Anmelden oder registrieren

Captain Skyhook

27.10.2011 || 00:00 Uhr von:
Kareem Abdul-Jabbar spielte von 1969 bis 1989 in der NBA für die Milwaukee Bucks und Los Angeles Lakers. Der 2,18 Meter große Center erzielte in dieser Zeit insgesamt 38.387 Punkte und ist damit der beste NBA-Korbjäger aller Zeiten. Außerdem wurde "Captain Skyhook" sechs Mal zum Liga-MVP geehrt und gewann sechs NBA-Meisterschaften.

Nur wirklichen Basketball-Kennern ist der Name Ferdinand Lewis Alcindor Jr. ein Begriff, dabei kennt nahezu jeder Fan des orangefarbenen Leders die Person die sich dahinter verbirgt. Doch Alcindor ist nicht der bürgerliche Name von Superman, Batman oder Spiderman. Und doch ist er so etwas wie ein Superheld, der seine Taten auf dem Basketball-Court allerdings unter dem weniger heldenhaft klingenden Namen Kareem Abdul-Jabbar vollbrachte, was so viel heißt wie der „großzügige Diener Allahs“. Trotzdem haben glückliche Trikotsammler heute Trikots mit dem Namen Alcindor im Schrank hängen. Wie also wurde aus Alcindor Abdul-Jabbar? Und wieso ist er ein Superheld? Die Geschichte beginnt in New York…

Der unbesiegbare New Yorker

Schon früh im Leben des gebürtigen New Yorkers deutete sich eine „große“ Karriere an. Bereits mit neun Jahren maß Alcindor stattliche 1,72 Meter und wuchs bis zur achten Klasse weiter auf 2,04 Meter. Während andere Kinder noch Mühe hatten, den Ball so hoch zu schleudern, dass er durch den Ring fällt dunkte sich die gigantische Erscheinung schon durch die Schulsporthallen des Big Apple. Mit dem vielleicht besten Highschooler aller Zeiten auf der Centerposition fällt verlieren schwer und so blieb die Schule von Alcindor über zwei Jahre ungeschlagen und reihte Titel an Titel.

Nach eigenen Aussagen hatte der mittlerweile 2,18-Meter-Hüne über 100 Stipendien von Colleges auf dem Schreibtisch liegen, als er die High School verließ. Es folgte die Qual der Wahl. Er entschied sich für das renommierte College aus Los Angeles: die UCLA Bruins. Da im Jahre 1966 das Reglement es Freshmen noch untersagte, sofort in der normalen College-Mannschaft zu spielen, folgte zunächst ein Jahr in der „Junior Varsity“-Auswahl. Doch auch dies verging nicht ohne eine Duftmarke. In einem Testspiel besiegte die „Nachwuchsmannschaft“ den damals amtierenden College-Champion mit 75:60. Der Grundstein für eine beispiellose College-Karriere für den Riesen aus New York war gelegt.

Die nahezu unbesiegbaren Bruins

Die Dominanz von Alcindor unter den College-Brettern ging selbst den Offiziellen der NCAA schnell zu weit. Das Regelwerk wurde verändert und Dunks verboten, um Abdul-Jabbar ein wenig von seiner Macht zu nehmen. Doch dieser entwickelte durch die vermeintliche Einschränkung eine Bewegung, die noch heute als der am schwersten zu verteidigende Wurf im Basketball gilt: der Skyhook. Dank seiner Körperbeherrschung und der Länge von Körper und Armen gab es weder am College noch in den 20 Jahren NBA jemanden oder etwas, das gegen diese Offensiv-Waffe etwas ausrichten konnte. So gewann Alcindor mit UCLA drei NCAA Titel und wurde zweimal zum besten College-Spieler ernannt. Auch bei dem ersten NCAA Spiel, das im TV übertragen wurde, durfte der Center nicht fehlen. Ironischerweise war Alcindor genau in diesem Spiel von einer Augenverletzung gezeichnet und so verloren die Bruins gegen die von Superstar Elvin Hayes angeführten Houston Cougars. Eine von nur zwei (!!!) Niederlagen gegenüber 88 Siegen, die das Team vom legendären Coach John Wooden in der Alcindor-Ära verzeichnen musste. Es war längst klar, dass Ferdinand Lewis Alcindor Jr. der große Preis beim NBA-Draft 1969 sein würde.

Der Münzwurf

Wie damals üblich entschied ein Münzwurf über die Vergabe des Nummer-eins-Picks und so hatten die Phoenix Suns das Nachsehen gegenüber den Milwaukee Bucks. Noch heute wird in Arizona darüber philosophiert, was gewesen wäre, wenn… Doch dies sind nicht mehr als Spekulationen und so freute sich Milwaukee auf einen College-Spieler, der schon vor dem ersten NBA Spiel absoluten Superstar-Status vorzuweisen hatte. Und er sollte niemanden enttäuschen. Als zweitbester Scorer der Liga mit 28,8 Punkten und zusätzlich 14,5 Rebounds im Schnitt war die „Rookie of the Year“-Trophäe nur eine logische Konsequenz. Hierbei profitierte der Center auch von günstigem Timing, da Über-Center Bill Russell die NBA verlassen hatte und der Stern von Wilt „The Stilt“ Chamberlain mit 33 Jahren zu sinken begann. 1971 erreichte Alcindor mit Star Oscar Robertson an der Seite seinen großen Traum und wurde NBA-Champion, nachdem er ein Jahr vorher mit nur 24 Jahren bereits zum MVP der Liga gewählt wurde. Nach dem Triumph konvertierte Alcindor zum Islam und von nun an zierte der Schriftzug Abdul-Jabbar den für die Körpergröße schmal wirkenden Rücken. Doch auch andere Dinge sollten sich ändern.

Dem „neuen“ Kareem wollte es in den folgenden Jahren einfach nicht gelingen, einen weiteren Titel nach Milwaukee zu holen. Der Superstar wurde unruhig und forderte schließlich einen Trade. Dieser sollte auch folgen, jedoch nicht in sein geliebtes New York, sondern nach L.A. zu den kriselnden Lakers. Zwar wurde Abdul-Jabbar 1976 und 1977 erneut zum MVP gewählt, doch der Team-Erfolg blieb jedoch aus.

Kareem und Magic

Dies änderte sich 1979 als ein über zwei Meter großer Rookie und Point Guard namens Earvin „Magic“ Johnson zu den Lakers kam. Schon im ersten gemeinsamen Jahr wurden sie Meister, was ein angeschlagener Abdul-Jabbar dem Rookie zu verdanken hatte, der im entscheidenden sechsten Spiel der Finals gegen Philadelphia auf der Center-Position mit 42 Punkten brillierte. Bis 1986 blieb Abdul-Jabbar absoluter Lakers-Leistungsträger.

Anschließend musste er dem harten Leben als NBA-Spieler Tribut zollen und das Zepter als Leitwolf an Magic Johnson abtreten. Seine Leistungen hielt Mr. Skyhook aber bis zum Ende der Karriere im Jahre 1989 auf höchstem Niveau. Hierbei soll ihm unter Anderem Yoga sehr geholfen haben. Im selben Jahr wurde er mit 41 Jahren zum ältesten NBA All-Star aller Zeiten gewählt. Die Dominanz, die „Captain Skyhook“ oder kurz „Cap“ ausstrahlte, lässt sich am einfachsten mit der Tatsache beziffern, dass er bei seinem Rücktritt in neun (!!!) Kategorien All-Time Leader der besten Basketballliga der Welt war. Hinzu kommen 19 All Star Nominierungen und jeweils sechs NBA Championships und MVP-Trophäen.

Abseits des Courts

Auch neben dem Basketballfeld wusste Abdul-Jabbar sich zu verkaufen. Er hatte Erfolg mit diversen Büchern und Autobiographien und auch in die Filmwelt von L.A. wusste er sich einzugliedern. So spielte er zum Beispiel in einem Bruce Lee Film und dem Kultklassiker „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ mit. Der große Geschichts- und Jazzfan boykotierte sogar einmal die Olympischen Spiele, um ein Zeichen gegen den Rassismus zu setzen. Eine weitere Leidenschaft war asiatische Kampfkunst, welche ihn im Computerspiel Kung Fu Masters auftauchen ließ. Selbst seine Brille, die er aufgrund von häufigen Augenverletzungen bei Spielen trug, wurde zum Kult.

Doch wie jeder Superheld hat auch Abdul-Jabbar einige Leichen im Keller. So versuchte er zum Beispiel seinen Marihuanakonsum mit Migräne zu begründen. Auch einige der wenigen Verletzungen, die er sich in seiner Karriere zuzog, sind sicher nicht unter Heldentaten zu speichern. Die beiden Handbrüche z.B. resultierten aus dem aufbrausenden Temperament des Centers, der einmal auf eine Korbanlage und einmal auf das Gesicht eines Gegenspielers eindrosch.

Bei seinen Mitspielern waren die sportlichen Leistungen von „Cap“ immer hoch geachtet, doch menschlich haben die wenigsten Wegbegleiter Gutes über Abdul-Jabbar zu berichten. Er galt schon als Spieler als mürrisch und introvertiert, was auch sein Verhältnis zu Presse und Journalisten widerspiegelt. Viele sehen auch hier den Grund für den Mangel an Cheftrainerangeboten für Abdul-Jabbar, der immer eine Karriere als Trainer anstrebte, es aber nie weiter als den Assistenztrainerposten brachte. Auch heute ist er nur „Center-Trainer“ der Lakers und hat z.B. Andrew Bynum unter seiner Fittiche genommen.

In seiner Freizeit bemüht er sich weiterhin, sein „Nörgeler-Image“ aufrecht zu erhalten, indem er sich öffentliche Schlammschlachten mit Scottie Pippen liefert oder sich in den Medien in aller Deutlichkeit darüber beschwert, dass ihm noch keine Statue im Staples Center gewidmet wurde und die Lakers ihm nicht den nötigen Respekt erweisen. Verdient hätte er sie ohne Zweifel und so kann die gesamte Basketball-Welt froh sein, dass er, vor dem NBA-Einstieg, ein Angebot über eine Millionen Dollar von den Harlem Globetrotters ablehnte. Sonst hätte man sich nie die Heldentaten von Ferdinand Lewis Alcindor Jr. bzw. Kareem Abdul-Jabbar erzählen können.

Kareem Abdul-Jabbar
Center (2,18 Meter)
(1969-1989; Milwaukee 1969-1975, Los Angeles Lakers 1975-1989)
1.560 Spiele, 38.387 Punkte (24,6 PpG), 17.440 Rebounds (11,2 RpG), 5.660 Assists (3,6 ApG), 3.189 Blocks (2,6 BpG)

6x NBA Champion (1971, 1980, 1982, 1985, 1987, 1988)
2x NBA Finals MVP (1971, 1985)
6x NBA MVP (1971, 1972, 1974, 1976, 1977, 1980)
19x NBA All-Star (1970-1977, 1979-1989)
10x All-NBA First Team (1971-1974, 1976-1977, 1980-1981, 1984, 1986)
5x All-NBA Second Team (1970, 1978-1979, 1983, 1985)
5x NBA All-Defensive First Team (1974, 1975, 1979-1981)
6x NBA All-Defensive Second Team (1970, 1971, 1976-1978, 1984)
NBA Rookie of the Year (1970)
50 Greatest Players in NBA History (1996)

Captain Skyhook
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
justuskoch
justuskoch 27. Oktober 2011 um 15:37 Uhr

rein aus interesse: kareems stats in seiner letzten saison?

KD35
KD35 27. Oktober 2011 um 15:54 Uhr

MPG:22.9; FG%:47,5; TRB:4.5; AST:1.0; PTS:10.1

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.