Anmelden oder registrieren

Der Freischütz(e)

17.04.2005 || 00:00 Uhr von:

12. April 2005. Der FC Bayern München hat Pech. Der deutsche Fussball-Rekordmeister scheidet im Viertelfinale der Champions League gegen Chelsea aus. Maßgeblichen Anteil hat der Brasilianer Lucio, weil er zwei Schüsse der Londoner unglücklich in das eigene Tor lenkt.

17. Juni 1986. Die Cleveland Cavaliers haben Glück. Das NBA-Team verpflichtet beim Draft zwei Schlüsselspieler für die kommenden Jahre. Es soll der erfolgreichste Draft der Franchise-Geschichte sein. Center Brad Daugherty wird mit dem ersten Pick geholt, weil vorher ein Deal mit Philly über die Bühne geht. Mark Price, ein Spielertyp mit den Anlagen eines John Stockton, wird an 25. Stelle von den Dallas Mavericks gewählt, jedoch noch am selben Abend für einen zukünftigen Draftpick nach Cleveland abgegeben.

Der Blitz ist in kürzester Zeit zweimal auf derselben Stelle eingeschlagen. Für Mark Price bedeutete dies den Startschuss für die stärkste Liga der Welt.

Aufgewachsen ist Price in Oklahoma, wo er an der Enid High School in die Fußstapfen seines Vaters Denny trat, der dort ein gefeierter Held mit dem runden Leder war. Mark wurde 1982 zum Highschool-Spieler des Jahres ernannt und rechtfertigte seine Leistungen mit einer 42-Punkte-Gala in der ersten Runde der Landesmeisterschaft. Damit steht nun zweimal der Name Price auf Platz Eins im Buch der Rekorde für Punkte der Enid High School, denn schon sein Vater sammelte in einem Spiel ebenso viele Punkte. In den letzten beiden Jahren an der High School führte Mark sein Team in Punkten an. An der Uni von Georgia Tech führte er die Atlantic Coast Conference erneut im Scoring an, selbst vor einem damals noch unbekannten Freshman namens Michael Jordan. Drei Ernennungen für das All-Conference Team und zweitbester Punktesammler des Uni-Geschichte stehen am Ende seiner sportlichen universitären Ausbildung in den Referenzen von Price. Auch Marks Brüder Matt und Brent spielten College-Basketball, doch nur einer der beiden schaffte später auch den Sprung in die stärkste Liga der Welt. Brent Price spielte von 1992-2001 für Washington, Houston, Vancouver (heute Memphis) und Sacramento.

In Cleveland angekommen, legt William Mark Price sofort eine solide Rookie-Spielzeit aufs Parkett. Ohne auch nur ein einziges Spiel zu starten, läuft er in 67 Begegnungen auf und erzielt gut sieben Punkte und drei Assists. Im Jahr darauf ist er Stammspieler und steht in den folgenden neun Jahren in 495 von 515 Partien in der Startformation der Cavs. Viele Verletzungen zwingen den hellhäutigen Guard allerdings dazu, in keiner Saison alle 82 Spiele zu bestreiten. In der Saison 1990/91 reißt das Kreuzband in seinem rechten Knie nach 16 Spielen.

Der Verlust hat seinen Preis. Ohne ihren Starting Point Guard beenden die Jungs aus Ohio die Saison mit nur 33 Siegen. Sonst waren in jedem Jahr, seitdem Price in der ersten Fünf stand, mindestens 42 Siege zu feiern sowie die Playoff-Teilnahme Standard. Leider scheiterten sie dort fünfmal an den übermächtigen Bulls. 1992 fehlten den Cavaliers nur zwei Siege, um in die Finals einzuziehen, aber MJ hatte mal wieder keine Lust, gegen seinen Lieblingsgegner zu verlieren. In dieser Saison war Price wieder voll einsatzfähig, schrieb sich über 17 Punkte und mehr als sieben Assistenten in die Statistiken, aber für den Titel reichte es nicht. Eine bessere Chance sollte er nie wieder in seiner Karriere bekommen.

Seine Leistungen wurden mit zahlreichen Nominierungen für das All-NBA-Team belohnt. Viermal stand er im All-Star Game und warf sich zweimal zum König von Downtown. 1993 und 1994 sicherte er sich die Krone beim Drei-Punkte-Wettbewerb des All-Star Weekends. Seine Treffsicherheit zeigte er aber nicht nur beim Treffen der Giganten, sondern auch schon während den zwei Spielzeiten davor, als er in beiden Jahren zusammen die Liga in Freiwürfen anführte und insgesamt 559 von 590 (94,7%) Würfe von der Foullinie versenkte. Die kleine Wurfmaschine (1,82 m) zeigte aber auch Übersicht. In fünf von neun Spielzeiten fand man seinen Namen in den Top Ten der besten Passgeber der Liga wieder.

Die Karriere von Mark Price, der einst im Kirchenchor sang, endete mit Kurzeinsätzen in Washington, Golden State und Orlando, bevor er nach der Saison 1997-98 seine Karriere als bester Freiwurfschütze aller Zeiten (90,4%) beendet und mit 40,2% von jenseits der Drei-Punkte-Linie auf Rang 14 steht. 1998 zog er mit seiner Frau Laura und seinen Kindern nach Georgie, wo Price als Basketball-Coach arbeitete. Am 13. November 1999 wurde das Trikot mit der Nummer 25 unter die Hallendecke der Gund Arena gehängt und im Mai 2005 wird der Superstar ohne Titel für seine sportlichen Leistungen als Student in die Georgia Sports Hall of Fame aufgenommen.

Wunder geschehen und Mark Price kann sich glücklich schätzen, dass in jener Sommernacht 1986 der Blitz zweimal bei den Cleveland Cavaliers einschlug.

Der Freischütz(e)
3 (60%) 1 vote
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
StefanNasch13
StefanNasch13 1. Oktober 2009 um 17:08 Uhr

Komische Analogie irgendwie…

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.