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Kemba Walker: Zwei Probleme, eine Lösung

21.01.2018 || 13:09 Uhr von:
Charlotte und Utah laufen bisher den eigenen Ambitionen hinterher. basketball.de analysiert, wie ein Trade miteinander die Probleme beider Teams lösen könnte.

In wenigen Wochen schließt sich das Tradefenster der Saison 2017/18. Bis zum 8. Februar können die Verantwortlichen noch eruieren, wo die Franchise steht und welche Ziele realistisch sind. Besonders schwierig ist dies für Organisationen, die mit Playofferwartungen ins Jahr gestartet sind, diese jedoch bisher nicht erfüllen können. Ermöglicht ein Midseason-Trade doch noch die Postseason-Teilnahme? Oder ist dies der richtige Zeitpunkt für einen Rebuild? Oder sollte man einfach nur laufende Saison abgeschenkt, um mit einem hohen Lottery-Pick 2018/19 wieder anzugreifen? Die Charlotte Hornets und Utah Jazz sind zwei Teams, die genau vor dieser Fragestellung stehen. Die Antwort könnte ein Trade miteinander sein. Denn trotz vergleichbarer Ausgangssituation ist die Perspektive grundverschieden.

Verteufeltes Mittelmaß

Bewegt sich ein Team zu diesem Zeitpunkt der Saison in der zweiten Hälfte der Lottery, ist die Forderung vieler Fans dieselbe: „Tanken“! Denn von Pick zu Pick sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Rookie die Zukunft der Franchise maßgeblich beeinflussen wird. Wenn schon schlecht, dann richtig! Die Vorstellung, dass das eigene Team zu einer Kopie der Atlanta Hawks verkommt, ist für die Wenigsten erstrebenswert.

Wer die Entscheidungen der Verantwortlichen in Charlotte zuletzt verfolgte, wird feststellen, dass die Franchise aus North Carolina anscheinend darauf hinarbeitet. Doch warum? Dauergast in der Postseason, aber ohne größere sportliche Ambitionen zu sein, passt so gar nicht zu einer Liga, in der dank Salary Cap und Draft-System jeder eine Chance auf den Titel haben sollte. Doch neben der „The Winner Takes it All“-Mentalität gibt es eine andere Seite, die bei den meisten Teams die Entscheidungen maßgeblich beeinflusst: das Geld!

Atlanta 2.0

Im Gegensatz zu vielen Fans würden zahlreiche Small-Market-Teams die letzten zehn Jahre der Hawks gerne replizieren. Von 2008 bis 2017 erreichte Atlanta in jeder Saison die Playoffs und 2015 sogar die Conference Finals – ein Traumszenario vieler Organisationen. Für zahlreiche Besitzter steht nicht der Titel, sondern die sportliche Relevanz – und damit konstante Einnahmen – im Mittelpunkt. Denn wer sich beim Rebuild verpokert, setzt neben Einnahmen schlimmstenfalls sogar das Überleben der Franchise aufs Spiel.

In diesem Jahrzehnt standen bereits einige Teams zum Verkauf. Bei Dreien stand sogar deren Verbleib in der Heimatstadt in Frage. New Orleans, Sacramento und Milwaukee haben alle eines gemeinsam: Sie gehören zu den kleinsten Märkten der Liga.

„In the absence of any viable purchaser seeking to own the Hornets in New Orleans, I recommended to the NBA Board of Governors that the best way to assure stability and the adequate funding of the franchise would be for the league to step in, and complete the transaction and assume control.“ (Damaliger NBA-Commissioner David Stern im Dezember 2010)

Während die Franchise aus Louisiana vermutlich nur eine schreckliche Naturkatastrophe rettete – trotz fehlender Interessenten an diesem Standort übernahm die Liga das Team, da der Imageverlust nach Hurrikan Katrina im Jahre 2005 vermieden werden sollte – benötigte es bei den Kings und Bucks hohe staatliche Zuschüsse, um den Bau einer neuen Arena zu bewerkstelligen und damit einen Umzug abzuwenden. In Memphis bahnt sich eine ähnliche Situation an. Trotz starker Identifikation der Anhängerschaft mit den Bären ist aufgrund eines potenziellen Besitzerwechsels der langfristige Verbleib in Tennessee gefährdet. Das Thema sportliche Relevanz steht auch in Salt Lake City und Charlotte – die bereits 2002 ihr Team verloren – im Vordergrund.  Dennoch ziehen Letztere einen sofortigen Rebuild in Erwägung. Denn das Ziel, die Hawks zu kopieren, droht kläglich zu scheitern.

Fehlschlag

Nach 48 Siegen und einer knappen Erstrundenniederlage in sieben Spielen gegen Miami in der Spielzeit 2015/16 schien sich das Team von Besitzer Michael Jordan als sicherer Playoff-Kandidat in den darauf folgenden Jahren zu etablieren. Diese Erwartungen wurden seither nicht erfüllt. 2018 könnte die Saison wie im Vorjahr bereits nach 82 Spielen enden. Der Franchise droht ein langfristiger Verbleib im unteren Mittelfeld. Aufgrund fehlender finanzieller Flexibilität ist ein deutlicher Aufwärtstrend unwahrscheinlich. Dabei unterscheidet sich Charlotte ebenfalls von Atlanta. Denn abgesehen von Joe Johnson, der dann in einem Salary Dump zu den Nets getradet wurde, verlängerten die Hawks nicht langfristig mit den eigenen teuren Free Agents. Josh Smith, DeMarre Carroll, Al Horford und Paul Millsap unterschrieben daher bei der Konkurrenz. Somit war ein schneller Umbruch des Kaders jederzeit möglich. Hornets-General Manager Rich Cho hatte in der Free Agency 2016 dagegen viel Geld investiert, um Nicolas Batum & Co zu halten. Für die derzeitige Bilanz ist der Kader daher viel zu teuer. Und die potenzielle Vertragsverlängerung des besten Spielers Kemba Walker steht 2019 noch bevor – inklusive einer massiven Gehaltserhöhung. Deshalb testen die Verantwortlichen bereits dessen Markt.

Kemba Walker

Ein Trade der Nummer 15 wird jedoch nicht einfach. Die meisten Teams sind auf der Point Guard-Position gut besetzt. Andere Teams befinden sich selbst im Rebuild. Letztere werden kaum den erhofften Gegenwert aufbringen. Denn Walkers Situation ist vergleichbar mit der von Isaiah Thomas. Er ist ein kleiner, unterbezahlter Aufbauspieler in seiner Prime, der auf den ersten und letzten großen Zahltag hofft. Wie lange er den kommenden Vertag wert ist, steht hingegen in den Sternen. Walker ist daher nicht unbedingt eine sinnvolle Investition für ein Team im Umbruch. Ein Verlierer des letzten Sommers könnte jedoch bereit sein, für den College-Champion des Jahres 2011 traden.

Das Hayward-Dilemma

Nach langem Rebuild konnten die Utah Jazz in der vergangenen Saison mit überzeugenden 51 Siegen erstmals seit 2012 wieder in die Playoffs einziehen. Der Abgang von Starspieler Gordon Hayward beendete diesen Aufwärtstrend in Salt Lake City jedoch schlagartig. Da der Small Forward seinen Wechsel erst einige Tage nach Verhandlungsbeginn bekannt gab, war General Manager Dennis Lindsey bei den Möglichkeiten der Schadensbegrenzung limitiert. Die bevorzugten Alternativen waren nach eigener Aussage bereits vom Markt. Stattdessen investierten die Jazz in einige Rollenspieler, um die Postseason-Chance zu wahren. Dieses Ziel ist allerdings in Gefahr. Der Kader ist jedoch zu gut für einen Rebuild. Rudy Gobert wird in Kürze zurückerwartet und Rookie Donovan Mitchell übertrifft bereits alle Erwartungen. Mit der Addition eines Kemba Walkers – plus gegebenenfalls einem Strech-Vierer – sollte Utah wieder im Playoff-Rennen sein. Womöglich ließe sich sogar an der Leistung der Vorsaison anknüpfen. Denn dank des Distanzwurfes passt der 27-jährige All-Star deutlich besser in den Kader als der derzeitige Starter auf der Eins, Ricky Rubio.

Walker kann auch abseits des Ball neben Mitchell spielen. Utahs GM Dennis Lindsey könnte die Entwicklung des Teams dann eineinhalb Jahre begutachten, bevor er über die langfristige Verlängerung des Spielmachers entscheiden muss. Doch wie könnte ein sinnvolles Paket für beide Seiten aussehen?

Fantasy Trade

Sollte das ligaweite Angebot für Kemba Walker überschaubar sein, drückt dies den potetziellen Gegenwert. Zahlreiche oder hohe Draft-Picks sind daher nicht zu erwarten. Deshalb will Charlotte stattdessen die finanzielle Belastung reduzieren. Ein Trade könnte daher folgendermaßen aussehen:

Kemba Walker, Marvin Williams, Jeremy Lamb gegen Ricky Rubio, Joe Johnson, Dante Exum, geschützter Erstrunden-Pick

Die Ausbeute an Picks wäre zwar überschaubar, die Integration von Lamb und Williams würde das Gehaltsvolumen für die kommende Saison dafür deutlich verringern. Für Utah wäre Letzterer ein Stretch Vierer, der eine gute Ergänzung zu den klassischen Bigs Rudy Gobert und Derrick Favors sein sollte. Die Hornets bekämen dazu die Chance, den Markt von Exum im Sommer zu testen. Der Australier galt vor dem Draft als Rohdiamant. Verletzungsbedingt konnte er sein Potenzial jedoch nur kurz andeuten. Sein Status als Restricted Free Agent würde es Cho emöglichen, die Offerten für den Guard in Ruhe anzuschauen. Denn die Hornets könnten jedes Angebot matchen. Hier ließe sich eventuell ein teamfreundlicher Vertrag aushandeln, wenn lukrative Konkurrenzangebote fehlten.

Fazit

Walker, Batum, Williams, Dwight Howard, Michael Kidd-Gilchrist – laut Adrian Wojnarowski steht der halbe Kader der Hornets auf dem Tradingblock. Und eine Meldung von „Woj“ ist mehr als nur ein Gerücht. Es sagt aber nichts darüber aus, wie wahrscheinlich ein solcher Umbruch ist.

Ein Trade von Walker sollte im langfristigen Interesse der Charlotte Hornets sein. Für die Franchise wäre dies dennoch ein gewaltiger Schritt. Denn der Point Guard ist der beste Spieler in der Geschichte der Bobcats/Hornets und ein absoluter Fanliebling. Dazu ist ein Gegenwert a la Goran Dragic oder gar Kyrie Irving utopisch. Wenn die Franchise sowohl dicke Verträge loswerden will als auch ein sehr wertvolles „Assett“ erwartet, könnte er entgegen aller sportlichen und finanziellen Logik die Saison als Hornisse beenden.

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