BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Aufholjagd am South Beach

27.02.2017 || 10:59 Uhr von:
Dragic Heat
Mit 14 Siegen aus 16 Spielen gingen die Miami Heat in die All-Star-Pause und knüpften mit zwei Erfolgen zuletzt nahtlos daran an. basketball.de erklärt, warum es in den letzten Wochen plötzlich rund läuft am South Beach.

Hot, Hotter, Heat

Die Miami Heat sind eines der heißesten Teams der Liga. Mitte Januar stand das Team mit einer Bilanz von elf Siegen und 30 Niederlagen noch auf dem vorletzten Platz der Eastern Conference. Nur die hoffnungslosen Brooklyn Nets waren noch schlechter. Was in den anschließenden Wochen bis zur All-Star-Pause passierte, brachte viele Beobachter zum Staunen: Mit 14 Siegen aus 16 Partien kletterten die Heat auf Rang zehn der Conference. Auch nach dem All-Star-Break gewann Miami bereits wieder die ersten beiden Spiele – und das auf famose Art und Weise gegen die Konkurrenten Atlanta und Indiana. Der Rückstand auf Platz acht beträgt plötzlich nur noch eineinhalb Siege.

Dabei rechneten manche schon damit, dass die Franchise vom South Beach in den Tanking-Modus schalten würde, um einen hohen Draft-Pick zu erreichen. Erst recht, nachdem Hoffnungsträger Justise Winslow, der im Schnitt die meiste Spielzeit im gesamten Kader bekam, Anfang Januar für den Rest der Saison ausfiel. Doch nichts da! Mittlerweile ist eine Postseason-Teilnahme mehr als realistisch. Doch was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Dion, Dragic und Dreier

Ein Sinnbild des Erfolgs ist Goran Dragic, der sich seit Mitte Januar in überragender Form präsentiert. Der Point Guard legt seitdem 22,6 Punkte pro Spiel auf, doch noch beeindruckender sind seine Wurfquoten. So trifft Dragic 54,1 Prozent seiner Feldwürfe und von der Dreierlinie sagenhafte 46,5 Prozent bei fast vier Versuchen pro Partie.

Seine Gefahr von Downtown erleichtert gleichzeitig das High-Pick-and-Roll-Spiel, da Dragics Gegenspieler dazu gezwungen wird, ihn noch enger zu verteidigen. Der Slowene kann dadurch noch leichter an seinem Verteidiger vorbeigehen – wenn jener nicht ohnehin am Block hängen bleibt. Das Resultat ist das gleiche: Der Heat-Guard gelangt spielend leicht in die gegnerische Zone und kann dort selber abschließen oder – wie häufig der Fall – den Kick-out-Pass zu einem freien Mitspieler an die Dreierlinie spielen.

Und dort warten die für die Gegner kaum weniger verheerenden Waffen. Jederzeit stehen zwei oder drei sichere Schützen auf dem Feld. Ob Luke Babbitt, Rodney McGruder, Wayne Ellington Okaro White oder Dion Waiters: Sie alle treffen seit Mitte Januar mindestens 39 Prozent ihrer Würfe von Downtown; im Falle von Babbitt und Waiters sind es sogar 48 bzw. 47 Prozent. Nicht umsonst versenken seit diesem Zeitraum nur die Golden State Warriors ihre Dreier so zuverlässig wie die Miami Heat.

Apropos Dion Waiters: Der Guard hat ebenso wie Dragic einen herausragenden Monat in der NBA hinter sich. Ihn muss man unter den eben genannten Schützen hervorheben, da er nicht nur seine Distanzwürfe trifft, sondern auch in anderen Bereichen das Spiel seines Teams bereichert. Seit Beginn der 13-Siege-Serie legt Waiters 20,6 Punkte, 5,3 Assists und 4,1 Rebounds pro Begegnung auf. Er hat auch viele Aktionen mit dem Ball in der Hand, kreiert für sich, aber auch für andere wie die Zahl der Vorlagen beweist. In Abwesenheit von Dragic ist er gemeinsam mit Tyler Johnson für den Spielaufbau der Heat verantwortlich. Besonders prominent tritt Waiters auch in der Crunchtime in Erscheinung. Seine entscheidenden Dreier gegen Golden State und Brooklyn in zwei aufeinander folgenden Spielen sind bei vielen noch in Erinnerung.

Starke Defense als Prunkstück

All diese Faktoren sorgen dafür, dass die Miami Heat seit Mitte Januar einen Top-zehn-Angriff der Liga stellen. Dies ist eine beachtliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass die Heat bis zu diesem Wendepunkt auf dem vorletzten Platz bei der Offensiv-Effizienz lagen. Doch der eigentliche Garant für die Siegesserie ist die bärenstarke Verteidigung des Teams, die seit genanntem Zeitpunkt die drittbeste der Liga ist (Defensiv-Rating: 101,8).

Der Defensiv-Anker der Heat ist Hassan Whiteside, der sich seit Saisonbeginn ebenfalls deutlich verbessert hat. Der Center führt über die gesamte Saison gesehen mit 10,5 Defensiv-Rebounds pro Spiel die Liga in dieser Kategorie an und gehört auch zu den fünf besten Shotblockern der Association (2,1 BpG). Auch in Sachen Pick-and-Roll-Defense hat sich Whiteside deutlich gesteigert. Vor allem das Hedge-and-Recover beherrscht der 27-Jährirge immer besser. Sein Einfluss auf die Verteidigung seines Teams ist sowohl unter dem Korb, als auch beim Blocken-und-Abrollen enorm. Doch auch insgesamt stimmt die Help-Defense der Heat und auch die Rotationen. Miami verteidigt sowohl gegnerische Dreier, als auch in der Zone überdurchschnittlich.

Waiters Heat

Halten wir also fest: Die Heat verfügen derzeit dank der herausragenden Leistungen von Dragic und Waiters sowie dem starken Shooting von draußen über eine der besten Offensiven und stellen zudem eine der besten Defensiven seit Jahresbeginn. Die Heat sind in vielerlei Hinsicht ein Phänomen. Welches Team der NBA-Geschichte, das zehn seiner letzten elf Partien verlor, startete denn im Anschluss daran eine solche Siegesserie?

Gleichwohl ist anzumerken, dass vor Beginn dieser Aufholjagd nicht alles so schlecht war wie es die Tabelle ausdrückte. Die Heat standen zwar mit der zweitschlechtesten Bilanz da, lagen aber beispielsweise beim Net-Rating nicht einmal unter den letzten fünf. Miami war häufig konkurrenzfähig und musste viele knappe Niederlagen einstecken. Ein paar gute Wendungen wie Dragic und Waiters in Top-Form oder die Rückkehr von zuvor verletzten Akteuren sorgten dafür, dass der Schalter umgelegt werden konnte. Auch Head Coach Erik Spoelstra muss hoch angerechnet werden, dass er das beste aus jedem einzelnen Spieler herausholt.

Erfolgsgarant Gewinner-Kultur

Zu den sportlichen Gründen für den Aufschwung gesellen sich Faktoren abseits des Spielfeldes dazu, die allerdings positiven Einfluss auf das Geschehen nehmen. Aus dem Finals-Kader der Saison 2013/14 ist nur noch Udonis Haslem über. Mit LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh verließ seitdem in jeder Saison aus unterschiedlichen Gründen ein Star Miami. An der durch Teampräsident Pat Riley und Trainer Erik Spoelstra gelebten Gewinner-Kultur hat sich am South Beach jedoch nichts geändert. Die Atmosphäre ist dadurch sehr förderlich für Top-Leistungen – im Gegensatz zu Franchises wie in Sacramento oder Brooklyn.

Beispiele sind Spieler wie Dragic, Waiters, Whiteside sowie Tyler und James Johnson, die die beste Saison ihrer Karriere spielen. Doch auch die weiteren Rotationsspieler gehören erwähnt. Spieler, die letzten Sommer bei kaum einem anderen Team gefragt waren und in der Regel zwischen NBA und D-League pendeln (Ellington, Babbitt, Reed, McGruder, White), bringen ihre Leistung und verdienen sich viele Minuten im Heat-Kader.

Pat Riley

Miami stellt damit immer wieder unter Beweis, dass sie eines der besten Teams sind, wenn es darum geht, Spieler zu entwickeln. Zudem hat das Front Office einen guten Riecher bei der Entdeckung von ungedrafteten- oder D-League-Spielern, die charakterlich und spielerisch perfekt ins System passen. Auch für James Johnson ist die Kultur die Basis:„Es ist die Organisation. Wir pflegen eine Gewinnermentalität auf und abseits des Feldes. Wir wussten während der schlechten Phasen, was wir besser machen mussten. Anstatt sich zu beschweren und nach Ausreden zu suchen, haben wir im Training daran gearbeitet.“

In Miami wurde über lange Zeit hinweg eine familiäre Kultur etabliert, die viele Spieler aufblühen lässt. Auch die Teamchemie hat sich im Laufe der Saison entwickelt. Es brauchte nur ein bisschen Zeit. Schließlich war der Kader zum Großteil neu zusammengestellt und wurde zu allem Überfluss durch viele Verletzungen zurückgeworfen. Nahezu jeden Spieler musste in dieser Spielzeit schon aussetzen. Daraus folgten häufige Rotations- und Line-up-Änderungen. Auch die vielen knappen Niederlagen waren in dem Moment zwar bitter, aber im Nachhinein lehrreich für teilweise sehr junge Mannschaft.

In der aktuellen Form gelten die Heat als Favorit auf einen Playoff-Platz. Vielleicht geht es in der Tabelle sogar noch bis auf Platz sechs hinauf. Sie haben zwar eine Truppe, die auf den ersten Blick ohne Stars und daher eher unscheinbar daherkommt, für jeden Kontrahenten ist Miami dennoch äußerst undankbar – das könnten auch ihre Gegner in der Post-Season zu spüren bekommen.

Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2016 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.