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Die Kritiker Lügen gestraft

01.05.2012 || 00:00 Uhr von:

Über die gesamte Karriere hinweg begleiteten Jason Frederick Kidd Kritiker ebenso wie seine unnachahmlichen Assists. Und egal wie viele Kritikpunkte der Point Guard aus San Francisco auch widerlegte, die Skeptiker fanden immer neue Schwachstellen im Spiel des zukünftigem Hall of Famers. Aber nach 17 Jahren NBA konnte Jason Kidd, in den Finals 2011, nun endlich auch den größten Makel seiner einzigartigen Karriere ausmerzen.

Zum Passen gezwungen

Noch heute kann man die Point Guards mit der Spielübersicht eines Jason Kidd an einer Hand abzählen. Angeeignet hat sich der heute 38-Jährige seine Passfähigkeit jedoch nicht ganz freiwillig. Nachdem er es als Kind zunächst mit Fußball probierte, zog es ihn im Laufe der Zeit mehr und mehr zum Spiel mit der orangenen Lederpille. Auf den Freiplätzen rund um seine Heimat Oakland spielte Jason meist gegen ältere und erfahrenere Spieler. „Ich habe mir gedacht, wenn ich viel Passe und einfache Punkte für meine Mitspieler vorbereite, werde ich eher wieder eingeladen mitzuspielen“, erinnert sich Kidd. Die Idee ging auf und schnell sprach sich das Talent des Guards rum. Schon an der Highschool rockte Kidd ordentlich die Hallen in Kalifornien. Die Duelle mit dem ebenfalls in der Gegend zockenden Gary „The Glove“ Payton wurden zu absoluten Pflichtterminen für alle Basketballverrückten. 1992 wurde Jason Kidd sogar die große Ehre zuteil, als bester Highschool-Basketballer des gesamten Landes ausgezeichnet zu werden. Die großen Colleges wie Kansas oder Kentucky standen selbstverständlich Schlange und sollten doch in die Röhre gucken.

Jason Kidd entschloss sich, in der Heimat zu bleiben, und sich der im Basketball weniger renommierten Schule Berkeley anzuschließen. Sein Spiel am College erinnerte mehr und mehr an sein großes Vorbild Magic Johnson und auf dem Court sorgte der Point Guard für ordentlich positive Schlagzeilen. So führte er Berkeley mehrfach ins NCAA-Turnier, erreichte jedoch nie das Final Four. Neben seinen unglaublichen Allround-Fähigkeiten traten auch die ersten Risse in der schillernden Fassade des neuen Superstars immer deutlicher zu Tage. Kidd galt zu College-Zeiten als Feier-Biest und hatte auch mit dem Gesetz immer wieder seine Konflikte. Mehrere Frauen bezichtigten Kidd gewalttätigen Übergriffen und auch im Fall einer Vaterschaftsklage entschied das Gericht gegen Kidd. Zudem galt er als Exzentriker und trainingsfaul. Die erste Liste mit Kritikpunkten war also schon vor der NBA lang.

Der Sprung zu Profi

Die Dallas Mavericks ließen sich jedoch 1994 nicht von dem Gerede beeinflussen und zogen den 1,93 Meter großen Aufbauspieler an zweiter Stelle im Draft. Zwar nach Glen „Big Dog“ Robinson, aber noch vor einem Grant Hill, mit dem er sich am Ende der Saison den Rookie of the Year Award teilen sollte!

Jason Kidd schlug in der NBA ein wie eine Bombe. Die chronischen Verlierer aus Dallas (nur 24 Siege in der Saison 1993/1994) steigerten ihr Siege-Konto unter der Regie ihres genialen Court-Generals auf 36. Zusammen mit Jim Jackson und Jamal Mashburn bildete Kidd das leider nur kurzzeitig populäre Trio der „Triple J’s“ aus Dallas.

Schon in seinem ersten Jahr führte Kidd die Liga in Triple Doubles an und wurde als Heilsbringer der Mavericks gefeiert. Doch die Zukunft in Texas sollte nicht so rosig aussehen. Entgegen der starken Leistungen des Point Guards ging es mit dem Team bergab. In der zweiten Saison konnten nur magere 26 Siege erkämpft werden und die Mannschaft hatte mit Verletzungs- und Drogenproblemen zu kämpfen. Kidd selbst setzte seinen Weg unbeirrt fort und stieg 1996 bis zum All-Star Starter auf. Seine Probleme abseits des Feldes bekam er dabei nie wirklich in den Griff. Bei einem gemeinsamen Trip für Nike nach China fand auch Legende Michael Jordan deutliche Worte: „Er sagte mir, ich würde mein großes Talent verschwenden“, berichtet Kidd und begann sich so seine Gedanken zu machen.

Eine kreisrunde Reise

Kidd überwarf sich mit Co-Star Jim Jackson und dem Management in Dallas und wurde während der Saison 1996/1997 letztendlich nach Phoenix getradet. In Arizona steigerte sich Kidd zu einem der besten Point Guards der Liga und schnupperte auch erstmals Playoff-Luft. Leider musste er auch feststellen, dass die Playoff-Luft wesentlich dünner ist und so blieb der große Wurf mit einem Sprung in die Finals für den Suns-All-Star (1998, 2000, 2001) aus. Seine Freundin und spätere Frau Joumana Samaha half Jason nicht nur beim Training bei seinem Wurf von Außen, sondern auch beim Imagewechsel und der Verbannung der negativen Publicity. Es kam 2001 dennoch zu einem weiterem „Prügel-Skandal“, der es bis auf die Titelseiten der nationalen Blätter schaffte und Kidd zwang einige Spiele zu pausieren. Die Suns hatten genug gesehen und verschifften den Point Guard 2001 für Superstar Stephon Marbury Richtung New Jersey.

Sofort fing die Gerüchteküche wieder an zu brodeln und es wurde vermutet, dass der selbstverliebte Kidd keine Lust habe, in einer Stadt wie New Jersey zu zocken. Doch Kidd überraschte mit einer veränderten Einstellung, nahm die Nets selbstlos auf seine Schultern und interpretierte die Rolle als Anführer neu. Das junge Team von Coach Byron Scott um Rookie Richard Jefferson und Kenyon Martin folgte seinem Superstar, der sie 2002 und 2003 entgegen aller Vermutungen an die Spitze der Eastern Conference und bis in die NBA Finals führen sollte. In den Finals waren Kidds Nets jedoch chancenlos gegen Shaqs Lakers und Duncans Spurs.

In New Jersey vertraute man dennoch den Fähigkeiten des Point Guards, auch wenn die Liste der Kritikpunkte um das Thema Alter und Clutch-Fähigkeit erweitert wurde. Ist Jason Kidd, nach College, Dallas und Phoenix ohne Titel, wirklich in der Lage ein Team zum Erfolg zuführen? Die Antwort der Nets waren ein Sechsjahresvertrag und 95 Millionen Dollar. Eine Entscheidung, die New Jersey vermutlich heute noch mal überdenken würde.

Die Quadratur des Kreises

Dass es vorerst die letzte Finalteilnahme für die Nets sein sollte, lag auch an ihrem Point Guard. In den Playoffs 2004 gegen Detroit trat einmal mehr deutlich zu Tage, dass Jason Kidd in den entscheidenden Phasen eines Spiels oder einer Playoff-Serie einen zu inkonstanten Wurf von außen besitzt und auch die weitere Entwicklung von Richard Jefferson und die Verpflichtung von Vince Carter nicht reichen. Ein gefundenes Fressen für die Kritiker, die den Kritikpunkt Alter unterstrichen und Motivation- und Gesundheitsprobleme zur Liste ergänzten. Auch die Nets verloren das Vertrauen und schickten Kidd in der Saison 2007/2008 zurück zu dem Ort, wo das Abenteuer begann: Dallas. Ein Trade der passender nicht sein könnte, denn er brachte den mittlerweile als unglaublich talentierten chronischen Verlierer zu der Franchise, der wie kein Zweiter für die großen Möglichkeiten und die miese Ausbeute aus diesen Möglichkeiten stand.

Nachdem die Mavs gleich in der ersten Playoff-Runde unter Kidds Regie an dem Rivalen aus San Antonio scheiterten, rieben sich die Kritker die Hände. Die Dallas-Ära ist mit der Verpflichtung von Jason Kidd endgültig zu Ende. Auch 2009 war gegen die Nuggets bereits in der zweiten Runde Schluss, doch Dallas wollte das Experiment nicht als gescheitert abstempeln und gab Kidd für weitere drei Jahre 25 Millionen Dollar. Eine Entscheidung, die heute in Dallas wohl niemand erneut überdenken würde.

Auch wenn 2010 das Erstrunden-Aus gegen San Antonio zu verkraften war, so hatte sich Kidd mittlerweile zu einem gefährlichen Dreipunkteschützen entwickelt. Anführen und Passen konnte Kidd schon immer, doch in den Playoffs 2011 sollten Kidd andere Fähigkeiten zum wichtigen Mitglied im Team der Mavericks machen. Nachdem in der ersten Runde die Blazers besiegt wurden, war der Sweep gegen die Lakers in der zweiten Runde auch der überragenden Defense von Jason Kidd gegen Kobe Bryant zu verdanken. Im Conference-Finale flackerte der „alte“ Point Guard immer wieder mit tollen Pässen auf und so wurde Jason im Alter von 38 Jahren der älteste Guard, der jemals ein Final-Spiel bestritten hat. Den Ausgang der Finalserie kennt in der Basketball-Welt jeder. Dallas gewann nach sechs Spielen gegen Miami.

Ein mehr als verdienter Ring

Im Nachhinein wird viel über die lange Reise von Dirk Nowitzki zu seiner Meisterschaft gesprochen, doch auch Jason Frederick Kidd hat eine „Herr der Ringe“- mäßige Suche nach seinem Ring beendet. Ein Ring, dessen Bedeutung man begreift, wenn man bedenkt, wie die Fachwelt Jason Kidd 2003 schon abgeschrieben hatte.

Begründung: Mit 30 Jahren ist Jason Kidd zu alt! Nun ist er ein NBA-Champ im Alter von 38 Jahren, der drittbeste Spieler aller Zeiten, wenn es um Triple Doubles in der Saison geht, der zweitbeste bei Triple Doubles in den Playoffs und hinter John Stockton der zweitbeste Assistsgeber und Balldieb, der jemals den Basketball in der Hand hatte. Hinzu kommen zehn All-Star-Nominierungen, 51 Länderspiele und zweimal Olympisches Gold.

Aktuell ist Jason Kidd der Spieler mit den meisten gespielten Games von allen aktiven Spielern in der NBA. Also wie viele Kritikpunkte sind noch mal auf der Liste? Wir sollten uns einfach freuen, dass dieser einzigartige Point Guard uns noch eine Weile erhalten bleibt.

Die Kritiker Lügen gestraft
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BigAl
BigAl 2. Mai 2012 um 19:44 Uhr

Schöner Atrikel, danke, dass auch einmal an die OldSchoolers gedacht wird 😉
Ichh denke, in den Finals-Jahren in New Jersey wurde ihm mindstens ein MVP-Titel "geraubt"- Den hätte er meiner Meinung nach in seiner eindrucksvollen Trophäensammlung noch verdient.
Zu erwähnen wäre vielleicht auch noch, daß Team USA mit Kidd im Kader ungeschlagen ist (ich glaube, 54-0) – auch das ein Punkt, der ihn meines Erachtens als Winner auszeichnet (den Punkt, ihn als "Verlierer" abzutun, ist meie einzige Kritik an dem Artikel) – wer war sonst ausser LeBron mit sooo wenig Talent in den Finals?
Jason Kidd – ein All Time Great!
Ich würde ihn ganz gerne noch 1,2 Jahre spielen sehen (Vielleicht als Mentor von Shumpert und Lin in NY?), um dann eine erfolgreiche zweite Karriere als Coach oder GM zu starten…

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