BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Zwergenaufstand?

26.01.2016 || 15:58 Uhr von:
20160126_600x400_Zach_Randolph_Memphis_03
Es läuft noch nicht wirklich rund bei den Memphis Grizzlies. Head Coach David Joerger versucht es mit Small Ball und Zach Randolph von der Bank. Wohin führt der Umbruch?

Knapp anderthalb Monate nach Saisonbeginn hatte Dave Joerger genug. Der Head Coach war mit den Memphis Grizzlies mehr als durchwachsen in die Saison gestartet. Eine Bilanz von 13-11 reichte zwar zu diesem Zeitpunkt für einen Playoff-Platz, war den Ansprüchen eines Contenders aber weit entfernt. Also probierte Joerger, der einigen Medienberichten zufolge bereits zweimal in dieser Saison kurz vor der Entlassung gestanden ist, etwas neues aus: Zach Randolph wurde das erste Mal seit fast zweieinhalb Jahren auf die Bank beordert, Matt Barnes startete im Gegenzug.

Der im Sommer gekommene Barnes startete auf der Drei, Jeff Green bekleidete so die Vier. Die Position, auf der er zu Beginn seiner NBA-Karriere ebenfalls gespielt hatte. Eine Initialzündung gelang den Grizzlies damit aber nicht, vielmehr schenkten sie einen sicher geglaubten Sieg gegen die Miami Heat in den letzten Minuten noch her, indem sie einen 11:0-Lauf von Dwyane Wade und Co. zuließen und mit einem 97:100 die zwölfte Saisonniederlage kassierten.

Das Kopfschütteln bei den eingefleischten Grizzlies-Fans wurde immer heftiger, dennoch sagte Joerger nach der Partie: „Das ist keine einmalige Angelegenheit. Das ist eine Sache, die wir ab jetzt eine ganze Zeit lang durchziehen wollen.“ Joerger erklärte damit offiziell, dass auch die Memphis Grizzlies, eines der letzten Teams mit zwei traditionellen Big Men, auf Small Ball umstellen wollen – trotz quasi nicht vorhandenem Spielermaterial. Joerger muss verrückt sein, oder nicht?

Small-Ball-Grit-and-Grind

Nicht ganz. Vielmehr ist die Umstellung der Tatsache geschuldet, dass Randolph eben mit 34 Jahren kein alles kaputt dunkender Jungspund mehr ist. Im Pick-and-Roll hatte Z-Bo in der Defense immer wieder Probleme gegen schneller Gegenspieler oder Stretch-Vierer, zum Zeitpunkt der Umstellung rangierte Memphis auf dem letzten Platz in der Liga in Sachen Pick-and-Roll-Verteidigung. Randolph kam meist nicht schnell genug an die Dreierlinie oder ließ den Blocksteller vollkommen alleine, offene Würfe für den Gegner waren die Folge. Von der gefürchteten „Grit-and-Grind“-Defense der Grizzlies war nichts mehr zu sehen. Vielmehr hatte der Großteil der Liga Freude daran, die zu Teddybären verkommenden Oldies auseinanderzunehmen.

Daher die Umstellung auf die Small-Ball-Lineup. Green ist zwar nicht bekannt für seine Defense, dafür hat er aber mit Marc Gasol, Tony Allen, Courtney Lee, Matt Barnes oder Mike Conley meist genügend Elite-Verteidiger an seiner Seite stehen. Zumal sorgt Greens Geschwindigkeitsvorsprung vor Randolph alleine dafür, dass Memphis weniger offene Würfe als zuvor zulässt. Die gegnerische Wurfquote fiel seit Mitte Dezember von 46,1 vor auf 43,0 Prozent nach dem Lineup-Wechsel. Zudem treffen die Gegner 1,3 Dreier weniger pro Partie, Memphis schnappt sich fast einen Steal mehr. Fast alle signifikanten Defense-Statistiken zeigen einen positiven Ausschlag, auch das Defensiv-Rating ist von 104,5 auf 98,5 gesunken.

Nicht zuletzt gehört Memphis mittlerweile wieder zum oberen Ligadrittel in Sachen Pick-and-Roll-Verteidigung, seit Mitte Dezember belegen die Grizzlies im Vergleich den zehnten statt den 30. Rang. Defensiv ist Joergers Plan also voll aufgegangen; auch Marc Gasol harmoniert nach anfänglichen Problemen besser mit Jeff Green, welcher zudem besser in die Zone ziehen kann, da abgesehen von Gasol kein weiterer Bulldozer den bemalten Bereich zuparkt.

Feuer mit Feuer

Offensiv dagegen hat sich kaum etwas am Verhalten der Grizzlies geändert. Memphis nimmt vor allem durch die erhöhte Spielzeit von Green auf der Vier mehr Würfe aus der Mitteldistanz (achter Rang in der NBA) und trifft diese mit 43,1 Prozent recht hochprozentig. Nur die Atlanta Hawks, Oklahoma City Thunder und Portland Trail Blazers sind aus diesem Bereich noch effizienter. Allerdings geht das auch auf Kosten der Freiwürfe. Die Grizzlies scheuen abgesehen von Gasol die Zone, folglich ziehen sie fast vier Freiwürfe weniger, als vor dem Wechsel auf dir Small-Ball-Lineup.

Was allerdings verwirrt, ist die Pace, mit der Memphis spielt. Obwohl schnellere Akteure und bessere Schützen auf dem Court stehen, spielen die Grizzlies sogar langsamer und haben auf 100 Possessions hochgerechnet fast dreimal weniger den Ball und nehmen exakt so viele Dreier wie zuvor. Das Team scheint sich noch nicht so richtig an das neue System gewöhnt zu haben, zu oft wird Gasol der Ball einfach im Low-Post gegeben, ohne dass über Alternativen nachgedacht wird.

„Wir probieren im Moment viel aus und versuchen uns eine Strategie zu erarbeiten, an der wir festhalten können“, sagte der Spanier Anfang Januar nach einer Niederlage gegen Oklahoma City. Was er damit meint: Die Grizzlies spielen weiter wie ein Team mit zwei klassischen Big Men, auch wenn sie eigentlich Small-Ball spielen wollen. Dave Joerger will Feuer mit Feuer bekämpfen, hat dafür aber nicht die nötigen Mittel.

Das wirft natürlich die Frage auf, warum General Manager Chris Wallace im Sommer nicht Spieler verpflichtet hat, die für so ein System geeignet wären. Matt Barnes und der im Moment verletzte Brandan Wright genügen diesen Ansprüchen nicht wirklich. Wright könnte zwar in so einem System auf der Fünf spielen, Gasol übernimmt diese Rolle aber normalerweise und ist für die Grizzlies unabdingbar. Barnes kann zwar von der Zwei bis zur Vier alles verteidigen, ist offensiv von Downtown aber so produktiv wie ein Sack Fischabfälle.

20160126_600x300_Marc_Gasol_Memphis

Umbruch im Februar?

Die Lösung könnte die Trade-Deadline am 18. Februar sein. Courtney Lee, Jeff Green, Mike Conley und auch Mario Chalmers besitzen alle im Sommer auslaufende Verträge und könnten bei Teams begehrt sein, die Salary Cap freischaufeln wollen. Im Prinzip fallen aber mit Conley, der erst kürzlich bekräftigt hat, im Sommer seinen Vertrag verlängern zu wollen, und Chalmers zwei Optionen weg. Der Ex-Heat-Aufbauspieler ist so ziemlich der einzige Bankspieler neben Randolph, der offensiv Scoring-Power verspricht.

Bleiben Green und Lee. Letzterer ist noch der beste Schütze der Grizzlies und neben den Halbrentnern Allen und Barnes eigentlich die einzige junge Kraft auf der Zwei; auch hier ist ein Verbleib also wahrscheinlich, wenn kein Bomben-Angebot kommt. Green dagegen scheint sich in seiner neuen Rolle nicht wirklich wohlzufühlen, auch das Front Office soll mit seinen Leistungen nicht wirklich zufrieden sein. Ein Stretch-Vierer mit gutem Dreier wird in Memphis gesucht, Green könnte diesen eventuell nach Tennessee spülen. Besonders heiß sollen die Grizzlies auf Pelicans-Schütze Ryan Anderson sein. Aber gut, wer will den nicht.

20160126_600x300_Mike_Conley_Memphis_03

Playoffs ja, Contender nein

Spätestens im Sommer dürfte der Umbau erfolgen. Bleibt Conley, ist theoretisch Platz für einen Maximalvertrag; vorausgesetzt, es wird nicht mit Green und Lee verlängert. Dann hätte Memphis mit Conley, Gasol plus X zwar seine neue Big Three, ob diese dann aber direkt konkurrenzfähig ist, ist höchst fraglich. Dementsprechend dürften auch die großen Namen in diesem Sommer einen Bogen um Memphis machen, das jetzt auch nicht gerade die Medienhauptstadt dieser Welt ist.

Also bleibt Joerger und Co. nur die Option, sich möglichst gut zu verkaufen und den radikalen Umbruch während der Saison halbwegs gut zu überstehen. Immerhin holte Memphis aus den letzten acht Spielen sechs Siege, der fünfte Platz im Westen ist kein Drama. Die Playoffs dürften also auch zum siebten Mal in Folge erreicht werden. Allerdings stehen die Grizzlies gegen Teams, die mehr als 60 Prozent ihrer Spiele gewonnen haben, auch bei einer katastrophalen Bilanz von 2-9. Mehr als die zweite Runde wird also wohl nicht drin sein. Dafür haben die anderen Teams einfach zu viele Waffen.

In Memphis hofft man, dass dort auch bald das Modell „Small-Ball“ zur Verfügung steht. Denn ansonsten droht nach dem Karriereende von Randolph ein Schritt zurück in die Zeiten, als Memphis regelmäßig Gast in der Lottery war.

Zwergenaufstand?
3.67 (73.33%) 3 votes
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2015 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.