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Der Houdini des Hardwood

11.01.2012 || 00:00 Uhr von:

Ohne faulen Zauber und mit einer nie dagewesenen Kreativität passte „The Cooz“ den Ball 13 Jahre lang, besser als jeder anderen in der Liga, zu seinen Mitspielern bei den Boston Celtics. Und auch heute lässt sich der tatsächliche Wert von Bostons „Mr. Basketball“ für den gesamten Sport nur schwer erahnen. Sei es durch das Salonfähigmachen von „Behind the Back“-Pässen oder durch die Gründung der NBPA. Cousys Taten beeinflussen selbst heute noch die gesamte Liga.

Der belächelte Clown

Der Sohn französischer Einwanderer wuchs in New York auf. Mit 13 Jahren widmete er sich dem Basketball und musste gleich zu Beginn der Karriere Rückschläge hinnehmen. Mehrfach misslang der Sprung ins High School-Team seiner Schule. Dies sollte sich jedoch ändern, als Cousy von einem Baum stürzte und sich die rechte Hand brach. Durch den Unfall wurde der Point Guard gezwungen, mit der linken Hand zu dribbeln, was er selbst heute noch als absoluten Glücksfall bezeichnet.

Trotz unbestrittenen Talents war sein fast artistisches Spiel und seine gewagten Dribblings und Pässe vielen Basketball-Experten ein Dorn im Auge. Dies änderte sich auch in seiner Zeit am Boston College nicht, wo er von Fans vergöttert und von vielen Verantwortlichen und Trainern verflucht wurde.

Seinw aufsehenerregendes Spielweise hatte, wie man heute sagen würde, Star-Potential und so reichte es 1950 zum dritten Pick im NBA-Draft. Die Glücklichen sollten die Vorgänger der heutigen Atlanta Hawks sein, die Tri-City Blackhawks.

Die damals nur mittelmäßig dastehenden Celtics verzichtenden drauf, den Lokalhelden mit einem früheren Pick zu ziehen, was Trainerlegende Red Auerbach wie folgt begründete: „Ich will Spiele gewinnen und nicht den Leuten in Boston einen Gefallen tun!“

Doch Cousy wollte unbedingt in Boston, bei seiner neu gegründeten Fahrschule, bleiben und so stellte er an die Blackhawks eine utopische Gehaltsforderung. Nachdem diese von den Verantwortlichen aus Tri-City abgelehnt wurde und es zu weiteren Problemen beim Spielervertrag kam, wurden drei Spieler aus dem Blackhawks-Kader erneut zu einem speziellen Draft freigeben. Walter A. Brown, der damalige Besitzer der Celtics, nahm ebenfalls an der Verlosung teil und sah Cousy als schlechtestes Los an. Er sollte sich irren.

Die Dynastie der Boston Celtics

Das Schicksal spülte Cousy schließlich doch in den Schoß der Celtics und Red Auerbach dürfte noch heute Richtung Himmel gucken und leise „Danke“ flüstern. Denn mit Cousy und später Bill Russell sollte der Erfolg kommen.

Cousy bekam sogar von einer basketballerischen Revolution Unterstützung, zu einem der besten Point Guards aller Zeiten zu werden. Das statische Spiel in der NBA sollte sich mit der Einführung der Shot Clock im Jahre 1954 deutlich verändern. Dem Herunterspielen der Spielzeit, oder „Killing the Clock“, wurde so ein Riegel vorgeschoben und kaum jemand in der Liga profitierte so sehr davon wie der schnelle Point Guard aus New York.

Ergebnisse wie 25:24 sollten der Vergangenheit angehören und Cousy hob, mit seinem Fastbreak-Stil und den unglaublichen Assists, das Spiel mit der orangenen Kugel auf eine neue Ebene. Schnell wurde er zum Fan-Liebling und Aushängeschild der Liga, was allerdings nicht jeden erfreute. „Ich bekam ständig Briefe von Basketball-Trainern, Experten usw.“, erinnert sich der heute 73-Jährige. „Ob ich mir denn bewusst war, was ich anrichten würde. Kinder in ganz Amerika versuchten nun meine Tricks zu kopieren.“

1957 wurde der Magier mit dem Lederball erstmals belohnt und gewann die NBA-Meisterschaft. Ein Jahr später, in den 1958 NBA-Finals, verletzte sich dann jedoch sein kongenialer Partner Russell und so ging der Titel ausgerechnet an die von Cousy geschassten Hawks. Niemand sollte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass dies die letzte verlorene Playoff-Serie in der Karriere des Point Guards werden sollte!

Bis zu seinem Karriere-Ende im Jahre 1963 ging jeder Titel an die Celtics. Bill Russell und der 1,85 Meter große Point Guard bauten sich ein NBA-Denkmal für die Ewigkeit.

Das Beste kam für Cousy jedoch zum Schluss. In seiner letzten Playoff-Partie verletzte sich der Point Guard im vierten Viertel am Knöchel, humpelte aber nur wenig Minuten später in Paul-Pierce-Manier zurück auf seine Zauberbühne und trug, durch seinen vorbildlichen Einsatz, sein Team zum Sieg. Es war der sechste Ring für den mittlerweile 35-jährigen dreizehnfachen NBA All-Star.

In acht aufeinander folgenden Spielzeiten führte „The Cooz“ die Liga in Assists an und begeisterte mit seinen Dribblings und seinen „Over-the-Head-Around-the-Body-Behind-the Back-Plays“ die gesamte Basketballwelt. Ein Karriere-Abschluss wie aus dem Märchenbuch und doch nicht die größte Leistung des Regular Season MVPs von 1957, der bei seinem Rücktritt sogar vom damaligen Präsidenten John F. Kennedy geehrt wurde.

Mit den Gedanken neben dem Court

Auf dem Basketballfeld hatte Cousy immer ein paar Asse im Ärmel, doch auch abseits des Parketts machte er sich viele Gedanken und tat etwas gegen die Missstände in Amerika und der Sportwelt. Dem Rassismus gegen seine schwarzen Mitspieler sagte er früh den Kampf an. Mit der Gründung der National Basketball Players Association, welche jeder von uns heute leider aus Lockout-Gründen kennen dürfte, schuf der Point Guard die erste Spielergewerkschaft im US-amerikanischen Sportsystem. Cousy setze sich früher als alle anderen mit Tarifverträgen und Gehaltsverhandlungen auseinander und war so nicht nur auf dem Basketballfeld Pionier und Vorreiter für viele Generationen von Sportlern.

Im Jahre 1971 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen, nachdem er mehr oder weniger erfolgreich als Coach am College und kurz in der NBA tätig war. Bei seiner einzigen NBA-Trainerstation, den Cincinnati Royals, schnürrte Cousy sogar mit 41 Jahren noch einmal die Basketballstiefel, um die Ticketverkäufe voran zu treiben. Ein Schnitt von fünf Punkten in sieben Spielen ist sicherlich nicht viel. Ein Anstieg der Ticketverkäufe um 77 Prozent hingegen schon. Das ist ein Beweis für den nachhaltigen Eindruck, den Bob Cousy in der NBA und darüber hinaus hinterlassen hat.

Seit dem Jahre 2004 werden die besten Nachwuchs-Point Guards am College mit dem Bob Cousy Award ausgezeichnet. In Betracht der Leistungen dieses Mannes ist das eine echte Ehre, denn der Pokal trägt den Namen eines der besten Point Guards aller Zeiten!

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