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„It’s not a shooting contest!“

17.01.2015 || 12:57 Uhr von:
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Im Zuge der NBA Global Games traf CROSSOVER Kareem Abdul-Jabbar zum exklusiven Interview. Der beste NBA-Punktesammler sprach über den US-Nachwuchs, die Lakers und das moderne System samt Einbindung der Big Men.

CROSSOVER: Herr Abdul-Jabbar, als erstes müssen wir natürlich über Ihre Los Angels Lakers und deren momentane Lage sprechen. Was sind Ihre Gedanken bezüglich der Situation, in der sich die Mannschaft aktuell befindet?

Kareem Abdul-Jabbar: Es ist eine schwierige Zeit für sie. Die Verletzungen von Kobe [Bryant] und [Steve] Nash; der mögliche Verlust der ausstehenden Draft-Möglichkeiten [Anm. d. Red.: Die Erstrunden-Picks 2015 und 2017 der Lakers sind nur für die ersten fünf Positionen geschützt] – es ist demnach schwer für sie neues Spielermaterial zu akquirieren. Die einzige Möglichkeit, um an neue Spieler für das Team heranzukommen, wäre der Free-Agent-Markt, was aber ebenfalls problematisch ist. Es wird einfach seine Zeit dauern. Sie müssen die richtigen Entscheidungen beim Draft treffen und gucken, dass qualitiv gute Spieler geholt werden, um die es sich lohnt, ein Team herum aufzubauen.

Ein „neuer“ Spieler, den die Lakers für die nächste Saison defintiv bekommen werden, ist Julius Randle. Welchen Eindruck haben Sie von Randle bekommen?

Randle machte eigentlich einen spielerisch guten Eindruck, und um so bedauernswerter war es dann, als er sich diese schreckliche Verletzung zugezogen hat. Aber ich glaube trotzdem, dass er eine Zukunft in der NBA hat. Sie müssen ihn nur langsam wieder an das Team und an das Mannschaftssystem heranführen, sowie die richtigen Ergänzungsspieler finden, die ihn komplettieren.

Kobe Bryant hat kürzlich in einem Statement die US-amerikanische Basketball-Nachwuchsförderung kritisiert und gesagt, dass seiner Meinung nach europäische Basketballer besser ausgebildet seien. Würden Sie Bryant in diesem Punkt zustimmen?

Ich denke, dass die Art und Weise, wie der Basketballsport in Amerika den jungen Spielern beigebracht wird, verkehrt ist. They are not doing a great job. Es wird ihnen nicht gezeigt, wie man in Korbnähe spielen sollte, was auch damit zusammenhängt, dass alle lieber am Perimeter spielen und Dreier schießen wollen. Es muss eine vernünftige Balance gefunden werden, denn genau diese Balance ist im Moment nicht vorhanden, da viel mehr der Drei-Punkte-Wurf im Fokus steht statt der hochprozentigen Abschlüsse in der Zone. Doch dieser Umstand wird von vielen vernächlässigt – abgesehen von den Teams, die über ein gutes Inside-Outside-Scoring-Verhältnis verfügen und dadurch meiner Ansicht nach einen guten Job machen.

Kann ich daraus schließen, dass die Guard-lastigen Offensivsysteme, welche von den meisten Coaches in der modernen NBA hauptsächlich genutzt werden, für Sie zu eindimensional sind, da das Spiel im Low-Post oftmals nur eine marginale Rolle einnimmt?

Entweder suchen die Teams zu selten ihren Big Man in der Mitte, oder aber sie haben einfach niemanden, der in der Zone wirklich effektiv sein kann; und das ist es, was dir schlussendlich als Team weh tun wird. Wenn du eine Mannschaft hast, bei der mehr als ein Spieler im Post abliefern kann – nehmen wir zum Beispiel Memphis mit Marc Gasol und Zach Randolph –, dann bist du automatisch vielseitiger. Diese Vielseitigkeit hat zur Folge, dass es für den Gegner schwieriger wird, dich zu verteidigen, als wenn du in der Offensive immer nur denselben Spielansatz hast. Eindimensionalität führt schlussendlich dazu, dass der Gegner dich dazu zwingt, Abschlüsse zu nehmen, die du eigentlich nicht nehmen möchtest, und so Spiele verlierst und eine schlechte Wurfquote vorzuweisen hast.

Ich finde, dass im Moment ein zu großer Wert auf die offensiven Aspekte gelegt wird – It’s not a shooting contest! Du musst auch imstande sein zu verteidigen. Die jungen Spieler verstehen das Spiel auf einem bestimmten Level nicht – wie spiele ich Inside und Outside? –, und daran krankt es im Augenblick. Die Coaches haben während einer Saison kaum die Möglichkeit, mit ihren Spielern im Training gezielt an den einzelnen Schwachstellen zu arbeiten, sodass es ihrem Spiel an Ausgereiftheit mangelt.

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Mit Jahlil Okafor wird voraussichtlich ab der kommenden Saison ein junger Big Man in der NBA spielen, der auf Grund seines hervorragenden Low-Post-Spiels dem klassischen Verständnis eines Innenspielers gerecht wird. Könnte er jemand sein, der für frischen Wind auf der Center-Position sorgt?

Jeder, der sowohl mit seinem Rücken zum Korb punkten, als auch nach draußen gehen kann, könnte auf der Center-Position für Furore sorgen. Pau Gasol ist für mich so ein Spieler. Er kann tief in der Zone scoren, aber auch am Perimeter spielen, und diese Kombination aus Inside-Outside-Spiel ist immens wichtig. Spieler mit einer vielfältigen Palette an Offensiv-Skills sind für den Gegner schwer auszurechnen.

Welcher Big Man aus der aktuellen NBA-Riege sagt Ihnen in seinem Spiel am meisten zu?

Oh, gute Frage. Ich mag das Spiel der Gasol-Brüder sehr. Ansonsten fällt mir da noch Joakim Noah ein, und auf alle Fälle Tim Duncan.

Ein Phänomen in der modernen NBA ist die Suche nach der größtmöglichen Effizienz bei der Wurfauswahl. Wenn wir über effiziente Würfe sprechen, dann müssen wir natürlich auch über ihren Signature-Wurf, den Skyhook, reden, welcher praktisch nicht verteidigt werden konnte. Warum sehen wir diesen Wurf heutzutage so selten? Liegt es an der fehlenden Grundausbildung der Big Men, die wir vorhin schon angerissen haben?

Sie verfügen sicherlich nicht über die notwendigen Fundamentals. Dies liegt vor allem darin begründet, dass sie während der Anfangsphase ihrer basketballerischen Entwicklung, also wenn die Kids so zwischen zehn und zwölf Jahre alt sind, nicht beigebracht bekommen, wie sie auf den einzelnen Positionen agieren sollen und welche vielfältigen Möglichkeiten es auf den Positionen gibt. Wenn sie sich von klein auf nur auf ihren Sprungwurf verlassen, dann limitieren sie sich in ihrer Entwicklung selbst.

Zum Abschluss noch eine Frage über ihr aktuelles Projekt. Sie haben ein Buch über Mycroft Holmes, den Bruder von Sherlock Holmes geschrieben. Worum handelt es sich da genau?

Ich war schon immer ein großer Fan der Sherlock-Holmes-Geschichten, und von daher dachte ich mir, dass ich gerne selber einen Teil zu der Geschichte beisteuern möchte. Sein Bruder wird in den alten Büchern zwar gennant, aber nicht wirklich detailliert, weshalb ich dort einen Anknüpfungspunkt für mich als Schriftsteller gesehen habe.

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