Anmelden oder registrieren

Geboren für die große Bühne

30.11.2011 || 00:00 Uhr von:

Der in Gastonia (North Carolina) geborene Small Forward machte, wie viele große NBA Spieler, schon früh an der High School von sich reden. Ungewöhnlich ist jedoch, dass er nicht wie all die anderen Superstars aktueller und vergangener Tage von Kindesbeinen auf Basketballer werden wollte. „Ich habe das Spiel gehasst“, erklärt Worthy mal in einem Interview. „Meine Eltern gaben mir die orangene Kugel schon mit vier Jahren in die Hand. Ein gute Entscheidung, wenn man jetzt so drüber nachdenkt.“ Man kann also sagen, dass James Worthy „leider“ mit 2,06 Metern Größe und einer übermenschlichen Athletik gesegnet wurde. Und entgegen seiner Abneigung zum runden Leder konnte er auch noch verdammt gut damit umgehen.

Der erste große Schatten

Aus Heimatverbundenheit entschied er sich, für die North Carolina Tar Heels auf Korbjagd zu gehen. Nicht die schlechteste Adresse im College-Basketball. Der Überathlet führte die Tar Heels mit Hilfe von College Legende Sam Perkins und einem Freshmann namens Michael Jordan 1982 bis zum NCAA-Titel. Aufgrund seiner herausragenden Leistungen im NCAA-Tournament wurde er, und nicht „Mr. Finals-Gamewinning-Shot“ Michael Jordan, zum Most Outstanding Player des Turniers ernannt. Das Foto von Jordans Buzzerbeater gegen die Georgetown Hoyas ist eines der berühmtesten Bilder der Basketball Geschichte. James Worthy ist auf diesem Foto nicht zu sehen. Und es sollte nicht der letzte Schatten sein, in dem der Small Forward stehen sollte.

Als Nummer-eins-Pick zum Champion

Nach drei Jahren am College entschied sich Worthy für die NBA. Durch kluge Trades und einige glückliche Zufälle hatte der amtierende NBA-Champ Los Angeles Lakers den Nummer-eins-Pick im 1982 Draft! So landete Worthy bei den „Showtime Lakers“ um Magic Johnson und Kareem Abdul-Jabbar. „Natürlich grübelt man als Rookie, wen man aus dieser starken Starting Five verdrängen kann“, blickt Worthy zurück. „Ich dachte an Kurt Rambis. Der konnte eh nicht scoren und so schielte ich auf seinen Platz. Im zweiten oder dritten Training zeigte mir Kurt dann, was er kann. Und dies auf eine sehr harte Art und Weise. Sein Platz kam für mich nicht in Frage…“

So blieb dem Top-Rookie nur der Platz auf der Bank, da seine Position von einem der besten Small Forwards der Liga, Jamaal Wilkes, besetzt wurde. Anders als heutige Rookies und hohe Draftpicks ließ sich Worthy jedoch nicht von dieser Tatsache entmutigen und sah die Chance von Wilkes zu lernen. „Da erkannte ich, dass James anders ist. Dass er ein Gewinner ist“, erklärt Magic Johnson. Und die Lakers stellten sich als idealer Platz für den athletischen Forward heraus. Mit seiner Schnelligkeit, seiner Sprungkraft und seiner Rebound-Stärke passte Worthy perfekt in das Fastbreak-Konzept des Showtime Express und konnte schon bald seinen Lehrer Wilkes auf die Bank verbannen.

Früh zu Beginn seiner Karriere wurde der „Statue of Liberty Dunk“, mit weit hochgerissenem Arm, zu seinem Markenzeichen und Worthy mit Highlight-Finger-Rolls und unglaublichen Spinmoves zum Publikumsliebling. Dennoch waren da wieder große Schatten, die seine Leistungen nicht so ins Rampenlicht ließen.

Die Geburt von „Big Game James“

Um Worthy endgültig zum legendären Clutch-Performer mit seinem eigenen Schatten zu machen, braucht es zunächst ein Trauma. In den Finals 1984, gegen den Erzrivalen aus Boston, warf Worthy einen Horror-Pass quer durch die eigene Zone, der die Celtics in die Verlängerung rettete. Die Lakers verloren in sieben Spielen und Worthy sah die Szene wieder und wieder vor seinem inneren Auge ablaufen. Und dies zeigte Wirkung.

In der folgenden Saison legte der Forward starke 21,5 Punkte pro Spiel auf und traf dabei unglaubliche 62 Prozent aus dem Feld. Doch wie uns die Weisheit lehrt, sind diese Zahlen nichts wert, wenn sie in den Playoffs nicht gehalten werden. Durch körperliche Fitness und unglaubliche Nervenstärke sollte dies jedoch für James Worthy nie zum Problem werden. Denn anders als viele andere NBA-Spieler steigerte sich Worthy in den Playoffs. IMMER! So hat er in der Regular Season einen beachtlichen Schnitt von 17,6 Punkten, 5,1 Rebounds und 3,0 Assists pro Spiel. In der entscheidenden Phase der Saison, den Playoffs, weisen die Statistikbögen jedoch satte 21,1 Punkte, 5,2 Rebounds und 3,2 Assists auf.

Der Mann mit der Brille, die er wie Abdul Jabbar aufgrund von Augenverletzungen bei jedem Spiel trug, war da wenn man ihn brauchte. Und wie! Im Jahre 1988 entschied Worthy Spiel sechs (28 Punkte, 9 Rebounds) und das entscheidende Spiel sieben (Triple-Double: 36 Punkte, 16 Rebounds, 10 Assists!) der Finals gegen die Detroit Pistons im Alleingang und wurde zum Finals-MVP gewählt. Trotz der großen Schatten von Kareem und Magic machten die herausragenden Playoff-Leistungen den siebenfache All Star aus North Carolina zu einer Basketball-Legende, von der sich z.B. ein LeBron James die ein oder andere Scheibe abschneiden kann.

Der meist unterschätzte Baustein einer Dynastie

Nach zwölf Spielzeiten und vielen Verletzungen zum Ende der Karriere hing James Worty 1994 die Brille und Basketballtreter an den Nagel. Heute arbeitet der mittlerweile 50-Jährige als TV-Experte und kümmert sich um seine James Worthy Foundation, die junge Erwachsene auf der ganzen Welt unterstützt.

Sowohl in North Carolina als auch in Los Angeles hängen Worthy-Jerseys unter den Hallendächern. Heute gilt die elegante und atemberaubende Spielweise sowie der immer vorbildliche Einsatz des Forwards als meist unterschätzter Baustein der Lakers-Dynastie. Mit vier NBA-Championship-Ringen an der Hand und einer Gast-Rolle, als Klingone, in seiner Lieblingserie Star Trek hat James Worthy sich sehr viele Träume erfüllt. Obwohl er mit der orangenen Pille früher so ungern spielen wollte.

Geboren für die große Bühne
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.