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Des einen Leid ist des anderen Freud

25.05.2015 || 10:13 Uhr von:
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Die Loskugeln haben entschieden: Die Draft-Lotterie brachten nicht nur strahlende Gewinner und geknickte Verlierer hervor, sondern auch spannende Gedankenspiele, die bis zum NBA-Draft am 25. Juni noch allgegenwärtig sein werden.

Die Kalendermonate Mai und Juni sind für jeden NBA-Beobachter die schönste Zeit des Jahres. Zu diesem Zeitpunkt laufen die Playoffs auf Hochtouren und die besten Teams der Asscociation streben nach dem Gewinn der Larry-O’Brien-Trophäe. Es sind diese Momente, wo die Scheinwerfer auf die Stars noch greller scheinen und – bedeutungsschwanger gesprochen – Helden geboren werden.

Von dem Glamour und der Anziehungskraft der NBA-Playoffs sind die Franchises der New York Knicks und Los Angeles Lakers aktuell weit entfernt. Den Anhängerschaften in den beiden großen US-Metropolen bleibt zur Zeit nur der Traum von etwaigen Konfettiregen in den eigenen Hallen und epischen Playoff-Schlachten, denn die harsche Realität trägt den Namen „Rebuild“.

Um diesen, für jeden Fan, schweren Prozess zu beschleunigen, können hohe Draft-Picks Abhilfe schaffen. Und so wanderten am vergangenen Dienstagabend alle Blicke aus Los Angeles (okay, fast alle), New York, Philadelphia, Minnesota, Orlando und Co. gebannt nach New York City, den Ort der NBA-Draft-Lottery.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

Dass die Premierensaison vom Zen-Meister Phil Jackson als Teampräsident der Knickerbockers sich im Laufe der Spielzeit zu einem mittelschweren Fiasko entwickelte, ist keine neue Erkenntnis. Nachdem sich die Knicks in den vergangenen sieben Monaten die zweitschlechteste Bilanz aller NBA-Teams „sichern“ konnten, boten sich Fans und Management gleichermaßen die Gelegenheit, mit dem Gewinn des ersten Draft-Picks einen positiven Schlussstrich unter die Saison 2014/15 setzen zu können. Und wenn es schon nicht der erste Pick werden sollte, dann doch zumindest der folgende. Dies würde die Gewissheit mit sich bringen, dass einer der beiden Big Men Karl-Anthony Towns und Jahlil Okafor ab der kommenden Saison in einem blau-orangenen Jersey im Madison Square Garden auflaufen würde.

Doch als Mark Tatum, stellvertretender NBA-Commisioner, den Namen der Franchise von der Atlantikküste bereits an vierter Position ausrief, waren alle Gedankengänge um Towns oder Okafor im Big Apple nur noch Makulatur. Auch Steve Mills, der General Manager der Knicks, schien sich diesem Umstand sofort bewusst zu sein:

Während die Knicks einen herben Rückschlag erlitten, durften die Lakers über einen Sprung von zwei Plätzen jubeln. Sie befinden sich nun in der komfortablen Lage, nach den Minnesota Timberwolves – die zum ersten Mal in ihrer Franchise-Historie über den ersten Draft-Pick verfügen – selektieren zu dürfen. „Ich war zu keinem Zeitpunkt nervös. Ich habe es tief in meinem Inneren gespürt, dass wir den ersten oder zweiten Draft-Pick bekommen werden“, diktierte Lakers-Head-Coach Byron Scott, der als Repräsentant der Franchise aus Tinseltown vor Ort war, den Reportern in ihre Notizblöcke.

Darüber hinaus twitterte Kobe Bryant nach der Draft-Lotterie, dass es nur folgerichtig ist, dass die Lakers den zweiten Pick bekommen haben, weil sie auch die gesamte Saison über sich einen ziemlichen Mist zusammengespielt haben. Nach dieser Logik hätten die Knickerbockers jedoch auch alles Recht der Welt gehabt, den ersten bzw. zweiten Pick zu erhalten…

Auswirkungen auf die Top-drei des NBA-Drafts

Karl-Anthony Towns oder Jahlil Okafor? Eine Frage, die sich nicht nur alle NBA-Scouts, Draft-Experten und Fans stellen, sondern nun auch die Entscheider in Minnesota. Oder wollen uns die Wolves am Abend der Talentziehung gar überraschen und werden weder Towns noch Okafor auswählen? „Es ist nicht so simpel. Die Guards D’Angelo Russell, Emmanuel Mudiay, sowie Flügelspieler Justise Winslow und Big Man Kristaps Porzingis lassen viel eher den Entschluss zu, dass wir es mit einer Sechs-Spieler-Draft zu tun haben werden“, ließ sich Timberwolves-Coach und -Präsident Flip Saunders nach der Draft-Lotterie noch nicht in die Karten schauen.

Auch wenn Saunders an dieser Stelle sein Pokerface aufzusetzen versucht, so kann sich die Wahl schlussendlich nur um Okafor oder Towns drehen. Obwohl Okafor monatelang als kommender Nummer-eins-Pick betrachtet worden ist, erscheint im Moment Towns aufgrund seiner Skills an beiden Enden des Feldes die leicht bessere Wahl zu sein.

Besonders verlockend dürfte hierbei die Vorstellung sein, dass sich mit Flügelspieler Andrew Wiggins bereits ein Akteuer im Kader der Timberwolves befindet, der über das Potential eines herausragenden „two-way-Player“ verfügt. Towns ist jedoch nicht nur der wesentlich talentiertere Verteidiger der beiden Big-Man-Talente, sondern verfügt auch über ein besseres Wurfgefühl außerhalb der Zone. Dieser Umstand verleiht Towns eine größere offensive Variabilität, da er nicht so stark auf das Low-Post-Spiel angewiesen ist, wie sein Pendant Okafor.

Während der 19-jährige Dukie Okafor also dem Verständnis eines klassischen Low-Post-Center sehr nahe kommt, erscheint Towns die modernen Gepflogenheiten des offensiven NBA-Spiels (Stichwort Spacing) besser auf sich zu vereinen. Der Nationalspieler der Dominikanischen Republik könnte gemeinsam mit Gorgui Dieng ein junges, athletisches, langes Frontcourt-Duo bilden, welches vor allem in Sachen Defense bzw. Rim-Protection ein aufregendes Modell für die Zukunft darstellen würde.

Immerhin eine Sache konnte Saunder bereits kategorisch ausschließen: Der Pick wird unter keinen Umständen getradet werden!

Wenn man es überspitzt formulieren möchte, dann könnte man folgende Aussage treffen: Die Los Angeles Lakers werden sich beim Draft entspannt zurücklehnen können und nur noch den Spieler nehmen müssen, den die Timberwolves aus dem Paket Towns/ Okafor übrig gelassen haben. Dass der traditionsreichen Franchise von der Pazifikküste in diesem Jahr ein außerordentlich talentierter Big Man in den Schoß fallen wird, muss jedem Beobachter wie ein Geschenk der Basketball-Götter vorkommen. Als ob sie die dabei helfen möchten, die Lakers wieder in erfolgreichere Gefilde zu führen.

Darüber hinaus wird ab der kommenden Spielzeit der rekonvaleszente Julius Randle auf das haselnussbraune Parkett zurückkehren.Wird es eine Kentucky-Wildcats-Kombo aus Randle und Towns zu sehen geben, oder werden wir Zeuge des vielversprechenden zweiköpfigen-Zonenmonster Randle/ Okafor?

Auf dem ersten Blick scheinen sich die offensiven Spielanlagen (sowie defensiven Unzulänglichkeiten) von Okafor und Randle zu kannibalisieren. Beide Spieler haben ihre Stärken in Korbnähe, wo sie über ein gutes Post-up-Spiel verfügen. Den Wurf aus der Mittel- respektive Drei-Punkte-Distanz kann keiner der beiden wirklich effektiv anbringen, weshalb eine Ko-Existenz von Randle und Okafor zumindest mit einigen Fragzeichen behaftet ist. Für beide Jungspunde wäre eigentlich ein versierter Defensivanker als Frontcourt-Partner die ideale Lösung.

Die Philadelphia 76ers drohen sich im Limbus des Rebuilding-Prozesses zu verlieren. Nach den Trades von Michael Carter-Williams und K.J. McDaniels versuchen die Macher in Pennsylvania weiterhin den Slogan „Trust the Process“ zu propagieren und ihre Fans auf eine glorreiche Zukunft zu vertrösten. Doch allmählich wird die Anhängerschaft in der Stadt der brüderlichen Liebe ungeduldig – es muss eine Progression auf dem Spielfeld in der kommenden Saison erkennbar sein.

Im Draft wird sich General Manager Sam Hinkie für das seiner Meinung nach vielversprechendste Talent entscheiden, welches zu jenem Zeitpunkt noch verfügbar ist – und wenn es ein weiterer Big Man ist. Sollten Towns und Okafor jedoch erwartungsgemäß schon über die Ladentheke gegangen sein, dann dürfte sich an dieser Stelle die Wahl auf D’Angelo Russell, Emmanuel Mudiay und Justise Winslow begrenzen.

Mudiay ist ein athletischer Ballhandler, der über einen wahnsinnig guten Antritt verfügt und seine Stärken im Zug zum Korb besitzt.

Demgegenüber steht mit Russell ein variabler Guard mit begnadetem Offensivspiel. Der Abgänger der Ohio State University kann sowohl abseits des Ball als Spot-up-Schütze agieren, als auch mit dem Ball in der Hand die Angriffe selber initiieren. Ballhandling, Wurf und Passfähigkeiten sind bei Russell auf einem guten bis sehr guten Niveau.

Der dritte im Bunde hört auf den Namen Justise Winslow. Der amtierende NCAA-Champion erspielte sich im Laufe der vergangenen College-Saison den Ruf als bester Flügelspieler der kommenden Draft-Klasse, da er nicht nur dank seiner Athletik und seinem Einsatzwillen in der Verteidigung glänzt, sondern auch über ein facettenreiches Offensivspiel verfügt.

Das Philadelphia-Management um GM Hinkie hat bei Russell, Mudiay und Winslow also die Qual der Wahl. Außenseiterchancen auf den dritten Pick können auch noch den Letten Kristaps Porzingis und dem Kroaten Mario Hezonja ausgerechnet werden.

[zum aktuellen Mockdraft]

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