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Koby Altman: König für einen Tag

27.02.2018 || 12:35 Uhr von:
Koby Altman gestaltete die Trade Deadline 2018. Der Aktionismus des General Managers der Cleveland Cavaliers wurde ligaweit gelobt – zu Recht! Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Seit 15 Jahren dreht sich in Cleveland alles um LeBron James. Dies begann mit der Hoffnung auf den Top-Pick 2003. Es folgte das Bemühen der Cavs-Verantwortlichen, der Nummer 23 ein titelfähiges Team zur Seite zu stellen – dessen Scheitern 2010 zum Wechsel James‘ führte.

Vier Jahre lang versuchte die Franchise von Besitzer Dan Gilbert daraufhin, den Verlust des besten Spielers seiner Zeit zu verkraften, bevor James‘ Rückkehr die Cavaliers wieder zu einem Titelaspiranten werden ließ. Gekrönt wurde dies von drei Finalteilnahmen in Folge inklusive dem Titel 2016.

Die kommende Free Agency des viermaligen MVPs sowie der schwache Saisonverlauf ließen ein unrühmliches Ende der zweiten James-Ära in seinem Heimatstaat befürchten. Um dies zu verhindern, übernahm General Manager Koby Altman für einen Tag das Zepter von „King James“. Altmans Aktionismus rettete die diesjährige Trade Deadline. Doch auch die Zukunft der Cleveland Cavaliers?

Notwendige Veränderung

„Players-only“-Meetings, defensive Arbeitsverweigerung und provozierende Kommentare des Superstars: Dies ließ sich auch in den vergangenen Saisons bereits beobachten. Pünktlich zur Postseason waren Führungsspieler und Gefolge jedoch wieder auf Kurs. Weshalb bedurfte es diesmal einer Generalüberholung?

Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren handelt es sich 2017/18 nicht um einen kleinen Durchhänger im Saisonverlauf. Während sich Clevelands Verteidigung bis zur All-Star-Pause vor zwölf Monaten noch im hinteren Mittelfeld befunden hatte, gehört das Team von Head Coach Tyronn Lue defensiv bereits seit Saisonbeginn zu den schwächsten der Liga.

Temporär fehlender Einsatz scheidet als Erklärung aus. Auch hinter den Kulissen brodelte es gewaltig. Laut gut informierten Quellen wie Brian Windhorst war eine Veränderung des Kaders alternativlos. Dies zeigte bereits das Auftreten in den wenigen Spielen seit der Deadline. Doch trotz des gerechtfertigten Lobes für Koby Altman sind diese Wechsel neben der Verletzungshistorie einiger Neuzugänge mit weiteren Risiken verbunden.

Was bedeutet der Wechsel für die laufende Saison?

George Hill, Rodney Hood, Jordan Clarkson und Larry Nance Jr. sind keine Stars. Sie sind jedoch gute Komplementärspieler zu LeBron James. Die drei Guards besitzen einen guten Distanzwurf, um die Hilfe gegen die Nummer 23 zu bestrafen. Nance Jr. bringt die Athletik, das vertikale Spacing sowie die Agressivität an den Brettern, die Tristan Thompson vor seinen verletzungsbedingten Problemen in den Playoffs 2015 und 2016 zu dem wichtigsten Rollenspieler der Cavs machte.

Dagegen haben mit Isaiah Thomas und Dwyane Wade zwei balldominate Spieler das Team verlassen, die in der aktuellen Form keine Hilfe waren. Gleiches trifft auf Jae Crowder zu, der in Cleveland nicht an die Leistungen der Vorjahre anknüpfen konnte. Die Möglichkeiten stehen mit dem jetzigen Team viel besser, im Titelrennen hat es jedoch auch seine Schwächen.

Seit Jahren bestätigt sich die Tendenz, dass ein Star alleine keine Championship holen kann. Kevin Love ist zwar mehrfacher All-Star, seine Stärke überschneiden sich jedoch zu sehr mit denen von James. Außerdem ist sein Wert gerade gegen die potenziellen Finalgegner aus Oakland oder Houston eingeschränkt. Selbst im Titeljahr 2016 gehörte Love gegen die Warriors nicht einmal zu den besten drei Spielern seines Teams.

Diese Serie hat jedoch gezeigt, wie wichtig ein Co-Star auf diesem Niveau ist. Trotz der phänomenalen Leistung der Nummer 23 in den letzten drei Spielen, benötigte es ebenfalls einen Kyrie Irving in Höchstform, um Golden State zu bezwingen. Nach Thomas‘ Leistung in der vergangenen Saison bestand in Cleveland die Hoffnung, dass ein gesunder Thomas diese offensive Rolle übernehmen könnte. Im jetzigen Kader fehlt dieser Spielertyp. Aber auch in der Verteidigung gibt es noch offene Fragen.

Während James 2016 auch defensiv dominierte, konnte er im vergangenen Juni nicht an diese Leistung anknüpfen. Grund hierfür war seine veränderte Rolle. Im Titeljahr agierte der Finals-MVP häufig als „Libero“, der die Fehler seiner Mitspieler ausbügelte. 2017 musste er sich vermehrt um Kevin Durant kümmern. Im vergangenen August galt für viele Experten daher Jae Crowder – nicht Isaiah Thomas – als wichtigste sportliche Addition. Dieser sollte seinen Franchise-Spieler gegen Durant zumindest temporär entlasten.

Blick voraus

Da die Wahrscheinlichkeit, beide Ex-Celtics ab Mai in Topform zu sehen, sehr gering war, ist das Risiko in den kommenden Monaten überschaubar. Der Preis für diese Trades muss stattdessen in den kommenden Jahren bezahlt werden – unabhängig von der Entscheidung eines LeBron James. Denn Cleveland gab abgesehen von Crowder nur Verträge ab, die in den kommenden beiden Offseasons ausgelaufen wären. Da Channing Frye, Iman Shumpert und Derrick Rose in den Playoffs nicht als wichtige Bestandteile der Rotation galten, wäre deren Verlust – und die damit verbundene finanzielle Ersparnis – verkraftbar gewesen. Die Neuzugänge können dem Team derzeit alle helfen. Damit steigt jedoch auch der Druck, sie zu halten.

Situation mit LeBron James

Sollte der Local Hero seinen Vertrag auch im Sommer erneut verlängern wollen, wird dies mit Sicherheit nicht ohne massive Aufwendungen ins Team realisierbar sein. Denn bereits ohne seinen Maximalvertrag agiert Cleveland mit einem garantierten Gehaltsvolumen von 102 Millionen Dollar – ohne den Brooklyn-Pick – über dem prognostizierten Cap.

Hinzu kommt die Vertragssituation von Restricted Free Agend Rodney Hood. Die Cavaliers befinden sich mit ihm in einer vergleichbaren Situation wie 2015 mit Tristan Thompson. Der Shooting Guard wäre bei einem Abgang nicht zu ersetzen. Damit ist Dan Gilbert erpressbar. Nach all den Differenzen mit seiner Nummer 23 – meist finanzieller Natur – kann er es sich kaum erlauben, hier knausrig zu erscheinen. Eine Vertragsverlängerung im zweistelligen Millionenbereich hätte jedoch teure Folgen.

Die monetäre Belastung wäre auch nicht nur auf ein Jahr beschränkt. 2019 könnte sich Altman zwar vom größten Teil der ungarantierten Verträge eines J.R. Smith, Kyle Korver und George Hill trennen. Doch dies ist nicht im Sinne von LeBron James, der weiterhin den Druck aufrecht erhalten wird. Dazu läuft der günstige Rookievertrag von Larry Nance Jr. aus. Sollte Kevin Love seine Spieleroption nicht ziehen, könnte der Power Forward ebenfalls neu verhandeln. Eine Einigung mit dem viermaligen MVP würde daher vorraussichtlich ein jahrelange, horrende Payroll zur Folge haben. Dass sich dies ein Small-Market-Team, das angeblich Verluste einfährt und zum Verkauf steht, leisten wird, scheint unvorstellbar.

Situation ohne LeBron James

Bei einem Abgang des Superstars würde sich die Franchise aus Ohio zweifellos im Rebuild befinden. In solch einer Situation benötigt das Front Office drei Dinge: Draft-Picks, Talente mit günstigen Verträgen und finanzielle Flexibilität – sei es Cap-Space oder Spieler mit positivem Trade-Wert. Mit dem Nets-Pick konnte das wertvollste Asset in einem potenziellen Neuaufbau gehalten werden.

Den eigenen Draft-Pick, die auslaufenden Verträge sowie der Trade-Wert eines Jae Crowders musste Altman hingegen opfern. Ebenso hat Cleveland die überteuerten Verträge von Jordan Clarkson und George Hill aufgenommen. Der Wert von Rodney Hood und Larry Nance Jr. ist vor deren Vertragsverlängerungen noch schwer zu bewerten. Insgesamt wird ein Rebuild durch diesen Trade jedoch erschwert.

Fazit

Der 8. Februar 2018 wurde von Koby Altman bestimmt. Der dienstjunge General Manager hat eine schwierige Situation königlich gelöst. Doch trotz allen Lobes ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Transaktionen zur Deadline haben lediglich Fehleinschätzungen aus dem Kyrie-Irving-Trade behoben und haben einen hohen finanziellen Preis. Dennoch gab es keine Alternative, um die Titelchance und die Hoffnung auf den Verbleib des wahren Herrschers aufrechtzuerhalten.

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