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Theis: „Vom Basketballverständnis her ist Stevens wie Trinchieri“

28.01.2018 || 12:38 Uhr von:
Daniel Theis war ein gefragter Mann beim NBA Global Game in London. Der Nationalspieler sprach über die Verbesserungspotenziale der Celtics-Offense, Al Horford und die Entwicklung des Basketballs in Deutschland.

Im Rahmen des NBA Global Games in London hatten Pressevertreter aus Europa und vor allem aus Deutschland die Gelegenheit, Daniel Theis hautnah zu beobachten. Bei den offenen Trainingseinheiten für die anwesenden Journalisten konnte man dem Big Man neben dem alltäglichen Wurftraining dabei zusehen, wie er am Ballhandling arbeitete, indem er mit beiden Händen von Seitenlinie zu Seitenlinie dribbelte. Zudem tauschte sich der 25-Jährige ausführlich mit Celtics-Head Coach Brad Stevens aus. Im Anschluss stand der Nationalspieler den Medienvertretern Rede und Antwort. Wir haben Theis‘ interessantesten Aussagen aus London zusammengefasst.

Frage: Es gibt manche Partien, in denen du fünf Minuten spielst, manchmal sind es 20. Wie fühlt sich das für dich an? Wie sehr kommuniziert der Coach schon vor dem Spiel mit dir? Verrät er dir schon vor dem Spiel, ob du mehr oder weniger spielen könntest?

Daniel Theis: Das ist bei uns immer sehr davon abhängig, gegen wen wir spielen. Wenn wir gegen Teams wie Houston oder Golden State antreten, die natürlich viel mit kleinen Aufstellungen spielen, dann kann ich mir manchmal vorher schon denken, dass ich vielleicht heute ein bisschen weniger Spielzeit bekomme. Golden State spielt teilweise mit vier Guards und einem Großen, bzw. auch auf der Fünf haben sie mit Draymond Green jemanden, der eigentlich ein großer Guard ist.

Aber in dieser Hinsicht ist es mir egal. Wenn ich fünf Minuten spiele, versuche ich, so gut wie möglich zu spielen und dem Team zu helfen. Und bis jetzt kam ich mit Ausnahme des ersten Spiels in Cleveland immer zum Einsatz. Ich glaube, damit kann ich zufrieden sein. Würde ich jetzt vielleicht fünf bis zehn Spiele hintereinander nicht spielen, würde ich mich ärgern und fragen warum. Aber so kann ich ganz zufrieden sein, ohne mich zu ärgern, wenn ich mal fünf Minuten spiele. Weil auch dann gewinnen wir die Spiele, und das hat für uns Priorität.

„Wenn wir den Ball bewegen, sind wir nur schwer zu verteidigen“

Ihr habt wenig Zeit für Training. Wie oft machst du diese individuellen Ballhandling-Drills?

Dadurch, dass wir immer nur einen Tag dazwischen haben, nutzen wir diese Tage meistens zur Erholung und Behandlung – jeder individuell natürlich je nach Spielzeit. Durch die ganzen Spiele haben wir einfach wenig Zeit, mal so ein Team-Training zu machen wie in London vor dem Global Game. Aber an den freien Tagen gehe ich natürlich in die Halle. Es besteht die Möglichkeit, mit den Coaches zu arbeiten und zum Beispiel das Ballhandling zu trainieren oder zu werfen. Ich meine, diese Dribbel-Drills probierst du jeden Tag zu machen, das dauert zehn Minuten. Ich versuche das so oft wie möglich zu machen. Es hilft mir sehr. Auch alle anderen machen das jeden Tag zwischendurch.

Ihr stellt in der bisherigen Saison die beste Verteidigung der Liga. Was müsst ihr offensiv besser machen, um auch in den Playoffs um den Titel mitzuspielen?

Auch defensiv müssen wir, glaube ich, noch ein bisschen konstanter werden. Wir hatten einige Spiele dabei, wo wir teilweise gar nicht verteidigt haben. Zum Beispiel das Heimspiel gegen Denver Mitte Dezember. Wir haben das Spiel zwar gewonnen, aber trotzdem 118 Punkte zugelassen. Das ist nicht unser Ziel.

Im Angriff müssen wir noch ein bisschen besser unsere Stops verwerten. Wir sind in der Transition nicht ganz so gut. Gerade wenn wir Rebounds und Stops kriegen oder wenn wir gute Defense spielen, müssen wir das noch ein bisschen besser umwandeln. Wenn unsere Offense läuft und wir den Ball bewegen, ist es schwer, uns zu verteidigen. Aber wenn wir so spielen wie beispielsweise in der ersten Halbzeit in Brooklyn Anfang Januar, wo wir mit vier Assists in die Pause gehen, ist es leicht, die Isolationen zu verteidigen. Unser Punkt in der Offensive muss es sein, den Ball zu bewegen. Dann sind wir schwer zu verteidigen. Wenn der Ball steht und jeder probiert, was für sich zu machen, dann ist es für jeden Gegner leicht zu verteidigen.

„Mit den Boston Celtics ist es perfekt für mich gelaufen“

Woran liegt es, dass es beim Umschaltspiel hakt? Auf dem Papier habt ihr ja einige athletische Leute im Kader…

Ich sage ja nicht, dass es nicht funktioniert. Aber es gibt einfach Tage, wo du Extra-Pässe spielst und dann aber die Würfe nicht fallen. Dann probiert man vielleicht, etwas alleine zu machen, um das Team dadurch ins Rollen zu kriegen. Aber auch an solchen Abenden wie in Brooklyn, Indiana oder zu Hause gegen Houston finden wir Wege, um am Ende immer noch im Spiel zu sein. Da haben wir nicht gut gespielt, aber wir finden Wege, am Anfang im Spiel zu bleiben und am Ende dann meistens diese Partien doch noch zu gewinnen, auch wenn wir nicht toll spielen.

Ist das für dich persönlich im Moment die perfekte Situation in Boston?

Ich würde schon sagen, dass es mit den Boston Celtics – mit dem Team, mit Brad Stevens als Coach – vom System her perfekt gelaufen ist. Coach ist vom Basketballverständnis her wie Andrea Trinchieri. Wenn sich die beiden an einen Tisch setzen würden, würden sie sich sehr gut verstehen vom Basketballverständnis her. Was das Temperament betrifft, sind sie natürlich unterschiedlich, aber vom Basketballverständnis her, in Sachen Perfektionistisch-Sein und 24 Stunden am Tag an Basketball zu denken, sind sie sich sehr, sehr ähnlich.

Wie groß ist der Einfluss von Al Horford auf das Team und dich persönlich?

Al ist sehr wichtig für uns als Team und für mich, denn er ist ein Veteran. Er spielt seine elfte Saison in der NBA. Er spielt wie ein Point Guard. Al hat so viele Spiele, in denen er nah am Triple-Double ist. Er teilt den Ball und ist so ruhig, wenn er den Ball im Post bekommt. Jeder im Team, nicht nur ich, kann viel von ihm lernen.

Worüber tauscht ihr euch im Training aus? Wie hilft er dir in deiner Entwicklung?

Er spricht mit mir nach den Spielen. Wenn ich in Foul-Problemen war, gibt er mir Tipps, was ich im nächsten Spiel besser machen kann, um nicht in Foul-Probleme zu kommen. Und er hat mir dabei geholfen, die Offensive zu lernen. Denn es ist bereits seine zweite Saison unter Coach Stevens. Er weiß, was Coach will. Daher hat er mir zu Beginn der Preseason viele Dinge über das System erzählt.

„Der Basketball in Deutschland entwickelt sich sehr gut.“

Wie wichtig sind deiner Meinung die Gastspiele der NBA in London?

Ich finde, es ist sehr wichtig. Für die NBA ist es natürlich schwierig zu planen, weil die Saison so lang ist. Mit Playoffs kommen die Teams teilweise auf 100 Spiele. Da ist es schwierig, so einen Trip einzubauen. Aber ich finde es sehr gut, dass auch die Fans in Europa die Möglichkeit haben, in ein, zwei, manchmal drei Stunden mit dem Flugzeug nach London zu kommen und ein NBA-Spiel zu sehen. Ich würde es natürlich schön finden, wenn das auch ein bisschen öfter passieren würde. Dass man vielleicht irgendwann noch zwei Städte dranhängt, zum Beispiel London, Berlin und Madrid. Das wäre dann natürlich für alle schön.

Und ich glaube, auch als Team und als Spieler ist es schön. Auch für die Amerikaner, die vielleicht noch nicht so viel rumgekommen sind in der Welt und auch mal rauskommen, neue Städte kennen lernen und neue Menschen treffen können. Einfach etwas neues sehen anstatt nur das Heimatland mit den gleichen Hallen und den gleichen Fans. Ich weiß nicht, wie die NBA das plant, aber wir als Teams können einfach nur das beste dafür tun und uns so zu präsentieren, dass die NBA darüber nachdenkt, solche Trips häufiger zu machen.

Dennis Schröder kam in der Vergangenheit oft nach Deutschland, um sich Playoff-Spiele der BBL anzuschauen. Hast du auch vor, das zu machen?

Ich habe das Glück, dass Dennis immer wieder zu den Spielen kam, wenn er Zeit hatte. Auch zu den Bamberger Spielen in den Playoffs oder im Finale. Wenn ich Zeit habe und Bamberg dabei ist, würde ich auf jeden Fall hingehen und mir das Finale anschauen.

Immer mehr Deutsche wechseln in die NBA. Was sagt das deiner Meinung nach über die Entwicklung des Basketballs in Deutschland aus?

Der deutsche Basketball entwickelt sich sehr gut. Dirk [Nowitzki] ist natürlich schon eine lange Zeit in der Liga. Dann hat Dennis den Sprung geschafft, letzte Saison Paul [Zipser] und jetzt Maxi [Kleber] und ich. Wir haben viele junge Leute. Die junge Generation gerade ist wirklich gut mit Isaiah Hartenstein, der gedraftet wurde, und weiteren anderen wie Moritz Wagner von Michigan. Es gibt einige, die es in die NBA schaffen können.

Analyse: So schlägt sich Daniel Theis offensiv und defensiv in Boston

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