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Der Skywalker der NBA

02.02.2012 || 00:00 Uhr von:

Das Sprungwunder aus North Carolina

Der Vertical Leap (Sprunghöhe aus dem Stand) gehört zu den Kategorien, die auf einer Vielzahl der heutigen Scouting-Reports für zukünftige NBA-Spieler nicht fehlen sollte. Wirkliche Relevanz und Beachtung fand dies jedoch erst, als David Thompson die Basketballbühne betrat. "Das ganze Gerede um Sprungkraft hat seinen Ursprung in David Thompson", erklärt Michael Jordan höchstpersönlich in einem Interview.

Wenn also ein heutiger NBA-Talentspäher im Jahre 1971 die Halle der North Carolina State University betreten hätte, um David O’Neil Thompson zu beobachten, wäre ihm der Unterkiffer runtergefallen. Mit zittriger Hand hätte er in dieser Zeile seines Scouting-Reports 48 Inch (ca. 1,21 Meter) eintragen können. Diese Zahl würde er dann mit der eines gesunden Vince Carter (43 Inch) und eines jungen Michael Jordan (43 Inch) vergleichen und hätte schleunigst seinen Chef angerufen und gesagt: „Das müssen Sie sich ansehen!“

Denn neben seiner unglaublichen Athletik konnte der 1,93 Meter große Thompson auch noch gut mit der orangenen Lederpille umgehen. Nachdem dieser Überathlet seine Heimatuni aus North Carolina zum NCAA-Titel 1974 geführt und in seiner letzten College-Spielzeit 29,9 Punkte und 8,2 Rebounds pro Spiel aufgelegt hatte, war der nächste logische Schritt der Profibasketball. Doch welche Liga? Damals gab es nämlich noch die funkige Konkurrenzliga ABA (American Basketball Association) und so wurde die Mischung aus Shooting Guard und Small Forward in beiden Ligen im Jahr 1975 an erster Stelle gedraftet.

Mit ein Jahr „Verspätung“ in die NBA

Thompson entschied sich, für die Denver Nuggets aus der ABA auf Korbjagd zu gehen. "Ich war nicht zufrieden, wie mich die Atlanta Hawks (NBA) behandelt haben. Mehr als ein Gespräch und ein Essen bei McDonald’s war nicht drin", erklärt der heute 57-Jährige. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie mich wirklich wollten!"

Schon seine erste und einzige Spielzeit 1975/1976 in der ABA (danach wurden NBA und ABA zusammen gelegt) war von entscheidender Bedeutung für die Basketballwelt: Das Duell von Superstar Julius "Dr. J." Erving und Thompson sollte als erster Showdown beim ersten Dunking-Contest der Geschichte in die Annalen eingehen. Wie im Dunking-Contest hatten Dr. J. und seine New Jersey Nets auch in den ABA-Finals im selben Jahr gegen die von Thompson angeführten Nuggets das glücklichere Ende für sich.

Nach der Fusion begann der Cousin von NBA-Coach Alvin Gentry mit seiner Korbjägermentalität und seiner fast übermenschlichen Sprungkraft die NBA aufzumischen. Am letzten Spieltag im Jahre 1979 war die NBA Scoring Krone zum Greifen nah. George Gervin lag nur ganz knapp vor dem Mann, der dank George Lucas und seiner Star Wars Saga von nun an nur noch Skywalker genannt wurde. Den NBA-Fans bot sich ein Punkteduell der Extraklasse. Unglaubliche 73 Punkte legte Thompson (27,15 Punkte im Schnitt) im letzten Saisonspiel auf. Gervin (27,22 Punkte im Schnitt) konterte nur wenige Stunden später mit 63 Punkten und sicherte sich so letztendlich den Scoring-Titel.

Wer höher springt, kann tiefer fallen

Die Mühen von Thompson sollten jedoch nicht umsonst gewesen sein. Mit einem FünfjahresvVertrag über vier Millionen Dollar (in Anbetracht des Lockouts und der dort verhandelten Summen ist hier ein leichtes Schmunzeln durchaus angebracht) machten die Goldklumpen aus Denver Thompson zum bestbezahlten Spieler der Liga. Nun war er endgültig eine der größten Attraktionen der Liga. Es sollte sich jedoch heraus stellen, dass der Highflyer diesem Druck nicht gewachsen sein sollte.

Zu den nach wie vor überragenden Leistungen auf dem Parkett gesellten sich hartnäckige Gerüchte über Drogen- und Alkoholprobleme. In der Saison 1981/82 fiel der Punkteschnitt von Thompson von 25,5 auf 14,9 Punkte pro Spiel und seine privaten und körperlichen Probleme traten immer deutlich zu Tage.

Die Nuggets verschifften ihr einstiges Aushängeschild nach Seattle, wo dieser in zwei Spielzeiten aber nie an die ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen konnte. Der Überflieger stürzte, im wahrsten Sinne des Wortes, brutal ab.

Ein folgenschwerer Metalltreppen-Unfall in der legendären Diskothek Studio 54 in New York zerschmetterte 1984 das Knie und die NBA Karriere des David Thompson. Heute hat er zumindest die privaten Probleme wieder im Griff und den Kampf gegen Drogen und Alkohol gewonnen.

Um den Skywalker und Partylöwen Thompson ranken sich auch heute noch viele Gerüchte und Geschichten. Eine davon ist die vom Backboard-Breaking-Dunk über Center-Riesen Bill Walton. Konnte dieser Mann wirklich eine Geldmünze von der oberen Brettkante holen? Leider stammt Thompson aus einer Zeit ohne Youtube und unzähliger TV- und Handykameras und so kann nicht jede Frage über ihn eindeutig beantwortet werden.

Für Michael Jordan spielte dies keine Rolle. David Thompson sollte mit ihm auf dem Podest der Hall of Fame stehen. Noch heute erzählt Jordan in Basketball-Camps für Kinder und Jugendliche: "Als ich so alt war wir ihr, da habe ich zu ihm aufgeschaut." Und dies liegt sicher nicht nur an der gemeinsamen Heimat North Carolina oder der Tatsache, dass Thompson zusammen mit Mitspieler Monte Towe als Erfinder des Alley Oops gilt.

Vielmehr ist Thompson ein Vorbild für Kinder wie Michael Jordan und einer der spektakulärsten Spieler auf dem Parkett gewesen, ohne den es "His Airness" vielleicht niemals in die Lüfte gezogen hätte.

Der Skywalker der NBA
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Tyreke.E
Tyreke.E 2. Februar 2012 um 17:58 Uhr

Schöner Artikel.

Freeze43
Freeze43 3. Februar 2012 um 9:56 Uhr

Die Münze auf der oberen Brettkannte holen schreibt man doch "The Goat" zu ….?

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