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Gordon Hayward: Ende mit Schrecken!

22.10.2017 || 10:39 Uhr von:
Nach gerade einmal fünf Minuten ist die Debüt-Saison von Gordon Hayward beendet. Was bedeutet die Verletzung für die Zukunft des Spielers sowie der Franchise?

Ernährung, Regeneration, Trainingslehre, medizinische Betreung, Analytics: Sportteams arbeiten heutzutage professioneller als je zuvor. Nie wurden Athleten besser auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereitet. Doch trotz aller heutigen Möglichkeiten und großer finanzieller Mittel nimmt der Faktor Zufall weiterhin eine wichtige Rolle im Sport ein. Ein technischer Defekt im Motorsport, eine Windböe beim Skispringen oder ein Sturz während der Tour de France können monatelange Planungen und gewissenhafte Vorbereitung innerhalb eines Wimpernschlages zunichtemachen. Davor ist auch das Milliardenunternehmen NBA nicht gefeit.

Jahr für Jahr beeinflussen unterschiedlichste Verletzungen den Saisonverlauf vieler Teams. Die Ausfälle von Kawhi Leonard 2017 und Kevin Durant 2015 sowie ein angeschlagener Stephen Curry 2016 hatten vielleicht sogar Auswirkungen auf die Titelvergabe. Auch die Saison 2017/18 forderte bereits während des Auftaktspieles ihr erstes Opfer. Nach lediglich fünf Minuten beendete die Landung in Folge eines in den Rücken geworfenen Backdoor-Alley-Hoop das Debüt von Gordon Hayward – und voraussichtlich auch dessen Saison. Welche Auswirkung hat diese Verletzung auf seine Karriere? Was bedeutet dies für die Boston Celtics? Welche Optionen besitzt General Manager Danny Ainge, um diesen Verlust zu kompensieren?

Glück im Unglück

Wer den unnatürlich abstehenden Fuß der Nummer 20 sah, erinnert sich unweigerlich an einige weitere Horrorverletzungen der letzten Jahre. Mit Shaun Livingston und Paul George erlitten weitere prominente Basketballer eine furchtbare Verletzung. Im Gegensatz zu dem Ex-Clippers, bei dem damals sogar über eine Beinamputantion spekuliert wurde, hatten Hayward und George Glück im Unglück. Nach aktuellsten Meldungen soll es sich bei Haywards Fraktur des Knöchels und des Schienbeines um einen glatten Bruch handeln. Gleiches erlitt auch der Neuzugang der Thunder im Juli 2014. Gordon Haywards Agent Mark Bartelstein bestätigte zwar das vorraussichtliche Saisonende, erwartet jedoch eine vollkommene Genesung seines Schützlings. Dies gelang auch Paul George. 16 Monate nach seines Bruches spielte der viermalige All-Star im November 2015 den besten Saisonmonat seiner Karriere. Sollte sich die derzeitige Prognose vom Forward der Celtics bestätigen, lässt dies auf eine erfolgreiche Rückkehr in der kommenden Saison hoffen.

Für Haywards Mitspieler und das Umfeld seines Teams hieß es jedoch bereits wenige Minuten nach dessen Abtransport „The Show Must Go On“ – wenn auch mit veränderten Erwartungen.

Saison 2017/18

Obwohl Danny Ainge den Kader in der Offseason umkrempelte, stand das Team mit der zuletzt besten Bilanz des Ostens bei den Buchmachern erneut an der Spitze der Conference. Einige – darunter auch zwei Redakteure der basketball.de Season-Preview-Pods – sahen Boston gar als Finalgegner der Golden State Warriors. Dies ist nach dem Ausfall ihres besten Spielers (laut der Top-100 von SI platzierte sich Hayward an 16, fünf Plätze vor Kyrie Irving) nicht mehr realistisch.

Dennoch gehören die Celtics zu den Teams, die die Verletzung eines Flügelspielers am ehesten auffangen können. Mit Marcus Morris, Jason Tatum, Jaylan Brown, Marcus Smart, Sami Ojeleye und Guerschon Yabusele besitzen die Kelten zahlreiche Akteure, die die Minuten für Hayward auffangen können. Qualitativ ist dies natürlich ein Downgrade. Viele Teams können jedoch nicht einmal einen vernünftigen Starter auf der Small Forward Position aufbieten. Einen Ausfall auf dieser talentarmen Position kann kaum eine Franchise so gut kompensieren wie Boston. Neben der Kadergestaltung – Danny Ainge hat seit Jahren ein Fabel für variabel einsetzbare Spieler – kann der Rekordchampion auch auf die Qualität seines Coaches vertrauen. Seit Brad Stevens auf der Bank der Celtics Platz nahm, übertraf Boston Jahr für Jahr die gesteckten Erwartungen. Der 41-Jährige weiß seine Spieler gut einzusetzen.

Die Playoffteilnahme sollte im schwachen Osten daher nicht gefährdet sein. Anpassungsprobleme sind in den kommenden Wochen jedoch zu erwarten. Knapp 45 Siege und Platz sechs in der Conference sollten weiterhin realistisch sein. Wenn eines der jungen Talente die Chance nutzt, ist je nach Playoff-Matchup Runde zwei machbar. Ein erneuter Einzug in die Conference Finals ist jedoch in weite Ferne gerückt.

Sollte sich das Saisonende von Gordon Hayward bestätigen, bekäme Danny Ainge noch einen Freischuss, um von extern den Kader zu verstärken.

Disable Player Exception

Wenn ein Spieler einer Franchise eine Verletzung erleidet, die dessen Saison beendet, darf sich dieses Team personell verstärken. Neben eines freien Rosterplatzes erhält es ebenfalls 50% des Gehaltes – maximal in Höhe der vollen Mid-Level-Exception – des verletzten Akteurs. Den Celtics stehen deshalb 8,4 Millionen zur Verfügung. Diese kann Ainge bis zum 10. März für einen Trade, einen Free Agent oder einen entlassenen Spieler nutzen. Einzige Vorraussetzung: Der Vertrag des Neuzuganges muss im Sommer 2018 wieder enden. Was wäre ein potenzieller Kandidat für Boston?

Ed Davis: Bereits vor der schweren Verletzung von Gordon Hayward war das Team von Coach Brad Stevens auf den großen Positionen schwach beestzt. Da einige Combo-Forwards nun ebenfalls vermehrt Spielzeit auf der Drei sehen werden, potenziert sich dieses Prolem nochmals. Daher wäre ein Big Man eine sinnvolle Ergänzung. Ed Davis besitzt einen auslaufenden Vertrag, der ihm in dieser Saison 6,35 Millionen Dollar garantiert. Im vergangenen Jahr konnte er verletzungsbedingt nicht überzeugen, 2015/16 gehörte er jedoch zu den Stützen des Überraschungsteams aus Portland. Da die Blazers über der Luxussteuergrenze liegen und seinen auslaufenden Vertrag vorraussichtlich nicht verlängern werden, könnte Davis im Saisonverlauf für einen oderer mehrere Zweitrundenpicks das Team wechseln. Für Boston wäre er sicherlich eine sinnvole Verstärung unter den Brettern.

Ausblick

So schlimm diese Szene für Gordon Hayward und die sportlichen Ambitionen der Saison 2017/18 war, die Franchise hat Schlimmeres erlebt. Mit Len Bias (1986) und Reggie Lewis (1993) starben zwei junge Talente an einer Überdosis beziehungsweise an einem Herzinfakt. Beide Todesfälle hatte neben der persönlichen Tragik auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Post-Larry-Bird-Ära des Teams. Nach den derzeitigen Kenntnissen ist die mittel- und langfristige Planung der Celtics nicht gefährdet. Denn Boston ist nicht auf „Win Now“-Kurs. Ainge bestätigte zwar, dass der Kyrie-Irving-Trade einem Al Horford und Gordon Hayward bereits sofort gute sportliche Perspektive garantieren sollte, er solch einen Deal jedoch nicht für einen 30-jährigen Spieler getätigt hätte. Das Durchschnittsalter des Kaders deutet drauf hin, dass der Fokus in Richtung 2020-2025 gerichtet ist.

Langfristig können gerade die jungen Talente von der derzeitigen Situation profitieren. Hohe Draftpicks bekommen selten die Möglichkeit, in einem ambitionierten Team viele Minuten mit gr0ßer Verantwortung zu erhalten. Die Zukunft der Boston Celtics ist weiterhin rosig. Gordon Hayward kam nach Beantown, um den Kelten Titel Nummer 18 zu bringen. Diese Chance wird er auch nach einer erfolgreichen Genesung weiterhin haben. Wenn auch nicht in der Saison 2017/18.

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