BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Eine enttäuschende Saison

20.04.2017 || 15:34 Uhr von:
Kemba Walker Charlotte Hornets
Enttäuschung – ein hartes Wort. Aber eines, dass die Saison der Charlotte Hornets treffend beschreibt. Negativer Record, die Playoffs deutlich verpasst, offensive Stagnation, defensiver Rückschritt.

Kurz: Die vergangene Saison war genau das, was sie nicht hätte sein dürfen – und wirft grundlegende Fragen auf. Eines war vor der Saison klar: Die Playoffs sind das Ziel, ohne Wenn und ohne Aber. In meiner Saisonvorschau hatte ich davon gesprochen, dass die Charlotte Hornets zu gut seien, um die Playoffs zu verpassen und zu schlecht, um in der Postseason eine gewichtige Rolle spielen zu können. Da haben mich die Hornets selbst unwillentlich Lügen gestraft und alle mittelmäßigen Erwartungen krachend unterboten.

Dabei fing die Saison gar nicht mal so schlecht an: 18-14 in den ersten 32 Spielen, Platz vier im Osten. Aber die Hornets sind seit Jahren inkonstant und diese Saison war ein beschämender Höhenflug der Suche nach Konstanz. Beispiel gefällig? Die längste Winning Streak der Saison liegt bei vier Siegen in Folge und wurde Anfang November verbucht; auf einen Sieg gegen OKC folgen Niederlagen gegen Detroit und Philly, auf einen Sieg gegen Blazers, Raptors und Nets folgen Niederlagen gegen Wizards, Knicks, Kings, Blazers. Insbesondere gegen vermeintlich schwächere Teams blickte man am Ende des Spiels auf eine Niederlage: zwei von drei Spiele gegen die 76ers und die New York Knicks wurde ebenso wie wichtige Heimspiele gegen die Pelicans und Bulls verloren.

Dabei fehlte über weite Strecken die nötige Konzentration und Clutchness, 14 Spiele verlor man mit fünf oder weniger Punkten Unterschied, zehn Mal ließ man dabei Comebacks von zehn oder mehr Punkten zu. Das hat mehrere Gründe.

1. Fehlende Entlastung für Kemba Walker

Als man Nicolas Batum nach einem starken Jahr mit einem Fünfjahresvertrag über 120 Millionen Dollar ausstattete, schien klar: Batum wird zusammen mit Walker das Team anführen – meinen Vorbericht betitelte ich nicht ohne Grund mit „Nicolas Batums Hornissenschwarm“. Batum hat jedoch wie viele seine Mitspieler in dieser Saison maximal stagniert. Seine Punkteausbeute ist ein wenig gestiegen, Assists und Rebounds sind nahezu gleich geblieben, Dreierquote und Feldwurfquote sind beide deutlich gesunken. In 38 (!) Spielen blieb Batum unter seinen Punkteschnitt von 15,4 Punkten, 15 Mal scorte er sogar nur einstellig. Als potenzieller Leader und zweite Scoring-Option ist das schwach. Im üblichen Starting-Line-Up gibt es mit Kidd-Gilchrist, Marvin Williams und Cody Zeller nun mal drei weitere Spieler, die große Schwierigkeiten damit haben, sich selbst einen Wurf zu kreieren – ein besserer Batum wäre da dringend von Nöten gewesen. Und trotzdem hatten die Hornets mit ihrer Starting Five ein deutlich positives Net Rating (+7,7).

Mit 36,5 Punkten pro Spiel befand sich die Hornets-Bank im vergangen Jahr im Mittelfeld. Großes Problem allerdings: Nach Jeremy Lins Weggang wurde Ramon Sessions für zwei Jahre und zwölf Millionen Dollar als neuer Backup nach Charlotte geholt. 6,2 Punkte und 2,6 Assists sprechen eine deutliche Sprache. Sessions verzeichnete in dieser Saison die niedrigsten Karrierewerte in Punkten, Assists und der Feldwurfquote (38 Prozent). Noch deutlicher: Mit Sessions auf dem Feld sank das Offensive Rating des Teams um 5,7 Punkte – unrühmliches Team-High aller Spieler, die in der engeren Rotation waren (mit Ausnahme von Spencer Hawes, der nicht grundlos nach 35 Spielen getradet wurde). Zudem verletzte er sich Anfang März. Sein zweites Vertragsjahr ist optional und es ist wohl relativ sicher zu sagen, dass man den 30-Jährigen nicht mehr als Hornet auf dem Feld sehen wird.

2. Die Defensive

In den letzten beiden Spielzeiten war es Coach Steve Clifford gelungen, den Hornissen eine defensive Mentalität einzuprägen. Die Hornets waren zweimal in den Top-zehn-Defensiven der Liga, Spieler wie Al Jefferson konnte man durch ein gutes defensives Gebilde verstecken. Mit einer guten defensiven Basis konnte man in den letzten Jahren in die Playoffs einziehen. In dieser Saison jedoch scheint das vergessen zu sein. Im Vergleich zum Vorjahr ist man vom neunten auf den 13. Rang (gegnerische Punkte) beziehungsweise vom achten auf den 14. Rang (Defensive Rating) zurückgefallen – eigentlich befindet man sich damit noch im Mittelfeld der Liga. Problematisch ist allerdings, dass man vor allem bei der Verteidigung von Dreiern massiv abgestürzt ist. Ließ man 2015/16 noch 25,4 Dreierversuche (Rang 23) bei einer Quote von 34,9 Prozent zu (Rang 14), werfen Gegner diese Saison ganze 31,4 Mal von „beyond the arc“ – Negativwert der Liga. Und nicht nur, dass das gegnerische Team häufiger von der Dreierlinie zum Wurf kommt: Die verschlechterte Perimeter-Defense lässt auch eine Trefferquote von 36,9 Prozent zu (Rang 25).

Das mag an sich gar nicht so drastisch klingen. Wenn aber anstatt im Vorjahr aus durchschnittlich 8,9 getroffenen Dreiern 26,7 gegnerische Punkte in diesem Jahr 34,8 Punkte auf diese Weise gegen die Hornets gescoret werden, dann ist das bei stagnierender Offensive sehr viel schwerer zu kompensieren. Dazu scheint Clifford eine „Rebound-First“-Mentalität installiert zu haben, die zwar durchaus funktioniert (34,8 Defensive-Rebounds, Ligabestwert), die Defensive aber regelmäßig kollabieren lässt – mit offenen Dreiern en masse für die Gegner. Dabei spielen die Hornets diese Art der Abwehr schon länger und konnte in den letzten Jahren durch Eingespieltheit und gutes Switchen solche Probleme meist verhindern. Aber nicht in diesem Jahr. Der Tausch von Courtney Lee zu Marco Belinelli kann dabei nicht alleine verantwortlich gemacht werden. Viel eher muss man das Problem auf den großen Positionen sehen. Cody Zeller und Marvin Williams sind durchaus passable Verteidiger, das Experiment mit Roy Hibbert wurde nicht einmal das gesamte Jahr durchgezogen. Besonders muss man aber Spencer Hawes und Frank Kaminsky in den Fokus rücken. Mit Hawes, der glücklicherweise nicht mehr in Charlotte weilt, stieg das Offensive Rating der Gegner um über fünf Punkte, bei Kaminsky ist es nicht ganz so drastisch (+1,7). Beide sind jedoch nicht agil genug, um bei einer solchen Spielweise schnell genug an die Dreierlinie zu kommen.

3. Weitere Gründe

Den Hornets fehlt Al Jefferson. Oder zumindest ein Big Man, der im Post spielen kann. Nur 13,9 Post Touches finden sich pro Spiel in der Hornissen-Offensive wider; weder Kaminsky, Zeller oder Williams noch Batum oder Kidd-Gilchrist sind aus dem Post sonderlich angsteinflößend – für ein Team, das auf Spacing setzt, zu wenig.

Man muss dem Front Office der Hornets wirklich dazu gratulieren, dass sie mit einer atemberaubenden Konstanz dazu in der Lage sind, Deals zu machen, die wirklich niemand nachvollziehen kann. Ja, natürlich ist es gut, dass Hawes weg ist, aber ihn und Hibbert für Miles Plumlee zu traden – ernsthaft? Ein Miles Plumlee, der diese Saison in 45 Spielen sagenhafte 2,5 Punkte und 1,7 Rebounds aufgelegt hatte und dafür bis 2019/20 jährlich 12,4 Millionen Dollar verdienen wird. Das macht ihn zum drittbesten Verdiener der Hornets. Dazu gleich noch ein wenig mehr.

Kleiner Ausblick auf die Offseason

Was können Hornets-Fans im Sommer von ihrem Front Office erwarten? Etwas muss nach dieser Saison getan werden. Die Sache ist nur: Viel kann nicht getan werden. Brian Roberts wird Free Agent, Ramon Sessions, Johnny O’Bryant, Briante Weber und Christian Wood haben jeweils eine Team-Option – wer? Richtig. Keiner der Spieler hat in dieser Saison eine bedeutende Rolle gespielt und auch wenn die Hornets bei einigen die Team-Option ziehen werden, dann vermutlich nur, um im Trainingscamp Konkurrenzdenken anzufeuern. Würde keine der Team-Optionen gezogen werden, hätte man immer noch gut 99,6 Millionen Dollar fest im Salary Cap – Miles Plumlee lässt grüßen. Und welches Team wäre so dämlich, einen unterdurchschnittlichen Spieler mit einem solchen Vertrag in einen Trade einzubauen? Auch sonst haben die Hornets nicht viel, was in einem Tauschgeschäft von Interesse sein könnte (oder die Hornets abgeben würden). Ein sonderlich hoher Draftpick ist zudem unwahrscheinlich.

Ohnehin muss man sich in Charlotte demnächst Gedanken über die Ausrichtung des Teams machen. Walker ist zwar erst 26 Jahre alt, alleine kann er das Team aber auch nicht auf Dauer tragen – schon gar nicht in den Titelkampf. Batum, der dieses Jahr erstmals seit 2009 bei der französischen Nationalmannschaft aussetzen wird, um in Charlotte zu bleiben, geht auf die 30 zu. Diese Saison hat gezeigt, dass man mit diesem Team langfristig nicht viel erreichen wird – das alljährliche Kämpfen um die Playoffs kann nicht genug sein für einen kompetitiven Kerl wie Michael Jordan.

Fazit

Die Defensive ist schlechter geworden, man bekommt den Dreier kaum verteidigt, die Offensive stagniert, was man deutlich an Nicolas Batum sehen kann. Der Back-Up-Point-Guard war in dieser Saison ein Reinfall, mal wieder bleibt zu viel an Kemba Walker hängen. Und so gut Walker auch sein mag: In der NBA kann ein Team anno 2017 nicht mehr nur von einer Person alleine getragen werden (Westbrook zählt nicht, der muss noch ein paar weitere Arme unter seinem Trikot versteckt haben). Lasst es mich kurz machen (Schenkelklopfer!): Der Osten ist mit Teams wie Miami, Milwaukee und den Pacers in diesem Jahr wieder stärker und breiter geworden – die Hornets sind es nicht. Steve Cliffords Trainerstuhl wird wohl nicht mehr unantastbar sein.

Ein Lichtblick: Zum ersten Mal seit fast 30 Jahren konnten die Hornets ihr Saison-Matchup gegen die Orlando Magic sweepen und alle vier Spiele gewinnen. Zusammengerechnet hat man alle vier Spiele mit einem Plus von 87 Punkten gewonnen, was den höchsten Sweep in der Franchisegeschichte bedeutet. Jetzt muss MJ nur noch seine Beziehungen spielen lassen und dafür sorgen, dass man in der kommenden Saison nur noch gegen Orlando spielt – Problem gelöst.

Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2016 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.