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Buyers&Sellers: Das Kreuzverhör

18.12.2016 || 16:36 Uhr von: , ,
Im dritten Teil der Buyers&Sellers-Reihe nehmen zwei basketball.de-Redakteure ausgewählte Fantasy-Trades aus den ersten beiden Artikelreihen ins Kreuzverhör.

In der letzten Woche stellte basketball.de die potenziellen Buyers und Sellers der kommenden Monate vor – samt Tradevorschlägen. Letztere sorgen bekanntlich für Diskussionsstoff.  Die Vergangenheit lehrt uns, dass es immer wieder Tauschgeschäfte gibt, die vorher als Utopie abgestempelt würden. Die Trades von Pau Gasol zu den Los Angeles Lakers oder der Philadelphia 76ers/Sacramento Kings-Deal im Juli 2015 sind nur zwei Beispiele dafür. Richtig oder Falsch gibt es deshalb in solchen Szenarien nicht. Dennoch ist nicht jeder vorgeschlagene Deal, der an der NBA-Trade-Machine möglich ist, sinnvoll. Das entscheidende Kriterium eines jeden Tradeszenarios ist die Begründung. Dieser Aspekt kommt in zwei Artikeln über 30 Teams zwangsweise zu kurz.

Deshalb suchen sich die Redakteure Dominik Chesani und Sascha Kettering fragwürdige Fantasy-Trades des Buyers&Sellers-Artikel aus und nehmen den Autor ins Kreuzverhör.

 

Fantasy-Trade: Tyler Johnson, Josh McRoberts – Rajon Rondo, Michael Carter-Williams

Sascha: Dieser Trade macht so wohl nur für die Bulls Sinn. Sie bekommen einen Point Guard der besser mit Butler & Wade harmonieren sollte und auch besser ins System von Hoiberg passt. Aber was haben die Heat davon, die sich ja auch irgendwie im Rebuild befinden? Rondos Vertrag ist ungarantiert, und MCW wird restricted Free Agent. Aber nur wegen Cap-Space wird nicht einmal Pat Riley diesen Trade machen. Da muss meiner Meinung nach noch ein Pick dazu.

Sven: Ich gebe dir recht, auf dem Papier ist dieser Trade sicher sehr einseitig für die Bulls. Deshalb wird es dich überraschen, dass ich bei diesem Deal eher daran zweifle ob die Chicago Bulls dies mitmachen würden.

Aber der Reihe nach: wenn Pat Riley in der Offseason 2017 keine Wunder vollbringen kann, könnten die Miami Heat eine light-Version der Brooklyn Nets werden. Sollte Chris Bosh in der kommenden Saison 25 Spiele für eine andere Franchise bestreiten zählen ab 2018 rund 46 Millionen für Tyler Johnson und den Power Forward gegen den Salary-Cap. Dazu fehlen den Heat bis 2021 zwei Erstrundenpicks, die sie im Trade für Goran Dragic nach Phoenix verschifften. Das wäre eine desaströse Ausgangslage. Derzeit sehe ich auch nicht, wie Pat Riley einem potenziellen Franchise Player die sportliche Perspektive schmackhaft machen will.

Um Miami in der Offseason attraktiv zu gestalten gibt es aus meiner Sicht nur zwei Möglichkeiten: zum einen könnte ein Trade von Goran Dragic vorraussichlich zwei Maximalverträge ermöglichen. Potenzielle Änderungen im neuen CBA sowie die Playeroptionen einiger Spieler  könnten dies jedoch ändern. Zum anderen wäre ein Trade für einen Topspieler vor der Free Agency denkbar, um danach nur noch einen Free Agent an Land ziehen zu müssen. In beiden Szenarien könnte der Tyler Johnson Deal helfen. Ohne die Verträge von ihm sowie Josh McRoberts würde ein Trade für Dragic garantiert zwei Maximalverträge ermöglichen. Dazu wäre der Vertrag von Rajon Rondo, der 2017/18 eine Garantie von drei Millionen Dollar enthält, gemeinsam mit einem zu erwartenden hohen Draftpick 2017 ein gutes Tradepaket am Draftabend. Denn jedes Team das Rondo bekommen würde, könnte ihn noch bis zum 30.6. entlassen.

Zugegeben, diese Möglichkeiten sind sehr opportunistisch und wären auch nicht meine bevorzugte Vorgehensweise. Die letzten Jahre zeigten jedoch, das Pat Riley genau der Typ dafür ist, auf ein solches All-In-Szenario zu setzten. Sollte dabei noch ein Erstrundenpick herausspringen wäre dies natürlich zu bevorzugen. Ich zweifle jedoch daran, dass Miami für einen Spieler der im Sommer als Restricted Free Agent überbezahlt wurde, einen solchen bekommen kann. Bestenfalls würde ich einen mittleren Zweitrundenpick in Betracht ziehen.

Zuletzt noch zu dem Punkt, warum ich eher aus Sicht der Bulls Bedenken habe: sollte Chicago abgesehen von Dwyane Wade auf alle ungarantierten Verträge sowie Capholds verzichten, hätte die Franchise aus der Windy City selbst genug Gehaltsspielraum für einen Maximalvertrag. Das wäre nach einer Verpflichtung von Tyler Johnson nicht mehr möglich. Chicago war in dieser Hinsicht in den letzten Jahren auch weniger erfolgreich. Wade hat zuletzt jedoch ein klares Statement zur Free Agency abgegeben. Laut eigener Aussage spielt die Beziehung zwischen den Spielern die größte Rolle. Und diese besitzt der Shooting Guard der Bulls zweifellos.

Fantasy-Trade: Bradley Beal – Ersan Ilyasova, Gerald Henderson, Lakers Pick 2017

Sascha: Ob die Sixers wirklich schon soweit sind, ihren Rebuild mit diesem Trade zu sabotieren, sehe ich momentan eigentlich nicht. Bei Beal ist es auch immer eine Frage wie gesund und belastbar er für die NBA ist. Der Lakers-Pick könnte zwar schlechter ausfallen, als die Sixers hoffen. Aber wie gesagt sehe ich eher die Fragezeichen bei Beal und seinem Vertrag. Einen ählichen Spieler, gesund und gerne auch ein paar Mio günstiger, könnte ich mich aber sehr gut als Wunsch-Trade bei den Sixers vorstellen.

Sven: Der Trade für Bradley Beal gehört ehrlicherweise zu meinen Favoriten – für beide Teams. Auch wenn ich bei diesem Vorschlag mit mächtig Gegenwind gerechnet habe. Deshalb finde ich es sehr gut, dass du ihn gewählt hast.

Draftpicks gehören für mich zu den Bausteinen, die sowohl massiv über- als auch unterbewertet werden. Was ich damit meine: es gibt für „normale“ Teams ohne besonderen sportlichen Reiz keine bessere Methode um an einen – besser zwei – potenziellen Franchise Player zu gelangen. Denn Spieler a la Anthony Davis, Karl-Anthony Towns oder Kristaps Porzingis sind auf dem Trademarkt nicht zu bekommen. Die Kehrseite der Medaille ist dafür die Unbekannte, wie sich das Spiel vom College auf die NBA übertragen wird. Während ich in einem Trade oder der Free Agency die NBA-Karriere eines Spielers in der Regel über Jahre beobachten konnte, ist der Sprung vom Studenten zum Basketballprofi auf und abseits des Feldes kaum vorhersehbar. Jahr für Jahr gibt es selbst bei hohen Picks Draftbusts. Dabei sind viele dieser Spieler nicht nur bei dem Team das ihn gezogen hat (wie beispielsweise Anthony Bennett), sondern auch in den Draftanalysen von Draftexpress und anderen Fachseiten hoch gehandelt. Um so tiefer die Position um so unvorhersehbarer das Resultat.

Mit Joel Embiid und Ben Simmons stehen derzeit bereits zwei potenzielle Topspieler im Kader der 76ers. Sollte einer floppen besitzt die Franchise weiterhin die eigenen Picks, die Tauschrechte sowie den ungeschützen Draftpick der Sacramento Kings 2017 bzw. 2019. Also genug Potenzial um ein weiteres Talent mit Starpotenzial zu ziehen. Deshalb gehöre ich zu den Befürwortern eines Deals a la Beal. Ich halte den Trademarkt für deutlich geeigneter um ein Team auf die potenziellen Franchise Player zuzuschneiden. Die Personalien Nerlens Noel und Jahill Okafor sind hierbei gute Beispiele. Gerade für die 76ers ist ihr Wert viel geringer als das Potenzial vermuten lässt. Somit hat das Team zwei ehemalige Top6 Picks, die nicht annähernd einen solchen Gegenwert bringen. Und in zukünftigen Drafts nicht nach Talent, sondern nach Need zu picken ist erfahrungsgemäß auch keine sinnvolle Option.

Philadelphia benötigt vor allem Shooting um Embiid und Simmons. Außerdem sind alle Positionen von der Eins bis Drei unterdurchschnittlich besetzt. Eine Lücke – die auf Point Guard – lässt sich recht gut im Draft 2017 schließen. Hier steht zumindest nach dem derzeitigen Stand eine große Auswahl an guten Einsern zur Verfügung. Deutlich schwieriger sieht es auf dem Flügel aus. Die Small Forward Position ist zwar ebenfalls stark vertreten. Die Stärke der vielversprechenden Kandidaten ist jedoch nicht der Wurf. Auf Shooting Guard sieht es noch düsterer aus. Deshalb sehe ich kein großes Problem darin, den vermutlich schwächeren der beiden Draftpicks für einen Flügelspieler mit Wurf zu opfern.

Doch warum gerade Bradley Beal? Ich gebe dir vollkommen recht, dass ein günstigerer und/oder weniger verletzungsanfälliger Spieler deutlich interessanter wäre. Doch ist solch ein Spieler auf dem Markt? Und was würde ein Zweier a la C.J. McCollum kosten? Ich denke deutlich mehr als der Lakerspick! Selbstverständlich halte ich einen Trade für den Ex-Gators für riskant. Gerade die Tatsache, dass er Gerüchten zufolge nie eine ganze Saison bestreiten kann, ist äußerst bedenklich. Doch für welch ein Team ist ein Spielertyp, der in der Saison zugunsten der Playoffs oft geschont werden muss, am sinnvollsten? Meiner Meinung nach nicht für ein Team wie die Washington Wizards, die ihn als zweiten Star neben John Wall benötigen, um überhaupt die Postseason zu erreichen. Bevorzugen würde ich eine Franchise mit Titelambitionen, die gut genug ist um einen Spieler mit All-Star-Potenzial und 20-25 DNPs zu verkraften. Um solch ein Team zu formen wurde der Prozess gestartet. Denn die 76ers wollen mehr als nur um die Playoffteilnahme mitspielen. Da passt Bradley Beal als zukünftige dritte oder vierte Option gut ins Konzept.

 

Fantasy-Trade: Enes Kanter, Alex Abrines, Cameron Payne – Trevor Booker, Bojan Bogdanovic (nach einem vorherigen Lopez-Trade der Nets)

Dominik: Ich sehe den wirklichen Nutzen für Oklahoma City bei diesem Trade nicht. Klar, sie werden Kanter’s Vertrag los und bekommen mit Bogdanovic einen akzeptablen Schützen, aber dafür geben sie mit Kanter einen guten Offensivspieler und zwei Talente in Abrines und Payne ab, von denen das Thunder Management doch einiges hält.
Dazu wird Bogdanovic im Sommer auch RFA.
Extrem kurzfristig mag sich das Spacing dadurch für OKC verbessern, den langfristigen Nutzen sehe ich hierbei aber weniger.

Sven: Schuldig im Sinne der Anklage! Der Trade gefällt mir aus Sicht der Brooklyn Nets ebenfalls deutlich besser. Für Oklahoma City wären die beiden zwar gute Ergänzungen auf den Forwardpositionen, der Preis dafür ist jedoch sehr hoch – zumindest isoliert betrachtet.

Dennoch habe ich diesen Trade nicht ohne Grund gewählt. Als ich über die Möglichkeiten der Thunder im Artikel der Western Conference grübelte, fiel es mir sehr schwer ein sinnvolles Upgrade zu finden. Selbst wenn Sam Presti wie in den letzten Jahren bereit wäre, weitere Picks zu investieren, fehlen mir die auslaufenden Verträge, die es benötigt, um hilfreiche Spieler au?erhalb der Rookieverträge zu holen. Denn Enes Kanter oder Kyle Singler sind hierbei nicht hilfreich. Die Vertragssituation von Russell Westbrook und der fehlende Capspace 2017 zwingen den General Manager jedoch nach Verstärkungen zu suchen. Ansonsten stehen die Thunder im kommenden Sommer wiederrum vor der Frage, ob sie sich das Risiko erlauben können, ihren Point Guard 2018 ohne Gegenwert zu verlieren. Und mit Rudy Gay, Wilson Chandler, Danilo Gallinari könnten im Februar einige Spieler auf dem Markt sein, die OKC helfen sollten. Der Trade mit Brooklyn würde Sam Presti noch in dieser Saison rund 20 Millionen Dollar Spielraum bringen. Damit könnte jeder der drei oben genannten Forwards – und auch viele andere – gegen Draftpicks in den Cap von Oklahoma City getradet werden.

Fantasy-Trade: Kyle Korver, Tim Hardaway Jr. – Stanley Johnson, Reggie Bullock

Dominik: Ich bin nicht überzeugt, ob dieser Trade den Pistons wirklich weiterhelfen wird. Klar, Korver ist ein exzellenter Schütze, aber auch schon 35 Jahre alt und kein guter Verteidiger. Hardaway Jr. hat sich stabilisiert, nimmt aber immer noch genug haarsträubende Würfe und hat den Ball in seinen Händen, den er aber in einem Team mit Reggie Jackson weniger sehen wird.
Ebenso weiß ich nicht, ob die Pistons schon so schnell bei Stanley Johnson aufgeben sollten. Er stagniert, das stimmt, aber der Spieler ist erst 20 Jahre alt. Er hat gute Anlagen und ich würde an Detroit’s Stelle noch nicht so schnell meinen letztjährigen Erstrundenpick verschiffen.

Wie beim anderen Trade ist mir hier der Unterschied zwischen eventueller kurzfristiger Verbesserung zu langfristiger Verschlechterung zu groß.

Sven: Ich bin selbst ein großer Stanley Johnson Fan und würde ihm deshalb ebenfalls noch Zeit geben. Dennoch muss ich zugeben, dass ich mir in Jahr Zwei deutlich mehr erwartet hätte. Gerade da er körperlich kräftig genug sein müsste, um den Detroit Pistons bereits jetzt zu helfen – zumindest defensiv.

Sources have told CSNChicago.com the Pistons have resisted overtures for Johnson but with the recent developments, expect executives for rival teams to be more aggressive. No one can deny what Johnson can physically bring to the table and if teams view him as an undervalued commodity by the Pistons, things can get interesting with the trade season kicking off December 15.

Bei dieser Tradeüberlegung ist aus meiner Sicht entscheidend, was Stan van Gundy von Johnsons Potenzial hält. Gerade mit Tobias Harris und Marcus Morris auf den Forward-Positionen bin ich mir unsicher, welche Rolle ihm der Coach angedenkt. Denn der 20-jährige ist nicht der Shooter, den van Gundy neben dem Duo Andre Drummond/Reggie Jackson sehen will. Und ähnlich wie bei den anderen Trainer mit Doppelfunktion sehe ich die Gefahr, dass er sich für den derzeitigen Fit und gegen das langfristige Potenzial entscheidet. Der Trade von Donatas Motiejunas gegen den Erstrundenpick 2016 ist ein Indikator für diese These. Der Deal scheiterte nur daran, dass der Litauer die medizinische Untersuchung nicht bestand.

Sportlich würde der Trade mit Atlanta durchaus Sinn ergeben. Auch wenn Tim Hardaway Jr. derzeit seine Dreier nicht gerade hochprozentig trifft, besitzten er und Kyle Korver genug Shooting-Power um die Bank der Pistons deutlich zu verstärken. Gerade neben den ganzen Bigs sowie Non-Shooter Ish Smith wären beide gute Komplimentärspieler in der zweiten Fünf. Die Rotation von Stan van Gundy wäre damit deutlich gestärkt. Dazu ist Hardaway Jr. auch erst 24 Jahre und hat sich seit dem Wechsel nach Atlanta gerade deutlich weiterentwickelt – vor allem defensiv. Als kleines Leckerbissen ist der Shooting Guard an der University of Michigan ans College gegangen. Dies sollte zwar bei der Kaderplanung keine Rolle spielen, solche Kleinigkeiten sind jedoch gerade vor einem Umzug in eine „neue“ Heimstätte aus finanziellen Gründen nicht ganz unrelevant.

Persönlich wäre mir ein Trade von Johnson ebenfalls zu früh. Sollte er bis mitte Februar weiterhin kaum Spielzeit bekommen, könnte ich mir ein solches Szenario jedoch vorstellen.

 

Buyers&Sellers: Das Kreuzverhör
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