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Josh Jackson: Wenn das Wörtchen Wurf nicht wär!

19.06.2017 || 16:00 Uhr von:
LA, Boston oder doch Chicago? Nicht der potenzielle Number Eins Pick, sondern Josh Jackson sorgt für reichlich Aktion vor dem Draft. Doch wie gut ist der Rookie aus Kansas?

Vor drei Jahren stellten die Kansas Jayhawks mit Andrew Wiggins und Joel Embiid zwei Top-3-Picks in einem vermeintlich starken Draftjahrgang. Beide gelten als Hoffnungsträger zweier talentierter NBA-Teams, die in einigen Jahren zu den Contendern zählen könnten.

Mit Josh Jackson folgt am 22. Juni 2017 der nächste hoch gehandelte Rookie aus der Talentschmiede von Bill Self. Die Erwartungshaltung an ihn ist nicht geringer. Welche Stärken und Schwächen hat die Nummer elf? Wie überträgt sich sein Spiel auf die NBA? Und kann sich der Big-12-Freshman of the Year zu einem Franchise Player entwickeln?

Offense

„Offense wins Games, Defense wins Championships“, galt jahrzehntelang als Erfolgsrezept in der NBA. Teams wie die Phoenix Suns oder Sacramento Kings waren zwar stark und nett anzusehen, am Ende siegten meist defensivorientierte Teams. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert.

Die moderne NBA ist eine „Make-or-Miss-League“. Denn die besten Angriffe sind so stark, dass die Verteidigungen gute Würfe nur schwer verhindern können. Zwei Skills sind bei guten Offensivspielern heutzutage besonders gefragt: Spieler mit der Fähigkeit, gute Würfe für sich und andere zu kreieren sowie diejenigen, die diese offenen Würfe hochprozentig treffen. Josh Jackson kann keines elitär.

Im Angriff ist der Flügelspieler eher ein Allrounder. Er ist zwar kein begnadeter Spielgestalter a la Lonzo Ball oder Ben Simmons, für einen Forward ist sein Passspiel jedoch überdurchschnittlich. Gerade zu Saisonbeginn agierte Jackson als Scorer noch sehr zurückhaltend. Die Offensivlast ruhte überwiegend auf den beiden Guards Frank Mason und Devonte Graham. Stattdessen stetzte Coach Bill Self seinen Freshman häufig als Spielgestalter im Post ein. Dabei verhalf seinen Mitspielern zu zahlreichen offenen Würfen.

Im Saisonverlauf wurde seine offensive Rolle immer größer. Als Scorer überzeugte er vor allem mit einem starken Zug zum Korb. Sein schneller erster Schritt war auf Collegeniveau kaum zu verteidigen. Dank seiner guten Athletik kann Jackson in Korbnähe hochprozentig abschließen. Am Ring trifft er 69,8 Prozent seiner Wurfversuche.

Hilft die Verteidigung gegen seinen Drive aus, zeigt er auch aus dem Dribbling heraus ein gutes Auge für seine Mitspieler.

Die Abhängigkeit der Jayhawks von Jackson wuchs im Saisonverlauf immens. Ein Beispiel war das Spiel gegen die Oklahoma Sooners Mitte Januar. Nach einer schwachen ersten Halbzeit der Nummer elf stand Kansas bei lediglich 27 Punkten. In der zweiten Hälfte agierte der Forward deutlich effektiver und riss sein Team mit. Dank 54 Punkten konnte sein Team das Spiel noch drehen. Doch wie lässt sich sein Offensivspiel auf NBA-Niveau übertragen?

Die große Achillesferse im Spiel des 20-jährigen ist der Wurf. 38 Prozent von jenseits der Dreierlinie klingen zwar vielversprechend, es spiegelt jedoch den Eye-Test nicht wider. Seine Wurfbewegung ist nicht rund; Fußstellung und Balance sind ebenfalls verbesserungswürdig. Auch der Release ist bei jedem Wurf anders. Analysten stellten in der Vergangenheit fest, dass die Freiwurfquote am College ein besserer Indikator zur Bestimmung der Wurffähigkeiten ist, als die Trefferquote von Downtown. 57 Prozent von der Linie bekräftigen demzufolge die Zweifler.

Wenn der NBA-Dreier nicht zuverlässig fällt, hat dies auch negative Auswirkungen auf sein restliches Offensivspiel. Denn seine Gegenspieler können dann Abstand halten und die Stärken seines Drives nehmen. Zusätzlich ist der Weg des Verteidigers in die Zone kürzer. Dadurch kann dieser auch leichter aushelfen. Am College wurde diese Taktik gegen Jackson bereits häufiger angewandt. Die Nummer elf scheute gerade zu Saisonbeginn den offenen Wurf. Der große Talentunterschied ermöglichte es ihm jedoch trotz des Sicherheitsabstandes, den Weg zum Korb zu suchen. Dieser Vorteil wird in der NBA wegfallen.

Erschwerend kommt hinzu, dass er den Wurf aus dem Dribbling sowie die Step-Backs nicht hochprozentig trifft. Sind sowohl der Weg in die Zone, als auch die offene Anspielstationen versperrt, ist dies in der stärksten Basketballliga der Welt häufig der gewählte Abschluss eines Go-to-Guys.

Sein Einsatz, die Passfähigkeiten, das Gespür am offensiven Brett und das athletische Potenzial werden dafür sorgen, dass Josh Jackson offensiv keine Belastung wie ein Tony Allen oder Andre Roberson darstellen wird. Dank seiner guten Cuts sorgte er in Kansas auch abseits des Balls für Gefahr. Um die hohe Erwartungshaltung zu erfüllen, muss er sich aber als Scorer und/oder Schütze deutlich steigern.

Defense

Die große Stärke von Josh Jackson ist die Verteidigung. Als Rookie wird er auf NBA-Niveau sicher nicht herausragen. Er besitzt jedoch das Potenzial, an diesem Ende des Feldes zukünftig zu glänzen. Neben seiner Schnelligkeit und den körperlichen Fähigkeiten ist hierbei vor allem sein Motor und seine Einstellung hervorzuheben. Auch nach Fehlwürfen ist er mental augenblicklich wieder in der Verteidigung.

Die Kommentatoren der Kansas Jayhawks verglichen seine Intensität bereits mit der eines Kevin Garnett. Auch wenn solche Superlativen mit großer Vorsicht zu genießen sind, ist diese Eigenschaft der wichtigste Faktor eines guten Verteidigers. Während ähnlich gehypte Defensivtalente a la Andrew Wiggins diese Erwartungen nach drei Jahren in der Liga (noch) nicht erfüllen konnten, zählt ein körperlich weniger talentierter Spieler wie Patrick Beverley zu den stärksten Verteidigern der NBA.

In seinem einem Collegejahr zeigte Josh Jackson, dass er eine Verteidigung tragen kann. Er verteidigte sowohl Power Forwards wie Amile Jefferson als auch Guards wie De’Aaron Fox.

Kann er diese Vielseitigkeit auf die NBA übertragen, wären dies wertvolle Defensiveigenschaften. Denn Spieler, die auf unterschiedliche Spielertypen switchen können, sind heutzutage sehr begehrt. Neben der Vielseitigkeit besitzt er auch einen hohen Basketball-IQ. Er antizipiert gegnerische Passwege und leitet so Schnellangriffe ein.

Bill Self setzte ihn außerdem häufig als Help-Defender in der Zone ein. Jackson verfügt über ein gutes Gefühl dafür, wann er einem Mitspieler zur Hilfe kommen muss. Seine Athletik machte ihn auf College-Niveau auch zu einem guten Ringbeschützter.

Um gegen gestandene Profis bestehen zu können, hat er noch einen langen Weg vor sich. Denn er offenbarte in der Verteidigung auch noch einige Schwachstellen. Vieles davon ist seiner jugendlichen Unerfahrenheit zuzuschreiben. Er ist beispielsweise noch zu foulanfällig. In den ersten vier Saisonspielen beging er alle fünf Minuten ein Foul. Vereinzelnd konzentriert er sich noch zu häufig auf den Ballführenden und lässt seinen Gegenspieler aus den Augen.

Diese Defizite lassen sich mit zunehmender Spielpraxis jedoch beheben. Kritischer sind dagegen andere Dinge! Derzeit fehlt ihm noch die Masse, um NBA-Vierer zu verteidigen. Langfristig ist aber vor allem seine geringe Armspannweite ein Problem. Mit 6’10 liegt er auf einem Niveau mit dem deutlich kleineren Donovan Mitchell und vier Inches hinter dem gleich großen O.G. Anunoby. Gerade für Spieler, die mehrere Positionen verteidigen sollen, sind diese zehn Zentimeter Längenunterschied eine Limitierung. Gegen größere Bigs erschweren lange Arme das Scoren über den Verteidiger. Gegen schnellere Guards kann der Verteidiger mehr Abstand lassen, ohne dabei einen offenen Wurf zuzulassen.

Spielstil

Scottie Pippen war dank seiner exzellenten Verteidigung sowie dem offensiven Allroundgame einer der besten Spieler der 90er Jahre. Dabei besaß er keinen guten Dreipunktewurf, kein überragendes One-on-One-Game und war auf kein Weltklasse-Spielmacher. Vergleichbar – wenn auch nicht auf dem elitären Niveau – war das Spiel von Josh Jackson in seinem Jahr in Kansas. Doch heutzutage  ist es sehr schwer, ohne einen elitären Offensiv-Skill zu den besten Spielern seiner Generation zu gehören. Der 20-Jährige besitzt jedoch die Einstellung und den Basketball-IQ, um sich diese zu erarbeiten. Fraglich bleibt, ob seine Feinmotorik und Augen-Hand-Koordination dies zulässt.

Wenn nicht, ist sein Ceiling limitiert. Dann wird er eher ein Spieler a la Andre Iguodala. Nach dem Abgang von Allen Iverson konnte sich Iggy in Philadelphia nicht als Franchise Player etablieren. Dies erwarten Teams jedoch von einem Top-Pick eines solch starken Jahrgangs. In der richtigen Rolle hievt solch ein Spielertyp seine Franchise jedoch aufs nächste Level. Dies bewies Iguodala sowohl in Denver, als auch Golden State.

Fazit

„The sky is the limit“: Mit Kawhi Leonard, Jimmy Butler und Giannis Antetokounmpo haben drei Spieler mit deutlich größeren offensiven Fragezeichen die Erwartungen des Draft-Tages meilenweit übertroffen. Josh Jackson besitzt ebenfalls das Potenzial, an beiden Enden des Courts zu dominieren.

Sein Ceiling ist deshalb riesig. Doch die Wahrscheinlichkeit, dieses auch zu erreichen eher gering. Auf jedes positives Beispiel kommen unzählige Profis, die aufgrund ihrer Schwächen das Potenzial nicht ausschöpften. Und gerade in Sachen Spacing verzeiht die moderne NBA kaum Fehler. Dies reduziert bereits hoch gepickte Talente wie Tyreke Evans, Evan Turner und Michael Kidd-Gilchrist auf Rollenspieler. Aufgrund seiner physischen und mentalen Voraussetzungen wird Jackson jedoch kein Draft-Bust werden. Ein solider Starter oder elitärer Bankspieler ist das Worst-Case-Szenario des Flügelspielers.

Prognose

Josh Jackson besitzt das Talent eines ersten Draftpicks. Dazu passt er ins Beuteschema von Danny Ainge. 2017 führt jedoch kein Weg an Markelle Fultz vorbei. Dessen Baustellen sind einfach deutlich kleiner als die aller anderen Kandidaten. Los Angeles und Boston – Trade ausgenommen – sind die wahrscheinlichsten Ziele. Wenn nicht, wird der Jayhawk kaum tiefer als Draftposition vier fallen. Selbst wenn er sein Potenzial nicht ausschöpfen kann, ist er neben den talentierten Shootern der Phoenix Suns ein guter Komplimentärspieler.

Trivia

Während seines Collegejahres fand sich Josh Jackson bereits in negativen Schlagzeilen wieder. Er bedrohte die Ex-Freundin von Kansas-Guard Lagerald Vick, nachdem diese ein Getränk nach dem Teamkollegen schmiss. Dass bei temperamantvollen Spielern der Grad zwischen Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegt, zeigte Draymond Green vergangenes Jahr.

 

Josh Jackson: Wenn das Wörtchen Wurf nicht wär!
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