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Kobe, der Zerstörer?

11.11.2014 || 16:26 Uhr von:
Kobe Bryant, Los Angeles Lakers
1 Sieg, 5 Niederlagen. Schlechtester Saisonstart aller Zeiten für die Los Angeles Lakers. Seit Jahren befindet sich die lila-goldene Franchise auf dem direkten Weg Richtung Bodensatz der Liga. Nachdem sich vor einigen W...

1 Sieg, 5 Niederlagen. Schlechtester Saisonstart aller Zeiten für die Los Angeles Lakers. Seit Jahren befindet sich die lila-goldene Franchise auf dem direkten Weg Richtung Bodensatz der Liga. Nachdem sich vor einigen Wochen ESPN-Blogger Henry Abbott dem Zerfall der Lakers widmete, berichten nun auch erste deutsche Medien darüber. Dabei wurde stets Kobe Bryant als Hauptverantwortlicher identifiziert und vor allem sein Vertrag und seine schwierige Persönlichkeit kritisiert, die dafür sorgen, dass die großen Stars der Liga abgeschreckt werden. Doch wie viel Schuld trägt Bryant tatsächlich am aktuellen Niedergang? Inwieweit spielen Entscheidungen des Front Office ein Rolle und welche Auswirkungen hatten unbeeinflussbare äußere Faktoren? Die folgende Chronologie versucht, diese Fragen mit Hilfe eines simplen Punktesystems zu klären. Für jeden negativen Einfluss seit dem NBA-Titel 2010 werden symbolisch Nick-Young-Köpfe vergeben. Wer die meisten Swaggy Ps sammelt, verliert.


8. Mai 2011: Die Lakers verlieren Spiel 4 der zweiten Playoff-Runde mit 86:122 gegen den späteren Champion, die Dallas Mavericks. Es ist die vierte Niederlage in Folge gegen Dirk und Co. – auf dem Weg zum Threepeat „gesweept“. Lamar Odom und Andrew Bynum kommen damit nicht klar, verlieren die Nerven und werden folgerichtig „ejected“. Ein mehr als unpassender Schlusspunkt für die großartige Phil-Jackson-Ära. Es ist das letzte Spiel an der Seitenlinie der Lakers für den Zen-Master. Die Entscheidung stand jedoch schon vorher fest, Jackson verabschiedet sich in den Ruhestand. Das Front Office steht vor der kaum lösbaren Aufgabe, einen Nachfolger für den erfolgreichsten Headcoach in der Geschichte von Purple & Gold zu finden.

Wertung: 3 von 5 Punkten für Äußere Faktoren auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

25. Mai 2011: Mike Brown wird als neuer Trainer der Lakers vorgestellt. Statt mit Fan-Favorit Brian Shaw die Jackson-Triangle fortzuführen, holt das Front Office lieber Mr. Potato Head – wie Brown von Spöttern genannt wird – an Bord. Dieser soll für frischen Wind sorgen. Es ist jedoch fraglich, ob dies bei einem Team, das ein Jahr zuvor noch den Titel gewann, wirklich der richtige Schritt ist. Im Nachhinein lässt sich klar und deutlich feststellen – nein!

Wertung: 2 von 5 Punkten für das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

8. Dezember 2011: Der Lockout ist offiziell beendet. Liga und Spielergewerkschaft einigen sich endlich auf ein neues Collective Bargaining Agreement. Schlechte Nachrichten für Big-Market-Teams wie die Lakers: Die Luxussteuer-Bestimmungen werden drastisch verschärft. Sign-And-Trade-Geschäfte, eine essenzielle Methode zur Kaderveränderung für Teams wie LA, die stets über der Salary-Cap-Grenze agieren, werden zukünftig deutlich erschwert. Teams mit Superstar-Free-Agents erhalten außerdem größeren Spielraum bei Vertragsangeboten und haben somit Vorteile gegenüber abwerbungswilligen Wettbewerbern (eine Rolle, die die Lakers gerne eingenommen haben).

Wertung: 3 von 5 Punkten für Äußere Faktoren auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

8. Dezember 2011: „Mit einem Kern aus Bryant, Gasol und Bynum ist kein Titel mehr zu gewinnen.“ Dies könnte die Erkenntnis aus dem bitteren Playoff-Ausscheiden gegen die Mavs gewesen sein. Um den Weg zurück in die Erfolgsspur zu finden, muss ein neuer Plan her und der sieht wie folgt aus: Kobe Bryant werden keine geringeren als Chris Paul, der beste Point Guard der Liga, und Dwight Howard, der damals beste Center der Liga, an die Seite gestellt. Phase 1 dieses Masterplans scheint zu funktionieren. Die Lakers einigen sich mit den New Orleans Hornets und den Houston Rockets auf einen Deal, der unter anderem den angesprochenen Paul nach LA bringt. Nur Stunden nach dem Ende des Lockouts und dem Inkrafttreten des neuen CBAs, der Big-Market-Teams eigentlich einschränken sollte. Zu viel für David Stern. Praktischerweise fungiert die NBA als Interims-Owner der Hornissen und untersagt den Trade kurzerhand. Trotz vorheriger Garantie auf Handlings- und Entscheidungsfreiheit für GM Dell Demps. Eine Zensur, die seinesgleichen sucht. Selbst Lakers-„Liebhaber“ Bill Simmons ist entsetzt.

Wertung: 5 von 5 Punkten für Äußere Faktoren auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

11. Dezember 2011: Als erste unmittelbare Folge des Chris-Paul-Vetos verlangt der gekränte Lamar Odom einen Trade. Mitch Kupchak kommt dem nach und schickt den amtierenden Sixth Man of the Year und oft unterschätzten, aber enorm wichtigen Faktor der Lakers-Meisterschaften 2009 und 2010 zu den Dallas Mavericks. Der Gegenwert, den LA erhält, ist kaum nennenswert.

Wertung: 1 von 5 Punkten für das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

15. März 2012: Die Saison läuft nicht hundertprozentig rund. Wie erwartet, stockt es vor allem in der Offense. Der Lakers-Kader, ausgerichtet auf die Jackson-Triangle, verfügt über keinen echten Floor General, Derek Fisher ist für diese Rolle mehr als ungeeignet. Mike Brown hätte so einen Spielertyp aber bitter nötig.  Nicht wirklich unvorhersehbar. Das Front Office reagiert (Monate zu spät) und holt Ramon Sessions aus Cleveland. Jener entpuppt sich aber, vor allem in den Playoffs, als absolute Enttäuschung.

Wertung: 1 von 5 Punkten für das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

11. Juli 2012: Mit Steve Nash können die Lakers endlich den ersehnten Spielmacher verpflichten. Dafür gibt man nur ein paar – zu diesem Zeitpunkt – wenig wertvolle Draft Picks ab. Experten und Fans sind gleichermaßen entzückt. Kobe Bryant, der angebliche Schrecken aller NBA-Spieler, fungiert beim Nash-Deal als integraler Bestandteil des Recruiting-Prozesses. Dass der Kanadier in drei Jahren Purple & Gold lediglich 65 Spiele absolvieren wird, kann zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen.

Wertung: 0 von 5 Punkten für Kobe und das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

10. August 2012: Gut einen Monat nach dem Nash-Deal gelingt Mitch Kupchak der nächste Coup: Dwight Howard wechselt nach Tinseltown. Dafür wandert unter anderem Andrew Bynum nach Philadelphia. Unter der Annahme, dass die Lakers zu dieser Zeit bereits Kenntnis über das Ausmaß des Zerstörungsgrades in Bynums Knien hatten, ein genialer Schachzug. LA verfügt nun über die talentierteste Starting Five der Liga, womöglich sogar aller Zeiten. In den Gedankenkonstrukten der Lakers-Anhänger ist die Rekordspielzeit der 1996er Bulle bereits in Gefahr, für Basketball-Fachleute ist Lila-Gold zumindest Favorit auf den Titel, gemeinsam mit den Miami Heat. Ganz nebenbei: Kobes Bedeutung für die Verpflichtung von Nash wurde bereits angesprochen. Die Black Mamba ist aber außerdem ein wichtiger Grund, warum Ron Artest (später Metta World Peace) in LA unterschrieb und Pau Gasol seinen Vertrag verlängerte.

Wertung: 0 von 5 Punkten für Kobe und das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

August 2012: Trotz unzähliger Gerüchte und viel Kritik halten die Lakers an Headcoach Mike Brown fest. Jener kommt auf die geniale Idee, ein neues Angriffssystem einzuführen: die Princeton Offense. Dass diese nicht wirklich zum Personal passt, wird Brown früh und schmerzhaft zu spüren bekommen. Die Preseason ist ein Desaster (Bilanz: 0-8), der Saisonstart komplett misslungen (1-4). Das Front Office entscheidet schließlich (mal wieder Monate zu spät), Brown vor die Tür zu setzen. Wertvolle Vorbereitungszeit für den Nachfolger geht verloren.

Wertung: 2 von 5 Punkten für das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

31. Oktober 2012: Steve Nash zieht sich im zweiten Saisonspiel eine Beinverletzung zu. Der Anfang vom Ende. Der Beginn einer bedauerlichen Leidenszeit. Die Lakers spielen die Schwere der Verletzung zunächst herunter, müssen später jedoch eingestehen, dass das Ausmaß größer ist als angenommen. Nash setzt 24 Spiele aus. Im Anschluss schraubt er sein Konto zwar noch auf 50 Einsätze hoch, aber kurz vor Saisonende und pünktlich zu den Playoffs treten die nächsten Probleme auf. In der Folgesaison bekommt der Spielmacher gar kein Bein mehr auf den Boden (15 Spiele). Inzwischen spielt der 40-Jährige nur noch Golf.

Wertung: 2 von 5 Punkten für Äußere Faktoren auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

12. November 2012: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion holen die Lakers Mike D’Antoni an die Seitenlinie des Staples Centers. Die Rufe von Fans und Spielern (vor allem Dwight Howard und Kobe Bryant) nach Trainer-Legende Phil Jackson werden nicht erhört. Diese Entscheidung entwickelt sich zu einer Katastrophe. Der Kader gehobenen Alters passt nicht zum Run-and-Gun-System. Steve Nash, der zentrale Bestandteil in D’Antoni’s Gedankengängen geht auf die 40 zu und besucht die Lakers Spiele größtenteils im Anzug. Mike D’Antoni hat zwischenmenschliche Probleme mit Dwight Howard. Mike D’Antoni hat zwischenmenschliche Probleme mit Kobe Bryant. Mike D’Antoni hat zwischenmenschliche Probleme mit Pau Gasol. Mike D’Antoni hat zwischenmenschliche Probleme mit Jordan Hill. Mike D’Antoni hat … Ach, lassen wir das. Ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Wertung: 4 von 5 Punkten für das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

18. Februar 2013: Ein trauriger Tag für die Lakers. Der legendäre Besitzer Jerry Buss verstirbt im Alter von 80 Jahren. Unter seiner Regie wurden 10 Banner unter die Hallendecke gezogen. In 16 von 33 Jerry-Buss-Jahren buchte Purple & Gold das Ticket für die Finals. Eine Bilanz, die wohl ewig unerreicht bleiben wird. Die Macht über Tinseltown fällt nun endgültig in die Hände des viel kritisierten Sohnemannes Jim.

Wertung: 3 von 5 Punkten für Äußere Faktoren auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

26. März 2013: Nach kleineren (Howard, Hill, Gasol etc.) und größeren (Nash, Blake) Verletzungen trifft es nun Metta World Peace. Kaputter Meniskus. Der Weltfrieden, bis dato neben Kobe Bryant die einzige Konstante in einer verkorksten Lakers-Spielzeit, wird voraussichtlich wochenlang ausfallen. Denkste, der „Tru Warrior“ kämpft sich zurück und trägt 12 Tage (!) nach der erforderlichen Meniskus-OP wieder das lila-goldene Trikot. An seine gute Form (die beste in vier Jahren LA) kann er jedoch nicht mehr anknüpfen.

Wertung: 1 von 5 Punkten für Äußere Faktoren auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

12. April 2013: Kobe Bryant, der Grund, warum die Lakers überhaupt noch von der Postseason träumen, reißt sich in einer spannenden Partie gegen die Golden State Warriors die Achillessehne. Mit der ersten wirklich schwerwiegenden Verletzung in der langen Karriere der Black Mamba schwinden auch jegliche lila-goldenen Hoffnungen für die anstehenden Playoffs. Bryant selbst wird dank innovativer Behandlungsmethoden und seiner bekannt besessenen Willenskraft und Arbeitseinstellung knapp sieben Monate später wieder NBA-Parkett betreten. Zu früh. Fast unmittelbar nach seinem Comeback bricht sich Kobe das Bein und fällt den Rest der Saison aus.

Wertung: 4 von 5 Punkten für Äußere Faktoren auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

05. Juli 2013: Der selbsternannte „Superman“ verlässt Los Angeles und heuert als Free Agent bei den Houston Rockets an. Einigen Medienberichten zufolge ist Kobe Bryant der Grund für die Flucht Howards. Dass die beiden nicht auf der gleichen Wellenlänge funken, ist offensichtlich. Aber zu einer Beziehung gehören immer zwei. Der kindliche Howard kommt mit der fordernden Art Bryants nicht zurecht. Andere Spieler vor ihm, mit ebenfalls mehr oder weniger schwierigen Persönlichkeiten (O’Neal, Gasol, Bynum, Artest), konnten sich durchaus erfolgreich mit Kobe arrangieren. Andrew Bynum beispielsweise stand zu Beginn seiner Karriere nicht wirklich hoch im Kurs beim Mann mit der Nummer 24: „Andrew Bynum? What the f***? Are you kidding me? Andrew Bynum? F***ing ship his ass out.“ Für den talentierten Seven-Footer war das damals jedoch kein Grund zum feigen Rückzug, sondern eher Ansporn und Motivation. Es zahlte sich schließlich aus: Bynum reifte an der Seite von Bryant zum All-Star und heimste ganz nebenbei zwei NBA-Titel ein. Letzteres kann Howard nicht von sich behaupten.

Abgesehen von den Problemen mit Kobe spielte vor allem das Front Office eine entscheidende Rolle in der Causa Howard. Die vor der Free Agency ausgesprochene Jobgarantie für Mike D’Antoni (Wie kann man den gleichen Fehler zweimal begehen? #PotatoHead) kam nicht gut an bei Dwight, der mehr als einmal mit dem Zaunpfahl wedelte und damit auf die Absetzung des Coaches hoffte.

Wertung: Je 2 von 5 Punkten für Kobe und das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

Juli 2013: Die Lakers sind weit über der Salary-Cap-Grenze. Zu allem Überfluss schränken die Bestimmungen des CBAs Mitch Kupchak in seiner Arbeit ein. Nach den Entscheidungen von Chris Paul (Clippers), Dwight Howard und Andre Iguodala (Warriors) schwimmen aber ohnehin keine großen Fische mehr im Free-Agent-Teich. Kurz gesagt: niemand da, den Kobe Bryant „vergraulen“ kann.

Wertung: 0 von 5 Punkten für Kobe und das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

11. Juli 2013: Trotz der persönlich besten Saisonleistung in Lila-Gold endet das Kapitel LA für Metta World Peace. Die Lakers nutzen die Amnesty-Klausel und setzten den eigenwilligen Forward auf die Straße. Angesichts des Abgangs des besten Verteidigers (Howard) und der ansonsten eher unterdurchschnittlichen Defensiv-Fähigkeiten des Kaders, der Performance von MWP in 2012/13, der dünn besetzten Flügelposition und des schwachen Angebots auf dem Free-Agent-Markt sowie den stark eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten des Front Office eine bis heute nicht nachvollziehbare Entscheidung, nur um ein paar Dollar Luxussteuer zu sparen.

Wertung: 1 von 5 Punkten für das Front Office auf der Swaggy-P-Skala 

Nick Young, Los Angeles Lakers

25. September 2013: Statt zwei Jahre zu warten, um als Free Agent möglicherweise, vielleicht, unter Umständen bei den LA Lakers anzuheuern, unterzeichnet der kommende Superstar Paul George beim Titelaspiranten Indiana ein 5-Jahre-90-Millionen-Dollar-Papier. Wirklich eine skandalöse Entscheidung, hinter der nur der Teufel selbst in Gestalt einer schwarzen Mamba stecken kann. Ernsthaft, man stelle sich vor, George hätte angesichts der jüngst erlittenen Horror-Verletzung tatsächlich auf eine Verlängerung verzichtet und wäre dann ohne Einsatz in 2014/15 in die kommende Free Agency gegangen. Dass ESPN-Schreiber Abbott stattdessen im Herbst 2014 immer noch Gerüchte streut, dass George aufgrund seines Kindheitsidols Bryant (!?) die vage Möglichkeit aufgab, einmal Lila-Gold zu tragen, um lieber die sichere Variante „Pacers“ zu wählen, ist absolut daneben. George selbst widerlegte auch umgehend die Aussagen Abbotts und offenbarte damit die Falschheit dessen Artikels.

Wertung: 0 von 5 Punkten für Kobe auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

25. November 2013: Nach Paul George unterzeichnet auch Kobe höchstselbst ein neues Arbeitspapier. Die Eckdaten: zwei Jahre, 48 Millionen Dollar. Bryant ist und bleibt somit der bestbezahlte Spieler der NBA. In Anbetracht der zu noch erwartenden Leistungen der Black Mamba ist die Summe zu hoch. Aus Marketing-Perspektive sieht die Geschichte schon anders aus. Kobe Bryant ist ein entscheidender Grund dafür, dass Time Warner Cable im Jahr 2011 ein 20-Jahre-3-Milliarden-Dollar-Vertrag (!) für die TV-Rechte an den Lakers akzeptiert. Kobe Bryant ist der einzige Grund, aus dem die Lakers anno 2013 und 2014 noch Eintrittskarten und Trikots verkaufen. Aber da wäre noch eine dritte Betrachtungsweise: das Teambuilding. Jährlich rund 24 Millionen Dollar für einen einzigen Spieler im Kader sind angesichts einer Gehaltsobergrenze vom etwa 63 Millionen Dollar schon eine gewisse Bürde. Es bleibt jedoch bis heute ungeklärt, ob der Kobe-Vertrag eher Produkt seiner persönlichen Habgier ist oder die Unfähigkeit des Front Offices, Bryant von einem günstigeren Vertrag zu überzeugen, dazu führten. Fakt ist jedoch auch, dass das Zusammenstellen eines Teams nicht komplett unmöglich gemacht wurde (aber dazu später mehr).

Wertung: Je 2 von 5 Punkten für Kobe und das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

Gesamte Saison 2013/2014: Zur Verdeutlichung nur eine Zahl – 319. So viele Spiele verpassten die Lakers-Akteure zusammengerechnet in der vergangenen Spielzeit aufgrund von Verletzungen. Mit Abstand Ligahöchstwert. Zwischenzeitlich fielen sämtliche Spieler aus, die den Ball zweimal prallen und dabei noch drei Schritte gehen können. So musste man einen Kendall Marshall aus der D-League holen, welcher nach kürzester Zeit bereits 40+ Minuten auf der Platte stand (im Januar 38,5 Minuten im Schnitt).

Wertung: 2 von 5 Punkten für Äußere Faktoren auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

20. Februar 2014: Die Trade-Deadline verstreicht. Pau Gasol ist immer noch ein Laker. Angesichts der fünfmillionendreißigtausendeinhundertzweiundsechzig Gerüchte seit dem Chris-Paul-Trade-Veto eigentlich nicht zu glauben. Seit und auch dank der Intervention von David Stern ist der Tausch-Wert des Spaniers über die Jahre kontinuierlich gesunken. Mitch Kupchak sah nie die Möglichkeit, den Seven-Footer für einen fairen Gegenwert abzugeben. Allerdings hätte er die letzte Chance nutzen sollen, getreu dem Motto: „Besser als nix.“ Dieses „Nix“ bekamen die Lakers dann im Sommer 2014, als sich der Big Man mit den Chicago Bulls einigte und Los Angeles den Rücken kehrte. Nur am Rande: Gasol bezeichnete dies als schwierigste Entscheidung seines Lebens, da er gerne weiter an der Seite von Kobe Bryant gespielt hätte.

Wertung: Je 1 von 5 Punkten für Äußere Faktoren und das Front Office auf der Swaggy-P-Skala (kein Punkt für Kobe)

Nick Young, Los Angeles Lakers

Juli 2014: Die Free Agency startet, die Lakers haben über 20 Millionen Dollar Capspace im Portemonnaie und wollen shoppen gehen. Die lukrativsten Ziele: LeBron James und Carmelo Anthony. Hätte man beide gleichzeitig mit einem Max-Deal nach LA locken wollen, dürfte Kobe nicht mehr als knapp 9 Millionen Dollar verdienen. Im Vergleich zum Maximum wären das 70 % Gehaltseinbussen für KB24 gewesen. Jetzt fasst sich mal jeder an die eigene Nase und fragt sich, ob er auf 70 % seines Lohnes verzichten würde – freiwillig. Nur damit ein Kollege mehr als das doppelte verdienen kann wie man selbst … Und, Frage beantwortet? … Eben … Abgesehen davon, wäre es wirklich sinnvoll und vor allem realistisch gewesen, eine Verpflichtung von James UND Anthony anzustreben? Einen von beiden hätte man trotz Kobe-Vertrag problemlos signen können. Ein Pau Gasol wäre in diesem Fall höchstwahrscheinlich auch in LA geblieben, trotz Kobe-Vertrag. Bekanntermaßen wählte LeBron Cleveland, betrachtete aber ohnehin nur Miami als einzige echte Alternative. Carmelo entschied sich trotz intensiver Bemühungen LAs ebenfalls für seine Heimat und den dickeren Vertrag. Dass er den Lakers wegen Bryant absagte, wie von Schmieder im Artikel der Süddeutschen behauptet, ist schlichtweg falsch. Anthony beschäftigte sich überhaupt erst wegen seines guten Kumpels Kobe ernsthaft mit einem Wechsel ins sonnige Kalifornien. Nach der Absage von Melo verloren Jim Buss und Mitch Kupchak keine Zeit und verschleuderten den mühsam freigeschaufelten Capspace für Jeremy Lin, Jordan Hill, Carlos Boozer und Konsorten, wahrscheinlich in Hinblick auf den Draft Pick 2015 (solange nicht Top-5 wandert jener Richtung Phoenix). Schade, mit der vorhandenen Kohle hätte man mindestens zwei der folgenden Spieler unter Vertrag nehmen können, mal mehr, mal weniger Überzeugungsarbeit vorausgesetzt: Trevor Ariza, Eric Bledsoe, Luol Deng, Marcin Gortat, Kyle Lowry, Greg Monroe, Chandler Parsons, Lance Stephenson oder Isaiah Thomas – ach, und bevor ich es vergesse und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole – trotz des Kobe-Vertrags. Die Notwendigkeit eines exzessiven Gehaltsverzichts der Black Mamba erschließt sich also nicht wirklich. Nach dem Schrecken aller NBA-Spieler wird auch noch immer gefahndet.

Wertung A: 4 von 5 Punkten für das Front Office auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

Wertung B: 0 von 5 Punkten für Kobe auf der Swaggy-P-Skala

Nick Young, Los Angeles Lakers

Fazit: Allen „sources“, „rival front office execuetives“, „persons in the room“ und „insiders“ zum Trotz ergibt sich ein mehr als eindeutiges Ergebnis. Kobe Bryant hat mit dem aktuellen Niedergang LAs ungefähr so viel zu tun wie Adam Morrison mit der NBA-Meisterschaft 2009/2010. Vielmehr ist es ein Mischung aus Pech, Tragödien, veränderten Rahmenbedingungen und zweifelhaften Management-Entscheidungen, die zum stetigen Zerfall des Mythos Lakers führten. Vor allem die Rollen von Jim Buss und Mitch Kupchak sollten in diesem Zusammenhang mal näher beleuchtet und kritisch hinterfragt werden. Das erzeugt aber nicht so viel Aufmerksamkeit und Klicks wie ein seitenlanges Niedermachen von Kobe Bryant, dem polarisierendsten Spieler der vergangenen 15 Jahre – das weiß auch Henry Abbott.

Nick Young, Kobe Bryant, Los Angeles Lakers

 


 

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21. Juli 2014: Zum ersten mal wünscht man sich, Kobe könnte tatsächlich Spieler vergraulen.

Wertung: Sonderpunkt für das Front Office

Nick Young, Los Angeles Lakers

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