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Chuck Person war der Rifleman

06.03.2004 || 00:00 Uhr von:

Michael Jordan, Larry Bird, Magic Johnson, Patrick Ewing und auch Hakeem Olajuwon sowie Charles Barkley – das sind Namen, die Basketballfans mit den späten Achtzigern und frühen Neunzigern verbinden. Irgendwann in der Liste, meist ein bisschen später, taucht auch der Name Chuck Person auf. Bis heute kann er nicht mit dem Bekanntheitsgrad der damaligen NBA Stars mithalten, deren Namen auch im neuen Jahrtausend noch jedem nachwachsenden NBA-Fan mit dem täglichen Schulbrot mitgegeben werden.

Chuck Person, inzwischen Vater von zwei Kindern, gehört zu der Gruppe NBA-Spieler, die nur einen kleinen Schritt davon entfernt waren den Sprung vom überdurchschnittlichen Spieler zum Star eines ganzen Jahrzehnts zu schaffen. In dieser zugegebenermaßen immer noch erlesenen Gruppe von guten NBA-Spielern ragt Person aber bis heute heraus. Sein außergewöhnlicher Karriereverlauf und sein Spitzname machen Chuck Conners Person zu einem erinnerungswürdigen Spieler. In dem Metier kann er mit "The Dream" (Hakeem Olajuwon) oder mit dem "Round Mound of Rebound" (Charles Barkley) mithalten. Der ganze persönliche Erfolg macht aus einem durchschnittlichen Spitznamen keinen wohlklingenden. Spitznamen kann man sich nicht kaufen. Sie werden einem meist zu Beginn der Karriere verpasst und bleiben einem erhalten, bis man zurücktritt. Chuck Connors Person war 14 Jahre in der besten Basketballliga der Welt der "Rifleman". Seine Mutter verehrte den Helden einer gleichnamigen Westernserie, der im wirklichen Leben Chuck Connors hieß und selber für die Boston Celtics Basketball spielte, und gab ihm daher den bis heute bekannten Spitznamen.

Chuck Person besuchte vier Jahre lang das College von Auburn und erzielte in seiner besten Saison 1984-85 22 Punkte, 9 Rebounds und 2 Assists pro Spiel. Er übertrumpfte am Ende seiner College-Zeit damit auch Charles Barkley und stellte einen neuen Rekord als bester Scorer aller Zeiten seiner Universität auf. Zum 25-jährigen Bestehen der Southeastern Conference, in der Auburn antrat, veröffentlichte ESPN vor einem Monat (im Januar) schließlich das von Experten gewählte Team, in das die besten Spieler der Division der letzten 25 Jahre aufgenommen wurden. In die erlesene Gruppe wurden neben Point Guard Chris Jackson (der spätere Mahmoud Abdul-Rauf), Shooting Guard Allan Houston, Small Forward Jamal Mashburn und Center Shaquille O´Neal auch Chuck Person gewählt.

Seine punktereiche Karriere setzte Chuck in der NBA scheinbar problemlos fort, als er 1986 im Draft an Nummer 4 von den Indiana Pacers gewählt wurde. Knapp 19 Punkte, 8 Rebounds und 3,5 Assists standen im ersten Jahr für ihn zu Buche und er wurde sogar zum Rookie of the Year gewählt. Die Pacers schienen mit Person einen echten Glücksgriff gemacht zu haben, gerade wenn man bedenkt, dass direkt vor Person Spieler gedraftet wurden, die massive Drogenprobleme hatten. Der an Nummer 2 gedraftete Len Bias starb einen Tag nach dem Draft an einer Überdosis Kokain und der dritte Pick, Chris Washburn, geriet nach 2 schwachen Jahren in der Liga mit der NBA wegen seiner Drogenprobleme aneinander.

Das besondere an Chuck Person waren aber nicht nur seine aufsehenerregenden Statistiken, sondern auch seine Präsenz auf dem Court. Die Pacers erreichten in seinem Rookie-Jahr erst zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte die Playoffs in der NBA. Angeführt von einem Rookie, verloren sie fast folgerichtig in der ersten Playoffrunde gegen die Atlanta Hawks mit 1 zu 3 Spielen. Chuck Person konnten die Hawks allerdings nie ausschalten und so erzielte der Rifleman 27 Punkte im Schnitt. In Indianapolis wuchs Hoffnung, dass Person der Mann ist, der die Franchise von ihrem Loserimage befreit und in die siegreichen Sphären der NBA führt. Sein Weg schien wie vorgezeichnet zu sein. Seine Scoringfähigkeiten, seine Vielseitigkeit und seine Führunsqualitäten hoben den jungen Chuck Person selbst aus einem Draftjahrgang mit Brad Daugherty, Ron Harper, Dell Curry, Scott Skiles, Mark Price, Jeff Hornacek und Dennis Rodman heraus.

Person jedoch entwickelte sich immer mehr zu einem Spieler, der den Wurf von Außen forcierte, und damit kam er 1987-88 dem frisch gedrafteten Reggie Miller in die Quere und Persons Punkteschnitt sank folgerichtig auf 17 pro Spiel. Aus einem anfänglich sehr starken und unterschätzten Rebounder wurde immer mehr der Durchschnittsforward mit 5 Rebounds pro Spiel. In seiner besten Saison für die Pacers gelangen ihm allerdings nochmal fast 22 Punkte pro Spiel. Doch trotz Rik Smits, Detlef Schrempf (dem besten sechsten Mann der Liga), Reggie Miller und eben Chuck Person erreichten die Pacers nie die zweite Runde der Playoffs. Larry Bird und die Boston Celtics waren trotz ihres fortschreitenden Alters noch immer zu stark für die Pacers. Dabei versuchte Person alles: Im fünften Spiel der ersten Runde 1991 zwischen Indiana und Boston im Garden waren die Pacers, angeführt von Chuck im vierten Viertel drauf und dran die Celtics aus den Playoffs zu werfen. Bird wurde die ganze Serie über von Rückenschmerzen geplagt und musste nach einem kleinen, kleveren Schubser von Person angeschlagen in die Kabine schleichen. Zum Ende des Spiels wurde es während einer Auszeit aber wieder laut in der Halle und plötzlich war Larry zurück. Er traf vier Würfe in Folge und die Celtics gewannen 124-121. Indiana war raus, obwohl der Rifleman die ganze Serie über Bird dominiert hatte. Aber im entscheidenden Moment wurde deutlich, wer der Superstar ist und wer nicht.

Person musste 1992 gehen und wurde zu den Minnesota Timberwolves getradet. Die Gerüchte, dass Person seinen Platz im Team für Reggie Miller räumen musste, werden bis heute von beiden bestritten. Wahrscheinlicher ist es, dass Detlef Schrempf nach zwei Saisons als bester sechster Mann der Liga endlich seinen Startplatz im Team erhalten sollte. Person spielte sechs Jahre in Indianapolis. Es war seine auf den Basketball bezogen beste Zeit in der Liga, doch ganz warm ist er mit den Fans der Pacers nie geworden und sie mit ihm nicht. Zu sehr lastete Larry Birds Schatten, der in einem kleinen Ort im Staat Indiana geboren wurde und das College von Indiana State besuchte, über dem Dach der Market Square Arena und dem ganzen Bundesstaat. Er war ihr Held und nicht Chuck Person, der sich jeden Abend seine Füße für die Pacers wund spielte und doch zweimal zu Beginn der 90er Jahre mit den Pacers in den Playoffs gegen Bird und seine Celtics verlor. Irgendwie trägt Person daher die Rolle des tragischen Helden. Er konnte scheinbar nie richtig verstehen, was Larry Bird in einem Staat bedeutet, wo Basketball fast eine Ersatzreligion ist. Es musste für Person ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, als die Celtics in den späten 80ern in Indianapolis aufliefen und die gesamte Halle zu Ehren Larry Birds grüne Jerseys trug.

Jedenfalls wurde Person von einem relativ erfolglosen Team zu einem noch erfolgloseren transferiert. Die Minnesota Timberwolves hatten vier Saisons in Folge 60 oder mehr Niederlagen einstecken müssen. In einer Franchise, die bis zum damaligen Zeitpunkt noch nie 30 Siege in einer Saison verzeichnen konnte, begann auch Persons früher und langsamer Niedergang. Dort spielte er von diversen Verletzungen behindert seine bis dato schwächste Saison. Trotzdem machte er noch gelegentlich auf sich aufmerksam, weil er sich immer mehr zu einem Dreierspezialisten entwickelte. Als der "Rifleman" 30 Jahre alt war, ein für Basketballer eigentlich sehr gutes Alter, war er plötzlich nur noch zweite Wahl. Zum ersten Mal in seiner Karriere musste Chuck Person auf der Bank Platz nehmen. Isiah Rider wurde die erste Option auf seiner Position und wie viele andere Coaches nach ihm, fiel auch Sidney Lowe auf die guten Statistiken von Rider herein. Der Streit und die Kapriolen sollten nicht lange auf sich warten lassen und Rider wurde aufgrund seiner charakterlichen Schwächen für jedes Team, für das er spielte und die Liga zu einem Problemfall. Chuck Person hatte in Minnesota allerdings erstmal relativ schnell ausgedient.

Person wurde in den folgenden Jahren ein zuverlässiger Bankspieler für die San Antonio Spurs. Elf Punkte erzielte er durchschnittlich von der Bank kommend zwischen 1994 und 1996, bis ihn schließlich eine schwere Rückenverletzung zu einer Operation zwang, von der er sich nie wieder richtig erholen sollte. Vorher erreichte er mit den Spurs allerdings noch die Western Conference Finals. Die Houston Rockets verwehrten Person und den Spurs allerdings den Einzug ins Finale. Er war dem Titel und seinem heiß ersehnten Ring nie näher gekommen und sollte keine weitere ernsthafte Chance erhalten ihn zu erspielen. Denn bis zum Jahr 2000 spielte Person nur noch untergeordnete Rollen in Charlotte und schließlich in Seattle.

Chuck Persons Karriere fehlt sicherlich der große Moment, den man oft als Krönung einer Lebensleistung ansieht. Aber seine Karriere hat auch nicht den Lauf genommen, wie es üblicherweise in der NBA passiert. Während sich andere Spieler langsam steigern und zur Mitte ihrer Karriere ihren Gipfel erreichen, war es bei Chuck genau umgekehrt: Er kam in die Liga und war sofort obenauf. Aus einem Loserteam machte er als Rookie einen Playoffkandidaten und zeigte über sechs Jahre hinweg gute Leistungen. Doch anstatt die nächste Stufe zu erreichen, ließ Persons Leistungsvermögen langsam aber sicher nach. Person brach weder ein, noch stolperte über Skandale, doch konnte er sein Leistungspotenzial nach seinem Abgang aus Indianapolis nicht mehr in dem Maße abrufen, wie er es zuvor getan hatte. Vielleicht waren die Timberwolves in der Pre-Garnett-Ära auch das falsche Team zur falschen Zeit. Man sollte ihn deshalb aber nicht als Versager brandmarken, denn welche Spieler in dieser Liga schaffen es denn überhaupt bis zum Rookie of the Year Titel und mehr als fünf Jahre mit mehr als 18 Punkten? Ein wenig ungewöhnlich mutet es einfach an, dass dies alles zu Beginn seiner Karriere geschah.

Neben seinem außergewöhnlichen Karriereverlauf und seinem Spitznamen trat der Rifleman aber auch wegen seiner Art außerhalb des Courts aus der Masse der NBA Spieler heraus. In den 80ern war es noch Gang und Gebe, dass die verdienten Veteranen des Teams die Rookies auch wie Neulinge behandelten und ihnen mit allerlei kleinen Bosheiten das Leben schwermachten. Moses Malone galt in der damaligen Zeit in der Hinsicht als übelster Zeitgenosse, aber auch Chuck Person brachte es fertig sich unbeliebt zu machen. Er rief Reggie Miller mitten in der Nacht an, um ihn bei eisigen Temperaturen im Winter sein Auto waschen zu lassen.

Chuck Person hat mal einen interessanten Satz von sich gegeben, der viel über ihn aussagt:
"Das ist nicht das letzte Mal, dass diese Leute mein Gesicht zu sehen bekommen haben! Wenn ich untergehe, dann gehe ich aufrecht stehend unter!"
Wenn man dies liest, weiß man, dass Chuck nicht einer Karriere hinterherweint, die sicherlich glamouröser hätte verlaufen können. Er hat den Lauf der Dinge akzeptiert und vollendet seinen auf dem College von Auburn in den 80ern begonnen Abschluss in Sport. Er setzt seine ungewöhnliche Karriere auf seine eigene Art und Weise fort.

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