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Der Human Highlight Film (1)

14.02.2005 || 00:00 Uhr von:

Willkommen im Human Highlight Film. Hauptrolle: Dominique Wilkins.

Der in Frankreich geborene Actionheld versteht es, die Herzen der Fans in andere Sphären zu versetzen. Das gelingt Wilkins mit einer unfassbaren Sprungkraft, die ihm das Punkten, vor allem aber das Dunken, als Kinderspiel erscheinen lässt. Es wirkt als ob er von einem Trampolin abspringt. Unglaublich! Mit Michael Jordan liefert er sich packende Duelle bei den Slam-Dunk Contests der All-Star Wochenenden Mitte der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Zweimal geht er siegreich aus diesem Wettbewerb (1985 und 1990), gegen Jordan gewinnt er in drei Duellen nur einmal. Auch die Aufeinandertreffen mit Larry Bird in den Playoffs sind legendär und leider ebenso erfolglos für den Mann, den sie bei den ESPN Highlights auch „Magnifique Nique“ nennen.

Die Idee für diesen Klassiker der NBA-Geschichte kommt John und Gertrude Wilkins in Paris in den Sinn. Dort wird der spätere Leistungsträger der Atlanta Hawks am zwölften Januar 1960 geboren, weil sein Vater zu dieser Zeit militärischen Dienst in Sorbonne, 24 km außerhalb von Paris ablegt. Seine Eltern geben ihrem zweitgeborenen Schützling einen französischen Namen, um immer an diese Zeit erinnert zu werden. Jacques Dominique Wilkins spielt als Kind Fußball und „ist der Larry Bird des Murmelspiels“, wie er später in einem Interview mit dem People Magazine erzählt. 1973 lassen sich seine Eltern scheiden und zusammen mit seiner Mutter, seinen drei Brüdern und vier Schwestern zieht er nach Washington in North Carolina, einer kleinen Ortschaft am Atlantischen Ozean. Er ist in der achten Klasse als er zum ersten Mal die Hand an einen Basketball legt. Dominique hat Talent, verbessert sich, beginnt das Spiel zu lieben und zockt in seiner neuen Heimat auf den Playgrounds für Geld gegen Ältere und verliert kein Match wie er später in einem Interview bestätigt. Von lokalen Legenden wie Ernest Graham oder Skip Wise lernt er die Grundlagen seiner späteren Leidenschaft und das Drehbuch für seinen Actionstreifen nimmt immer konkretere Formen an.

In Washington besucht der kleine Nique die Highschool und nutzt dort als auch später am College von Georgia sein Talent, um erfolgreich den Vorfilm für seine Profikarriere zu drehen. In der Highschool legt er in seinem letzten Jahr für das Washington Pam-Pack 29 Punkte und 16 Boards in die Teamkasse. Die Quittung sind zwei Landesmeisterschaften. Mehr als 200 Hochschule wollen sich die sportlichen Fähigkeiten des Jungstars sichern, schließlich entscheidet er sich für die University of Georgia und die basketballverrückten Anhänger in North Carolina nehmen ihm das sehr übel, seine Heimat zu verlassen und für die Konkurrenz zu spielen. Sie werfen Fensterscheiben des Wohnhauses ein, beschmieren das Auto der Familie mit Farbe und mobben Nique und seine Brüder täglich aufs Neue in der Schule. In einem Vorort von Atlanta findet er mit seiner Familie eine neue Heimat und mit 21,6 Punkten und 7,5 Rebounds in drei Saisons sorgt er am College für Begeisterung bei Fans und NBA-Bossen – nicht nur, weil er aus dem Stand knapp 1,20m hoch springt. Die Detroit Pistons bieten ihm nach seinem Sophomore-Jahr sogar einen Vertrag über 1,6 Millionen Dollar an, wenn er direkt zu den Profis zu wechselt. Wilkins lehnt ab, er möchte seinen eigenen Weg gehen.

Im Vorfeld der Talentlese 1982 zeigt sich Jerry West von den Lakers begeistert vom dynamischen Athleten, der mit Magic und Kareem für noch mehr Showtime sorgen soll. Aber Coach Pat Riley ist anderer Meinung. Wilkins ist ihm zu schwach in der Verteidigung und sein Distanzwurf ist mehr schlecht als recht. Sie wählen letztendlich James Worthy. Die Utah Jazz wählen an dritter Stelle den athletischen Forward der Draft 1982, aber Wilkins weigert sich im Mormonenstaat auf Korbjagd zu gehen. Er wird daraufhin am dritten September 1982 für John Drew, Freeman Williams und eine Million Dollar nach Atlanta eingetauscht und trägt die Hawks für zwölf Spielzeiten auf seinen Flügeln. Der Hauptfilm beginnt für Dominique also in der Hauptstadt von Georgia.

In seinem ersten Jahr in der Liga sammelt er 17,5 Punkte und findet seinen Namen im All-Rookie Team wieder. Für den Titel Rookie des Jahres reicht es nicht, Terry Cummings von den Clippers weist die besseren Werte auf (23,7 PpG / 10.6 RpG). Dafür kann Wilkins aber mit seinem Team in die Playoffs einziehen. Es ist die Zeit als die erste Runde noch Best-of-Two gespielt wird und die Boston Celtics warten auf die Hawks mit ihrem Rookie, der durch krachende Dunks seinen Namen in der Liga langsam bekannter macht. Im zweiten Spiel der Serie trifft Wilkins mit der Sirene zum Ende des dritten Viertels einen Wahnsinnsdreier zur 70-67 Führung, Atlanta schafft später den Ausgleich. Die Serie steht 1-1 und es kommt zum alles entscheidenden Match. Larry Bird fühlt sich von Nique und den Medien vorgeführt und meint nur: „Ich wusste nicht, dass wir eins gegen eins spielen. Ich dachte, das sei ein Mannschaftssport.“ Am Abend vor dem dritten Spiel stresst sich Wilkins dann aber im Hotelzimmer seinen Zeh. Das behindert ihn so sehr, dass die Celtics dies bedingungslos ausnutzen und die Falken mit 19 Punkten (98-79) aus der Halle fegen. Dominiques erstes Jahr in der Liga scheitert also an Larry Bird und seinen Celtics.

Im zweiten Profijahr verbessert Wilkins seinen Punkteschnitt um mehr als vier Zähler auf 21,6 PpG und immer mehr Reporter sprechen nur noch vom „Human Highlight Film“, wenn seine Highlights gezeigt werden. Beim All-Star Weekend 1984 führt die NBA den Slam-Dunk Contest ein und neben Dr.J und Larry Nance zeigt auch Wilkins erstmalig, dass er zu Recht an diesem Wettbewerb teilnimmt. In den Playoffs 1984 kämpfen die Hawks fünf Schlachten gegen die Milwaukee Bucks, doch es ist das vierte Spiel dieser Serie, an das sich Wilkins sehr gern erinnert. Es ist noch knapp eine Minute zu spielen, Nique bekommt den Ball, zieht die Grundlinie entlang und trifft in der Zone auf das gesamte Team des Gegners. Er hebt ab, Bucks-Center Bob Lanier trifft ihn, aber Nique fällt nicht. Stattdessen dunkt er dem Hall-of-Famer den Sieg ins Gesicht. Am Ende steht es 100-97 für Atlanta, die Serie geht aber am Ende mit 2-3 verloren. Wieder ist für Dominique in der ersten Runde Feierabend.

27,4 Punkte sammelt Wilkins in der Saison 1984-85 und beim All-Star Weekend kommt es zum ersten Aufeinandertreffen von Wilkins und Jordan. Dieses Duell gewinnt er gegen den Bulls-Rookie – zum einzigen Mal. In dieser Spielzeit stellt Wilkins ebenfalls einen seltsamen Rekord auf. Er wird nämlich der erste Spieler der Ligageschichte, der in einer Spielzeit mehr als 1,000 Würfe daneben wirft.

Im Jahr darauf landen jeden Abend 30,3 Zähler im Korb des Gegners. Wilkins führt damit die Liga an, bevor Kollege Jordan sieben Jahre lang den Spitzenplatz in dieser Kategorie pachtet. Nique absolviert 78 Spiele, in 69 davon sammelt er mindestens 20 Punkte, in 44 Partien hat er mehr als 30 Punkte und er egalisiert auch den Vereinsrekord mit 57 Punkten. Am Ende der Spielzeit 1985-86 belegt er Platz zwei bei der Wahl zum MVP. Es gewinnt … Larry Bird. Sein Name ist aber in der Liste des All-NBA First Teams und beim All-Star Game läuft er auch zum ersten Mal auf. Im Slam-Dunk Contest verliert er in einem packenden Finale gegen seinen Mannschaftskollegen Spud Webb und in den Playoffs schaffen die Hawks nach einem 3-1 über die Pistons den Sprung in die zweite Runde. Dort treffen sie erneut auf Larry Birds Team. Nach fünf Spielen in dieser Serie ist die Saison für Wilkins‘ Team erneut vorbei und Mr. Bird holt mit seinen Kollegen den Titel.

Saison 1986-87. Die Hawks holen 57 Siege. Dominique sorgt für unzählige Highlights und die Hawks gewinnen die Regular Season Serie gegen die Celtics zu Null – zum ersten Mal seit 17 Jahren. Darunter ist ein Sieg nach Verlängerung, in dem 54 Punkte, inklusive einem siegbringenden Drei-Punkte-Spiel, vom Franchise-Player der Hawks kommen. Erneut legt das „Human Highlight“ in dieser Spielzeit 57 Punkte auf, diesmal gegen Michael Jordan und seine Bulls. Die Hawks haben ein Heimspiel. Beim Aufwärmen wird MJ von den heimischen Fans euphorisch gefeiert. Nique versteht nicht recht und wirft 19-28 für 57 Punkte. Jordan macht 41 Punkte. Die Hawks gewinnen das Spiel locker mit 123-95. „This is MY house“, meint Wilkins nach dem Match. Mit dieser Leistung sichert er sich den Titel als Spieler der Woche (14.12.1986). MJ wird auch Zeuge wie Nique seinen 10.000 Ligapunkt erzielt – bei einem 117-114 Sieg gegen die Bulls, in dem Jordan 61 Punkte markiert. Insgesamt erleben drei Mannschaften in diesem Ligajahr, wie Wilkins über 50 Punkte wirft. Die Celtics bekommen 54 Punkte, die Bulls 57 eingeschenkt und 53 Zähler fangen sich die Clippers. Beim All-Star Game startet der Springer erstmalig, setzt aber wegen Rückenproblemen beim Slam-Dunk Contest aus. Die Fans müssen sich also bis zum nächsten Jahr gedulden, um eine Neuauflage MJ vs. Wilkins zu sehen. In der Postseason setzen sich die Hawks zunächst in vier Spielen gegen die Pacers durch, bevor die Pistons für das Ausscheiden im Vorjahr in fünf harten Matches Revanche nehmen.

Die Spielzeit 1987-88 ist die bedeutendste in Wilkins Karriere und bildet den positiven Höhepunkt in seinem Film. 30,7 PpG bezeugen noch immer die Korbgefährlichkeit des Small Forward, der mit seinem Team zum zweiten Mal nacheinander mindestens 50 Spielen gewinnt. Erneut sammelt er über 50 Punkte (zweimal, 51 gegen die Kings und 51 gegen die Pistons), 13 mal stehen über 40 Zähler für ihn im Boxscore und 39 mal 30 oder mehr. In diesem Jahr wird Wilkins der erste Spieler der Hawks, der in einer Saison dreimal zum Spieler der Woche gewählt wird um beim legendären All-Star Wochenende in Chicago erleben die Fans das wohl beste Slam-Dunk Finale aller Zeiten: MJ versus Nique! Zwei Legenden, je drei Dunks, viermal 50 mögliche Punkte. Beim zweiten Dunk schafft Jordan mit einem Double-Pump aus dem Lauf nur 47 Punkte. Nique führt mit 100-97. Der letzte Dunk von Nique ist ein krachender Windmill, doch er bekommt nur 45 Punkte dafür. Was dann folgt ist zum Markenzeichen geworden. MJ packt den Dunk von der Freiwurflinie aus, die Fans sind außer sich: 50 Punkte. Endstand: 145-147. Sieg Jordan. Im All-Star Game spielen Michael und Dominique dann für den Osten und erzielen zusammen 69 Punkte. MJ wird MVP, Nique geht leer aus. Da kann ihn auch nicht seine Karrierebestleistung von 29 Zählern trösten (bei 16 Wurfversuchen im ersten Viertel!).

Die wohl beste Vorstellung von Dominique Wilkins zeigt er aber am 22. Mai 1988. Playoffs, Spiel sieben, letztes Viertel. 10:26 Minuten sind noch zu spielen. Es steht 86-86. Zeit für die Superstars zum Übernehmen. Larry Bird gegen Dominique Wilkins. Der Celtic nimmt den ersten Schuss als die Uhr 10:03 Minuten anzeigt und versenkt in den nächsten 118 Sekunden neun Punkte im Korb der Hawks. Doch Atlanta gelingt es mitzuhalten. Wilkins gleicht 5:57 Minuten vor Schluss aus zum 99-99 aus. Daraufhin erzielt Bird elf weitere Punkte, darunter ein Dreier in das Gesicht von Wilkins. Dieser sammelt in diesem Zeitraum ebenfalls elf Punkte, doch dies reicht nicht für sein Team. Bei zwei Punkten Rückstand und einer Sekunde auf der Uhr verfehlt der Human Highlight Film den zweiten seiner beiden Freiwürfe und hofft auf den Rebound. Aber Robert Parish von den Celtics tippt den abprallenden Ball zu Mitspieler Dennis Johnson bevor der Buzzer ertönt und der 118-116 Sieg der Celtics perfekt ist. Wilkins Ausbeute beträgt am Ende 47 Punkte. Die Celtics erreichen die nächste Runde dank des überragenden Larry Bird, der 34 Punkte erzielt, allein 20 davon im vierten Viertel. Diese Niederlage bedeutet das Saisonende für Wilkins mit dem Ergebnis, in seiner Karriere nie näher an den NBA-Titel zu kommen als an diesem Abend.

Im zweiten Teil nimmt der „Human Highlight Film“ eine überraschende Wende. Wilkins‘ Rolle wechselt vom Actionhelden zum bemitleidenswerten Dramatiker.

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