Anmelden oder registrieren

The Hank & Bo Show – R.I.P.

24.07.2002 || 00:00 Uhr von:

Alles war ganz normal: Slam Dunk- der kraftvolle Post Spieler steigt über zwei Gegner und hämmert den Ball durch die Reuse. Alley-Oop, Baby! Wieder einmal, denn Hank macht in dieser Saison durchschnittlich 29 Punkte und holt 11 Rebounds pro Spiel. Dominant nennt man das wohl!Eric „Hank“ Gathers, so sein voller Name, dreht sich um, klatscht mit seinem Point Guard Terrell Lowery ab und läuft zurück in die Defense. Dort sollte Hank jedoch nie ankommen. Am Mittelkreis fällt der 2 Meter große Power Forward und steht nicht mehr auf. Wir schreiben den 4. März 1990- der „Bankman“ ist tot! Im Finale um die Meisterschaft der West Coast Conference endet die Karriere und das Leben von Hank in einer für ihn so typischen Art- mit einem Dunk!

Eric „Hank“ Gathers war nicht irgendein x-beliebiger College-Athlet, der unglücklich verstarb, Hank war mehr als das- schon zu Lebzeiten war der Hüne in seiner Heimatstadt Philadelphia eine Legende. Zusammen mit seinem Freund Gregory „Bo“ Kimble waren sie bereits seit der High School bekannt als die „Hank & Bo Show“. Einen langen Weg war das ungleiche Duo gegangen- auf der einen Seite Bo, der talentierte Shooter, der mit einer Leichtigkeit vom Parkplatz treffen konnte, und auf der anderen Seite Hank, weniger talentiert, zu klein für einen Post-Spieler, aber mit einer Willensstärke und einem Siegeswillen, mit dem es kein anderer aufnehmen konnte.

Nach der High School unterschrieben beide an der renommierten USC in Los Angeles. Während Kimble direkt ins All-Freshmen-Team der Pac10 berufen wurde, hatte Gathers mehr Probleme. Er kam in der Saison meistens von der Bank. Als nach der Saison George Raveling Coach bei USC wurde, beschlossen Kimble und Gathers, die sich vom neuen Coach nicht respektiert fühlten, die Uni zu wechseln. Nach langem Hin und Her entschieden sie sich für Loyola Marymount, eine kleine Jesuiten-Universität im Westen von L.A. In Philadelphia sorgte diese Entscheidung für viel Erheiterung, in den Augen vieler Leute war damit der Abstieg von Hank und Bo bereits vollzogen.

Doch die beiden Ausnahmespieler trafen ihre Entscheidung nicht ohne vorher alles genau überdacht zu haben- Loyola hatte Paul Westhead, der als Head Coach die Lakers 1980 zur Meisterschaft geführt hatte und nur durch Pat Riley ersetzt wurde, weil er Probleme mit Magic Johnson hatte. Und Westhead hatte „The System“- eine unglaublich schnelle Spielweise, die er seinem Team aufdrückte. Im „System“ liefen alle fünf Spieler nach vorne, jeder hatte seine Position und wenn er in seiner Position den Ball bekam, MUSSTE er werfen. Selten dauerte ein Angriff der Lions länger als acht Sekunden. In der Defense schrieb das „System“ 40 Minuten härteste Fullcourt-Presse vor.

In der ersten Saison war der Erfolg noch mäßig und erste Kritiker begannen, Westhead’s Entlassung zu fordern. Die Lions machten zwar regelmäßig weit über 100 Punkte (tatsächlich waren 140 oder 150 Punkte keine Seltenheit), aber verloren gegen gute Mannschaften, weil ihre Defense nicht gut genug war. Dennoch schaffte es das Team bis in die zweite Runde des NCAA Tournaments, besonders, weil Hank und Bo jeweils über 22 Punkte pro Spiel machten. Dort war allerdings gegen North Carolina Schluss. Diese Saison war die Spielzeit, in der Hank Gathers, ein grauenvoller Freiwerfer, seinen Freiwurf umstellte. Egal, wie hart er an seinen Freiwürfen arbeitete, er kam nie über 45 Prozent hinaus. Da der „Bankman“ aber davon besessen war, in allem der beste zu sein, machte er einen ungewöhnlichen Schritt: Er begann, alle Freiwürfe mit der linken Hand zu werfen, in der Hoffnung, Freiwürfe komplett neu erlernen zu können und nicht gehandicapt durch seine schlechte Wurftechnik zu sein. Letztlich brachte ihm dieser Schritt vielleicht drei oder vier Prozent ein, aber es war ein eindeutiges Beispiel dafür, dass er einen unbändigen Willen hatte, sich zu verbessern.

Schon in der zweiten Saison schien alles noch besser zu laufen. Hank Gathers ließ die Bombe platzen! Der Power Forward wurde erst der zweite Spieler in der Geschichte der NCAA (nach Xavier McDaniel), der die Liga in Punkten (32,7) und Rebounds (13,7) anführte. Dennoch wurde das Team durch eine Knieverletzung von Bo Kimble so gehandicapt, dass bereits in Runde Eins gegen Arkansas Saisonende war. Unruhig und hungrig gingen die LMU Lions in die Sommerpause!

Somit richteten sich alle Hoffnungen der kleinen Universität auf die nächste, unwiderruflich letzte Saison der „Hank & Bo Show“- das Senior-Jahr. Und alles schien bestens zu laufen. Das Team hatte noch einige exzellente Role Player hinzugewonnen: Jeff Fryer, ein unscheinbarer kleiner Shooting Guard, schoss die Lichter von der Dreipunktelinie aus und schaffte seinerseits einen Schnitt von mehr als 23 Punkten pro Spiel- Fryer spielte übrigens viele Jahre in der deutschen Regionalliga, zuletzt in der Saison 2000/2001 bei Jugend Bergheim. Per Stümer, ein schwedischer Nationalspieler, verstärkte Hank Gathers am Brett. Die Point Guards Tony Walker und Terrell Lowery waren die beiden besten Assistgeber der West Coast Conference. Tom Peabody war der Liebling der Fans, der sich nach jedem Ball- egal, wie unerreichbar- warf und dafür jegliche Blessur in Kauf nahm. Und dann waren da ja noch Hank und Bo.

Ohne Verletzungen wurde Kimble der Top Scorer der NCAA mit einem sagenhaften Schnitt von mehr als 35 Punkten pro Spiel. Damit waren Hank und Bo erst das zweite Duo aus demselben Team, das in aufeinander folgenden Saisons NCAA-Topscorer war. Auch Hank spielte weiterhin wie ein Star. Aber dann, im Dezember, passierte es zum ersten Mal. Gegen Santa Barbara fiel Hank Gathers zu Boden und wurde ins Krankenhaus gebracht. Während Bo Kimble das Spiel im Alleingang gewann (51 Punkte), lautete die Diagnose für Hank Herzrhythmusstörungen. Gathers musste einige Tage im Krankenhaus verbringen und bekam schwere Medikamente verschrieben.

Als Hank zurück ins Team kam, war er nicht mehr der alte. Sein Team gewann nach wie vor und auch seine Stats waren in Ordnung, aber der Biss fehlte- dieser Siegeswille, der ihn von anderen Spielern unterschied. Ende Februar beschloss Hank, seine Medikamntendosis zu halbieren- er war sich sicher, dass das seine Leistungen wieder auf das alte Niveau bringen würden. Sein Arzt erklärte sein Einverständnis unter der Bedingung, dass Hank sich mit ihm treffen würde, um zu testen, welche medizinischen Folgen die Herabsetzung der Dosis haben könnte. Tatsächlich suchte Hank den Doktor danach nie mehr auf. Dennoch sah es anfangs tatsächlich so aus, als hätte er Recht gehabt: Er wurde immer besser und gegen Louisiana State machte er unter dem Korb gegen den 15 Zentimeter größeren Shaquille O’Neal 48 Punkte und holte 17 Rebounds- es sollte sein letzter großer Auftritt sein!

Durch das WCC-Tournament kamen die Lions nahezu ohne Probleme ins Halbfinale gegen Portland- und dort passierte das Unfassbare: Beim Spielstand von 25-13 nach knapp sechs Minuten, fiel Hank Gathers, einer der stärksten Männer, die man sich vorstellen kann. Nicht einmal eineinhalb Stunden später war der „Bankman“ bereits tot. Ganz Amerika war schockiert und trauerte mit Bo Kimble und den Lions.

Danach erklärte die WCC Loyola Marymount automatisch zum Champion der Liga und somit durften die Lions im NCAA-Tournament an den Start gehen. Das Team unter Führung von Bo Kimble entschied sich, für Hank zu spielen. Ohne ihren grandiosen Inside Player wurden den Lions natürlich nicht viele Chancen eingeräumt- doch nach dem Auftaktsieg gegen New Mexico State fertigte das Team den Titelverteidiger Michigan mit 149-115 ab- noch heute ist dieses Spiel das punktereichste in der Geschichte des Tournaments. Die Lions waren auf einer Mission und niemand machte das deutlicher als Bo Kimble, der in allen Turnierspielen seinen ersten Freiwurf mit links warf- in Erinnerung an seinen verstorbenen Freund- und alle Freiwürfe traf.

Die Lions schafften es bis ins Regional Final gegen UNLV, wo Larry Johnson, Stacey Augmon, Greg Anthony und Co. aber letztlich zu stark für Paul Westhead’s Team waren. Bo Kimble wurde nach der Saison an Nummer Sieben von den Clippers gedraftet und verschwand nach drei Jahren aus der NBA. 1992 veröffentlichte er das Buch „For You, Hank“, in dem er seine Freundschaft zu Hank Gathers beschrieb. 1993 wurde außerdem ein TV-Film über das Leben des Power Forwards gedreht- „Final Shot“ war aber ein eher dünner Film, der Hank Gathers in keiner Weise gerecht wurde.

Im Februar 2000 wurdendie Trikots von Hank Gathers (44) und Bo Kimble (30) in einer feierlichen Zeremonie unter die Hallendecke von Loyola Marymount’s Gersten Pavilion gezogen- fast zehn Jahre nach Hank Gathers‘ Tod.

The Hank & Bo Show – R.I.P.
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.