Anmelden oder registrieren

Wade hadde dudeda?

11.08.2016 || 15:16 Uhr von:
Die Miami Heat haben nicht weniger als ihr Gesicht verloren. Durch Dwyane Wades Abgang nach Chicago müssen die Heat neu aufbauen... oder haben sie das nicht schon längst?

Wow. Er hatte es also wirklich durchgezogen. Der Vertragspoker der vergangenen Wochen war, wie schon so oft vorher, der klassische Balztanz zwischen Pat Riley und Dwyane Wade. Nur diesmal werden die Beiden in getrennte Richtungen fliegen.

Natürlich wusste, mal wieder, der allwissende Architekt der Basketball-Free-Agency-Matrix Adrian Wojnarowski als Erster, wohin es Dwyane Wade ziehen würde:

Wenn man es aus einer sentimentalen, Heat-Fan-basierenden Sichtweise betrachtet, war das das Schlimmste, was in der Free Agency 2016 hätte passieren können. Das Gesicht der Franchise würde seine Karriere nicht, wie es ein Kobe Bryant oder Tim Duncan getan haben, und was sich Dirk Nowitzki in Dallas anschickt zu tun, bei „der einen“, der seinen Franchise beenden. Aber wie es uns das Beispiel Kobe gelehrt hat, kann so ein neuer Vertrag für einen „alten Hasen“ fatale Folgen für die Entwicklung der jüngeren Spieler haben.

Wade hat bei den Heat alles erlebt, die Höhen und die Tiefen. An der Seite von Shaq (2006) die Championship, eine Saison mit nur 15 Siegen (2008). Und er sackte, zusammen mit seinem Kumpel LeBron James und Chris Bosh, zwei weitere Meistertitel ein (2012, 2013). Warum also will er selbst auf seine alten Tage nochmal woanders hin? Darüber lässt sich vortrefflich spekulieren, aber dazu sollte man die komplette Entstehung Revue passieren lassen.

20160121_600x300_Chris_Bosh_Dwyane_Wade_Miami

Das Ende der Big Three

Um LeBron James und Chris Bosh nach Miami zu bekommen, verzichtete Wade auf einen Maximalvertrag. Auch als James 2014 beschloss, nach Cleveland zurückzukehren, verzichtete Wade darauf, um das bestehende Team nicht komplett in den Rebuild zu schicken. Die Heat holten unter anderem Goran Dragic, Luol Deng und Hassan Whiteside. Der Umbruch hat seinen Anfang genau hier.

Whiteside ist ein Monster. Shot-Blocking, Rebounds, Abroller im Pick-and-Roll, und er hat sogar einen dezenten Elbow-Jumper. Eine Regeländerung zur neuen Saison steigert Whitesides Wert zur kommenden Saison weiter. Den eifrigen „Hack-a-Shaqern“ dieser Liga – unter denen auch Whiteside als Opfer mangels eines konstanten Freiwurfs zu leiden hat – wird diese Praktik zukünftig deutlich schwerer gemacht. Neben anderen Änderungen können die Schiris die offensichtlichen Fouls zukünftig als „Flagrant“ werten. Bei den DeAndre Jordans und eben auch Whitesides der NBA wird der Angstschweiß, der ihnen bei einem Gedanken an die Freiwurflinie auf die Stirn tritt, weniger werden. Solche Center erhalten durch diese Regeländerung einen unheimlichen Boost. Die Heat haben sich auf Whiteside festgelegt und ihm den Max-Contract gegönnt, nicht Wade.

Da auch Chris Bosh in diesem Jahr fast 24 Millionen verdient, hätten die Heat wohl Dragic traden müssen, um Wade zu halten. Aber mehr als 20 Millionen pro Jahr konnten und wollten sie ihm vielleicht auch nicht geben. Bei aller Liebe für ihn und all seinen Verdiensten, die Heat haben ihren Umbruch still und heimlich schon fast abgeschlossen. Wade ist das alte Gesicht einer Franchise, die auf der Suche nach einem Neuen wohl schon fündig geworden ist.

Justise Winslow im letzten Jahr draften zu können, war für Miami ein unglaublicher Glücksfall. Boston war auf der Jagd nach dem jungen Small Forward gescheitert. Jalen Rose hatte den Knicks empfohlen, Winslow statt Kristaps Porzingis an vierter Stelle zu draften. Rückwirkend betrachtet können beide Franchises froh sein, dass es nicht so gekommen ist. Winslow wird in Miami langsam an seine Rolle herangeführt. In der Summer League probierten die Heat ihn als Point Guard aus. Durch den Abgang von Wade wird sich seine Zeit, in der er den Ball in den Händen hält, beträchtlich steigern. Auch ein anderer wird in Zukunft seine alte Zuarbeiter-Rolle für Wade nicht mehr ausüben müssen.

20160810_600x300_Goran_Dragic_Slowenien

Goran Dragic

Im Februar 2015 holten die Heat Goran Dragic und seinen Bruder Zoran für zwei Erstrunden-Picks und die zu verkraftenden Verluste von Norris Cole, Danny Granger, Shawne Williams und Justin Hamilton nach Miami. Seitdem scheiden sich an Dragic die Geister. „Warum spielt der ehemalige Most Improved Player nicht so wie in Phoenix?“, fragen manche. Dragic war damals einer der besten Pick-and-Roll-Point-Guards der gesamten Liga. Chris Bosh war eigentlich optimal für die Kombination mit Dragic geeignet.

Letztendlich blieb es meist bei der alten Pick-and-PopCombo, bestehend aus Bosh und Wade – auch, da das neue Pick-and-Roll-Monster Whiteside die Bühne betreten hat, Wade weg ist und Bosh (Jesusbaby bewahre) womöglich nie wieder spielen kann, ist die Chance größer denn je, einen Dragic wiederzusehen, den viele schon verloren geglaubt hatten. Einen, der die Kontrolle an sich reißen, Angriffe koordinieren und selbst zum Dreier hochgehen kann.

Der Kader steht… vorerst

Die Heat sind mit dem Nets-Angebot für Nachwuchs-Guard Tyler Johnson gleichgezogen, auf den sie große Stücke halten. Dazu kommen James Johnson von den Raptors, Luke Babbitt von den Pels und „Oh-mein-Gott-er-kann-so-krass-dunken-aber-ansonsten-wenig“ Derrick Williams von den Knicks. Die Bank könnte, zusammen mit diesen Herren, für einige Furore sorgen. Der Kader sieht derzeit wie folgt aus:

 StarterBankBankBank
PGGoran DragicTyler Johnson(Briante Weber)
SGDion WaitersJosh RichardsonWayne Ellington(Rodney McGruder )
SFJustise WinslowDerrick WilliamsLuke Babbitt
PFChris BoshJames JohnsonUdonis Haslem(Okaro White)
CHassan WhitesideJosh McRobertsWillie Reed

Dass Wade und die Heat nicht mehr gemeinsam fliegen, ist zwar schade, aber nachvollziehbar. Vielleicht wollte er wirklich nach Hause nach Chicago, vielleicht wollte er einfach einen Maximalvertrag. So oder so wird sein Trikot in Miami schon bald unter dem Hallendach hängen. Ob die Heat seinen Abgang sportlich zu nutzen wissen, weiß wohl nur Adrian Wojnarowski. Ich selbst kann es aber kaum erwarten, sie es versuchen zu sehen. Böses Blut zwischen ihm und den Heat gibt es jedenfalls nicht, dafür sind diese Basketballer einfach zu groß. Folgende Worte sprach Pat Riley nach Wades Abgang:

Our universe is not perfect today. It will be fraught with anger, judgment, blame instead of thank you. Ten years ago. Ten years older. Ten years wiser. Ten years changed. All of us. Dwyane had a choice, and he made it. He went home. Bad, bad summer for us. But there will be another 10 years and it will be someone or something else in 2026. Move on with the blood or tears. Just thanks.

Wade hadde dudeda?
5 (100%) 1 vote
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.