BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Die Geschichte der Harlem Globetrotters (1)

24.01.2006 || 00:00 Uhr von:

Es war vor achtzig Jahren, als man im „Savoy“, einem Ballhaus in Chicago, nach den Klängen des Hausschlagers „Stompin‘ at the Savoy“ tanzte. Es ließ sich jedoch an einigen Tagen im Jahr 1926 keine Big Band finden, die das Haus rockte. So wurde die Tanzfläche kurzerhand einer Truppe überlassen, die sich aufgrund ihrer Körpergröße und ihres großen Könnens bescheiden die „Big Five“ nannte.

Manager dieser selbsternannten Größten war ein Knirps von 1,61 m. Sein Name: Mr. Abe Saperstein. Dieser war in London geboren und Sohn polnischer Einwanderer. Seit seinem vierten Lebensjahr lebte er in Chicago, wo sein Vater Louis eine Schneiderwerkstatt betrieb. Die fünf langen Kerle, die er im „Savoy“ auflaufen ließ, waren Basketballspieler.

Mr. Saperstein hatte bis zu seinem 23. Lebensjahr selbst Basketball gespielt. Allerdings mit einem Erfolg, der seiner Körpergröße entsprach. Nun managte und coachte er die Großen Fünf, wenn diese im „Savoy“ mit anderen Basketball-Giganten aus der Nachbarschaft um den Ball kämpften. Mr. Saperstein hätte diesen Job vermutlich noch längere Zeit ausgeübt, wenn ihm die Pioniere des gerade in Mode gekommenen Rollschuhsports nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht und seine „Big Five“ auf gemeine Weise von ihrer Tanzdiele gedrängelt hätten.

Mr. Saperstein war aber nicht auf den Kopf gefallen. Er machte aus seiner Not eine Tugend und nahm die Besten seiner Großen. Ihnen fügte er noch ein paar talentierte Jungs aus der Nachbarschaft hinzu, steckte alle in ein altes, klappriges Auto und in von Papa Louis geschneiderte Trikots und nahm Kurs auf eine wahrhaft bedeutende Metropole des Basketballs. Das gottverlassene Nest hieß Hinckley. Es lag in Illinois, etwa 48 Meilen von Chicago entfernt. Saperstein hatte mit einigen Jungs aus Hinckley ein Match ausgehandelt. Der Gewinn betrug 75 Dollar. Sie wurde brüderlich geteilt: Jeder der fünf Spieler erhielt ein Siebtel, der große Bruder Saperstein, Manager, Coach und Fahrer in Personalunion, deren zwei.

Dieser erste Auftritt in einer Dorfscheune stand am Beginn einer Basketball-Tournee, die in die größten Arenen der Welt führen sollte. Der dieser Tatsache Rechnung tragende Name für die Truppe, „Harlem Globetrotters“, war bis dato noch nicht gefunden. Sie nannten sich zunächst „Saperstein’s New York“, dann „New York Globetrotters“. Der erste Name sollte den Leuten Weltstadtniveau suggerieren, der zweite Weitgereistheit und Internationalität.

Da alle Spieler eine schwarz waren, wurden daraus später die „Harlem New York Globetrotters“. Das passierte alles in der Zeit der Weltwirtschaftskrise. In diesen schlechten Zeiten musste mit jedem Pfennig gerechnet werden, auch mit den zusätzlichen Kosten, die für einen Namen dieser Länge in Telegrammen zu berappen waren. Unter den Tisch fiel bei Mr. Sapersteins Rationalisierungsmaßnahmen daher der Zweisilber New York.

In den dreißiger Jahren tourten Mr. Sapersteins „Harlem Globetrotters“ lediglich in der Provinz, genauer gesagt in drei Staaten des amerikanischen Mittelwestens. Man spielte an sieben Tagen in der Woche, um den Spielern und ihrem Manager wenigstens einen bescheidenen Lebensunterhalt zu sichern. Die Methode hieß – mit einem Terminus aus der Theaterbranche – „barnstorming“, weil es der Truppe nicht gelang, in den großen Häusern der Städte zu spielen, sondern Dorfscheunen (barns) zumeist die einzige Wirkungsstätte dieser Ballkünstler blieben. Denn diese ließen sich „im Sturm erobern“.

Schwarz zu sein war in jener Zeit bekanntlich ein großes Problem. Andererseits waren diese Artisten des Sports nicht ohne Reiz, da sie sich bald eine sehr bühnenwirksame Taktik zulegten, um mit den Anstrengungen fertig zu werden, welche die täglichen Matches gegen hartgesottene Gegner aus der Provinz erforderten und um ihre Gewinnrate von über 90 Prozent nicht in Gefahr zu bringen.

Die „Globetrotters“ bestanden – nicht zuletzt aus Kostengründen – in dieser Zeit aus einem Sechs-Mann-Team. Um einem oder sogar zwei Spielern Zeit zum Verschnaufen zu geben, noch während die anderen spielten, entwickelten die „Trotters“ besondere Zuspieltechniken. Während ein Teil der Mannschaft die Hände in den Schoß legte, hielten die übrigen den Ball in den eigenen Reihen. Auf dem Höhepunkt ihres Könnens erhoben sie diese Methode zu dem Globetrotter-Motto: Wenn schon etwas in wilder Bewegung zu sein hat, dann der Ball; niemals aber wir, die Trotters! Dazu schulten sie die Dribbling-Fertigkeiten von Spielern wie Marques Haynes.

Haynes, 1943 von der Oklahoma Langston University zu den Trotters gestoßen, brachte es fertig, drei Minuten lang den Alleinunterhalter zu spielen, ohne dass der Gegner eine Chance hatte, an den Ball zu kommen. In dieser Zeit konnte das ganze Team auf dem Platz ein Nickerchen halten. Erst allmählich stellte sich heraus, dass diese aus der Not geborene Taktik ein ungeahntes Showpotential bot.

Zunächst einmal waren es die nackten Zahlen ihrer Erfolge, die den „Harlem Globetrotters“ eine Einladung zu einer Weltmeisterschaft der Basketball-Profis eintrug. Sie wurde von dem Chicagoer Blatt „The Chicago Herald American“ veranstaltet. Sie verloren in einer der ersten Runden gegen den späteren Sieger, die „New York Renaissance“. Das war 1939. Ein Jahr später aber drehten sie den Spieß um und schlugen im gleichen Turnier die „Rens“ im Halb- und den Ortsrivalen „Chicago Bruins“ im Finale. Daraufhin durften sie sich World Champions nennen. Mit einem solchen Titel konnte man sich der Welt präsentieren und schließlich auch an das große Geld kommen. 1948 gelang es ihnen, die mächtigen Minneapolis Lakers mit ihrem dominierenden weißen Riesen George Mikan zum Duell ins Chicago Stadium zu locken, dazu nicht weniger als 17000 Fans.

Im Trotters-Team stand inzwischen, neben dem erwähnten Marques Haynes, auch ein schwarzer Riese. Er besaß unglaubliche Qualitäten und beherrschte Tricks wie kaum ein zweiter. Sein Name war Inman Jackson, genannt Big Jack. Die Lakers waren gerade auf dem Wege zu ihrem ersten Titel in der NBA, die damals noch BAA hieß. Die Trotters hielten gegen die mächtigen Lakers bis wenige Sekunden vor Schluss ein 59:59-Unentschieden. Dann nahmen sie, selbst im Ballbesitz, clever eine Auszeit. Danach dribbelte sich Haynes durch die verbleibenden Sekunden und servierte den Ball dem Scharfschützen Ermer Robinson, der ihn mit dem Buzzer aus einer Entfernung von knapp sechs Metern versenkte. Die Trotters hatten den Krösus der Profiliga mit 61:59 besiegt!

Im zweiten Teil geht es u.a. um „Goose“ Tatum, den verrücktesten Basketballer seiner Zeit, um die zunehmende Popularität der Trotters und ihre Reise nach Deutschland.

Die Geschichte der Harlem Globetrotters (1)
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2017 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.