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Larry Bird – Erinnerungen an eine Legende

29.07.2003 || 00:00 Uhr von:

Larry Bird ist wieder in aller Munde. Larry Bird ist back on stage. Larry Bird ist wieder im großen Business der NBA zurück. Zwar ?nur? als Offizieller im Management der Pacers, aber trotzdem ist es als eingefleischter NBA Fan immer wieder schön den Namen Bird zu hören.
Es kommen alle Erinnerungen hoch. Erinnerungen an Larrys große Spiele im Dress der Boston Celtics, die man teilweise vielleicht selbst live gesehen oder wie ich auf Videomitschnitten nachverfolgt hat. Erinnerungen an Larrys kurze aber überaus erfolgreiche Karriere als Coach der Indiana Pacers.
Geblieben sind bei mir die Erinnerungen an Larrys unglaubliche Vielseitigkeit auf dem Court, sein wohl unbeschreibliches Wurfgefühl und einfach der ganze Spielstil der 80er Jahre. Und Larry war und ist auch noch heute ?The Mask?, aber dazu kommen wir später.
Seine Karriere war zu lang und wohl zu erfolgreich um sie mit meinen Mitteln in einem Artikel abzuhandeln, und das zeigt auch die Größe, die er physisch und mental auf und neben dem Platz ausstrahlte. Um Larrys Vielseitigkeit darzustellen werde ich einige Anekdoten aus Larrys langem Werdegang als Spieler und Trainer wiedergeben.

?Another guy you never said a word to was Larry Bird. People said this white boy didn’t know how to talk shit. Believe me, this guy knew how to talk shit, all right, and could back it up, too.? (Reggie Miller in "I love being the enemy")

Die Celtics waren 87/88 während Reggies Jahr als Rookie zu Gast in der Market Square Arena. Es war ein knappes Spiel und am Ende lief es auf ein Freiwurfduell zwischen den Celtics und den Pacers hinaus. 20 Sekunden waren noch zu spielen; 3 Punkte Rückstand für Indiana und Larry Bird wurde gefoult und musste an die Linie gehen um Freiwürfe zu werfen.

?I was standing on the line – and being a rookie dumbass and not realizing this was one of the best free throw shooters ever to play the game, I tried to throw off his timing.?

Reggie konnte wieder einmal sein großes Mundwerk nicht halten und rief einige Worte zum Superstar der Celtics, welcher natürlich trotzdem leicht und locker den ersten Freiwurf im Korb versenkte. Vor dem zweiten Freiwurfversuch drehte sich Larry zu Miller um:

?Rook, I’m the best shooter in the league right now. In the league. Understand? And you`’re trying to say something??

Natürlich traf Bird auch den zweiten Versuch ohne jedes Problem. Indiana lag mit 5 Punkten zurück und das Spiel war gelaufen. Miller:

?What made it worse was that Kevin McHale and Danny Ainge were laughing their asses off. I was thinking, ‚what a dumbass I am. You´re up here talking shit to Larry Bird. He’s at the free throw line.‘?

Larry Bird ließ sich seine gesamte Karriere als Spieler niemals durch andere Spieler verunsichern. Seine mentale Stärke zeigte sich nicht nur in unzähligen erfolgreichen Spielaktionen während der Crunch-Time, sondern auch durch ein unumstößliches Selbstbewusstsein auf dem Feld. Alle wussten, dass er der Leader ist und dass es keinen Sinn machte auf Larry Bird einzureden. Nur weil er weiß war, hieß und heißt das nicht, dass er kein guter Trash Talker war, wie immer wieder von einigen behauptet wird. Larry Bird und auch Drazen Petrovic waren zwei Beispiele für weiße, exzellente Trash Talker. Nur weil Bird außerhalb des Courts als ruhiger, zurückgezogener Basketballer galt, musste das nicht gleichbedeutend während eines NBA Spiels gelten.

Während Reggies vierteM Jahr in der Profiliga war es mal wieder an der Zeit, dass die Celtics den Pacers einen Besuch in heimischer Halle abstatteten und aufgrund von Birds Vergangenheit (er wurde in Indiana geboren und wuchs auch dort auf; spielte für Indiana State und lebte während der Offseason im Bundesstaat) trugen fast alle Fans der Pacers in der Halle Celticstrikots. Market Square war ausverkauft, was damals aufgrund der seit Jahren eher schwachen bis mittelmäßigen Leistungen der Pacers schon darauf hindeutete, dass ein besonders populärer Gegner gegen die sie antrat. Und bei Indiana spielte Chuck Person! Schon ein unglaublich interessanter Charakter für sich, aber das ist eine andere Geschichte. Chuck jedenfalls war lange Jahre der Leader der Pacers gewesen, bekam aber nicht die von ihm gewünschte Anerkennung durch die Fans. Er beneidete Larry Bird um seine Popularität in Indianapolis. Person konnte es wohl nicht leiden, dass die gesamte Aufmerksamkeit der Fans sich zu Bird im gegnerischen Team wendete, sobald er in der Stadt war.
Jedenfalls saß Chuck ?The Rifleman? Person während einer der starken Phasen Birds auf der Bank und konnte nicht mehr tatenlos zusehen, wie Larry seine sportliche Show abzog. Person:

?You wouldn’t be doing that shit if I was out there.?

Bird konnte diese Provokation natürlich nicht überhören, sonst wäre er nicht Larry Bird. Er wandte sich an Bob Hill, der in dieser Zeit der Chefcoach der Pacers war:

?Bo, put this clown in.?

Während Hill sich über Larrys Äußerung kaputtlachte, unterbrach Larry ihn:

?’No, Bo I’m serious.‘ Then Larry turned to the scorer’s table and yelled: Sub. Man, the ref was starting to do the five-second count, and Larry was doing this shit. Chuck wouldn’t get up, so Larry said: I thought so. And then he threw the ball in just in time. I was thinking: This guy is crazy.?

Doch das Spiel war noch nicht vorbei. Larry zieht bei einem Duell, sollte es auch nur ein Duell mit Worten sein, nicht einfach nur auf gleiche Höhe mit dem Gegner, sondern überholt seinen Kontrahenten in Bird-Manier. Während das Spiel also mal wieder für die Celtics lief, bekam Larry irgendwann genau an der Dreipunktlinie vor der Bank der Pacers den Ball in seine Hände gespielt. Bevor Larry zum Wurfversuch hochstieg, drehte er sich noch zu den Bankspielern um, fand Chuck und sagte:

?Chuck, this is for you: Merry Christmas.?
He turned and shot the fallaway three. Boom. Nothing but net. It was hard not to laugh, but this was Larry Bird serving our asses up. Damn, this guy was talking shit, some of the best ever.

Bird als Trainer sollte mir auch einen hier erwähnenswerten unvergesslichen Moment bereiten. Es war das vierte Spiel die Eastern Conference Finals 1998 zwischen den Chicago Bulls und den Pacers. Bei noch 2,9 Sekunden regulärer Spielzeit und einer 94-93 Führung der Bulls hatten die Pacers in der Hälfte Chicagos Einwurf. Der Ball kam zu Miller und er versenkte den spielentscheidenden Dreier gegen Michael Jordan. Während die ganze Halle ausgenommen der Bullsspieler total ausrastete und Reggie von den eigenen Mitspielern beglückwünscht und gefeiert wurde, blendeten die Kameras auf Larry Bird um. Der Mann stand seelenruhig am Spielfeldrand und sah so aus, als wenn er den 2-2 Ausgleich in der Serie gar nicht bemerkt hatte. Man kannte Larry Bird allerdings so, da er schon immer eher als introvertierte Persönlichkeit galt. Doch als die amerikanische Fernsehstation danach die Wiederholung von Millers Clutch-Shot einspielte und dabei nur mit einer Kamera auf Birds Gesicht blieb, musste ich mich doch wundern und schmunzeln. Denn auch genau in der Sekunde als Bird den Erfolg mit eigenen Augen wahrnahm, war nicht der Hauch einer Regung in seinem Gesicht zu erkennen. Er stand genauso da wie vorher, seine Augen auf die Aktionen auf dem Court fokussiert und ansonsten nichts. Ob es nun an seiner Art liegt oder an der Tatsache, dass er selber solche Würfe zur Genüge im Korb untergebracht hat, ist eigentlich egal. Jedenfalls wirkt sein Gesicht in solchen Situationen wir eine Maske, eiskalt. "The Mask."

Larry Bird ist eine Legende, aber nicht immer der ruhige, zurückgezogene Typ gewesen, den viele hinter seiner Art vermuten. Er hat die NBA dadurch in unnachahmlicher Manier bereichert. Ob er als Offizieller die Liga oder die Franchise der Pacers in ähnlicher Weise prägen kann, bleibt zu bezweifeln, doch unmöglich ist dies für einen Ex-Spieler wie Bird nicht.

Larry Bird – Erinnerungen an eine Legende
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