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CBA: Kleine Änderungen mit großen Folgen?

21.12.2016 || 10:54 Uhr von:
Keine weiteren Superteams? Kein Trade von DeMarcus Cousins? Ein neuer Prozess? basketball.de analysiert die potenziellen Folgen des neuen CBAs.

NBA-Fans können durchatmen. 2017 wird es keinen Lockout geben. Weder die Free Agency noch die Saison wird verspätet starten. Kurz vor Ablauf der Ausstiegsfrist einigten sich die Spielergewerkschaft und die Ligavertretung auf das neue Regelwerk – auch wenn die offizielle Ratifizierung noch aussteht.

Das Grundgerüst hat sich im Vergleich zum vorherigen CBA kaum verändert. Es gibt jedoch kleinere Korrekturen, die weitreichende Folgen nach sich ziehen werden. Nachdem die Änderungen am Tag der Einigung bereits skizziert wurden, beschäftigt sich basketball.de nun mit den sportlichen Folgen sowie den Gewinnern und Verlierern einiger wichtiger Regeländerungen.

Vertragsverlängerungen

Im Mittelpunkt steht dabei die verbesserte Möglichkeit, eigene Spieler frühzeitig ans Team zu binden. Bereits 2011 sollten durch das Regelwerk Small-Market-Teams konkurrenzfähiger werden. Das damalige CBA sorgte dafür, dass Spieler bei einem Franchise-Wechsel kürzere Laufzeiten sowie geringere Gehaltssteigerungen akzeptieren mussten. Dies ließ sich im Gegensatz zu den vorherigen Jahren auch nicht durch einen Sign&Trade umgehen.

Dabei wurde jedoch eine neue Hürde eingebaut, die sich vor allem für kleinere Teams als fatal herausstellte. Denn eine vorzeitige Vertragsverlängerung war seither eher unattraktiv. Laut Regelwerk konnten Spieler im Jahr vor der Free Agency den Vertrag um maximal drei weitere Saisons verlängern – im Gegensatz zu den fünf im kommenden Sommer. Das zukünftige Gehalt wurde ebenfalls begrenzt. So konnte bei der vorzeitigen Verlängerung eines Spielers mit dem aktuellen Gehalt von zehn Millionen Dollar der neue Vertrag mit nur 10,75 Millionen (107,5% des Vorjahresgehaltes) starten. In einer Zeit von massiv steigenden Gehältern war solch ein Szenario für Stars undenkbar. Lediglich Athleten à la Rudy Gay und Zach Randolph machten von dieser Möglichkeit gebrach.

Einzige Ausnahme war die sogenannte „Renegotiation Extension“, von der unter anderem die Oklahoma City Thunder (mit Russell Westbrook. und Houston Rockets (James Harden) Gebrauch machten. Beide Franchises erhöhten das derzeitige Jahresgehalt ihrer Stars, um einen Deal für beide finanziell attraktiv zu gestalten. Dafür benötigen die Teams jedoch Capspace. Eine Vertragsverlängerung um weitere vier oder fünf Jahre war auch in diesem Szenario ausgeschlossen.

Leittragende des Systems waren Teams wie die Portland Trail Blazers. Im Sommer 2014 galt die Vertragsverlängerung von LaMarcus Aldridge als ausgemachte Sache. Die Limitierungen verhinderten jedoch eine vorzeitige Einigung. Zwölf Monate später ermöglichte die erste große Cap-Erhöhung den San Antonio Spurs es, den Power Forward mit einem Maximalvertrag nach Texas zu locken. Portland verlor seinen Star ohne Gegenwert. Dies hätte vermieden werden können. Wären die Blazers in der Lage gewesen, der Nummer 12 vorzeitig einen fünfjährigen Maximalvertrag zu bieten, hätte General Manager Neil Oshey besser planen können. Im Falle einer Ablehnung wäre ihm klar gewesen, dass der Forward sich alle Optionen offenhält. Ein frühzeitiger Trade wäre eine mögliche Alternative gewesen.

Designated Player

Dieser Missstand wurde im neuen CBA zumindest teilweise korrigiert. Teams sind ab Juli in der Lage, den eigenen Topspielern ein Jahr vor Vertragsende eine sinnvolle Verlängerung zu offerieren. Cap-Space wird dafür nicht mehr benötigt. Die zusätzliche Laufzeit kann bis zu fünf Jahre betragen. Das Gehalt soll angeblich auf bis zu 35% des Cap-Spaces steigen können. Bisher was dieser Prozentsatz nur denjenigen vorbehalten, die mindestens eine zehnjährige Ligazugehörigkeit aufweisen konnten.

Diese Erneuerung trifft jedoch nur auf ausgewählte Spieler zu. Die meisten können lediglich für vier weitere Jahre mit einer maximalen Gehaltssteigerung von 20% vorzeitig verlängern. Für die meisten Free Agents mit Vertägen vor den großen Cap-Sprüngen dürfte diese Steigerung weiterhin zu gering sein. Und um den Status „Designated Player“ zu erreichen, müssen folgende Vorraussetzungen erfüllt werden:

  1. Der Spieler muss in der Vorsaison in eines der All-NBA-Teams oder zum Defensiv Player of the Year gewählt worden sein
  2. Der Spieler wurde in einem der drei vergangen Saisons MVP oder zweimal zum Defensiv Player of the Year bzw. in ein All-NBA-Team gewählt.
  3. Der Spieler darf nach Ablauf seines Rookievertrages das Team nicht via Free Agency oder Trade verlassen haben.

Gewinner: Profitieren werden vor allem die Teams, deren Stars 2018 oder später Free Agents werden und diese Kriterien erfüllen. Je unattraktiver die Franchise ist, destso größer deren Vorteil. Denn diese mussten bisher ein Jahr vor Vertragsende – besser zur Trading-Deadline davor – entscheiden, ob sie das Risiko Free Agency mit ihrem Starspieler eingehen wollen. Danach sank der Tradewert üblicherweise. Das neue CBA verändert dies.

So kann beispielsweise Vlade Divac seinem Center DeMarcus Cousins 2017 vorzeitig eine Vertragsverlängerung bis 2023 anbieten. Dank der Designated-Player-Rule, die Cousins mit seinen NBA-Team-Nominierungen 2015 und 2016 bereits erfüllt hat, wäre Sacramento als einziges Team in der Lage, ihm fünf Vertragsjahre und 35% des Cap-Spaces zu bieten. Bei einem Cap von 103 Millionen Dollar könnte der Big Man somit 207 Millionen Dollar für die vorzeitige Vertragsverlängerung erhalten. Zum Vergleich: Andere Franchises können ihm 2018 maximal 135 Millionen über vier Jahre bieten. Diese Differenz und die frühzeitige Vertragssicherheit könnten einen sicher geglaubten Abgang des Centers verhindern. Weitere Gewinner könnten die Oklahoma City Thunder, Indiana Pacers oder Los Angeles Clippers sein. Russell Westbrook hat die vorgegebenen Kriterien ebenfalls erfüllt. Paul George und DeAndre Jordan besitzen das Potenzial, in eines der NBA-Teams gewählt zu werden.

Verlierer: Die neue Regelung erschwert es allen Teams, die sich Hoffnungen machten, einen Superstar zukünftig per Free Agency zu verpflichten. Diese Möglichkeiten sind an sich bereits sehr rah. Jeder Top-15-Spieler, der durch die Designated-Player-Rule bei der ursprünglichen Franchise bleibt, verringert diese Erfolgsaussichten weiterhin. Stellvertretend hierfür stehen die Los Angeles Lakers. Der 16-fache Meister stellt derzeit einen talentierten jungen Kader mit viel Upside. Nach derzeitigem Stand müssen sie jedoch zwei der nächsten drei Erstrundenpicks abgeben. Um mittelfristig den 17. Titel anzustreben, werden sie deshalb auch auf die Free Agency angewiesen sein. Sobald die sportlichen Resultate wieder stimmen, wird die Glamour-Franchise bei den vertragsfreien Spielern wieder hoch im Kurs stehen. 2018 könnten jedoch zwei potenzielle Wunschkandidaten – Russell Westbrook und Paul George – vorzeitig vom Markt verschwinden.

Es profitieren jedoch auch nicht alle Small-Market Teams vom neuen CBA. Denn die Kriterien für den Status des Designated-Player sind sehr streng. Teams ohne echten Franchise-Player – beispielsweise die Utah Jazz – könnten die Leidtragenden dieser Regelungen sein. Denn je mehr Top-Free-Agents nicht verfügbar sind, destso größer das Interesse an den besten verbleibenden Spielern. Gordon Hayward, George Hill, Derrick Favors und Rodney Hood dürften großes Interesse bei der Konkurrenz wecken. Es wird keine leichte Aufgabe, diesen Kern zusammenzuhalten.

Cap-Holds und Extensions

Weitreichende Folgen hat auch die Anpassung der Cap-Holds und Ausnahmeregelungen. Der zuletzt stark ansteigende Salary-Cap verhalf vielen Teams dank niedriger Cap-Holds zu deutlich höherer Flexibilität in der Offseason. So konnte San Antonio genug Gehaltspielraum freimachen, indem sie den Rookievertrag von Kawhi Leonard nicht ein Jahr vorzeitig verlängerten. Der niedrige Cap-Hold, der lediglich 250% seines Gehaltes im letzten Rookiejahres betrug, machte dies möglich. Die Washington Wizards und Detroit Pistons praktizierten die gleiche Taltik mit Bradley Beal und Andre Drummond. Dies wird auch das neue CBA nicht vollkommen unterbinden, jedoch deutlich erschweren.

Die Cap-Holds für auslaufende Rookieverträge werden ab 2017 schon einmal um 50 Prozentpunkte erhöht. Die meisten Rookies liegen zuküntig bei 300% des Vorjahreseinkommen. Nur diejenigen, die über dem NBA-Durchschnittseinkommen liegen, haben einen Cap-Hold von 250% (statt bisher 200%). Dies trifft derzeit jedoch nur auf die ersten Draft-Picks zu.

Des Weiteren werden die Rookieverträge sowie die Minimalverträge um 45% erhöht. Angeblich soll auch das Kaderminimum auf 14 erhöht werden. Auch diese Maßnahme hat sofortige Auswirkungen auf den Cap-Space der Teams. Je höher die Verträge für Neulinge und Kaderfüller sind, destso weniger Platz bleibt für die Free Agents.

Auch die Ausnahmeregelungen (die drei möglichen Mid-Level-Exceptions sowie die Bi-Annual Exception) werden um 45% erhöht. Damit steigt auch zukünftig deren Attraktivität. Denn unter dem neuen Gehaltsvolumen waren die knapp sechs Millionen Dollar, die ein Team über dem Cap zuletzt maximal für einen Free Agent investieren konnte, nicht mehr wertvoll. Das wird sich wieder ändern.

Im Gegensatz zum alten CBA gibt es daher für zukünftige Rookie- und Minimalverträge sowie Exceptions auch keine feststehenden Gehälter. Diese passen sich in den kommenden sieben Jahren den prozentualen Steigerungen des Salary-Caps an.

Gewinner: Diese Regelung nimmt den Teams unter dem Cap finanziellen Spielraum, um sich weiter zu verstärken. Gewinner sind daher die Franchises, die bereits 2017 über dem Cap liegen und einen Contender-Status besitzen. Denn höhere Cap-Holds oder Rookieverträge schränken die Flexibilität der Teams wie die Cleveland Cavaliers nicht ein. Dafür profitieren diese von den höheren Exceptions. Der vorherige Arbeitgeber von LeBron James konnte dank der MLEs beispielsweide Shane Battier und Ray Allen nach Miami locken. Dies war zuletzt aufgrunde des großen Unterschieds zwischen dem Cap und den Ausnahmeregelungen deutlich schwieriger. Nicht jeder Spieler möchte à la David West auf viel Geld verzichten.

Verlierer: Wie bei der Designated-Player-Rule benachteiligen auch diese Änderungen jede Franchise, die zukünftig auf eine namhafte Free-Agent-Verpflichtung setzt. Ein Beispiel dafür sind die Boston Celtics. Derzeit hat Danny Ainge in der kommenden Saison sieben garantierte Verträge mit einem Volumen von 61 Millionen Dollar auf der Gehaltsliste. Platz genug, um einen Maximalvertrag anbieten zu können. Hinzu kommen jedoch noch bis zu drei Rookieverträge (Nets-Pick sowie die beiden geparkten Erstrunden-Picks 2016), der Cap-Space von Kelly Olynyk sowie die leeren Roster-Plätze. Unter der alten Regelung wäre es je nach Draft-Position sogar möglich gewesen, alle Spieler zu halten und trotzdem die 31 Millionen für beispielsweise Gordon Hayward zu behalten. Dies ist 2017 nicht mehr möglich. Um weiterhin die nötige Flexibilität zu behalten, muss zumindest mit dem kanadische Power Forward nicht verlängert werden. Gut möglich, dass sogar weitere kleine Salary-Dumps unumgänglich sein werden.

Problematisch ist die Anhebung der MLE jedoch auch für Mittelklasseteams. Ein Beispiel: 2015 investierte Stan Van Gundy 6,5 Millionen Jahresgehalt in Aron Baynes. Dies brachte ihm viel Kritik ein. Im Podcast von Zach Lowe verteigitige er seine Entscheidung. Die Detroit Pistons benötigten einen Backup-Center und mussten über die MLE (damals 5,4 Mio) gehen, um attraktivere Teams ohne Cap-Space ausstechen zu können. Die Erhöhung dieser Ausnahmeregelungen bedeutet auch, dass schwächere Teams bereits zweistellige Millionenbeträge aufbringen müssen, um die MLE deutlich zu überbieten.

Fazit

Bisher sind noch nicht alle Einzelheiten des CBAs an die Öffentlichkeit gedrungen. Deshalb müssen alle Informationen noch mit Vorsicht genossen werden. Commissioner Adam Silver scheint jedoch ein Ziel erreicht zu haben: ein Superteam zusammenzustellen, wird zukünftig deutlich erschwert. Die finanziellen Zugeständnisse der Spieler müssten deutlich größer ausfallen als in der Vergangenheit. Die Erschwernisse gelten jedoch nicht für bereits bestehende Topteams.

Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich die Regeländerungen auf die Taktik der General Manager auswirken werden. Setzen einige Teams weiterhin auf die Free Agency, oder werden vermehrte Anstrengungen auf dem Trademarkt unternommen? Wird eine Franchise gar den Prozess der 76ers koopieren? Denn die Big-Three-Variante der Miami Heat wird ab 2017 keine realistische Option sein. Das neue CBA hat zwar viele offene Fragen beantwortet. Was die Verantwortlichen daraus machen, ist jedoch noch völlig offen.

CBA: Kleine Änderungen mit großen Folgen?
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