht. Die Heat müssen erst einmal zeigen, dass Miami im Frühjahr nicht nur die Euphoriewelle ausnutzen konnte.  Die Diskrepanz zwischen den beiden Saisonhälften war jedoch so gewaltig, dass vergleichbare Situationen fehlen. Zur Einordnung: hochgerechnet war der Unterschied zwischen der ersten und zweite Saisonhälfte nur marginal geringer, als die Bilanz der Cleveland Cavaliers vor und nach dem Abgang von James. Um in den nächsten vier Jahren für eine Überraschung sorgen zu können, muss sich Miami als Team präsentieren, dass regelmäßig 45-50 Spiele gewinnen kann.

Fazit

Die Situation um Chris Bosh zeigte, wie groß der Faktor Glück in der Planung jedes NBA-Teams ist. Keine Franchise ist vor solchen Schicksalsschlägen gefeilt. Die besten Organisationen machen auch aus solch ungünstigen Umständen noch das Beste daraus. Was Erik Spoelstra im Jahr 2017 aus dem Kader herausholte, war beeindruckend. Die kommende Saison wird zeigen, ob dies Segen oder Fluch war. Hatten Dion Waiters und James Johnson lediglich Contract Years? Wie werden der zuletzt verletzte Justice Winslow sowie der angeschlagene Josh Richardson integriert? Wie schlägt sich ein Team ohne Stars in den Playoffs? Die Offseason 2017 ist derzeit kaum zu bewerten. Um die hohen Investitionen zu rechtfertigen, muss Miami beweisen, dass ein excellent geführtes und gecoachtes Team auch ohne Aushängeschild in der heutigen NBA erfolgreich sein kann.

Miami Heat: Hitziger Sommer
5 (100%) 1 vote
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2017 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.