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Der rote Faden des großen Rotschopfs

04.12.2014 || 08:00 Uhr von:
Wenn Bill Walton gesund ein Basketballfeld betrat, gab es nur wenige, die ihm das Wasser reichen konnten. Leider war dies dem Center nur selten vergönnt. Ein Rückblick auf die Karriere eines außergewöhnlichen Mannes.

Der 5. Juni 1977: In der Stadt Portland im Nordwesten der USA herrscht Ausnahmezustand. Die Portland Trail Blazers, das einzige große Profi-Team der Stadt, haben soeben die Meisterschaft in der NBA gewonnen und lösen damit eine Euphorie aus, die noch heute als „Blazermania“ bekannt ist. Mit der Titelsaison beginnt eine 18 Jahre andauernde Serie von mehr als 800 ausverkauften Heimspielen in Folge – ein Rekord, der wohl noch lange Bestand haben wird und die Frage nach den loyalsten Fans der Liga eindeutig zu beantworten scheint. Doch die Anhänger aus „Rip City“ müssen nun seit bereits 37 Jahren auf ein weiteres Erfolgserlebnis warten. Der Titelgewinn aus dem Jahre 1977 bleibt der bislang einzige der Franchise-Geschichte, obwohl dem jüngsten Meisterteam aller Zeiten (24,5 Jahre Altersdurchschnitt) scheinbar die Zukunft gehören sollte.

Das Schicksal dieser Mannschaft ist jedoch stets eng verknüpft mit der Leistung des Bill Walton. Der 2,11 Meter große Center, der im sechsten Spiel brilliert (20 Punkte, 23 Rebounds, sieben Assists und acht Blocks) und wenig überraschend auch zum Finals-MVP gewählt wird, bringt alle Fähigkeiten mit, die von einem Big Man verlangt werden. Er hat sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive großen Einfluss auf das Spiel. Walton ist ein hervorragender Rebounder und Shotblocker, überzeugt aber auch mit Post-Moves und einem Passspiel, das unter Centern der NBA-Geschichte wohl seinesgleichen sucht. „Lediglich“ einen belastbaren Körper, die Grundlage jeder Form von Profisport, kann er nicht sein Eigen nennen. Dies ist die Geschichte eines Spielers, der die Höhen und Tiefen dieser Sportart in einer Intensität kennengelernt hat, wie kaum ein anderer.

Frühe Erfolge und Superstar-Status am College

Die Basketball-Laufbahn des Bill Walton startet an der Helix High School in La Mesa, einer Kleinstadt in der Nähe von San Diego, Kalifornien. Der Rotschopf, der abseits des Parketts noch sehr schüchtern auftritt, was hauptsächlich seinem starken Stottern zuzuschreiben ist, weiß auf dem Spielfeld bereits zu dominieren. Als bereits 17-Jähriger wird er in das US-Aufgebot für die FIBA Weltmeisterschaft einberufen, womit er der einzige High-Schooler in der Geschichte ist, dem diese Ehre zuteil wird. In seinem Senior-Jahr bleibt das Schulteam ungeschlagen, während Walton 29 Punkte und 22 Rebounds im Schnitt beisteuert. Kein Wunder, dass sich der Center kaum vor College-Angeboten retten kann. Seine Wahl fällt dennoch relativ schnell auf das UCLA-College (University of California, Los Angeles) – zu verlockend ist die Chance, für den NCAA-Serienmeister und deren legendären Coach John Wooden zu spielen.

Mit dem konservativen Wooden und Bill Walton, der mittlerweile bekennender Hippie ist, Marihuana raucht und bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg sogar inhaftiert wird, prallen Welten aufeinander. Legendär ist beispielsweise jene Geschichte, als John Wooden seinem Schützling die Teilnahme am Training verbietet, falls dieser sich nicht die Haare schneiden lässt. Als sich Walton das nicht gefallen lassen will, entgegnet der Coach lapidar: „Wir werden dich hier vermissen.“ Walton erscheint daraufhin schnell mit einem Haarschnitt, den auch der Coach fürr angemessen hält…

Obwohl die beiden auf den ersten Blick charakterlich extrem unterschiedlich sind, finden sie auf dem Basketballfeld einen gemeinsamen Nenner. Ihr unbändiger Ehrgeiz sowie die eiserne Disziplin im Training verbindet sie, und sobald Walton die ungewöhnlichen Methoden Woodens (der sich in erster Linie als „Lehrer des Lebens“ sieht) akzeptiert hatte, war der Grundstein für eine beispiellose College-Karriere gelegt.

In den ersten beiden Jahren, in denen Walton spielberechtigt ist (Freshmen sind damals in der NCAA noch nicht einsatzberechtigt), gibt es für die Bruins wenig Konkurrenz. Sowohl in der Saison 1971/72, wie auch 1972/73 bleibt das Team ungeschlagen und wird jeweils NCAA-Champion. Unvergessen bleibt vor allem das Meisterschaftsspiel 1973 gegen Memphis State, als Walton 44 Punkte erzielt und dabei sagenhafte 21 von 22 Feldwürfen verwandelt; eine Leistung, die auch heute noch häufig als beste Vorstellung in der Final-Four-Geschichte bezeichnet wird.

UCLA scheint in dieser Phase nahezu unschlagbar zu sein, doch bereits im nächsten Jahr muss Walton eine Verletzung hinnehmen, die Woodens Team bald auf den Boden der Realität zurückbringen würde. Im Januar 1974 wird er in einem Spiel gegen Washington State unterlaufen und landet hart auf dem Rücken. Der Center bricht sich zwei Wirbel und verpasst in der Folge drei Spiele. Nur elf Tage nach dem Vorfall ist er wieder mit von der Partie, als ein sicher geglaubter Sieg gegen Notre Dame noch hergegeben wird. Die unglaubliche Serie von 88 Siegen in Folge (bis heute Rekord) ist zu Ende. Auch mit dem dritten Titel für Walton wird es nichts; im Final Four müssen sich die Bruins erst nach zweifacher Verlängerung North Carolina State geschlagen geben.

Obwohl diese vermeidbaren Niederlagen (beide Male führte UCLA im letzten Viertel bereits zweistellig) bis heute an Bill Walton nagen, kann er auf eine College-Karriere zurückblicken, wie sie nur wenige zustande gebracht haben. Er erzielt 20 Punkte und 16 Rebounds pro Spiel und wird in jeder seiner drei Saisons zum „National Player of the Year“ ausgezeichnet. Selten schien ein Spieler besser für die große Bühne der NBA gewappnet zu sein. Doch die NBA-Karriere des Centers sollte sich, bis auf wenige Ausnahmen, in erster Linie als Leidenszeit entpuppen.

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Auf großen Erfolg…

Als die Portland Trail Blazers den Münzwurf gewinnen, der ihnen den ersten Pick des NBA-Drafts 1974 zusichert, stehen sie vor einer recht naheliegenden Entscheidung. Bill Walton ist die logische Wahl des Teams aus Oregon. Von ihm erwartet sich die noch recht junge Franchise, die bisher noch nie in den Playoffs gestanden hatte, eine offensive wie defensive Präsenz unter den Körben.

Die Hoffnung scheint sich von Beginn an voll und ganz zu erfüllen, als Walton gleich in den ersten sieben Spielen traumhafte Allround-Statistiken auflegt (16,0 PpG, 19,0 RpG, 4,4 ApG, 4,0 BpG).

Doch als der Center eines Tages zum Training erscheint und kaum laufen kann, nimmt seine Rookie-Saison eine drastische Wendung. Da die Team-Ärzte keinen Schaden in seinem Fuß feststellen können und ihn daraufhin gar als Simulanten bezeichnen, wird Walton weiter eingesetzt, was die Probleme nur noch verschlimmert. Schon bald stellt sich heraus, dass nicht diagnostizierte Ermüdungsbrüche die Ursache für die Schmerzen sind.

Nach gerade einmal 35 Spielen ist die erste Saison des vermeintlichen Heilsbringers schon wieder vorbei. Rookie des Jahres wird sein ehemaliger UCLA-Kollege Jamaal Wilkes.

Auch in der nächsten Spielzeit sind die Wehwechen des 2,11-Meter-Mannes das dominierende Thema in Portland. Wieder verpasst er auf Grund von verschiedenen Blessuren mehr als 30 Spiele, während das Team erneut nicht in die Playoffs einziehen kann. Die Medien machen die vegetarische Ernährungsweise verantwortlich für die Verletzungsanfälligkeit des Centers, und auch teamintern ist das Klima immer mehr von Ungeduld und Unzufriedenheit geprägt.

Erst, als vor der Saison 1976/77 mit Jack Ramsay ein neuer Head Coach verpflichtet und im Rahmen der Auflösung der ABA ein All-Star-Power-Forward namens Maurice Lucas gedraftet wird, wendet sich einiges zum Guten. Vor allem die Verpflichtung des damals 24-jährigen Lucas entwickelt sich zum Glücksgriff für die junge Franchise. Auf Anhieb avanciert er zum Topscorer des Teams und legt beeindruckende 20 Punkte und elf Rebounds im Schnitt auf. Zudem soll das Kraftpaket als „Enforcer“ Walton physisch entlasten und von Reibereien mit gegnerischen Big Men fernhalten.

Die Rechnung geht auf. Der Center erfreut sich erstmals in seiner Karriere guter Gesundheit und entwickelt sich in der Folge zu einem der besten seiner Zunft. Er erzielt neue Karrierebestleistungen bei den absolvierten Spielen (immerhin 65) sowie beim Punkteschnitt (18,6) und führt die Liga gar bei den Rebounds (14,4) und Blocks (3,2) pro Spiel an. Das Team gewinnt 49 Begegnungen und zieht souverän zum ersten Mal in der Franchise-Geschichte in die Playoffs ein.

Nachdem die Blazers in den ersten beiden Serien die Bulls (Chicago war damals noch in der Western Conference beheimatet) und die Nuggets bezwingen, wartet in den Conference Finals mit den Los Angeles Lakers die an Nummer eins gesetzte Mannschaft. Spätestens jetzt sorgt der starke Playoff-Lauf für Aufsehen in Portland, während die Übertragungen des TV-Senders CBS die junge Truppe aus Oregon auch erstmals auf nationaler Ebene ins Rampenlicht stellen. Die mit Spannung erwartete Serie entwickelt sich allerdings zu einer einseitigen Angelegenheit. Völlig überraschend geht das Team um Superstar Kareem Abdul-Jabbar mit 0-4 unter! Portland steht also gleich im ersten Playoff-Anlauf in den NBA-Finals, wo sie jedoch gegen die Philadelphia 76ers erneut nur Außenseiter sind.

Mit Julius Erving, George McGinnis, Doug Collins und Lloyd B. Free besitzen die Sixers eine Vielzahl an offensivstarken Spielern. Als die Mannschaft von der Ostküste mit 2-0 in Führung geht, scheint die Serie ihren erwartbaren Lauf zu nehmen. Doch die Trail Blazers spielen sich in den folgenden beiden Spielen in einen Rausch und können vor den eigenen Fans zwei Blowouts feiern. Als ihnen in der fünften Begegnung auch noch ein 110:104-Erfolg gelingt, scheint das Momentum der Serie endgültig zu kippen.

Nur einen Sieg vom großen Triumph entfernt, geht es zurück ins heimische Memorial Coliseum, in dem die Blazers während der laufenden Playoffs auf eine 9-0-Bilanz blicken können. Doch die kommende Partie entwickelt sich zu einem wahren Thriller. Philadelphia kann, angeführt vom überragenden Julius Erving, der 40 Punkte beisteuert, das Spiel bis zur Schlussphase offen halten. Beim Stand von 109:107 für Portland erhält George McGinnis die Chance, die Verlängerung zu erzwingen. Sein Sprungwurf ist jedoch zu kurz, worauf die Fans aufs Parkett stürmen und die erste Meisterschaft für „Rip City“ bejubeln können. Waltons Galavorstellung in der entscheidenden Begegnung gilt bis heute als eine der besten in der Finals-Geschichte.

Nach dem Spiel erklärt Jack Ramsay vor versammelter Presse: „Ich habe nie einen besseren Spieler, Wettkämpfer oder eine bessere Person als Bill Walton gecoacht.“

Walton ist am Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Mit einer sensationellen individuellen Leistung hat er den wichtigsten Titel im Basketball gewonnen, der Vorstand des Teams ist besänftigt und die Fans liegen ihm zu Füßen. Blazermania…

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… folgt große Enttäuschung

Die Mission „Repeat“ beginnt zunächst sehr vielversprechend, als die Trail Blazers die ersten 60 Spiele mit einer bärenstarken Bilanz von 50-10 abschließen. Auch Walton knüpft nahtlos an seine Vorjahresleistungen an, doch als sich sein linker Fuß wieder bemerkbar macht und der Center daraufhin den Rest der Saison verpasst, schlägt sich das auch im Teamerfolg nieder (nur acht Siege in den letzten 22 Spielen). Zu Beginn der Playoffs entschließt sich der Pivot, in Absprache mit den Ärzten auflaufen zu wollen. Vor dem zweiten Spiel der Western Conference Semifinals gegen die Seattle SuperSonics wird Walton mit Schmerzmitteln fit gespritzt – ein folgenschwerer Fehler. Bei einem Rebound bricht der Knochen erneut, und Portland verliert in der Folge weit mehr als nur eine Playoff-Serie.

Walton wird zwar, trotz einiger verpasster Spiele, erstmalig auch zum Liga-MVP gewählt, die Saison endet aber dennoch in einem Desaster. „The Big Redhead“ verklagt die Team-Ärzte wegen Fahrlässigkeit und beschließt auf Grund des völlig zerstörten Vertrauens, nicht mehr für die Trail Blazers spielen zu wollen. Er sitzt die komplette folgende Spielzeit aus und unterschreibt im Anschluss als Free Agent bei den San Diego Clippers.

Es ist die perfekte Schlagzeile: Superstar Bill Walton soll dabei helfen, professionellen Basketball in San Diego, nahe seiner Heimatstadt, zu etablieren. Die kürzlich aus Buffalo umgezogene Franchise nimmt den Center für eine damalige Rekordsumme, sieben Millionen Dollar für sieben Jahre, unter Vertrag. Kritische Stimmen im Team merken jedoch an, dass das Risiko, einen verletzungsanfälligen Center für so eine Summe aufzunehmen, zu hoch wäre. Sie sollten Recht behalten.

Bereits in der Preseason erleidet Walton bei einem Spiel gegen die Lakers erneut einen Ermüdungsbruch im linken Fuß. In den folgenden drei Saisons bringt er es gerade einmal auf 14 (!) Partien und verpasst zwei Spielzeiten komplett. In einem Interview bezeichnet er sich als meistverletzter Athlet aller Zeiten und fügt an: „Es war psychologisch verheerend, weil niemand herausfinden konnte, was mit meinen Füßen nicht in Ordnung war.“

Es ist zweifellos die schwierigste Phase in der Karriere des Bill Walton. Er inskribiert auf der Stanford Universität, um Jura zu studieren, einerseits um einen Imagewandel herbeizuführen, andererseits aber auch, um eine Tätigkeit neben dem Basketball ausführen zu können. Viele, ihn eingeschlossen, vermuten das Karriereende.

1981 unterzieht sich Walton erneut einer Operation, mit dem Ziel, den Druck auf den häufig gebrochenen Knochen zu verringern. Der Eingriff trägt Früchte. Der Center ist zur Saison 1982/83 erstmals seit langer Zeit wieder schmerzfrei und kann immerhin ein Spiel pro Woche (mehr wird von den Ärzten nicht gestattet) absolvieren. Ein Achtungserfolg! – Für die San Diego Clippers ist es allerdings zu wenig. Walton kann dem Team auf Grund der geringen Anzahl an Spielen und auch langsam abbauender Produktivität nicht genügend helfen, um für erfolgreiche Spielzeiten zu sorgen. Die Mannschaft verpasst Jahr für Jahr die Playoffs, der Zuschauerschnitt sinkt und letztlich scheitert auch der professionelle Basketball in San Diego; im Endeffekt auch auf Grund der Fehleinschätzung bezüglich der Leistungsfähigkeit des designierten Starspielers.

Im Alter von 33 Jahren – vor der Saison 1985/86, wohl wissend, dass seine Karriere bald vorbei sein wird – ist es Waltons größter Wunsch, noch einmal für eine erfolgreiche Franchise auflaufen zu können. Er ruft bei Red Auerbach, dem Präsidenten der Boston Celtics, an und erklärt ihm seine Absichten. Da ein Großteil der Celtics-Spieler, insbesondere Larry Bird, angetan von dem Experiment ist, wird kurzerhand Cedric Maxwell für die Dienste des rothaarigen Pivots zu den Clippers verschifft.

Es ergibt sich eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Von Walton wird zum ersten Mal in seiner Karriere nicht verlangt, der Superstar zu sein. Als Backup für Robert Parish und Kevin McHale muss er nur knapp unter 20 Minuten pro Partie spielen – eine Belastung, die seine Füße aushalten, wodurch er eine Karrierebestmarke von 80 Spielen in einer Saison aufstellen kann. Die Celtics bekommen einen äußerst effizienten Center (56% FG), der nach wie vor ein überragendes Passspiel sein Eigen nennt und den vielleicht besten Frontcourt in der Geschichte der NBA komplettiert. Der Rekordmeister marschiert durch die Playoffs und beschert Walton den zweiten Titel seiner Laufbahn, während seine Leistungen der regulären Saison mit der Auszeichnung als bester sechster Mann honoriert werden. Es ist ein letzter Höhepunkt einer Karriere, die vor allem von Verletzungen und verpassten Möglichkeiten geprägt ist.

Doch auch nach seiner aktiven Zeit muss sich Walton noch einige Male unters Messer legen. Als er 2007 schlagartig unter extremen Rückenschmerzen leidet, ist er vorerst gezwungen seinen mittlerweile langjährigen Kommentatorenjob niederzulegen. Der 2,11-Meter-Mann kann sich kaum noch bewegen, verbringt Wochen, Monate, schließlich sogar fast zwei Jahre vorwiegend im Liegen und unter quälenden Schmerzen. Später gibt er zu, in dieser Zeit sogar an Suizid gedacht zu haben. Jener Walton, der sein hartnäckiges Stotter-Problem im Alter von 28 Jahren hinter sich lassen konnte, der sich scheinbar von jeder Verletzung zurückkämpfen konnte, der während seiner Karriere ganze 37 (!) Operationen über sich ergehen lassen musste, jener Bill Walton schien plötzlich psychisch völlig am Ende zu sein.

Erst im Jahr 2009, als ein Spezialist ihn zu dem gefürchteten operativen Eingriff an der Wirbelsäule überreden kann, ist der Ex-Basketballer wieder schmerzfrei und voller neuem Tatendrang. Es bleibt zu hoffen, dass der „Operations-Zähler“ bei 38 stehen bleibt. „The Big Redhead“ hat wahrlich genug leiden müssen.

Eine unvollkommene Karriere

Bill Walton konnte durchaus der Basketball-Geschichte seinen Stempel aufdrücken. Eine glanzvolle Zeit am College sowie ein überraschender Playoff-Lauf in Portland führten dazu, dass sowohl die Bruins, als auch die Trail Blazers Waltons Nummer 32 aus dem Verkehr gezogen haben. Auch eine Aufnahme in die Hall of Fame, der Ritterschlag für jeden Basketballer, blieb ihm nicht verwehrt. Dennoch kommt ein Fazit zu Bill Waltons Karriere nicht ohne die berühmte „Was wäre wenn?“-Frage aus. Was wäre gewesen, wenn Walton gesund geblieben wäre? Wie viele Meisterschaften hätte er gewinnen können? Wie viele MVP-Titel wären möglich gewesen?

Derartige Fragen sind natürlich nur spekulativ zu beantworten. Fakt aber ist, dass nur wenige andere Center in der Geschichte dieser Liga über ähnliche Fähigkeiten wie Walton verfügt haben. Ein trauriger Rekord von fast 600 verpassten Ligaspielen in 13 NBA-Jahren ließ diese allerdings nur allzu selten zur Geltung kommen.

Buchautor David Halberstam, der sich in „Breaks of the Game“ mit den Trail Blazers dieser Zeit beschäftigt hat, bringt es auf den Punkt: „Er hat all‘ diese großartigen Fähigkeiten… und dann hat er die Füße deiner Großmutter.“

Auch John Wooden war sich stets bewusst, welch‘ einmaliges Talent er bei UCLA in seinen Reihen hatte: „Wenn man alle Fähigkeiten zählt, die man sich bei einem Center wünscht, ist niemand höher zu bewerten als ein gesunder Bill Walton.“

Die Liste der NBA-Stars, die auf Grund diverser Verletzungen einer großartigen Karriere beraubt wurden, ist lang: Ralph Sampson, Sam Bowie, Penny Hardaway, Grant Hill, Amare Stoudemire, Greg Oden oder Brandon Roy sind nur einige davon. Die Erinnerungen an ihre sportlichen Schicksale sind es, die nicht nur Bulls-Fans einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen, wenn Derrick Rose einmal wieder ein Spiel mit Kniebeschwerden aussetzen muss. Für den neutralen Beobachter ist es schlicht und ergreifend extrem schade, wenn die Karrieren derartiger Ausnahmetalente durch Verletzungspech beschnitten werden.

So ähnlich mussten sich damals auch die Anhänger von Bill Walton gefühlt haben. Ihm waren im Endeffekt nur eineinhalb Jahre auf NBA-Top-Niveau vergönnt. Eine Zeit, die zumindest für die Fans in Portland nicht in Vergessenheit geraten wird.

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