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Der Wahnsinn hat eine Deadline (I)

20.02.2015 || 14:50 Uhr von:
Elf Trades, 17 aktive Teams, 37 involvierte Spieler, darunter 16 Point Guards – die Wechselfrist spielte verrückt. Die Ruhe nach dem Sturm bringt Boston, Phoenix, Miami, Portland, Sacramento und New Orleans in der Trade-Analyse hervor.

Miami Heat

Miami erhält: Goran Dragic, Zoran Dragic (aus Phoenix)
Miami gibt ab: Erstrunden-Pick 2017 (Top-7-geschützt), Erstrunden-Pick 2021, Danny Granger (nach Phoenix), Norris Cole, Shawne Williams, Justin Hamilton (nach New Orleans)

Pat Riley und seine Miami Heat haben zweifelsohne den besten Spieler der Trade Deadline nach Florida gelotst: Goran Dragic. Der Slowene ist einer der effektivsten Guards der Liga, bringt die nötige Veränderung auf Miamis Aufbauposition mit und hebt die Offensive sowie die Verteidigung auf ein neues Niveau.

Dragic musste in seiner Zeit bei Phoenix mitunter auf die Zwei ausweichen, bei Miami wird er an der Seite von Dwyane Wade das Zepter auf der Eins schwingen. Trotzdem wird Dragic ein „Score-First Guard“ bleiben. Er erreichte zuletzt hinter Kyle Korver die beste Wurfquote aller Shooting Guards (50,1% FG), nebenbei dicht gefolgt von seinem neuen Teamkollegen Wade (48,7% FG). Dragic hat aber auch ein Auge für seine Mitspieler. Als er bei den Suns noch ausschließlich als Einser agierte (2012/13), legte er 7,4 Assists pro Spiel auf bei nur 2,8 Ballverlusten.

Dragic besitzt zudem ein Gefühl dafür, wann er das Spiel schnell machen sollte. Fast ein Drittel seiner Offensivaktionen schließt er in der Transition ab (Platz fünf in der Liga), wobei immerhin 1,2 Punkte pro Aktion herausspringen. Luft nach oben gibt es hingegen, wenn er als Ballführer in ein Pick-and-Roll involviert ist. Denn daraus verliert er mit einer 22,5-prozentigen Wahrscheinlichkeit den Ball.

Dragic verteidigt zudem überdurchschnittlich. Ihm gelingt es meistens, zwischen dem Korb und seinem Gegner zu bleiben und kann dank seiner langen Arme jeden Wurf schwer machen und ist immer eine Gefahr im Passweg. Sein Fähigkeiten-Paket ist nahezu komplett, fragt sich nur, wie lange die Heat davon profitieren…

Denn wie bereits erwähnt, läuft Dragics Vertrag nach dieser Saison aus, wenn er auf seine Spieler-Option verzichtet – wovon auszugehen ist. Miami hat ihn zwar mit der Intention ins Boot geholt, auf längere Zeit mit ihm zusammenzuarbeiten – aber man weiß ja nie. Außerdem war der Gegenwert auch nicht ohne. Auf die abgegebenen Spieler werden die Heat verzichten können, die verlorenen Picks könnten aber noch wehtun.

Fazit: diese Saison brandgefährlich

Mit einer ersten Fünf aus Dragic, Wade, Luol Deng, Chris Bosh und Hassan Whiteside ist Miami mehr als konkurrenzfähig, in den Playoffs ist ihnen nun einiges zuzutrauen. Langfristig ist der Erfolg aber keineswegs gesichert, denn Dragics Vertrag läuft aus, Wade und Bosh sind nicht mehr die jüngsten. Um diese Saison angreifen zu können, war das Geschäft aber genau richtig.

Phoenix Suns

Phoenix erhält: Brandon Knight, Kendall Marshall (aus Milwaukee), Danny Granger, Erstrunden-Pick 2017 (Top-7-geschützt), Erstrunden-Pick 2021 (aus Miami), John Salmons (aus New Orleans), Marcus Thornton, Erstrunden-Pick 2016 (via Cleveland aus Boston)
Phoenix gibt ab: Tyler Ennis, Miles Plumlee (nach Milwaukee), Isaiah Thomas (nach Boston), Goran Dragic, Zoran Dragic (nach Miami), Erstrunden-Pick (via Lakers nach Philadelphia, 2015 Top-5-geschützt, 2016 Top-3-geschützt)

Acht Spieler, vier Picks: Es ist schwer, bei Phoenix’ Aktivitäten vor der Trade Deadline die Übersicht zu behalten. Aber der Reihe nach: Ein Hauptanliegen von General Manager Ryan McDonough war es, das Quantitätsproblem auf der Eins zu beheben. Das ist ihm gelungen. Anfangs kursierten vor allem Gerüchte zur Zukunft Goran Dragics, dessen Vertrag ausgelaufen wäre (bei Verzicht auf seine Spieler-Option) und der den Wunsch äußerte, Phoenix verlassen zu können. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt. Auch Isaiah Thomas musste seinen Wüstenhut nehmen, was etwas überraschender war, aber durchaus sinnvoll, da die Suns für ihn immerhin einen Erstrunden-Pick (sowie Flügelspieler Marcus Thornton von den Celtics) generieren konnten.

Der wichtigste Ersatz für Dragic (der seinen Bruder Zoran direkt mitnahm) kommt aber nach einem weiteren Drei-Team-Trade aus Milwaukee und heißt Brandon Knight. Dieser kostete die Suns den 2015 und 2016 noch geschützten Erstrunden-Pick der Lakers sowie Miles Plumlee (Center) und Tyler Ennis (Point Guard). Ennis spielte keine große Rolle in der Rotation, Plumlee sorgte immerhin für Tiefe im Frontcourt, verlor aber Minuten an Alex Len.

Brandon Knight spielte bei den aufstrebenden Bucks zuletzt fast auf All-Star-Niveau, legte 17,8 Punkte bei 5,4 Assists auf und startete in allen 52 Partien. Auch Knight entfaltet seine Stärken, wenn er selber den Ball hat und sein starkes Ballhandling sowie seine Schnelligkeit ausspielen kann. Er trifft zudem 40 Prozent seiner Dreier (bei zwei Treffern pro Spiel). Seine Würfe kreiert Knight am liebsten selber, 42,6 Prozent seiner Abschlüsse sind Würfe aus dem Dribbling, von denen er fast 40 Prozent versenkt. Nur direkt am Korb wird ihm seine fehlende Länge (1,91 Meter) und Masse zum Verhängnis, was ihn auch defensiv vor Probleme stellt.

All diese Eigenschaften lesen sich doch sehr ähnlich wie die vom Weggang Isaiah Thomas, es gibt aber einen wichtigen vertraglichen Unterschied: Knight wird zum Restricted Free Agent. Wollen die Suns ihn halten, wird er weit mehr fordern als seine aktuellen 3,5 Millionen Dollar pro Jahr, schließlich hat er seinen Wert zuletzt in Milwaukee gesteigert. Dieses Problem hätte es mit Thomas nicht gegeben.

Unterm Strich haben die Suns also zwei Guard-Starter und einen Rotations-Center abgegeben, und nur einen adäquaten Ersatz dafür erhalten. Und wieviel die erhaltenen Picks wert sein werden, kann auch noch niemand sagen. Die generierten Spieler neben Brandon Knight sind nur gehobene Kaderfüller oder bestenfalls solide Rollenspieler. Danny Granger (6,3 PpG) hat seine beste Zeit längst hinter sich, besitzt für nächste Saison aber eine Spieleroption. Kendall Marshall könnte den Backup-Aufbauspieler geben und befindet sich noch in seiner Entwicklung, John Salmons (35) hingegen würde Erfahrung als Forward mitbringen, hat seinen Zenit aber längst überschritten. Beide Spieler werden jedoch voraussichtlich entlassen. Lediglich von Marcus Thornton darf man sich mehr erhoffen. Der Flügelspieler (8,9 PpG) ist ein solider Schütze und kann für Punkte von der Bank sorgen.

Fazit: Ungewisse Zukunft

Die Suns haben ihr Quantitätsproblem auf der Eins gelöst, ohne an Qualität zu verlieren: Eric Bledsoe und Brandon Knight bilden ein gefährliches Duo und es gibt keinen dritten Mann mehr, der auch starten will. Allerdings war der Gegenwert für ihre hochwertigen Abgaben eher gering, zudem wird Knight Restricted Free Agent. Und: Mit Miles Plumlee fehlt ein wichtiger Rotationsspieler auf der Fünf, für den es keinen Ersatz gibt. Die Suns haben nach diesen Deals ohne Frage weiterhin ein gutes Team, der langfristige Nutzen ihrer Tauschgeschäfte hängt aber von den erhaltenen Picks ab. Unterm Strich also ein eher fragwürdiges Unterfangen.

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Boston Celtics

Boston erhält: Isaiah Thomas (aus Phoenix), Jonas Jerebko, Luigi Datome (aus Detroit)
Boston gibt ab: Marcus Thornton, Erstrunden-Pick 2016 (nach Phoenix), Tayshaun Prince (nach Detroit)

Der Neuaufbau der Boston Celtics ist mit diesem Deal in die nächste Phase eingetreten, General Manager Danny Ainge will wieder angreifen. Im drei Teams umfassenden Geschäft mit den Phoenix Suns und den Detroit Pistons stand Point Guard Isaiah Thomas (Foto unten) im Mittelpunkt, auf den die Celtics schon im vergangenen Sommer während dessen Free Agency ein Auge geworfen hatten.

Thomas feierte 2013/14 bei den Kings seinen Durchbruch, bei denen er auf der Eins starten durfte und dies für 20,3 Punkte und 6,3 Assists im Schnitt nutzte. An diese Zahlen konnte Thomas zuletzt in Phoenix zwar nicht anknüpfen, musste sich seine Minuten aber auch mit Goran Dragic und Eric Bledsoe teilen. Thomas‘ Stärken liegen im Spiel als Ballführer, fast 40 Prozent seiner Würfe kommen aus dem Dribbling, wobei auch der Dreier (39,1% 3FG) zu seinem Repertoire gehört. Auch als Spielmacher agiert Thomas solide, erreicht in dieser Hinsicht aber kein Spitzenniveau. Mit einem Assist-Turnover-Verhältnis von 1,9:1 rangiert er unter dem Durchschnitt.

Defensiv hat Thomas schon allein wegen seiner Körpergröße (1,75 Meter) Probleme und beeinflusste die Suns in der Verteidigung negativ. Das größte Fragezeichen steht nach dem Deal aber hinter einem Rookie der Celtics: Marcus Smart. Dieser galt nach dem Weggang Rajon Rondos eigentlich als Einser der Zukunft bei Boston, die Ankunft von Thomas zwingt ihn aber dazu, den Ball aus den Händen zu geben und abseits davon effektiv zu sein.

Der Weggang von Tayhsaun Prince, der zuletzt zwar solide spielte, dürfte kaum ins Gewicht fallen, der Vertrag des 34-Jährigen wäre zudem ausgelaufen. Der Gegenwert für ihn, die Rollenspieler Jonas Jerebko und Luigi Datome, sind eine solide Vertiefung für den dünn besetzten Frontcourt und fallen für die spätere Planung nicht zur Last, da deren Verträge auslaufen.

Fazit: Was ist mit Marcus Smart?

Mit Isaiah Thomas haben die Celtics einen überdurchschnittlichen Point Guard verpflichtet, der vor allem offensiv sofort seine Wirkung entfalten dürfte. Sollte er an seine Leistungen bei den Kings anknüpfen, ist sein Jahresgehalt von rund sieben Millionen Dollar bei einer Vertragslaufzeit bis 2018 durchaus angemessen. Bleibt nur die Frage, wie Marcus Smart mit der Verpflichtung umgeht: Hat das Management nicht genug Vertrauen in ihn? Sollte es jedoch gelingen, Smart und Thomas gemeinsam zu etablieren, wird dieser Deal Früchte tragen, ändert aber nichts an der Unterbesetzung auf den großen Positionen.

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Portland Trail Blazers

Portland erhält: Arron Afflalo, Alonzo Gee (aus Denver)
Portland gibt ab: Victor Claver, Thomas Robinson, Will Barton, Erstrunden-Pick (Lottery-geschützt 2016 und 2017)

Portland stellt an sich selbst den Anspruch, in den Playoffs weit zu kommen. Dafür braucht es auch Punkte von der Bank, die es in Portland in den vergangenen drei Saisons nicht gab. Jetzt aber schon. Mit Arron Afflalo (Foto oben) kommt der lang ersehnte sechste Mann, der dem Portland-Spiel neuen Schwung verleihen soll.

Affalo ist ein Flügelspieler, der als guter Schütze gilt, auch wenn er in dieser Saison von „Downtown“ schwächelte. Sein Karriereschnitt von der Dreierlinie liegt bei 38,4 Prozent. Affalo kann den Ball aber auch selber führen, wie seine 43-prozentige Wurfquote bei Abschlüssen aus dem Dribbling verrät. Das wird vor allem Damian Lillard entlasten. Neben Wesley Matthews haben die Blazers zudem einen zweiten starken Post-up-Guard in ihren Reihen.

Zudem ist der 29-Jährige ein mehr als solider Verteidiger und könnte, wenn er zusammen mit Nicolas Batum auf dem Feld steht, so manche Gegner vor Probleme stellen. Die Blazers haben also vieles richtig gemacht, auch, wenn Afflalo eine Spieleroption über knapp acht Millionen Dollar für die nächste Saison besitzt. Denn der Gegenwert ist zu verkraften.

Nur Thomas Robinson spielte mehr als zehn Minuten pro Spiel, der Frontcourt der Blazers ist aber gut und tief genug, um ihn zu ersetzen. Zudem kommt mit Alonzo Gee ein Spieler, der auch für die ein oder andere Minute gut ist.

Fazit: endlich Punkte von der Bank

Die Blazers haben das bekommen, was sie wollten: Scoring von der Bank. Qualität haben sie nicht abgeben müssen, auch der Pick war das Unterfangen wert. Ein einfaches, aber trotzdem sehr gutes Geschäft.

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Sacramento Kings

Sacramento erhält: Andre Miller (aus Washington)
Sacramento gibt ab: Ramon Sessions (nach Washington)

Sacramento hat lediglich seinen Einser-Backup ausgetauscht. Das spielerische dürfte dabei keine große Rolle gespielt haben, denn der 38-jährige Miller ist längst über seinem Zenit. Aber: „Der Professor“ gilt als Liebling vom neuen Head Coach George Karl (Foto oben) und kann den jungen Spielern wie Ben McLemore oder auch DeMarcus Cousins helfen, Karls Ideen schneller zu verstehen und umzusetzen. Karl wiederum hat einen verlängerten rechten Arm, da Miller unter ihm seine beste Zeit bei den Nuggets absolvierte.

Fazit: Hilfe für George Karl

Eine Win-Win-Situation für Spieler und Head Coach ohne großes Risiko, da Millers Vertrag ausläuft. Für den sportlichen Erfolg in dieser Saison oder langfristig aber nicht relevant.

New Orleans Pelicans

New Orleans erhält: Shawne Williams, Norris Cole, Justin Hamilton (aus Miami), Ish Smith, geschützter Zweitrunden-Pick 2015, Draft-Rechte an Latavious Williams, Geldbetrag (Oklahoma City)
New Orleans gibt ab: John Salmons (nach Phoenix), geschützter Zweitrunden-Pick 2016 (nach Oklahoma City)

Auch hier gibt es nicht viel zu sagen. Die Pelikane haben im Endeffekt drei Spieler mehr als vorher, wobei Shawne Williams fast ein Eins-zu-Eins-Ersatz gegenüber John Salmons ist. Norris Cole hingegen spielt eine enttäuschende Saison, hat aber durchaus Potential. Vielleicht tut ihm ein Tapetenwechsel gut. Falls nicht, kein Problem, denn sein Vertrag läuft aus. Selbiges gilt für Justin Hamilton, der in seinem zweiten NBA-Jahr bereits zu seinem dritten Team stößt und nur ein Kaderfüller ist. Auch Ish Smith, der aus Oklahoma kommt, passt in dieses Schema.

Durch den Quantitätsgewinn an Spielern ist es aber nicht unwahrscheinlich, dass der ein oder andere Akteur noch entlassen werden muss.

Fazit: Projekt Kadertiefe

Der Kader wurde ohne Verluste etwas vertieft, mehr nicht. Kann man durchaus so machen.

[zu den Trade-Analysen der Brooklyn Nets, Denver Nuggets, Detroit Pistons, Minnesota Timberwolves Oklahoma City Thunder und Utah Jazz]

[zu den Trade-Analysen der Houston Rockets, Milwaukee Bucks, New York Knicks, Philadelphia 76ers und Washington Wizards]

[zum Trade-Deadline Live-Blog 2015]

Der Wahnsinn hat eine Deadline (I)
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Big Time
Big Time 20. Februar 2015 um 15:29 Uhr

Habt ihr den Augustin-Jackson und Garnett-Young Trade vergessen oder steht das woanders!?

Big Time
Big Time 20. Februar 2015 um 15:30 Uhr

Ach ja habs grad gefunden

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