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Dennis Schröder: Etabliert im Konzert der Großen

02.01.2017 || 16:26 Uhr von:
Dennis Schröder
Dennis Schröder ist als Starter in der NBA angekommen. Nach einem schwierigen Start hat der Nationalspieler Konstanz in seine Leistungen gebracht. basketball.de erklärt, in welchen Bereichen sich der 23-Jährige verbessert hat.

Im ersten Spiel des neuen Kalenderjahres stand gleich ein Highlight für die Atlanta Hawks auf dem Programm: Mit den San Antonio Spurs war das Team mit der bislang zweitbesten Bilanz zu Gast. Die Hawks gewannen die Partie mit 114:112 nach Overtime. Dennis Schröder trug mit einem Double-Double wesentlich zum Erfolg bei und war gerade in der entscheidenden Phase ein wichtiger Faktor. Zunächst lieferte er den Assist zum Ausgleich wenige Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit. Und auch in der Verlängerung spielte er mit fünf Punkten und zwei weiteren Vorlagen eine tragende Rolle.

Durchwachsener Saisonstart

Leistungen wie diese sind in den letzten Wochen erfreulicherweise fast schon zur Normalität geworden. Dabei sah dies zu Beginn der Spielzeit noch ganz anders aus. Die Hawks starteten gut in die Saison (9-2), dabei hielt sich Schröder aber noch eher zurück. Die Big Men Paul Millsap und Dwight Howard waren diejenigen, die zu Beginn die großen Zahlen auflegten. Schröders Leistungen in seinen ersten Partien als NBA-Starter waren dagegen sehr schwankend. Nach einem starken Spiel in Cleveland (28 Pkt, 10/16 FG, 6 Ast) folgte beispielsweise ein unglücklicher Auftritt gegen Chicago (13 Pkt, 5/19 FG, 3 Ast, 4 TO).

Mitte November begann die rasante Talfahrt der Hawks mit zehn Niederlagen aus elf Spielen – und Schröder mittendrin, der beim Auswärtsspiel in New York seinen persönlichen Tiefpunkt erreichte. So erzielte der deutsche Nationalspieler gegen die Knicks nur einen Punkt und verfehlte alle acht Feldwürfe. Die zweite Halbzeit musste er überwiegend von der Bank aus verfolgen. In vielen weiteren Partien bereiteten vor allem Schröders miserablen Plus-Minus-Werte Sorgen. Zwar lag dies nicht nur an ihm; dennoch war dies ein Zeichen dafür, dass er als Point Guard sein Team nicht zurück in die Spur führen konnte.

Ein herausragender Dezember

Der Wendepunkt für Dennis Schröder war ausgerechnet das Auswärtsspiel bei den Golden State Warriors Ende November. Die Hawks verloren zwar die Begegnung, blieben aber trotz eines Back-to-Back bis zum Schluss auf Tuchfühlung zum Liga-Krösus – auch wegen ihres 23-jährigen Spielmachers, der auf der einen Seite seine Mannschaft mit 24 Zählern anführte und auf der anderen Seite Gegenspieler Stephen Curry bei 6 von 17 aus dem Feld hielt.

Ab dieser Begegnung lesen sich Schröders Zahlen in den 17 Partien wie folgt: 20,9 Punkte (50,9% FG, 37,9% 3P), 7,2 Assists, 3,1 Turnover. In drei Partien erzielte er mehr als 30 Zähler und stellte zweimal innerhalb kürzester Zeit ein neues Career-High auf. Hinter dem Deutschen liegen fantastische fünf Wochen; Schröder hat seinen Rhythmus und sein Selbstvertrauen wiedergefunden. Besonders erfreulich ist vor allem die Entwicklung seines Sprungwurfs. Seine Dreierquote in der Saison 16/17 ist die beste seiner NBA-Karriere. Sowohl aus dem Catch-and-Shoot als auch per Pull-up sowie beim Finish nach Drives in der Zone – Schröder hat sich in allen Bereichen verbessert.

Dies gilt auch für sein Pick-and-Roll-Spiel, wo er sich im Vergleich zur Vorsaison deutlich verbessert hat. So erzielt Schröder 0,92 Punkte pro Angriff und eine Feldwurfquote von 50,4 Prozent bei Abschlüssen nach dem Blocken-und-Abrollen (zum Vergleich: 15/16 waren es 0,71 PPP bzw. 37,9% FG). Auch die Anzahl der Ballverluste konnte er deutlich reduzieren. Diese deutliche Verbesserung ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass das Pick-and-Roll ein wesentlicher Bestandteil in Schröders Offensivspiel ist. Fast jeder zweite Abschluss des Point Guards resultiert aus dieser Aktion.

Shotchart Dennis Schröder

Türöffner für seine höhere Effizienz ist der vorhin erwähnte Fortschritt beim Sprungwurf. Nach wie vor versucht die gegnerische Verteidigung häufig, Distanzwürfe von Schröder aus dem Dribbling zu forcieren. So geht sein direkter Gegenspieler des Öfteren unter dem Block durch. Bleibt dieser dagegen am Block hängen, wartet in vielen Fällen ein gegnerischer Big Man vor der Zone. In beiden Situationen bekommt Schröder viel Platz an der Dreierlinie oder in der Mitteldistanz. Die Kontrahenten versuchen aus Respekt vor seiner Schnelligkeit lieber, ihn am Drive zu hindern. Mittlerweile gelingt es Schröder viel häufiger, diesen Freiraum zu nutzen, indem er seine Würfe aus dem Dribbling versenkt. Vor allem die langen Zweier trifft Schröder überdurchschnittlich gut, wie der Shot Chart zeigt.

In den letzten Wochen hat diese Entwicklung anscheinend Wirkung gezeigt. Viele Gegner haben registriert, dass sie Schröder nicht mehr ungestraft frei stehen lassen können. Dies öffnet jenem vermehrt Wege zum Korb oder Mismatches, wenn Verteidiger das Pick-and-Roll switchen. Selbstverständlich profitiert der Deutsche auch von seinen Big Man-Kollegen Millsap und Howard, die die Aufmerksamkeit der Gegenspieler auf sich ziehen und Schröder Raum zum Drive schaffen.

„Dennis hat die Balance zwischen Scoring und Passen gefunden.“ (Mike Budenholzer)

Doch nicht nur beim Scoren macht Dennis Schröder Fortschritte, auch seine Entscheidungsfindung ist besser geworden. Zwar ist die Anzahl der Ballverluste noch verbesserungswürdig, aber alles in allem hat der Nationalspieler die Mischung aus Scoren und Passen gefunden. Für Hawks-Cheftrainer Mike Budenholzer sind es sogar die Qualitäten als Vorbereiter, die in Schröders Angriffsspiel herausstechen: „Ich denke, insgesamt macht Dennis viele Dinge richtig. Die Vorlagen sind vermutlich sogar das Wichtigste überhaupt. Sein Scoring sorgt für Assists, die Assists sorgen für das Scoring. Er hat diese Balance gefunden.“

Auch in der Defense macht Schröder einen ordentlichen Job. Natürlich muss sich der 23-Jährige erst daran gewöhnen, dass ihm nun die meiste Zeit gegnerische Starter gegenüberstehen. Abend für Abend misst er sich mit den Stars auf seiner Position. Dank seiner Athletik gelingt es Schröder jedoch gut, die meisten seiner Kontrahenten vor sich zu halten – auch wenn er bei der Verteidigung des Pick-and-Roll zum Teil noch Probleme hat, wenn er an Blöcken hängen bleibt. Zudem hilft es ihm, dass die Hawks im Teamverbund sehr gut verteidigen.

Auffällig ist dennoch, dass Atlanta ein deutlich besseres Defensiv-Rating auflegt, wenn Schröder nicht auf dem Feld steht (98,8 Punkte pro 100 Ballbesitze ohne ihn im Vergleich zu 105,3 mit ihm). Seine Starter-Kollegen wie Howard und insbesondere Millsap scheinen den Statistiken zufolge einen weitaus höheren Einfluss auf die Defensive zu haben als Schröder. Allerdings werden diese Werte vor allem durch die katastrophale Phase im November getrübt, wo sich die Hawks und Schröder selbst sehr schwer taten.

Dennis Schröder

Ein wichtiges Jahr steht an

Nach etwas mehr als zwei Saisonmonaten fällt das Zwischenfazit zu Schröders erster Saison als Starter positiv aus. Nach einem schwierigen Start konnte der Deutsche seine Leistungen stabilisieren und zeigen, dass er Verantwortung schultern kann – eine sicherlich wichtige Erkenntnis für die Hawks. Im Dezember gehörte Schröder zu den effektivsten Spielern auf seiner Position. Der Point Guard ist aggressiv im Pick-and-Roll, zeigt sich aber auch in puncto Distanzwurf deutlich verbessert. Mit seiner Athletik und Energie tut er dem Veteranen-Team in Atlanta gut. Von seinem Ziel, in drei Jahren All-Star zu sein, ist Schröder zwar noch weit entfernt. In Anbetracht seines noch jungen Alters und seines Potenzials ist dies jedoch kein unrealistisches Vorhaben. Es wird interessant sein zu sehen, ob er die Form der letzten Wochen bestätigen kann.

2017 wird ein wichtiges Jahr für den Basketballer Dennis Schröder werden. Mit seinen Hawks wird er versuchen, die Playoffs zu erreichen. Für ihn persönlich wäre der Einzug in die Postseason besonders wertvoll. In den Playoffs, wo die Intensität noch einmal deutlich höher ist, würde Schröder in seiner Rolle als Starter noch deutlich mehr an wichtiger Erfahrung sammeln als ohnehin schon. Im Moment befindet sich Atlanta auf einem guten Weg. Die Hawks scheinen nach einem zähen Start die Identität in der Offense gefunden zu haben.

Nicht zu vergessen ist auch die Europameisterschaft im kommenden September, an der Schröder erst kürzlich seine Teilnahme erneut bestätigte. Als Anführer des Teams will er mit der deutschen Nationalmannschaft weit kommen. Die Fans dürfen sich schon einmal auf starke Leistungen im Nationalmannschaftstrikot freuen. Bis dahin wird allerdings noch ein wenig Zeit vergehen – Zeit, in der Schröder zweifellos noch einmal einen Sprung nach vorne machen wird.

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