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Der beste „Helfer“ aller Zeiten

19.10.2011 || 00:00 Uhr von:
Seit 2005 hängt das Trikot von Scottie Pippen mit der 33 unter dem Hallendach in Chicago. Auch wenn dies Jordans Wohnzimmer ist, wären die sechs Titel ohne den besten „Helfer“ aller Zeiten nicht möglich.

Zu klein fürs College

Nachdem Pippen erfolgreich als Point Guard an der High School in seiner Heimat Arkansas gespielt hatte, stellte vor allem seine geringe Körpergröße von 1,83 Meter die größte Hürde zum Sprung ans College dar. Sein Heimat-College Central Arkansas bot ihm trotzdem an, Teil des Teams zu werden, wenn er auch andere Aufgaben rund um die Betreuung der „echten“ Spieler übernehmen würde. Noch heute bezeichnet sich Pippen selbst in seinem ersten Jahr am College als „Wasserträger“. Doch mit der Zeit wuchs nicht nur der Ehrgeiz des Jungen aus der Kleinstadt mit dem bekannten Namen Hamburg. Seine Körper begann zu wachsen und so beendete er das College mit dem Gardemaße von 2,01 Meter und guten Aussichten auf die NBA.

Die Seattle SuperSonics wählten den Small Forward an fünfter Stelle und schickten ihn sofort im Austausch für „Center-Legende“ Olden Polynice nach Chicago. Nach einem sehr banklastigem Rookiejahr erarbeitete Pippen sich an der Seite von Michael Jordan und Forward-Kollege Horace Grant schnell einen Stammplatz in der Starting Five und wurde 1989 erstmals NBA All-Star. Die jungen Bulls sorgten für Furore, doch der große Wurf sollte nicht gelingen. Zwei Mal war gegen die legendären Bad Boys aus Detroit Schluss in den Playoffs. Für viele Fans und Experten trug Scottie Pippen die Hauptschuld an dem Ausscheiden. Doch dazu kommen wir später noch einmal…

Die Unbeatabulls

Der Rest seiner Zeit in Chicago ist das vielleicht meist erzählte Basketball-Märchen der NBA. Die glorreichen Bulls gewannen sechs Meisterschaften und stellten in der Saison 1995/1996 mit 72 Siegen bei nur zehn Niederlagen einen Rekord für die Ewigkeit auf. Alleine Michael Jordans Verdienst, oder etwa nicht? Wieso wurden die Bulls in den anderthalb Spielzeiten ohne MJ nicht Meister? Wo war der Superstar Scottie Pippen als Anführer der jordanlosen Bulls?

Fragen, die Scottie Pippen sicher noch in seinen Albträumen hört, die aber auch nur die halbe Wahrheit erzählen. Auf der einen Seite wurde aus dem kongenialen Partner ein Anführer wie er im Buche steht. In seiner ersten Saison ohne Jordan führte Pippen die Bulls als Leader sicher in die Playoffs und wurde sogar im Rennen um die MVP-Trophäe Dritter. In den Playoffs scheiterten die Bulls jedoch gegen den ewigen Rivalen aus New York. Beim Stande von 2-0 für die Knicks und Spiel drei auf des Messers Schneide (102:102) zeichnete Phil Jackson den letzten Spielzug auf. Der Rookie Toni Kukoc sollte den entscheidenden Ball versenken. Ein Schlag ins Gesicht für Pippen, der sich weigerte, den Einwurf auszuführen. Kukoc traf, doch die Bulls verloren in sieben Spielen und Pippen verlor ein Stück seiner eigenen Philosophie aus den Augen. „Das schwierigste für einen Basketball-Spieler ist es, seine Rolle im Team zu akzeptieren und so dem Team bestmöglich zu helfen“, erklärt der Mann, der heute als Inbegriff des selbstlosen Co-Stars gilt, im Interview. In der folgenden Saison will Pippen es um so mehr wissen und bringt das einmalige Kunststück fertig, am Ende der Saison die Bulls in Punkten, Rebounds, Assists, Steals und Blocks anzuführen! Für viele ist „Beam me up, Scottie“ endlich der beste Spieler der Liga. Doch das Gewinner-Gen eines Jordan scheint er nicht injizieren zu können. So wird sein großes Glück als Mannschaftssportler ihm als individueller Spieler zum Verhängnis.

Die Jordan-Rückkehr und die Flucht

Durch den Rücktritt vom Rücktritt des Michal J. wird Pippen erneut in die zweite Reihe der Teamhierarchie versetzt und seine Leistungen fallen unter den Tisch. In seiner offensichtlichen Paraderolle als vielleicht talentiertester Helfer der NBA Geschichte blüht Pippen auf und nimmt phasenweise die Bulls auch in den Playoffs auf seine Schultern, wenn Jordan seine seltenen Auszeiten braucht. Drei weitere Titel folgen und Pippen wird zu einem der besten 50 Spieler der Liga-Geschichte ernannt. Doch ein zweites Mal will er sich nicht als Alleinunterhalter in Chicago versuchen. Es folgt der Trade nach Houston und anschließende mehr oder wenig erfolgreiche Jahre in Portland. Nach einer versuchten Bulls-Rückkehr ist aufgrund von diversen Verletzungen 2004 endgültig Schluss.

Die Geldbeschaffungsmaßnamen mit Spielen in Finnland und Schweden lassen wir an dieser Stelle mal außen vor. Nachdem Pippen als zweite Karriere den Weg als TV-Analyst gegangen ist verdient er nun als Botschafter seiner Bulls seine Brötchen. Und wenn man den Gerüchten so Glauben schenkt, hat er dies auch nötig. Immer wieder tauchen Summen wie 130 Millionen auf, die Pippen schlecht investiert haben soll. Satte vier Millionen versenkte er in einen Jet, der aufgrund von Mängeln direkt nach der Fertigstellung wieder verschrottet wurde und nicht ein Mal vom Boden abheben durfte. Mitte letzten Jahres wurden der Legende in einem Rechtstreit dafür zwei Millionen Schadensersatz zugesprochen, worauf hin ein weinender Pippen den Gerichtssaal verließ. Noch reiht er sich also nicht in die „NBA-Pleite“-Liste hinter Spielern wie Antoine Walker ein.

Der verdiente Respekt

Auf den ersten Blick kann man sicher den Leuten Recht geben, die Pippen „nur“ als Helfer sehen. Ohne Michael Jordan steht der Titelzähler schließlich bei null. Doch mit diesem schnellen Urteil tut man einem der besten Verteidiger, die das Spiel je gesehen hat, sicherlich unrecht. Seine blanken Zahlen ohne Jordan sind beeindruckend und dürfen nicht einfach vergessen werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass Pippen in den Playoffs gegen Detroit 1989 mit einer Gehirnerschütterung und 1990 mit Migräne zu kämpfen hatte. Die Niederlagen der Bulls, trotz eines Michael Jordan, verdeutlichen den Wert des Helfers mit der 33. Ohne Helfer ist selbst ein Michael Jordan manchmal zu wenig!

Wem das nicht reichen sollte, der guckt einfach auf andere blanke Zahlen: siebenfacher All-Star, sechsfacher NB-Meister, die drittmeisten Playoff-Partien nach Kareem Abdul-Jabbar und Robert Horry, in zwei Jahren NBA Champ und Gold bei den Olympischen Spielen (1992, 1996).

Seit dem 12. September 2010 ist auch Scottie Pippen offizielles Mitglied der Hall Of Fame der NBA und so unglaublich es klingen mag: Bald ziert neben der weltberühmten Michael Jordan-Statur auch eine Scottie Pippen Statur das United Center in Chicago. So sollten auch die letzten Worte hierzu dem zweiten Teil des vielleicht besten Basketball-Duos aller Zeiten gehören: „Ich weiß, dass er mich zu einem besseren Spieler gemacht hat. Leider wird es sicher einige Zeit dauern, nachdem Scottie und ich zurück getreten sind, bis die Leute erkennen, wie gut er wirklich war“, sagt Michael Jordan. Zumindest in Chicago haben sie die Bedeutung des „Helfers“ auf jeden Fall erkannt.

Scottie Pippen

Small Forward (2,03 Meter)
(1987-2004; Chicago 1987-1998, 2003/2004; Houston 1998/1999; Portland 1999-2003)
1.178 Spiele, 18.940 Punkte (16,1 PpG), 7.494 Rebounds (6,4 RpG), 6.135 Assists (5,2 ApG), 2.307 Steals (2,0 SpG)

6x NBA Champion (1991–1993, 1996–1998)
7x NBA All-Star (1990, 1992–1997)
1x NBA All-Star Game MVP (1994)
3x All-NBA First Team (1994–1996)
2x All-NBA Second Team Selection (1992, 1997)
2x All-NBA Third Team Selection (1993, 1998)
8x NBA All-Defensive First Team Selection (1992–1999)
2x NBA All-Defensive Second Team Selection (1991, 2000)
50 Greatest Players in NBA History (1996)
2x Olympisches Gold (1992, 1996)
Mitglied des “Original Dream Team” (1992)

Der beste „Helfer“ aller Zeiten
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xax
xax 19. Oktober 2011 um 23:32 Uhr

Stern: "Scott Pippen, die Optik von beiden is auch genial. war schon nicht son schlechter der scott.

eightch
eightch 20. Oktober 2011 um 8:50 Uhr

"Ohne Michael Jordan steht der Titelzähler schließlich bei null."
wieviele titel hat mike denn ohne scottie geholt? 😉
das ist eines der wenigen tandems die nicht batman und robin sondern batman und batman sind… klare sache – auch ohne gedankenspielchen wie wichtig pippen in einem auf ihn zugeschnittenem team gewesen wäre…
oder ums mit 2k ratings zu sagen – wenn ich persönlich mj bei 97 sehe hat pip ne 95 verdient… abzug gibts allerdings nur für den pilzkopf 😉

xax
xax 20. Oktober 2011 um 10:34 Uhr

eightch, eightch… eightch. was erzählst du denn da wieder?Batman und Batman?Auch als Tandem waren sie nicht gleichwertig, es gibt immer einen der besser(dominanter) ist und wenn einer davon Herr Jordan ist, dann braucht man nich mal mehr zu schauen wer zweiter ist.

Die Friese ist aber echt gut, aber nicht gegen das: http://2.bp.blogspot.com/_YuzlNQeaNr0/SKBd_UVW0EI/AAAAAAAAAhk/9EsyB0BlQ98/s400/Kaman.Chris.jpg

zwiwi
zwiwi 20. Oktober 2011 um 12:02 Uhr

Pippen ist der meistüberschätzte Spieler aller Zeiten. Ich hab damals einen Haufen Spiele gesehen und habe den Hype nie verstanden. Er war ein ziemlich guter Verteidiger und Rebounder. Alles andere konnten zu seiner Zeit sicherlich 10-15 Sfs besser. Er war halt der perfekte Rollenspieler in Jordans Team, in dem er nie auch nur den Hauch von Vernatwortung übernehmen musste. Sowas wie der Podolski der Bulls.

lb1
lb1 20. Oktober 2011 um 12:34 Uhr

jordan und pippen gleichzusetzen find ich auch übertrieben. pippen war gut aber hatte nie dieses alphatiergen welches jordan hatte.

und ich wage zu behaupten jordan hätte auch mit anderen spielern titel gewonnen pippen ohne jordan eher nicht…

eightch
eightch 20. Oktober 2011 um 12:52 Uhr

stimmt deswegen hat er auch so abgekackt als der die bulls alleine führte – für alle die die 90er nur aus spacejam kennen, die bulls haben auch während mjs abwesenheit mehr als erfolgreich gespielt, pip auf mvp niveau und hier noch mal ein rückblick:

1993-94 Chicago Bulls Roster and Statistics
55-27
Def Rtg: 102.7 (6th of 27)
Lost NBA Eastern Conference Semifinals (4-3)

Scottie Pippen: Reb 8,7 Ass 5,6 Stl 2,9 Pts 22

und jetzt zeigt mir einen co-star… die nächstbesten spieler waren grant und armstrong oder zähl mir 10-15 sf der saison (egal ob aktuell oder damals) auf die das gleiche geleistet und ihr team so weit getragen haben…

das zwischen mj und pippen mehr als nur der pilzkopf liegt ist allen klar ich wollte mit meiner aussage nur das ewige erster und zweiter in frage stellen weil ich hier mehr als bei allen tandems zwei spieler auf augenhöhe sehe… stockallone waren eventuell auch so aber eben zu unterschiedlich von den spielanlagen (pg, pf) her um sie zu vergleichen…

Wendy
Wendy 20. Oktober 2011 um 13:35 Uhr

Podolski der Bulls – nicht schlecht

Passt leider nicht ganz, denn Poldi würde ich in der NBA eher mit überhypten Spielern die Offensiv gut sind, meist aber kein Bock haben, und defensiv keinerlei Interesse haben (eher der junge Zach Randolph oder JR Smith)vergleichen => also eher nicht Mister Pippen, der defeniv stark war und offensiv die 2. oder 3.Geige spielte. => als Fussballspieler würde ich da eher sagen, dass Pippen eher der perfekte 6er/8er wäre, also sowas wie Patrick Viera früher war (Perfekte Ergänzung zu Zidane oder Henry).

justuskoch
justuskoch 20. Oktober 2011 um 17:18 Uhr

wow….lasst uns über fußball diskutieren.
es wurden glaube ich nur die team interne position verglichen nicht die skills…. wie soll man auch basketball mit fußball vergleichen? per mertesacker ist ein guter shotblocker!!

RedWater
RedWater 20. Oktober 2011 um 18:33 Uhr

naja der Fussball-Basketballvergleich ist nicht wirklich gelungen. Das ist als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen.
zu Scottie: für mich ist Pippen einer der besten Allrounder der Geschichte, eigentlich ist nur noch "the Big O" besser. Allerdings: wär alles gleich gut kann, kann nichts besonderes wirklich gut und das galt auch für Pippen. Er war ein sehr guter Teamplayer, aber eben kein Individualist wie Jordan, Johnson, Bird oder Thomas.
Pippen ohne Jordan, das wäre soetwas wie ein Grant Hill in Detroit gewesen.

TheGlide
TheGlide 21. Oktober 2011 um 12:22 Uhr

"per mertesacker ist ein guter shotblocker!!"

da hab ich gut geschmunzelt!

xax
xax 21. Oktober 2011 um 13:08 Uhr

@ eightch
stockalone waren für mich auch nicht auf augenhöhe, für mich war stockton der bessere,auch wenn der abstand nicht so groß war wie bei scott und MJ.

es ist doch nichts schlimmes, wenn einer im team der bessere ist, solange sie zusammen spielen und ein team bilden (ihre stärken für das team eeinbringen) ist doch alles in butter.

bei dallas ist dirk der beste, trotzdem wäre ohne marion, kiddchandler oder barea der titel nach Mi**i gegangen, dass dirk dabei klar die 1 ist aber fakt. genau wie mj es war.

@zwiwi
deswegen war er auch im dreamteam und bei zig allstarspielen und wird/wurde weltweit als einer der besten 50 spieler angesehn, in dieser liste sind aber natürlich 20 andere sf vor ihm…

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