BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Das Quäntchen Glück

22.10.2015 || 15:45 Uhr von:
Vom schleifenden Defensivfanatiker zum „Players' Coach“ mit Offensivvorliebe – die Chicago Bulls haben ihren Coaching-Stuhl rundum neu besetzt. Weht damit auch das Pech aus der „Windy City“?

Es muss sie geben, diese Mannschaften, die jedes Jahr aufs Neue ganz oben in den Power Rankings auftauchen, als klarer Meisterschaftsanwärter gesehen werden und am Ende doch hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die immer nur ein, zwei Plays, ein, zwei Verletzungen, ein, zwei Quäntchen Glück mehr oder weniger bräuchten, für den ganz großen Wurf.

Zum Leidwesen ihrer Fans waren genau dieses Team in der Eastern Conference der letzten Jahre die Chicago Bulls. Jedes Jahr war man sich aufs Neue sicher: „Das ist unser Jahr, dieses Jahr bleibt Derrick Rose fit, Joakim Noah wird Verteidiger des Jahres, und Tom Thibodeau ist sowieso der beste Coach der NBA.“ Es kann ja nicht ewig so weitergehen, „Defense wins Championships“, oder?

Die letzte Saison

Es ging dann, die letzte Saison, doch ähnlich weiter. Die Bulls konnten die ebenfalls arg gebeutelten Cleveland Cavaliers nicht schlagen und zogen wieder nicht ins ersehnte Ostfinale ein. Ein Maskottchenwechsel, vom Bullen zum grüßenden Murmeltier, der hätte wohl keinen gewundert. Trotz der Vorschusslorbeeren, mit denen die Bulls auch letztes Jahr wieder in die Saison gegangen waren – schließlich hatte die Franchise Pau Gasol geholt, Nikola Mirotic (endlich) über den großen Teich gelockt und Doug McDermott gedraftet -, blieb am Ende ein Aus nach der zweiten Playoff-Runde.

Schon vor der Saison waren sich viele Experten einig, dass nach etlichen Zerwürfnissen mit dem Management womöglich nicht mal die Meisterschaft Coach Tom Thibodeau den Job retten könnte. Die Trennung war schon lange klar, trotzdem war es bis zum Schluss eine, die man den Fans nur schwer vermitteln konnte. Hatte Thibodeau nicht das Beste aus der Mannschaft herausgeholt? Hatte er nicht Jahr um Jahr mit einem meist verletzungsgeschwächten Kader, der leidenschaftlicher kämpfte als jeder andere in der NBA, trotzdem erfolgreiche Saisons gespielt?

Der Vorwurf des Managements: Thibodeau war trotz ausreichend Verstärkung auf dem Flügel und mit ausreichend (wenn auch nicht überragendem) Shooting nicht in der Lage, ein funktionierendes Offensivsystem zu installieren. Auch die Verpflichtung von Gasol und Mirotic, die der Offensive eine neue Dimension geben sollten, reichten dazu nicht aus. Auch warf man Thibodeau vor, er würde seine Starter zu viele Minuten abspulen lassen, was dann Jahr um Jahr dazu führte, dass sie in den Playoffs nicht den extra Gang hatten, der die wirklich guten Teams ausmacht. Ursache und Wirkung sind hier nicht leicht zu unterscheiden, wenn man sich die unfassbaren Verletzungsprobleme der letzten Jahre anschaut. Hatte Thibodeau wirklich eine Wahl, oder musste er, um erfolgreich zu bleiben, seine Starter so extrem verheizen, wie er es tat? War erst die Henne da, oder das Ei?

Fest steht: Thibodeau kann nicht aus seiner Haut, er ist ein Defensivfanatiker, ein Workaholic, ein Schleifer, der seiner Mannschaft immer alles abverlangt. Das funktioniert leider, und vor allem wenn der finale Erfolg ausbleibt, nur recht kurzzeitig. Letzte Saison hörte man auch vermehrt von Ex-Spielern Kritik am Thibodeau’schen System. Deshalb war die wichtigste Verpflichtung der Offseason, die man trotz unangenehmem Nachtreten vonseiten des Managements wohl folgerichtig nennen muss, folgende:

20151022_600x300_Fred_Hoiberg_01

Die Offseason

Fred Hoiberg heißt der neue Mann an der Seitenlinie bei den Chicago Bulls. Ex-Bulls Spieler, zuvor Coach der Iowa State University, bekannt für sein Offensivsystem und seinen guten Draht zu seinen Spielern.

Die NBA ist eine „Copy-Cat“-League: Hat etwas Erfolg, wird es kopiert. Meister wurde mit den Golden State Warriors ein Team, das erst vor einem Jahr, mit Steve Kerr, einen neuen Coach bekam. Auch hier war zuvor mit Mark Jackson ein Defensivfanatiker am Werk, der eine der besten Defensiven der Liga installierte, jedoch offensiv das enorme Talent im Kader brachliegen ließ. Der Kader der Bulls wird wohl diese Saison noch weitestgehend zusammenbleiben. Die defensive Ausrichtung ist klar, die Techniken und Systeme verinnerlicht. Fügt man dieser Defensive eine ebenso starke Offensive hinzu, dann kann man ganz oben mitspielen, so die Hoffnung.

Ansonsten war es eine ruhige Offseason für die Bulls. Jimmy Butler bekam die erwartete Vertragsverlängerung; die Franchise draftete mit Bobby Portis einen StretchVierer, der mit seinen 2,11 Metern auch mal die Fünf spielen kann. Der Kader der Bulls ist gut gefüllt, das Team ist auf jeder Position mindestens drei Spieler tief. Auf den großen Positionen wird es mit Portis‘ Verpflichtung aber noch voller, ein Trade um einen der fünf(!) nominellen Power Forwards dürfte keinen überraschen.

20151022_600x300_Derrick_Rose_Chicago

Der Star und die Schlüsselspieler

Starpower haben die Bulls reichlich: Da wäre einmal Jimmy Butler, frisch mit einem Maximalvertrag ausgestattet. Wird der Most Improved Player der letzten Saison da weitermachen wollen, wo er im letzten Jahr aufgehört hat? Pau Gasol kommt als frischgebackener Europameister und MVP des Turniers zum Team, der Spanien fast im Alleingang zum Titel gehievt hat. Joakim Noah hat eine Seuchensaison hinter sich und will noch mal angreifen, nachdem er in der Saison 2013/14 noch MVP-Kandidat und „Defensive Player of the Year“ war. Und dann ist da ja auch noch Derrick Rose, der verletzungsgeplagte Ex-MVP, der aktuell noch mit den Folgen eines Bruchs der Augenhöhle zu kämpfen hat. Auch er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, in einer hoffentlich gesunden Saison zu alter Stärke zurückzufinden. In den vergangenen Playoffs war seine Vorstellung mit knapp 20 Punkten und sechs Assists schon recht vielversprechend.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=7JCUa4lmB30]

In Hoibergs System werden die Spieler mehr Freiheiten genießen. Der Rookie-Coach wird die mannigfaltigen Möglichkeiten, die ihm der Bulls-Kader bietet, mit Freude einsetzen. Bezüglich des Spacings gibt es viele Möglichkeiten: Noah, Gasol, Gibson und Portis können alle als Center spielen, dadurch wäre auf der Vier Platz für einen weiteren Shooter wie Mirotic oder Portis.

Gasol zeigte bei den Lakers unter Mike D’Antoni jedoch, dass er die Rolle als Stretch-Vierer nur recht ungern spielt, auch wenn er den Dreier aus der Ecke durchaus treffen kann. Die Frontcourt-Paarung Noah/ Gasol bietet nicht die idealen Räume für athletische Außenspieler wie Rose, Butler und Tony Snell. Es wäre nicht überraschend, wenn der deutlich offensiver orientierte Hoiberg die Minuten von Noah, dem wichtigsten Defensivanker der Bulls, aus diesem Grund reduzieren würde. Im Moment sieht es sogar so aus, als würde das Duo Mirotic/ Gasol für die Bulls starten. Falls Mirotic diese Saison auch als Small Forward eine Option werden würde, hätte Hoiberg sogar noch mehr Möglichkeiten. Man darf sehr gespannt sein, wie Hoiberg den Kader einsetzen wird und ob bei ihm im Gegensatz zu Tom Thibodeau auch die jungen Spieler mehr Einsatzzeit sehen werden.

Der Kader in der Übersicht

 StarterBankBank
PGDerrick RoseAaron BrooksKirk Hinrich
SGJimmy ButlerTony SnellE'Twaun Moore
SFMike DunleavyDoug McDermott
PFNikola MiroticTaj GibsonCameron Bairstow
CPau GasolJoakim NoahBobby Portis

Prognose

Die Bulls sind tief, haben Erfahrung und haben Stars – also alles, was ein Contender braucht. Die Frage, die es zu beantworten gilt, ist: Ist Defense wie Fahrradfahren? Kann Hoiberg erfolgreich die defensive Stärke, die die Bulls unter Thibodeau ausgezeichnet hat, erhalten und offensiv genug verändern, um das Team auf ein neues Level zu bringen? Die Minutenverteilung im Frontcourt könnte zum echten Problem werden.

Ein weiteres Problem könnte die Frage werden, wer denn eigentlich „the man“, der Star im Team, der Führungsspieler ist. Rose und Butler sind sich hier aktuell noch uneinig; aus Sicht der Fans kann man nur hoffen, dass ein tatsächliches Zerwürfnis zwischen den beiden nicht stattfinden wird.

Bleiben die Bulls gesund, sind sie das zweitbeste Team im Osten und das Team mit den besten Chancen, den Cavaliers die Conference-Krone streitig zu machen. Alles, was man braucht, ist ein Quäntchen Glück.

US-Manager-Tipp

Im Bulls-Team gibt es keinen echten „Must-Have“-Spieler. Durch den Zirksu-Trip Ende November, der noch in der trade-freien Phase liegt, werden Bulls-Spieler zusätzlich weniger interessant, da hier traditionell die Statistiken bei den meisten Spielern nachlassen. Wer noch einen Spieler über 0,50 Millionen mit Breakout-Potenzial sucht, der nimmt Doug McDermott, der unter Hoiberg nach starker Preseason mehr Minuten sehen wird. Hoiberg hat aber bereits angekündigt, McDermott eher in der Reservistenrolle zu sehen.


Ihr wolltet schon immer mal euer eigenes Team zusammenstellen? Dann seid beim US-Manager mit dabei. Als Hauptpreis winkt eine Reise zu einem NBA-Spiel!

Das Quäntchen Glück
4.8 (95%) 4 votes
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Icedice
Icedice 27. Oktober 2015 um 15:21 Uhr

Mirotic ein Fantasy-Tipp? Sieht er an die 30 Minuten pro Spiel?

Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2017 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.