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Die Geschichte der Harlem Globetrotters (2)

07.02.2006 || 00:00 Uhr von:

Die Globetrotters waren nach dem Sieg über die Lakers die Nummer eins der basketballverrückten Massen. Sie mussten seither nicht mehr aus Gründen der Imagepflege siegen, sondern konnten nun verstärkt ihr Showtalent entwickeln. Mit Babe Pressley besaßen sie bereits einen Trickschützen, der dem Ball einen solchen Rückwärtsdrall verpassen konnte, dass er wie an einem Jo-Jo-Band in seine Hände zurückkehrte.

1942 aber verpflicheten sie einen Spieler mit Krakenarmen. Sein Name war Reece Tatum. Als „Goose“ Tatum sollte er in die Geschichte eingehen. Er war der Star der Trotters bis zum 14. März 1955 und wurde durch sie zum größten Komödianten in der Geschichte des Basketballs. Mit ihm trat die Show endgültig in den Vordergrund, und die Zahl der erzielten Körbe wurde für das Publikum zur Nebensache.

Ihre Show allein war amerikanischen Filmbossen schließlich das Geld für mehrere Kinostreifen wert. Der Film „Go Man Go“ (1953) lief in 11 000 US-Kinos. 1970 traten die Trotters erstmals in einer eigenen Show im US-Fernsehen auf. Ab 1972 produzierten sie mit der Fernsehgesellschaft CBS die „Harlem Globetrotters Popcorn Machine“. Dort tanzten sie, sangen und spielten Theater. Das Besondere an der Sendung: Sie spielten keinen Basketball.

Den Grundstein für ihre spätere Popularität legten die „Harlem Globetrotters“ jedoch bei ihrem ersten Gastspiel außerhalb der Vereinigten Staaten im Jahre 1946. Es führte sie nach Honolulu (Hawaii wurde erst 1959 US-Bundesstaat; d. Red.), wo gerade Tausende von GIs aus allen Teilen des Landes stationiert waren. Diese GIs waren es, die nach ihrer Rückkehr halfen, die Kunde von der großen Kunst der farbigen Ballathleten zu verbreiten.

Mit echtem Unternehmergeist begannen die Trotters anschließend, ihre Popularität zunächst in den Staaten in Cash umzuwandeln. Seit den frühen Fünfzigern waren daher – mit unterschiedlichen Besetzungen – jeweils drei Globetrotters-Teams zum Zweck der Gewinnmaximierung unterwegs: eine Abteilung Ost, West und Süd. Jede dieser Filialen wurde von einem der Superstars angeführt. Diese waren im wörtlichen Sinne die Center des Spiels.

Im bevölkerungsreichen Osten war dies zunächst „Goose“ Tatum. Für den benötigten Nachwuchs schufen sie ihr eigenes Ausbildungssystem. Schon immer hatte man Wert auf die Ausbildung von Spezialisten gelegt. Es gab perfekte Dribbler, Ballakrobaten, Scharfschützen, Trickschützen, die in extrem hoher Flugkurve trafen, mit dem Rücken zum Korb stehend, oder nachdem sie den Ball vorher auf das Parkett gedonnert hatten. Ein jeder dieser Individualisten bekam jetzt einen Auszubildenden zugeordnet. Um geeignete Lehrlinge zu finden, saßen beständig Globetrotters-Späher bei Schul- und College-Matches auf der Lauer. Als Folge dieses Scoutings wurden Jahr für Jahr etwa 30 Rookies zum Probetraining eingeladen. Der hoffnungsvollste Nachwuchsmann aber ist seinerzeit dennoch ihrem Späherblick entgangen: Meadow George Lemon. Er musste durch einen Brief auf sich aufmerksam machen, den er an die Hauptagentur geschickt hatte. Als „Meadowlark“ oder „Rajah (=Maharadscha) of Comedy“ trat er später im Osten in die Fußstapfen des großen Tatum. Nicht wenige waren der Meinung, dass er Tatum sogar übertraf.

Tatum selbst hielt allerdings eher Hubert Ausbie für seinen Nachfolger, weshalb er ihm selbst den Ehrennamen „Geese“ verlieh. Die Konnotation ist dabei wohl die, dass „Geese“ (im Englischen der Plural von „Goose“; d. Red.) die Fähigkeiten gleich mehrerer Gänseriche in sich vereinigte. Ausbie war in seiner aktiven College-Basketballzeit ein Scorer vom gleichen Kaliber der späteren NBA-Stars Elgin Baylor und Oscar Robertson. Hätte er nicht bei den Trotters angefangen, wäre er vermutlich wegen seiner Qualitäten als Pitcher ein Baseballstar geworden. „Geese“ war der Star der Trotters International, die in den Siebzigern ihrem Namen endgültig gerecht wurden.

Gründervater Abe Saperstein starb am 15. März 1966. Aber trotzdem gelang es den Trotters, eine beeindruckende internationale Karriere aufs Parkett zu legen. Sie erhielten Audienzen gleich bei mehreren Päpsten, bei Johannes XXIII., Pius XII. und Paul VI. Sie spielten vor französischen Fremdenlegionären in Nordafrika, während deren Kameraden auf den Zinnen ihres Wüstenforts Wache schoben. Im spanischen Córdoba waren 10 000 Zuschauer nicht davon zu überzeugen, dass es sich bei einem Pass des Ermer Robinson, der aus über 30 Metern im Korb landete, um ein Zufallsprodukt gehandelt haben sollte, und rissen in ihrer Begeisterung beinahe die Tribüne ab. In Tokio begrüßten sie in der Ginza (Vergnügungsviertel Tokios) zwei Millionen Fähnchen schwenkender Japaner allein auf ihrem Weg vom Flughafen.

Die größte Zahl von Bewunderern aber erlebten sie in Deutschland im Sommer des Jahres 1951. Als sich in Berlin eine antiamerikanische Stimmung breit machte, ließ der Hohe Kommissar John J. McCloy zum Zeichen amerikanischen Goodwills die Harlem Globetrotters einfliegen. Nicht weniger als 75 000 Zuschauer (bis heute Weltrekord beim Basketball) füllten das Olympiastadion, jene Stätte, an der nur 15 Jahre zuvor Adolf Hitler – die Legende hält sich vor allem unter amerikanischen Journalisten beharrlich – dem farbigen Olympiasieger Jesse Owens die Gratulation verweigert haben soll. Ein Hubschrauber lud in der Halbzeitpause eine einzelne Gestalt im Trainingsanzug ab. Der eingeflogene Mann begann, auf der Aschenbahn des Stadions eine Runde zu gehen. Es war eben dieser Jesse Owens. Niemand Geringeres als der vierfache Olympiasieger war für würdig befunden worden, der Supershow seiner farbigen Landsleute noch ein I-Tüpfelchen draufzusetzen.

Dieser geschichtliche Abriss der Harlem Globetrotters hat gezeigt, dass Basketball durch Show zum globalen Publikumsmagneten werden kann ? seit nunmehr 80 Jahren. Herzlichen Glückwunsch!

Die Geschichte der Harlem Globetrotters (2)
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